Alan Watts über die Kunst, Entscheidugen zu treffen und weniger zu werten

Hast du dich jemals gefragt, woher deine täglichen Entscheidungen eigentlich kommen? Der legendäre Philosoph Alan Watts hat eine überraschende Antwort auf die fundamentale Frage, wie wir die richtigen Entscheidungen treffen. Er vergleicht unsere Entschlüsse in seinen Vorträgen gerne mit einem spontanen Schluckauf. Sie tauchen plötzlich in unserem Bewusstsein auf, ohne dass wir ihren genauen Ursprung logisch erklären können. Trotzdem leiden unzählige Menschen unter einer enormen, fast lähmenden Angst vor wichtigen Lebensentscheidungen. Wir analysieren jedes winzige Detail und wollen stets die absolut perfekte Wahl treffen. Aber diese ständige Sorge blockiert uns im Alltag sehr oft selbst und raubt uns die Leichtigkeit.
Die Parabel vom fleißigen Arbeiter und den Kartoffeln
Eine wunderbare und humorvolle Parabel von Alan Watts verdeutlicht dieses alltägliche Problem auf sehr anschauliche Weise. Ein Farmer stellt eines Tages einen neuen Hilfsarbeiter ein. Er gibt ihm am ersten Arbeitstag eine vermeintlich schwere physische Aufgabe. Der extrem fleißige Arbeiter soll eine riesige Menge Holz sägen. Er erledigt diese harte Arbeit tatsächlich in absoluter Rekordzeit.
Am zweiten Tag teilt der Farmer ihn zum Reparieren der Zäune ein. Der Mann repariert mühelos alle kaputten Zäune auf dem gesamten, weitläufigen Hof an nur einem einzigen Tag. Der Farmer ist absolut begeistert von dieser enormen Effizienz und Tatkraft des neuen Angestellten. Am dritten Tag schickt er den Mann deshalb in den kühlen Keller. Dort wartet ein großer Haufen frisch geernteter Kartoffeln auf ihn.
Der Arbeiter soll diese Kartoffeln nun einfach in drei verschiedene Gruppen sortieren. Die guten Kartoffeln sind für den Verkauf bestimmt. Die mittelmäßigen Exemplare dienen als neue Saat für das nächste Jahr. Die schlechten Kartoffeln wandern direkt in den Abfall. Das klingt nach einer leichten Aufgabe für den starken Mann.
Alan Watts x Entscheidugen – Das ewige Judgen und die Qual der Wahl
Am Abend dieses Tages kommt der Arbeiter jedoch völlig erschöpft und frustriert zum Farmer zurück. Er erklärt sofort mit ernstem Gesicht seinen direkten Abschied vom Hof, er kündigt. Der überraschte Farmer bietet ihm augenblicklich mehr Geld an, weil er ihn unbedingt behalten möchte. Aber der Arbeiter lehnt das Angebot dankend ab. Zäune reparieren und schweres Holz hacken seien überhaupt kein Problem für ihn. Aber diese Arbeit im Keller erfordere eine schwierige Entscheidung nach der anderen. Genau dieses ununterbrochene Bewerten treibe ihn mental völlig in den Wahnsinn.
In dieser Parabel steckt der Kern unseres modernen Leidens: das ewige, quälende Judgen. Wir verbringen unsere Tage damit, alles in Kategorien wie „gut“, „schlecht“, „richtig“ oder „falsch“ einzuteilen. Jede kleine Kartoffel des Lebens muss bewertet werden. Genau dieses ständige Urteilen erzeugt den massiven Druck, unter dem wir täglich stehen. Wir haben panische Angst davor, ein falsches Urteil zu fällen und danach die Konsequenzen tragen zu müssen.
Die unendliche Flut der unkontrollierbaren Daten
Wenn wir eine wichtige Entscheidung treffen müssen, plagen uns fast immer große Zweifel. Haben wir wirklich lange genug über die ganze Angelegenheit nachgedacht? Haben wir im Vorfeld alle wichtigen Informationen und Fakten gesammelt? Alan Watts erklärt in seinen Texten, dass wir niemals genug Daten berücksichtigen können. Die Informationen für jede beliebige Situation sind in der Realität nämlich unendlich. Wer wirklich alle theoretischen Variablen bedenken will, wird niemals mit dem Denken fertig werden.
Dennoch tun wir in der modernen Gesellschaft so, als ob wir rein rational handeln würden. Wir wägen mühsam Argumente ab und erstellen lange Listen mit Vor- und Nachteilen. Wir spielen unzählige verschiedene Szenarien in unserem Kopf durch, um Risiken komplett auszuschließen. Aber diese Methode ist eine Illusion, die uns nur in Scheinsicherheit wiegt. Das krampfhafte Bewerten schränkt unsere natürliche Intuition extrem ein.
Alan Watts x Entscheidugen – Die Illusion der rationalen Kontrolle im Leben
Am Ende des Tages treffen wir dann aber doch eine ganz spontane Bauchentscheidung. Wir tun im Alltag oft nur so, als ob wir die bewusste Kontrolle besäßen. Manchmal erfassen wir zwar die groben Umrisse einer komplexen Situation. Aber glücklicherweise vergessen wir meistens die unzähligen Variablen, die dazwischenfunken könnten.
Es ist absolut erstaunlich, wie oft diese spontanen Entscheidungen im Nachhinein trotzdem hervorragend funktionieren. Wir vertrauen unbewusst auf innere Prozesse, die wir rational eigentlich gar nicht steuern können. Das nimmt uns theoretisch eine Menge Last von den Schultern, wenn wir es denn zulassen. Menschen, die sich ständig sorgen, wollen jedoch alle unkontrollierbaren Variablen im Voraus berechnen. Sie blockieren sich selbst durch das ewige Bewerten und die Angst vor einer Fehlentscheidung. Sie vergessen, dass das Leben ein fließender Prozess ist, der sich nicht vollständig berechnen oder in Schubladen stecken lässt.
Loslassen und dem natürlichen Fluss vertrauen
Alan Watts erinnert uns eindringlich daran, dass unser bewusster Wille oft maßlos überschätzt wird. Wenn ein Entschluss am Ende gut ausgeht, liegt das selten an unserer perfekten und detaillierten Planung. Vielmehr funktioniert das Leben durch ein tiefes, unbewusstes Zusammenspiel aller beteiligten Faktoren.
Wir müssen wieder lernen, dem natürlichen Lauf der Dinge mehr Vertrauen zu schenken. Die wahre Kunst der Entscheidung liegt letztlich im Loslassen des Kontroll- und Bewertungszwangs. Wenn wir aufhören, jeden Schritt sofort als Erfolg oder Misserfolg zu bewerten, schwindet auch die Angst. Das nimmt dem Prozess des Entscheidens den enormen, künstlich erzeugten Druck.
Vertraue deiner eigenen Intuition, denn sie weiß oft viel mehr als der rationale Verstand. Das menschliche Leben lässt sich zum Glück nicht in trockenen Tabellen kalkulieren. Triff deine Wahl mit einer gewissen Leichtigkeit und geh einfach mutig voran. Alan Watts (bei After Skool) zeigt uns, dass der spontane Schluckauf der Intuition oft der beste Wegweiser ist.


