Denzel Curry & Kenny Beats – ii // Die Rückkehr zur analogen Härte

Sechs Jahre nach dem von Kritikern gefierten Meilenstein UNLOCKED kehren Rapper Denzel Curry und Produzent Kenneth Blume (ehemals Kenny Beats) mit ihrem Nachfolger ii zurück. Die Entstehungsgeschichte des Werks zeigt jedoch deutliche Spuren visueller und musikalischer Reibung, beide Künstler schlugen nach 2020 völlig verschiedene Pfade ein. Curry gründete die Rockband The Scythe, tourte mit Deftones und wandte sich dem Hardcore zu.
Blume wiederum legte seinen alten Künstlernamen ab, produzierte für Indie-Größen wie IDLES oder Geese und erweiterte seinen Horizont weit über Hip-Hop hinaus. Das Plattenlabel berichtet von tiefen Meinungsverschiedenheiten während der Produktion. Doch genau aus diesem Streit entsteht die Dynamik des Albums. Sie reduzierten ihr Equipment bewusst auf ein Minimum: Eine einfache SP-404 Beatmachine und ein billiges Mikrofon ersetzten das gewohnte High-End-Studio. Das Resultat ist ein rohes, unpoliertes Werk mit neun extrem aggressiven Songs.
Denzel Curry x Kenny Beats – ii // Abrechnung mit Scharlatanen
Denzel Curry nutzt die reduzierte Soundkulisse für messerscharfe Zeilen. Auf dem Track GONE FISHING greift er gescheiterte Blender der Szene frontal an. Er verwandelt die Aufnahmekabine in eine düstere Gaskammer und bezeichnet sich selbst als „Gorilla im Nebel“. Die Bässe wirken schmutzig, während Curry spöttisch auf Möchtegern-Rapper herabblickt, die am Ende nur verbitterte Fans auf den Rängen blieben. Noch kompromissloser klingt COLD NIGHT IN HELL. Hier erinnert Curry daran, wie er Weggefährten auf Tour mitnahm, die ihre eigene Rolle völlig überschätzten; wer einst als nächster Star galt, arbeitet heute als Tellerwäscher. Selbst prominente Feature-Gäste fügen sich nahtlos in diese bedrohliche Stimmung ein. JPEGMAFIA liefert auf EVIL GRIN einen verstörenden Verse ab, der wie eine düstere Predigt wirkt.
Der Preis des Erfolgs
Neben den Attacken gegen externe Feinde blickt Curry tief in sein eigenes Seelenleben. PRODUCT beleuchtet die Schattenseiten des Ruhms. Der Rapper beschreibt sich als ein Produkt seiner Herkunft aus dem Viertel, er rappt über den Druck, Neid und finanzielle Verflechtungen, die ihn zunehmend belasten. Anstatt einen Therapeuten aufzusuchen, verarbeitet er den Schmerz direkt am Mikrofon. BENJAMIN schlägt in eine ähnliche Kerbe, fokussiert sich jedoch auf die ewige Gier nach Geld. Trotz massiver Wortspiele und comichafter Vergleiche bleibt ein bitterer Nachgeschmack zurück. Kenneth Blume untermalt diese Selbstreflexionen mit zersägten Soul-Samples und harten Drums. Die Co-Produzenten um Leon Michels und j.robb ergänzen Blumes Vision, ohne den minimalistischen Grundton der Platte zu stören.
Hochkarätige Features und düstere Bilder
Ein musikalisches Highlight bildet der Song CROWN zusammen mit Westside Gunn. Der Rapper aus Buffalo eröffnet den Track mit gewohntem Luxus-Talk, spricht von Designer-Koffern und Schaumbädern in den Bahamas. Denzel Curry kontert diese Weltsicht umgehend, er betont, dass er Shows ausverkauft, ohne jemals seine Seele verkauft zu haben. Auf DIFFERENCE sorgt Sängerin Yebba mit einer melancholischen Gesangseinlage für einen der wenigen ruhigen Momente. Auf CANDLELIGHT zollt Curry der verstorbenen Eartha Kitt Tribut, wenngleich der Song gegen Ende etwas den Fokus verliert. Dennoch beweist das Album insgesamt eine enorme Dichte. Aus Streitigkeiten und minimalistischer Technik haben Curry und Blume ein kompromissloses Stück Rap-Kunst geschaffen.


