Clinton Smooth und der laufruhige Philyblunt auf der Kieler Woche 2008

Momentan läuft in meiner lauschigen Landeshauptstadt ja wieder die Kieler Woche. Wie seit 20 Jahren endete der legendäre Holstenbummel recht spät und als ich mich auf der Suche nach einem Taxi auf den Heimweg begab, wurde ich von zwei jüngeren Bäumerollern angesprochen. Die beiden schienen ernstahft besorgt zu sein, auf ihren aktuell vorherrschenden Alkoholrausch kein zusätzliches Haschisch mehr zu bekommen. Auch wenn man mich sonst eher als manierlich seriösen Vorzeigegentleman mit leuchtenderer Etikette als in Matratzenläden kennt – was wäre ich nur für ein Unmensch, wenn ich hier nicht auszuhelfen versuchte.

Die beiden Feldfruchtcooperator kamen auf mich zu und als ob es in ganz Kiel keinen offensichtlicheren Drogenvermittlungsbeauftragten gäbe, sprachen Sie mich an. „Alter, Du musst uns sagen, wo wir jetzt noch anständiges Gras bekommen!“. Die beiden waren schätzungsweise 15, 16 Jahre alt und von der Pubertät noch nicht ganz in Ruhe gelassen worden. Der Eine hatte Akne wie Engelke und der Andere war auch nicht viel größer. „Jungs, wenn ich Euch recht verstehe, ist hier die Rede von anständigem Gras, stimmt das? Also nicht so ein dahergelaufener 0815-Straßenbobbel, ihr wollt schon exquisites Kohlgemüse, direkt aus den jamaikanischen Hanfplantagen in Alaska – gehe ich da recht in der Annahme?“. Die beiden guckten sich an. Vielleicht auch aneinander vorbei oder durch sich hindurch, die Augen schienen fehljustiert; aber die Gesichter waren für eine Moment parallel zueinander aufgestellt. „Äh, ja. Genau das suchen wir!“. „Fein, dann kommt mal mit, ich zeige Euch, wo ihr das bekommt! Muss aber wirklich unter uns bleiben, ist ein absoluter Geheimtipp!“. „Klar. Kein Problem.“.

Ich marschierte mit den beiden Richtung Bergstraße. Hier bekommt man jederzeit ein Taxi und als ich selbst noch gelegentlich tetrahydrocanabinolierte von Bekannten hörte ich, dass es hier tatsächlich immer Leute mit vollaromatisierten Hosentaschen gibt; und ich rede hier nicht von Flatulenz-Patienten. „Also, da wären wir. Passt auf: ihr geht jetzt da vorne in den Laden namens Tucholsky. Dort haltet ihr Ausschau nach dem glatzköpfigen Türsteher mit schwarzer Bomberjacke.“. Nicht, dass ich auch nur irgendeinen Angestellten eines der Clubs in der Bergstraße kennen würde, aber 90% der Türsteher tragen nunmal Glatze und schwarze Bomberjacken, weltweit. Vielleicht auch 95%. Und Südamerika mal ausgenommen, da ist es ja immer viel zu warm. Für Bomberjacken. „Wenn ihr den seht, sagt ihm schöne Grüße von MC Winkel und fragt nach Clinton Smooth.“. „Clinton … Smooth?“. „Ja, Clinton Smooth. Das ist ein buckliger Pyrinäe mit unterschiedlichen Augenfarben.“. „So wie David Bowie?“. „Nein, eher so wir R2D2. Wenn ihr den gefunden habt, sagt ihm den Geheimcode.“. „Wie geht der Geheimcode?“. „Stickyjicky Philiblunt! Verstanden?“. „Ich denke schon. Also Clinton Smooth hat das Dope?“. „Nicht nur irgendein Dope, Freunde, das beste Dope der nördlichen Hemisphäre. Schöne Grüße!“. „Danke, Mann!“.

Ein Königreich für das Gesicht des kahlen Türsteherers in Bomberjacke, den zwei postpubertäre Weidefläschenschwadroneure am Sonntag Morgen um 5.00h nach Clinton Smooth fragten. Stickyjicky Philyblunt!

Kommentare

33 Antworten zu “Clinton Smooth und der laufruhige Philyblunt auf der Kieler Woche 2008”

  1. Andre sagt:

    Oh, das hätte ich gerne mitbekommen – in der Eggerstedtstraße war Herr Winkelsen allerdings nicht zu entdecken, nur bei United Four :-)

  2. Westpfalz-Johnny sagt:

    Falls Du um diese Uhrzeit noch die Ray-Ban auf hattest, bist Du da womöglich sogar als perfekter Drogenvermittlungsbeauftragter durchgegangen.

  3. Jerry sagt:

    Solche coolen Stickyjicky Philyblunt! Partys erlebt man
    nur mit Winkel. Schade, dass wir uns nicht gemeetet haben.
    Bergstreet war nie mein Ding: Dark, black, muffelig, unheimlich-
    irgendwie Cobain ig….Tja.

  4. schaezle sagt:

    *muha* köstlich!
    Ich bin ja kein Kielkenny äh, Kielkenner, aber dass der mieseste Laden dort das Tucholsky ist, weiß selbst klein Schwabenschaezle. Dass man in der Kieler Woche auf der Heimreise noch fähig ist, innerhalb zweier Sätze „Clinton Smooth“ UND „Stickyjicky Philyblunt“ fehlerfrei zu artikulieren, lässt in mir allerdings leichte Zweifel an Ihrer Geschichte aufkeimen.^^
    (Ich selbst versuchte derweil in einem südlicheren Teil Deutschlands in korrektem Oxford Englisch „gynaecologist“ lautzubilden.)

  5. Finja sagt:

    *gnihi* recht so!

  6. chilibean sagt:

    *lach* Jetzt hätte ich grad fast den letzten Schluck Kaffee über den Laptop geprustet… Das Gesicht hätte ich auch zu gerne gesehen. :-)

  7. Gürtel sagt:

    hehe, sehr geil. wo warst du denn plötzlich?die ganze zeit im vinyl? herrlicher start. heut wieder? ;-)

  8. Jo sagt:

    Wieso? Das weiß doch jeder das „Stickyjicky Philyblunt“ das Codewort ist um bei Clinton Smooth illegale Drogen zu bekommen. Verstehe nicht, was hier an dieser Stelle zu ihrer Belustigung beiträgt. Allerdings hätten die beiden jungen Herren nur mit dem Codewort „Play-the-game-Mary-Jane“ den besten Stoff der nordlichen Hemisphäre bekommen. Schade…
    P.S.: Taxi? Was ist denn mit den ehrgeizigen Fahrradplänen passiert?

  9. Kiki sagt:

    Für „lauschige Landeshauptstadt“ dürfte eine Nominierung für mindestens einen der ca. zweimillionen Literaturpreise dieses Landes im Bereich des Möglichen liegen.

  10. haze sagt:

    Hi Hi….gut gemacht!

  11. Thomas sagt:

    *lol*

    … dabei weiß doch jeder, dass er Clinton Sparks heisst. Die Jugend von heute, d’oh!

  12. MC Winkel sagt:

    @ Scholli: Ich Schlimer, ich!
    @ Andre: … doch doch, da war ich; wenn auch nur kurz. War bevorzugt im Vinyl. Aus Gründen. :)
    @ Westpfalz-Johnny: Neee, die war nicht mit dabei. Aber ich verstehe Deinen Punkt. :)
    @ Jerry: Hätt’st mal durchrufen können, Jerrson! Waren überall!
    @ schaezle: Naja, so lupenrein klappte das nicht mehr. Aber den Zweien hätte man eh ALLES erzählen können!
    @ Finja: Oder? Ich sorge für eine drogenfreiere Jugend!
    @ Chilibean: Aufpassen. Und: Danke.
    @ Gürtel: Jo, auch wenn dort eine höhere Luftfeuchtigkeit als im australischen Dschungel vorherrschte. C. war gut drauf (viele Grüße! :)), gab noch einige Drinks. Heute: nein! :)
    @ Jo: Ähh, wegen meiner Wade. Hab‘ in letzter Zeit so Wadenkrämpfe. Muss aufpassen. Und so. :)
    @ little-wombat: :)
    @ Kiki: Bund oder Land? :)
    @ haze: mos def!
    @ Thomas: … dachte ich mir auch. Die spinnen wohl. :)

  13. John Doe sagt:

    Pyrinäe? Ein Kleinwüchsiger aus der Gascogne?

  14. YggY sagt:

    Göttlich! – MC, du bist mein Meister. Von dir kann man noch so einiges lernen =)

  15. FrauvonWelt sagt:

    Das hat Tucholsky nicht verdient. Nein, das hat er nicht verdient. Das nicht.
    Ich bin erschüttert. Restlos. Habe mir gerade das Tucholskycenter angeschaut.
    Warum tut Mensch sowas? Und was bitte ist ein Xuxu mit Schuss?

  16. Manniac sagt:

    Und was raetst Du Leuten, wenn sie nach diesem Gras fuer Haarwuchs fragen?

  17. Herr Winkelsen. Sie sind gemein. Ein ordentlichen Schlag an den Hals hätte es doch auch getan :-)

  18. Herr Schmidt sagt:

    War der Taxifahrer denn dieses Mal freundlicher zu Ihnen, Herr Winkelsen?

  19. Kaal sagt:

    Ich wusste gar nicht, dass es in Alaska jamaikanische Hanfplantagen gibt. Ich dachte immer Onkel Dagobert hätte da nur Gold geschürft. Wieder ist eine kindliche Unschuld dahin. :)

  20. hoeller sagt:

    Sehr lustig! Vermisse ja ehrlich gesagt einen Auftritt von Büro am Strand zur Kieler Woche…. hoffe es klappt nächstes Jahr!

  21. 500beine sagt:

    clinton smooth
    hab ich mir 1mal
    in die augäpfel
    reingeraucht –
    alle wetter!

  22. denzel sagt:

    Na klar sind „Büro am Strand“ auf der Kieler Woche, Höller!
    HIER GUCKEN!

    Also ich zieh‘ mir das rein!

  23. MC Winkel sagt:

    @ John Doe: Sie kennen Ihn?! :)
    @ Yggy: … späte Erkenntnis! Aber immerhin… :)
    @ FrauvonWelt: Naja, dieser Erdberrquatsch mit Vodka, nehm‘ ich an. Und ja, werte FrauvonWelt – Sie haben recht. DAS hat er nicht verdient.
    @ Manniac: Naja, die sollten sich mal ‚was schämen!
    @ Frau Ährenwort: das wäre dann aber ja nicht so lustig gewesen…
    @ Kaal: Sorry, dass ich Ihnen diese Illusion nehmen musste…
    @ Hoeller: S.u., denzel. Aber hier nochmal: NA KLAR SIND WIR DA! Komm vorbei!
    @ 500: Zum Glück hat er anschließend Solingen verlassen!
    @ denzel: Danke für’s Aushelfen! Und: bis Samstag!

  24. Herr T. sagt:

    Zitat aus dem Winkelsenschen Link: „Gut geeignet für Kinder und Jugendliche“

    Also, Benehmen ist angesagt.

  25. Cara sagt:

    Die Kiel-Fähre, MC, an die erinnere ich mich.
    Aber das ist auch schon wieder zig Jahre her.

  26. […] Winkel und seine Texte: – Clinton Smooth (link) – Hattrick (Teil 1, Teil 2) – Bonnie Crawford 22o (link) – Sirupfäden (link) – Mathias Winks vs. […]

  27. exKieler sagt:

    Sie haben euch ans OSTUFER abgeschoben? … Das geht ja gar nicht! GaardenGhetto(TM) mag ja ins HipHop-Klischee passen aber zu BaS?
    Ohne Fettnäpfchen (http://www.whudat.de/?p=1362#comment-406267) wär ich auch dabei … aber wenigstens hats mich nicht so hart getroffen wie chlii (http://www.whudat.de/?p=1362#comment-406965) ;-))

  28. Touri320 sagt:

    jau,.. tucholsky, das ist ja mal nen laden, da waren wir während meiner zeit auf der gorch fock öfters,… , man man man

  29. Markus sagt:

    Ich bin enttäuscht, MC! Wo bleibt denn der versprochene „Shout out“ fürs Freibier?! ;) Am Sa. würd‘ ich mir gerne Ihren Auftritt anschauen, nur leider muss ich wieder arbeiten…

  30. […] MC Winkel sich Späßchen mit zugedröhnten Jugendlichen machte, war der Onkel schön Fussi gucken an der Hörn. Bei einem […]

  31. HinRichter sagt:

    Das EINZIGE, VÖLLIGE und TOTALE Gras ist das gute Amnesiahaze. Amnesie und Debilität in Kräuterform. Unbeatable. Unstoppable.

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