Ach ja, Sommerzeit.

Es gab eine Zeit in meinem Leben, in welcher ich das jahreszeitenbedingte Umstellen der Uhr konsequent ignorierte. Allerdings nicht jede, lediglich jede zweite Umstellung. Und die fiel jedes Jahr – und das wundert mich noch heute – ausgerechnet in den März. Die geschenkte Stunde im September hingegen nahm ich dessenungeachtet gerne in Empfang; alles aus Gründen der Ausgewogenheit & Fairness. Wo kämen wir denn da sonst hin?

1994 war ich noch Auszubildender ohne größere Chance auf Übernahme in ein festes Angestelltenverhältnis und mit Ausblick auf eine bevorstehende Zivildienstzeit. Entsprechend verhielt es sich mit meiner Motivation. Das allmorgendliche Aufstehen fiel ohnehin schon schwerer als Gary Barlows Karriere 1997 (wovon ich 3 Jahre zuvor ja noch nicht einmal etwas wusste!) und vom knappen Ausbildungsgehalt konnte ich mir monatlich auch gerade mal mein Hustler-Abo, den Beitrag im Gym und 2 Paar frische Tennissocken leisten. Auch wenn ich immer schon der Typ war, der wusste, wo sich all die verlorengegangenen Waschmaschinensocken befinden – mein Nutella hieß damals Nutoka und meine Monatskarte war auch im Winter ein 26er Rennrad in grün. Ohne Tacho. Aber immerhin.

Doch genug der Mitleidshascherei; ich sah die verlorene Stunde im März einfach nicht ein. Liegt an meinem generellen Autoritätsproblem; mit Druck und Zwang ist man bei mir noch nie weit gekommen. Und wenn mir ein selbstgefälliger Jens Riewa am Abend sagt: „Winkelsen, stell die Uhr um zwei auf drei!“, dann sage ich: Jens, setz‘ Dich auf Deinen Daumen – ich schlafe aus! Nachdem ich dann im Ausbildungsbetrieb mit dem Argument „Ach ja, Sommerzeit! Hol‘ ich aber wieder auf – bis September!“ kam, war die Nicht-Übernahme endgültig besiegelt. Sei es drum, sowohl Abrichthobel als auch Turmdrehkräne passten ohnehin nicht zu mir.

1995 dann ein ähnliches Gebaren. Als wenn ich Ende März, wenn gerade alle Blütenknospen im milden Lenz knüspeln, nichts Besseres zu tun hätte, als 60 Minuten meiner Zeit in den destruktiven Schlund der MESZ-Faschos zu transferieren; ich mein‘: MC Winkel! Sah der Küchenchef (=Zivi in der Mensa des Studentenwerkes; Anm. v. MC) übrigens anders. „Wie, Du hängst die Stunde dann heute Abend hinten dran? Du weisst doch, dass hier um Punkt 15:12h Schicht ist?!“ (=“die Fünftel Stunde“, Anm. v. MC). „Ach ja. Na gut, dann gehe ich halt früher, damit’s nicht so arg auffällt!“. Auch hier war man froh, als meine 15monatige Dienstzeit absolviert war.

Heute bin ich pünktlich. Aber diese beiden Stunden – die kann mir keiner mehr nehmen!

Kommentare

25 Antworten zu “Ach ja, Sommerzeit.”

  1. Westpfalz-Johnny sagt:

    Immer alles eine Frage der Sichtweise! ;-)

  2. Scholli sagt:

    Wo sind die verlorenen Socken? Könnten Sie nachsehen, wenn Sie grade dabei sind, ob sich da zufällig ein halbes Paar Burlington-Socken in schwarz finden lässt?
    Im Übrigen: Herr Winkel, Sie sind da keine Ausnahme. Zivis und Azubis sind meistens so. Also meine waren immer so. Aber wer derart unterbezahlt immer die fiesesten Arbeiten erledigen musste, dem hab ich die eine Stunde im Jahr immer gerne geschenkt ;-)

  3. Sommerzeit ist ja schön und gut, nur die Winterzeit sollte man abschaffen :)

  4. Jerry sagt:

    Heute ist Dein Job ja auch angenehmer als die Dinger von damals. Da spielt das doch bestimmt nicht so`ne große Rolle, wa?

  5. Acki sagt:

    schön schön, aber diese Vergangenheitsbewältigung kam doch erst nach dem Hnweis von Oasenhoheit auf oder!? ;-)

  6. upofix sagt:

    Wie jetzt, Sommerzeit??
    Ohje, ich muss los, ich komm zu spät zur Arbeit!

  7. Die Muräne sagt:

    Die Sommerzeit dem Masta‘ quer em Muul!!

    Die Einführung der Sommerzeit wurde in der Schweiz ja damals im Jahre 1978 durch eine Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit abgelehnt! Erst auf Druck des despotischen Hegemons ‚EU‘ wurde sie dann zwangseingeführt. Eine ganz schwarze Stunde, sozusagen.

  8. Bateman sagt:

    @ ChliiTierChnübler: [Klugscheissermodus] Die Winterzeit ist die reale Zeit ;)

  9. steuertusse sagt:

    also ich war heute mal ne stunde zu spät dran ;O)

  10. denzel sagt:

    dann sage ich: Jens, setz’ Dich auf Deinen Daumen – ich schlafe aus!

    *lol*

    … passt beim Riewa besonders schön!

  11. Cara sagt:

    „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen…..“
    Eigentlich wollte ich schon mal anregen, daß Sie ihr bewegtes Leben verfilmen sollten – aber jetzt haben Sie mich auf eine noch bessere Idee gebracht, Herr Winkel: machen Sie und schenken Sie uns ein Musical!

    (Wussten Sie übrigens, dass Rex Gildo bei der deutschen Erstaufführung von ‚My Fair Lady‘ den Freddy gegeben hat? Aber Hossa! )

  12. Herr Schmidt sagt:

    Sommerzeit, Winterzeit – Schnickschnack! Jetzt ist erstmal Frühlingszeit! Da wird‘ dann die innere Uhr erstmal gestellt. All hormones break loose! ;-)

  13. mila sagt:

    wie, watt… is schon viertel nach elf?

    mein zeitumstellungs-trauma ereignete sich in der 2.klasse. die uhren wurden auf winterzeit (winkelzeit?) umgestellt. unsere familie verbrachte damals die wochenenden ausnahmslos auf dem tennisplatz (SG Kirchheim), meine mutter hatte im kuchenverkaufswahn zur vereinsmeisterschaft (vergnügungsausschuss) den wechsel nicht mitbekommen und schickte mich montags eine stunde zu früh zur schule. da stand ich dann vor verschlossenen türen. ich dachte, ein schreckliches unglück wäre passiert, eine seuche wäre ausgebrochen, hätte die gesamte schülerschaft nebst kollegium und hausmeisterehepaar dahingerafft und nur mich verschont. verstört ging ich wieder nach hause. erst der anruf bei meinem klassenlehrer klärte die sache auf. und ich konnte mich erneut auf den weg machen. danke, mama! das hab ich ihr bis heute nicht verzeihen können…

  14. MC Winkel sagt:

    @ Westpfalz-Johnny: Wie meinen?
    @ Scholli: ICH WEISS, wo das halbe Paar liegt. Darf da aber nicht drüber sprechen!
    @ CTC: Mein Reden!
    @ Jerry: … kann die Zeit flexibler einteilen, stimmt schon! Und als Azubi/Zivi hat man ja eh nicht viel zu lachen…
    @ Acki: Nö, hatte das Thema schon Vormittags im Kopf; beim Uhrenstellen.
    @ upofix: Na dann mal schnell, jetzt!
    @ Muräne: … Ihr Schweizer seid die Derbsten, echt jetzt!
    @ Batey: Ha! gerade bei wiki gelesen, nä!
    @ steuertusse: Wer war schuld?
    @ denzel: … die Sa che mit dem Ausschlafen? :)
    @ Cara: GUTE IDEE? Aber keine Zeit. :) Und die Rex-Sache ist mir tatsächlich neu! Kammamasehn!
    @ Herr Schmidt: Wie jetzt, noch mehr testosteronbedingter Haarausfall? Faque!
    @ mila: … zurecht! Ich hoffe, Sie kommen mit DIESEM traumatischen Ereignis inzwischen einigermaßen klar?

  15. zoee sagt:

    jaja, es sind immer die kleinen dinge, an die das herz und die erinnerung hängen.

  16. Erdge Schoss sagt:

    Sommerzeit, werter Herr Winkelsen,
    ist die schönste Zeit.

    Uhrzeit egal.

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  17. 500beine sagt:

    26er rennrad?

    ich bin noch bonanza gefahren,
    mit gelbem bananensattel und
    fuchsschwanz am lenker.

    24er.

  18. andre sagt:

    was genau hat es mit der „Fünftel Stunde“ denn auf sich, mc?

  19. upofix sagt:

    @andre: das kommt wohl dabei raus, wenn man seine gewerkschaftlich vereinbarte 36-std-Woche mit täglichen 7 1/5 std abarbeitet.

  20. Bateman sagt:

    @MC: Allgemeinwissen

  21. FrauvonWelt sagt:

    Aber diese beiden Stunden, werter Herr Winkelsen,
    die hängen Sie doch jetzt hinterher, oder? Dann ist bei Ihnen jetzt erst 20:52 Uhr.

    Herzlich und immer noch Googol im Kopf
    Ihre FrauvonWelt

  22. mila sagt:

    @ MC: mein therapeut sagt, ich bräuchte noch ein weilchen, aber ich sei auf dem richtigen weg!

  23. Manniac sagt:

    *chch*

    Ich finde übrigens, Du solltest öfter mal mit Jens Riewa reden. Mit Deinen Tipps guckt er vielleicht irgendwann nicht mehr so verkniffen :)

  24. […] bot mir mein Eisfach lediglich eine angebrochene Fritten-Tüte feil und wie ich als damalige Küchenkoryphäe wusste, schmecken diese im Friteusenfett zubereitet wesentlich besser als auf dem trockenen […]

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