Jeremy Grantham – Warum die KI-Blase kollabieren wird und wie Sie Ihr Geld retten

Jeremy Grantham

Die Euphorie rund um die künstliche Intelligenz kennt an den globalen Finanzmärkten derzeit scheinbar keine Grenzen mehr. Täglich fließen neue Milliarden in Technologiekonzerne, während die Kurse der führenden Unternehmen in astronomische Höhen schnellen. Doch während die Masse der Anleger vom ewigen Wachstum träumt, mehren sich im Hintergrund die unüberhörbaren Stimmen der Vernunft. Niemand analysiert diese gefährliche Dynamik so präzise wie der legendäre Investor Jeremy Grantham (wiki). Der mittlerweile 87-jährige Mitbegründer der Bostoner Investmentgesellschaft GMO blickt auf stolze sechs Jahrzehnte geballte Markterfahrung zurück. In dieser langen Zeit hat er sich einen beachtlichen Ruf als treffsicherer Prophet historischer Marktkrisen erarbeitet. Grantham sagte sowohl das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 als auch den verheerenden Kollaps des US-Immobilienmarktes im Jahr 2007 exakt voraus. Seine aktuelle Prognose fällt allerdings weitaus düsterer aus als jemals zuvor. Nach seiner tiefgründigen Einschätzung erleben wir momentan die größte Spekulationsblase in der amerikanischen Geschichte, die unweigerlich vor dem Platzen steht.

Jeremy Grantham @ DOAC: Das Phänomen der Jahrhundert-Blasen

Eine fundamentale Fehleinschätzung vieler Marktteilnehmer liegt in der Annahme, dass jede finanzielle Blase im Kern auf einem betrügerischen System basieren muss. Jeremy Grantham stellt jedoch unmissverständlich klar, dass die monumentalsten Spekulationsblasen der Historie stets um die bedeutendsten Ideen der Menschheit entstanden sind. Als historisches Beispiel führt er den gigantischen Eisenbahn-Boom des 19. Jahrhunderts an. Damals konnte jeder denkende Mensch sofort erkennen, dass die Eisenbahn die gesamte Weltwirtschaft radikal verändern würde. Die Begeisterung führte zu einer extremen Überinvestition durch euphorische Anleger. Obwohl die Technologie real war, kollabierten die Aktienkurse dramatisch und vernichteten gigantische Vermögen. Ein identisches Verhaltensmuster zeigte sich im Jahr 1999 während der berüchtigten Internet-Blase. Die Aktie des heutigen Giganten Amazon stieg damals innerhalb kürzester Zeit um das Sechs- bis Siebenfache an. Im anschließenden Tech-Crash stürzte dasselbe Papier jedoch um sage und schreibe 92 Prozent ab. Erst aus den verbliebenen Trümmern des Marktes heraus entwickelte sich das Unternehmen zu dem dominierenden Imperium, das wir heute kennen.

Die Parallelen zur heutigen Situation rund um die künstliche Intelligenz sind für den erfahrenen Strategen absolut unübersehbar. KI ist zweifellos eine revolutionäre Technologie, die unser aller Alltag und die globale Produktivität tiefgreifend umgestalten wird. Gerade diese immense und offensichtliche Tragweite zieht jedoch unkontrollierbare Mengen an spekulativem Kapital an. Das führt unweigerlich zu einer extremen und ungesunden Überbewertung an den Börsen. Laut Grantham weisen die aktuellen Daten darauf hin, dass der absolute Höhepunkt dieser Entwicklung extrem nah sein könnte. Ein Platzen der Blase droht nicht erst in unbestimmten Jahren, sondern potenziell in den nächsten Wochen oder Monaten. Wenn diese historische Blase korrigiert, hält der Experte einen breiten Kurssturz bei den heißgelaufenen Technologietiteln von bis zu 70 Prozent für absolut realistisch.

Jeremy Grantham: Warum Sie US-Aktien jetzt meiden sollten

Aus dieser Analyse leitet der GMO-Stratege eine radikale, aber erfrischend simple Investmentstrategie für den Moment ab. Seine zentrale und wichtigste Botschaft für Privatanleger lautet: Verkaufen Sie Ihre US-Aktien und meiden Sie den amerikanischen Markt konsequent. Selbst vor dem breiten S&P 500 Index macht seine deutliche Warnung keinen Halt. Wer große Positionen in den hochgelobten amerikanischen Technologieaktien hält, sollte diese nach Jeremy Granthams persönlichem Rat komplett liquidieren. Als Hauptgrund nennt er die beispiellose Überteuerung des US-Marktes, die sogar das Niveau der Tech-Blase aus dem Jahr 2000 übersteigt. Damals prognostizierte seine Firma GMO für US-Aktien eine jährliche Rendite von minus zwei Prozent über die folgenden zehn Jahre. Die Realität lag am Ende sogar bei minus drei Prozent pro Jahr. Wer im Jahr 2000 blind in den US-Markt investierte, hatte im Jahr 2010 effektiv weniger Geld auf dem Konto als zuvor. Noch extremer zeigte sich dieses Phänomen nach 1989 in Japan, wo die gigantische Blase zu einer stagnation von über 30 Jahren führte.

Daher empfiehlt Grantham dringend, den Blick über den amerikanischen Tellerrand hinaus zu richten. Wer unbedingt in Aktien investiert sein möchte, sollte sein Kapital in Märkte außerhalb der USA umschichten. Internationale Aktien aus Europa, Japan, Kanada, Australien sowie ausgewählte Titel aus den Schwellenländern sind im direkten Vergleich fundamental weitaus günstiger bewertet. Diese Märkte bieten ein deutlich besseres Chance-Risiko-Verhältnis für das kommende Jahrzehnt, während der US-Markt vor einer schmerzhaften Korrektur steht.

Die Illusion der klassischen Anlageberatung

Viele Anleger fragen sich in der aktuellen Situation zu Recht, warum sie von ihren regulären Beratern nicht vor diesen immensen Risiken gewarnt werden. Jeremy Grantham legt hier den Finger in eine tiefe Wunde der Finanzindustrie und spricht offen über die systemischen Fehlanreize der Wall Street. Große Investmenthäuser und klassische Anlageberater werden ihren Kunden niemals pauschal dazu raten, ihr Geld komplett aus dem Aktienmarkt abzuziehen. Ein solcher Rat ist schlichtweg ein extrem schlechtes Geschäft für die Institutionen selbst. Wenn Kunden ihr Kapital in Cash oder sichere Staatsanleihen umschichten, verlieren die Firmen ihre lukrativen Verwaltungsgebühren.

Zudem zeigt die Historie, dass Berater für das Warnen vor einer Blase oft hart bestraft werden. Grantham erinnert sich an die Jahre 1998 und 1999, als er sich weigerte, die völlig überzogenen Tech-Preise mitzugehen. Da der Markt getrieben von purer Psychologie noch über zwei Jahre weiter stieg, verlor GMO in dieser Phase die Hälfte seiner Kunden. Im boomenden Bullenmarkt wollen Anleger Gewinne sehen und feuern vorsichtige Verwalter sofort. Wenn der Crash dann schließlich kommt, erstarrt die Branche in Schockstarre und niemand bewegt sich mehr. Die Analysten im Maschinenraum der großen Banken wissen meist ganz genau um die Überbewertung, doch die Marketingabteilungen verkünden auf den Podien weiterhin Zweckoptimismus. Es ist ein systemischer Verrat am Vertrauen der Endverbraucher.

Jeremy Grantham bei DOAC: Schutz durch echte Diversifikation

Für den durchschnittlichen Angestellten, der lediglich sein monatliches Gehalt klug anlegen möchte, empfiehlt Grantham eine Rückbesinnung auf die klassische Vermögensabsicherung. Die wichtigste Grundregel in turbulenten Zeiten lautet Diversifikation, was konkret das Halten von Anleihen, Cash und einem kleinen Anteil an Edelmetallen wie Gold oder Silber bedeutet. Eine Anleihe ist im Grunde nichts anderes als ein Kredit, den man dem Staat oder einem stabilen Unternehmen gewährt. Über Plattformen wie treasurydirect.gov können Anleger beispielsweise ohne teure Zwischenhändler direkt in US-Staatsanleihen investieren. Auch erstklassige Unternehmensanleihen von finanziell extrem soliden Konzernen wie Apple bieten derzeit verlässliche Renditen von fast fünf Prozent pro Jahr.

Dieses feste Einkommen schützt das Portfolio, wenn die Aktienmärkte einbrechen. Neben dem liquiden Kapital ist auch Immobilienbesitz ein Thema, allerdings warnt Grantham vor den aktuell künstlich aufgeblähten Preisen. In Ländern wie England stiegen die Hauspreise seit 1994 vom 3,4-Fachen des durchschnittlichen Familieneinkommens auf das über 10-Fache an. Junge Paare werden dadurch völlig aus dem Markt gedrängt. Jeremy Grantham erwartet hier eine schmerzhafte, aber gesunde Korrektur von mindestens 30 Prozent.

Ein Überlebensleitfaden für Unternehmer

Gründer und Unternehmer, die auf externes Risikokapital angewiesen sind, sollten die aktuelle Phase des Scheinschein-Wetters ebenfalls für strategische Absicherungen nutzen. Wer jetzt noch in der Lage ist, frisches Kapital aufzunehmen, sollte diese Finanzierungsrunden unbedingt zügig abschließen. Wenn die KI-Blase erst einmal platzt, wird der Markt für Wagniskapital über Nacht komplett austrocknen. Unprofitable Start-ups, die ausschließlich vom Geld der Investoren leben, geraten dann sofort in existenzielle Nöte. Unternehmer müssen jetzt dringend Liquidität sichern, ihre Kostenstrukturen optimieren und sich auf eine längere wirtschaftliche Durststrecke vorbereiten. Wer in der Krise über ausreichend Cash verfügt, kann gestärkt aus dem anschließenden Marktbereinigungsprozess hervorgehen. Am Ende bestimmt an der Börse nicht die kurzfristige Euphorie, sondern die nüchterne mathematische Realität.

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