Denyo – „Derbe“ (Review + Full Album Stream)

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Wenn einer sein Album „Derbe“ nennen darf, dann ja wohl ganz klar einer der Erfinder dieses Wortes, bzw. der Etablierer, der diese Vokabel aus der Hamburger Hoheluftchaussee in die weite Welt gebracht hat. Die Beginner haben „derbe“ als Adjektiv in den 90er Jahren komplett neu konnotiert, ursprünglich bedeutet derb oder derbe sowas wie fest, grob oder hart, seit der Mongo Clikke ist derbe aber eher eine Bezeichnung für die höchste Form einer Kombination aus Freshness & Dopeness. Ein Überwort, ein Superlativ, noch positiver besetzt als heftig oder zornig.

Und hier ist es nun, „Derbe“, das brandneue Album von Denyo, der zwischendurch auch mal Denyo77, Dennis Duplate oder eben Dennis Lisk hieß/heisst. In den letzten Monaten haben wir so einige Künstler aus der erste Generation Deutschrap erlebt, die es jetzt noch einmal wissen wollen. Große Teile der Redaktion kommen, zumindest was die musikalische Sozialisierung betrifft, ebenfalls aus dieser Generation, weshalb es uns natürlich mit großer Freude erfüllt, wenn Künstler wie Nico Suave oder auch ein MC Rene mit neuen Releases aufwarten.

Von Denyo hat man jetzt wirklich schon etwas länger nichts mehr gehört, zuletzt brachte er ein Singer/Songwriter-Album raus („Suchen & Finden“, 2009), engagierte sich bei den Brothers Keepers und er machte als Host der VOX-Show „Cover my Song“ auf sich aufmerksam. Außerdem gibt es da doch immer noch die Beginner-Pladde, auf die Rap-Deutschland nun schon gefühlte zwei Dekaden wartet, die auch immer wieder angeteasert und dann verschoben wird, … aber bestimmt bald kommt. Ich habe vor ein paar Tagen das komplette Backspin-Interview mit Denyo gesehen (hier unten haben wir es noch einmal, bitte unbedingt gucken!) und ich habe fast die ganze Zeit zustimmend genickt. All der Struggle, den Denyo hier beschreibt, die Entwicklung des Deutschrap, die Schwierigkeiten, mehr oder weniger der Schatten des Jan Delay zu sein (oder eben dafür gehalten zu werden), sein künstlerischer Anspruch – alles Dinge, die ich zu 100% nachvollziehen kann.

„Derbe“ ist ein erfreulich modernes, unaufgeregtes Deutschrap-Album, wie ich es so überhaupt nicht von Denyo erwartet hätte. Der Mann hat sich derbe weiterentwickelt. Er ist eben dieser musikalische Nerd, der sich gerade im Bereich der Beat-Produktionen von unterschiedlichsten, meist eben modernen Stilen hat inspirieren lassen. Das macht das Album jetzt zu keiner weiteren Boombap-Pladde, die man sich als Beginner-Fan vielleicht gewünscht hätte, was aber überhaupt nichts ausmacht. Ganz im Gegenteil, mir gefällt Alles, was ich von „Derbe“ im Vorfelde gehört habe und auch nach dem ersten Durchhören des gesamten Albums bin ich hochzufrieden. Als Beginner-Fan, als Deutschrap Native, einfach als Fan von guter Musik. 10 Tracks sind es geworden, die Features kommen von Jan Delay, Sido und Torch. Hier unten der komplette Stream, alle bisherigen Videos und das besagte Interview. Derbe ist derbe.

Tracklist:

1. #Derbe
2. Kein Bock (feat. Jan Delay & Sido)
3. Gegenwind
4. Space Jam
5. Hübsche Frauen
6. WrkHrd
7. Papa Denyo feat. Torch
8. Reloaded
9. Elbtunnelblick
10. Urlaub im Grünen

Videos:

#Derbe

[youtube]https://youtu.be/PKKhqBJ13o0[/youtube]

Kein Bock:

[youtube]https://youtu.be/4BNVsmmxSZA[/youtube]

Gegenwind:

[youtube]https://youtu.be/sSXYpqWPQP0[/youtube]

Interview: Denyo x Backspin

[youtube]https://youtu.be/YoQygBv5Pxo[/youtube]

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=Q_UmnZYUrdw[/youtube]

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=gVFpEsKh0lY[/youtube]

[youtube]https://www.youtube.com/watch?v=w5gmzz3bZnM[/youtube]

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