Des Geizes Kohns’equenzen

Warum ich Angst vor ausgeprägtem Geiz habe, möchte ich Euch heute erzählen. Es ist eine Geschichte von Kornelius (=Kohns), der immer schon überdurchschnittlich sparsam war. Wir waren alle so um die 20 Jahre, lernten oder studierten, jobbten nebenbei und wohnten alle noch zuhause. Kohns Elternhaus war betuchter als frische Wunden in der Notfallambulanz, er bekam als Banklehrling von uns Allen das höchste, monatliche Entgelt und im Nebenjob das meiste Trinkgeld. Trotzdem brachte er sein Bier immer mit in den Club, bzw. vor den Club und verschwand zum Trinken draußen. Und kennt Ihr den Eintrittsstempelanlutsch-Presskopientrick? Kohns war sein Erfinder.

Irgendwann brachte er aus dem Technikraum der Bank eine Pumpe mit und bestellte uns für den Abend zum Parkhaus bei ihm um die Ecke. Drei große Eimer Benzin – immerhin. Aber dieser Aufwand, die kostbare Zeit am Abend. „Sollten wir nicht lieber an irgendeiner Bar sitzen, Kohns?“. „Und wie kommen wir da hin, Lil‘ MC? Pass lieber auf, dass nichts überschwappt.“. Irgendwann erwischten wir einen Diesel, was keiner merkte. Das Benzingemisch verhunzte fast den kompletten Motor, was Kohns aber irgendwie selbst wieder repariert bekam. Der Benzinklau hörte damit auf, stattdessen wurde er dann Zechpreller.

Wenn immer Kohns mit anderen Leuten (Ausnahme = Familie) essen ging – er bat die anderen Anwesenden nach dem Nachtisch, schonmal rauszugehgen, er würde das mit dem Bezahlen schon regeln. Was er jedoch nie tat, stattdessen aber regelmäßig aus den Toilettenfensternflüchtete. Selten besuchte ein ein Restaurant mehr als einmal. Peinlich wurde es, als er mit einer neuen, zu beeindruckenden Tante essen ging und auf dem Parkplatz gestellt wurde. Er hätt nur das Portemonnaie aus dem Handschufach holen wollen. Seine Mudder!

Zu der Überzeugung, selbst niemals übermäßig geizig werden zu wollen, kam ich an einem Septemberabend Anfang der 90er. In seiner ersten Wohnung meldete Kohns keinen Kabelanschluss an – er klemmte sich stattdessen an die Satellitenschüssel des Nachbarn zwei Stockwerke über ihn. Dazu musste er über ein Fassadengerüst nach oben klettern und dort ein Kabel, welches er säuberlich an die Außenwand des Hauses nagelte, in eine Art Verteiler klemmen. Es entstand ein leichter Wackelkontakt, weshalb Kohns an einem Abend mit Getränken und Ledersohlen erneut das Gerüst bestieg, sich den Fuß einklemmte und stürzte. Die Folge: komplizierter Knöchelbruch und als der Krankenwagen vor der Tür stand, bekam auch der Nachbar Wind von der Sache, sah von einer Anzeige jedoch ab. Da Kohns auf dem Gerüst keinen Versicherungsschutz genoss und nun auch das Krankenhaus anteilig bezahlen musste, hatte sich das mit seinen ganzen Spartricks der letzten fünf Jahre erledigt. Ihr seht: Geiz ist der Vater des Habens. Aber satt geworden ist vom Geiz noch niemand. Haut raus!

Kommentare

12 Antworten zu “Des Geizes Kohns’equenzen”

  1. Scholli sagt:

    ‚Überdurschnittlich sparsam‘ ist jetzt aber sehr euphemistisch ausgedrückt, lieber Herr Winkel.

  2. MHW sagt:

    Raushauen gefällt mir,mein Ding, ebenso die story.

  3. Chrissy sagt:

    *g* Er wusste halt, dass er irgendwann viel Geld braucht :D

  4. Aquii sagt:

    Mir stellt sich jetzt die Frage, in wie vielen Restaurants…. na, Sie wissen schon ;)

  5. Flo sagt:

    Geht er bei Saturn einkaufen?

  6. Denzel sagt:

    der beste satz gleich im ersten absatz:

    Kohns Elternhaus war betuchter als frische Wunden in der Notfallambulanz

    sensationell! ^^

  7. MadStan sagt:

    Spartricks ist wohl der falsche Begriff. Betrug triffts genauer! Aber da sieht man mal wieder, was den Banker das Eigentum anderer bedeutet :) Naja, sehr pauschalisiert … sorry!

  8. honki sagt:

    Fehlt eigentlich nur noch das der Junge „containert“, sprich sich aus den vollen Müllcontainern diverser Discounter bedient.

    Aber so geizig zu sein ist doch eigentlich nur anstrengend, die ganze Zeit und die Mühen die man investiert um mal hier und dort ’nen Zehner zu sparen. Solche Menschen sollten sich mal überlegen welchen Stundensatz sie als Selbstständige ansetzen würden und das damit aufwiegen. Dann hört der Geiz schnell auf.

    Wie immer sehr schöne Story, wenn auch diesmal nicht so amüsant, aber muss ja auch nich‘ ständig.

  9. Erdge Schoss sagt:

    Genau, werter Herr Winkelsen, raushauen – weil’s raus muss!

    Heute: Fahnenmasten (6,95 hoch) – und ab dem vierten Mast
    gibt’s eine Flasche Kellergeister dazu. Gratis!

    Wieder an die übliche Lieferadresse?

    Herzlich
    Ihr Schoss

  10. Till sagt:

    Wahre Worte!
    Geld muss fließen…

  11. MC Winkel sagt:

    @Scholli: Finden Sie? :)
    @MHW: Immer weg damit, oder?! Hehe… Hast Du den Bueller-Link entdeckt?!
    @Chrissy: Hat er also gut gemacht, sagen Sie?
    @Aquii: Also es gibt vier, von denen ich weiß. Wieso?
    @Flo: :)
    @Denzel: Also mir gefallen alle Sätze! :)
    @MadStan: Alles eine Frage der Persönlichkeit. Kohns ist ja nicht alle Bänker, nä! (Eigentlich war er sogar recht wenig „Bänker“ – die verstehen es nämlich, hart zu feiern + rauszuhauen! :)
    @honki: Da sagst Du was – und hast natürlich wie immer recht! :) (Und ja, es gab hier wirklich schon Lustigeres!)
    @Erdge Schoss: Für mich dann 8, also 2 Flaschen! Die Fahnenmasten können Sie dann aber innerhlab meines 14tägigen Rückgaberechtes wieder abholen, damit das schonmal klar ist. :)
    @Till: Get money, get paid! And how rouse! :)

  12. Chrissy sagt:

    @MC Winkel: Gut gemacht eventuell vielleicht nicht, aber vielleicht besitzt er hellseherische Fähigkeiten..

    … moment… dann wäre er nicht vom Dach gefallen.

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