Akhtar III – Stäbchen und Strohhalm

Ja, das hier ist der dritte und letzte Teil der AkhtarTrilogie. Man muss die ersten beiden Teile nicht zwingend gelesen haben, ich fasse kurz zusammen: Ich 1999, persische Tante kennengelernt, beschissenes disharmonisches Date aufgrund großer Schweigsamkeit Ihrerseits. Beim zweiten Anlauf den alten Freund Hansen mitgenommen, welcher leider zuvor bei der besten Freundin der Perserin massiv negativ aufgefallen ist. Ich finde mich also bei Akhtar und ihrer besten Freundin Özlem in der Wohnung wieder.
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Fragt mich nicht, was es zu essen gab. Es war immerhin kein Rosenkohl, dafür waren aber Champignons dabei, Platz 2 auf meiner IchBinEchtNichtKrüschAberDieseDreiSachenMagIchNicht-Liste. Kartoffeln waren auch noch dabei – und eine Scheibe Schweinskeule. Dazu gab es Jägersauce. Ah, jetzt weiß ich auch wieder: es gab Jägerschnitzel. Sehr rustikal. Damit hätte ich in Anbetracht der Bekochung durch zwei Frauen aus mehr so orientalischen Gefilden nicht zwangsweise gerechnet. „Das ist ja lustig. Grad‘ kein Ramasan, hm?“, grinste ich leicht gönnerhaft in mich hinein und holte die Holzstäbchen aus der Papierverpackung. Von den Damen zunächst ein Schweigen, aber das kannte ich ja bereits. „Nur zwei Stück. Für dich und deinen Freund, der ja leider früher gehen musste.“. „Zum Glück!“, fiel Özlem ihrer Freundin ins Wort und stürzte noch einen Raki hinunter. „Wir haben schon gegessen. Sushi. Der Wasabi war diesmal nicht ganz zu scharf!“, freute sich Akhtar und nahm auch noch so einen Anisschnaps.

Ich staunte. Da hatte man mir also ein typisch deutsches Essen serviert, sich nachträglich über asiatische Meerrettich-Kultur informiert und wenn das nicht bis jetzt schon mehr als zwei dutzend Worte waren, dann fress ich Hansen! Vielleicht ist ja an dem Gerücht, dass die Abende mit geringster Erwartungshaltung die Besten werden würden, tatsächlich etwas dran. Immerhin besoffen die Damen sich bereits und Özlems Oberkörper sah im Schatten des Kerzenlichtes wie die Niederlausitz aus. Mein Holsten hatte ich mir selbst mitgebracht und auf die THC-Kekse könne man am Pfingstmontag auch immer noch zurückgreifen. Akhtar redete wie ein Wasserfall, sie war aufgetaut wie das Stück See über einem Eingebrochenen. Ich war bester Dinge. Wenn Hansen mich jetzt hier sehen würde – die Shisha in der Rechten, ein vielleicht etwas zu arg einparfümiertes, dafür aber sturzbesoffenes Oriental-Doppel in der Rechten, noch drei Holsten im Kühlschrank und Hamburg hat auch wieder auswärts gewonnen. Würde auf dem Damaskus-Teppich nicht dieses Stück Kümmelkuchen stehen (womit wir bei meinem Platz 3 o.g. Liste angekommen wären), könte das hier wirklich der Himmel sein! Bis eins.

Ein Uhr. Und eins geschah. Einer klingelte nämlich, bzw. zwei. Wenn nicht drei. Oben angekommen erkannte ich: fünf. Vielleicht sechs, ich weiß es nicht mehr genau, es geschah alles ziemlich schnell. Ich hatte in der Grundschule mal ein paar Stunden Plattdeutsch-Unterricht, was ich bei einem Einstellungstest trotz lange erreichter Volljährigkeit einmal als „weitere Freundsprache“ angab und das ernst meinte. Und wenn nicht ganz ernst, dann mindestens humorvoll; was die Hoffnung auf Anstellung in diesem eher konservativen Familienunternehmen nicht unbedingt vorantrieb. Was aber auch egal war (empörend kurze Pausenzeiten!). Türkisch hingegen lernte ich nie und so kam es, dass das Einzige, was ich von den fünf (oder sechs) sehr aufgebrachten Herren deutlich verstand, ein Fausthieb aufs rechte Jochbein war. Vierzehn Tage Tütensuppe, ich sag Euch das. Dem Wunsch der Herren, keiner der beiden jungen Damen noch einmal unter die Augen zu kommen* kam ich sicherheitshalber nach. Und so endet eine weitere, tragische Nonscoringgeschichte aus dem Leben des Lil‘ MC. Aber Hamburg wurde noch Dritter.
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[*= an dieser Stelle freiwillig auf Metapher verzichtet.]

Kommentare

24 Kommentare zu “Akhtar III – Stäbchen und Strohhalm”

  1. mee sagt:

    Au backe, das endete ja echt heftig. Dachte man, dass so was nur im Film vor kommt …

  2. Der war ja dann gar nicht so doof, der Hansen…

  3. Pssst! sagt:

    und hansen hat dir dann die wunden geleckt, oder? *g*

  4. Thomas sagt:

    Vergleiche sind keine Metaphern. Das sollte man vielleicht wissen wenn man das schwerpunktmäßig betreibt. Vergleiche sind einfacher als den Nagel auf den Kopf zu treffen.

  5. tarek sagt:

    … und ich hatte die Frage nach Platz 3 schon vorformuliert! :)

    @Thomas: Und wieso maßt Du Dir an zu wissen, ob Winkelsen hier eine Metapher oder einen Vergleich setzen wollte? Kannst Du Hellsehen? Wenn ja, dann teile mir doch bitte die Mittwochslottozahlen mit. ^^

  6. Und wie ich Dich kenne, tröstet Dich nach jeder Nonscoringgeschichte auch brav ein Mädel. Bevorzugt ganz platt.

  7. singhiozzo sagt:

    MC, das war aber auch der übelste Anfängerfehler. Du kannst dich doch nicht mit orientalischen Miezen in DEREN Wohnung treffen. Kannst froh sein, dass die Jungs dir nur das Jochbein massiert haben! :-D

  8. feronia sagt:

    Autsch, dumm gelaufen würde ich sagen. Da ist Hansen ja doch der glücklichere in der Geschichte!

  9. Herr Schmidt sagt:

    Ich würde ja sagen „Ich hab’s kommen sehen“, hab ich aber gar nicht.

  10. FrauvonWelt sagt:

    Sehen Sie es als Gewinn, werter Herr Winkelsen. Oder hatten Sie etwas zu verlieren?

    Herzlich und on the right side
    Ihre FrauvonWelt

  11. MC Winkel sagt:

    @mee: Naja, so ein Bax in Ehren… :)
    @Not quite like Beethoven: Player since 1975. :)
    @Pssst!: Nein. Aber Hansa_plast! :)
    @Thomas: *lol* Für Dich den Pokal „Klugscheisser des Monats!“. Sogar in gold!
    @tarek: Lass den mal. Ist halt Montag. :)
    @ChliiTierChnübler: Ich komme auch ohne getröstet zu werden meistens ganz gut aus! :)
    @singhiozzo: Waren zum Glück auch noch andere Zeiten. Heute hätte ich vermutlich direkt etwas Scharfkantiges in die Niere gesteckt bekommen. :)
    @feronia: Jaja, wie so oft! Leider! :)
    @Herr Schmidt: Was hast Du gedacht, wie es ausgeht? Doch nicht etwas, dass ich noch score?! :)
    @FrauvonWelt: Tu‘ ich doch, werte FrauvonWelt! Und Hamburg hatte ja auch gewonnnen. Sogar auswärts!

  12. max i sagt:

    „Özlems Oberkörper sah im Schatten des Kerzenlichtes wie die Niederlausitz aus“

    häh?!?
    verstehe ich nicht, lasse mich aber gern aufklären.

    wieso niederlausitz?
    wie sieht denn deiner meinung nach die niederlausitz aus? hügelig? bergig? oder doch platt, wie sie nunmal größtenteils ist?
    dann weiß ich nicht, was daran so toll sein soll, dass ihr oberkörper im kerzenlicht platt aussieht. dass sie sich freiwillig einen reinlöten, okay, ziemlich nice. aber dass sie (özlem) oben herum aussieht wie das größte zusammenliegende flachlandgebiet deutschlands (übertrieben, i know… ), finde ich weniger antörnend.

    von welcher niederlausitz sprichst du?

  13. setann sagt:

    und wieso gewinn ich hier nie was?? der goldpreis liegt bei ca. 20 euro/gr., sollte der pokal „klugscheisser des monats“ groß sein, werde ich mich in zukunft bemühen!

    bis dahin werde ich hier weiter meine traumatas verarbeiten….
    mein letztes disharmonisches „date“ begann damit, dass der nette onkel meinen bis dahin sehr entspannten geprächspartner in einer ganz netten disko unbekannterweise und ungefragterweise einen grooßen „dingens“ unterstellte…“eyyy, der hat doch bestimmt einen megadingens!“super einstieg, fand ich!
    nachdem dieser, mit oder ohne großen „dingens“ (soweit wollte ich bei dem ja gar nicht kommen, das zu überprüfen) entsetzt das weite suchte, lud mich der dezente onkel noch zu sich nach hause ein zum weitertrinken ohne sex.
    fünf meter vor seiner wohnung teilte er mir mit, dass er wohl doch eine freundin hätte…gutes timing fand ich.
    da ich, wenn ich weggehe immer trinke (also total betrunken bin) um am nächsten morgen immer und vor allem egal worum es geht, behaupten zu können: „ich konnte nix dafür, ich war betrunken“ ging ich, nachdem der taxifahrer eine münze geworfen hatte, ob ich überhaupt mit hochgehen dürfte, sogar tatsächlich mit.
    daraufhin durfte ich mir ein lasziv hochgezogenes t-shirt auf seinem sofa begutachten- oder war es der bauch den ich begutachten sollte?
    er begann eigene gedichte zu.. naja, zitieren.( das wäre so, als wenn du einer mitgenommenen puppe deine eigene musik vorspielen würdest um sie zu beeindrucken, das geht gar nicht!)
    seine größte sorge war, dass ich sein neuestes handy mitnehmen könnte. was waren das für interessante gespräche morgens um fünf…!
    kurz landete ich sogar in seinem bett. keine ahnung, ob es an meinem aussehen lag, aber er löschte sofort das licht.
    und da ich ständig das gefühl hatte, eine klingelt gleich oder steht gleich neben dem bett um mich zuzudecken, ging ich doch lieber. ohne das handy.

  14. setann sagt:

    hilfe , wieso ist das immer soviel??muss man eigentlich ab einer bestimmten länge platzgebühren zahlen?
    edit: gibt es auch einen silberpokal für das gebirge?

  15. max i sagt:

    den hätte ich mir verdient, den silvercup…

    ;-)

  16. MC Winkel sagt:

    @max i: Knigge war der erste, der missverstanden wurde. Dann kam die Postmoderne und mit ihr das kulturelle Erwachen der Niederlausitz. So gesehen: Sie haben recht!
    @setann: Also für so viel soziale Kompetenz sollten Sie diesmal wirklich einen Pokal bekommen. Wo steht denn derzeit der Bronzepreis/g? Und ich hätte das Handy mitgenommen, wäre mir so eine ungehobelte Lichausknipserein untergekommen! :)
    @max i: Neee, sie haben doch nur nachgefragt; dazu müssen Sie schon belehren!

  17. die anke sagt:

    lieber herr winkel, vielleicht sollten sie im nachhinein froh sein, ueber deas jochbein und den tuetensuppen, son paar ecken und kanten machen doch erst echte maennergesichter interessant.

  18. Thomas sagt:

    Ich wollte erst ein passendes Dendemann Zitat zu dem Text anstrengen, dachte aber: das wird an einem Montag nicht begriffen. Versuch:

    „Und ’ne gute Grundlage für Besserung ist Erkenntnis. Ihr wisst ja, bisher war Gemecker oft nur Missverständnis.
    Aber wenn wieder mal einer Fett mit Bass verwechselt, ’nen simplen Vergleich für die Metapher in seinem Text hält, dann gibt es ein grosses…“ usw.

    Wäre die elegantere Art gewesen Klugzuscheißen, aber es hat ja dennoch, knapp zum Monatsende hin, für Gold gereicht Doppelpunkt Klammer zu

    @Tarek: Der Pokal gibt mir recht! im Nachhinein. Sind die Mittwochslottozahlen nicht immer dieselben? Spiele kein Lotto. Trotzdem viel Glück.

  19. der.grob sagt:

    Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie diese fünf (oder sechs) aufgebrachten Herren vermöbeln.

  20. MC Winkel sagt:

    @die anke: Naja, von diesem Hieb ist eigentlich nichts geblieben. Ist aber auch besser, in diesem Fall. Wären ja keine so schönen Erinnerungen…
    @Thomas: Siehste, ist doch super. Gibt es eigentlich ein Vergleich-/Metapher-Festlegungsgremium und wenn ja, wen frag ich da?
    @der.grob: Ich wollte. Aber die Holzstauballergie, Herr grob!

  21. Thomas sagt:

    ja, es gibt sogar ein Gremium für Inhalt. Fragen kannste da jede/n Grundschullehrer/in… aber mach dich nicht verrückt, das fällt eh keinem auf.

  22. FrauvonWelt sagt:

    Mich, werter Herr Winkelsen, fragen Sie mich. Ich nehm den Pokal. Dendemann-Zitierer sind keine Gegner für mich.

    Herzlich und Gold für mich
    Ihre FrauvonWelt

  23. Johanna sagt:

    Ich hoffe du hattest vorher nicht noch den Kümmelkuchen gegessen?

  24. Danimateur sagt:

    Kümmel, Pilze und jetzt sagen sie nicht auch noch Lakritze oder oliven. Dann müssen wir gemeinsam diese dinge vernichten gehen ^^

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