Smoke DZA – „Road Trip To Amsterdam“ // Wenn der Kush God die Rauchwolken beiseiteschiebt

Der New Yorker Underground-Veteran Smoke DZA nimmt uns seit fünfzehn Jahren auf eine gewohnte Reise mit. Bisher bedeutete sein Name verlässliche Berichte über edles Marihuana und entspannte Streifzüge durch den Hip-Hop-Kosmos. Auf seinen Städten-Tapes sammelt er Stempel im Reisepass wie andere Künstler Veröffentlichungen im Katalog. Nach Stationen in Berlin und Barcelona führt ihn sein neuester musikalischer Ausflug nun direkt nach Amsterdam. Doch dieses Mal verändert sich die vertraute Kulisse überraschend stark. Auf dem neuen Album „Road Trip To Amsterdam“ von Smoke DZA bleibt die gewohnte Genusswelt plötzlich im Hintergrund. Der Rapper blickt stattdessen tief in seine eigene Seele und verarbeitet schmerzhafte Verluste. Dadurch entsteht das ehrlichste und intensivste Songwriting seiner gesamten bisherigen Karriere.
Ein überraschender Verzicht auf den dichten Rauch
Gleich im Eröffnungstrack „Grounded“ stellt der Künstler klar, dass sich die Prioritäten dieses Mal grundlegend verschoben haben. Er verzichtet auf spirituelle Vorhersagen und zählt stattdessen die geliebten Menschen auf, die er nicht mehr erreichen kann. In seinen Träumen taucht immer wieder der verlorene Vater auf, dessen Bild er immer noch nicht vollständig zusammensetzen kann. Zudem verarbeitet er die schockierende Nachricht vom Tod seines engen Wegbegleiters Todd, die ihn an einem ersten April erreichte. Zuerst hielt er die traurige Meldung für einen schlechten Scherz, doch die harte Realität holte ihn schnell ein. Die emotionale Hookline des Songs verdeutlicht den radikalen Wandel für die über Jahre aufgebaute Marke. Er versichert uns, dass seine Füße fest auf dem Boden bleiben und dieses Mal nicht der Rauch sein Leben bestimmt.
Smoke DZA x Road Trip To Amsterdam – Glaube und Straßenrealität im fließenden Übergang
Dieser ernste Ton zieht sich folglich durch die stärksten Momente des gesamten Werks. In den darauffolgenden Stücken „Turnmeup“ und „Harley Race“ fließt die theologische Reflexion direkt nach dem geschäftigen Treiben im Studio ein. Der Rapper verbindet geschickt den Luxus von Cartier-Brillen mit tiefgründigen Fragen der Five Percent Nation. Bei „Harley Race“ spürt man sofort die düstere Atmosphäre eines DJ Muggs Beats, während Smoke DZA die Loyalität seiner Feinde hinterfragt. Er fordert Respekt ein, zeigt jedoch gleichzeitig eine ungewohnte Verletzlichkeit in seinen Zeilen. Das Gebet aus dem vorherigen Track geht nahtlos in die typischen Punchlines über. Die gleiche Stimme verbindet die spirituelle Suche mit dem klassischen Straßenrap.
Scharfe Erinnerungen an vergangene Tage
In den ruhigen Momenten wird das Songwriting von Smoke DZA bemerkenswert präzise und detailreich. Der Song „Irish Goodbye“ nutzt einen staubigen Beat von Produzent Daringer und blickt weit in die Ära vor den digitalen Verkäufen zurück. Der Künstler beschreibt lebhaft die alten Zeiten, als man noch mit analogen Handwaagen auf den Straßen hantierte. Er erzählt von der Überwindung von Dürreperioden auf dem Markt und den engen Bindungen zu den lokalen Lieferanten. Styles P unterstützt ihn dabei mit den gewohnten, klugen Ratschlägen von der Straßenecke. Auch die Kollaboration „Dead Homies“ fügt sich perfekt in dieses stimmige Gesamtbild ein. Der Rapper T.F. kritisiert hierbei die glitzernde Fassade des schnellen Rap-Geldes sehr deutlich. Die Gastbeiträge wirken deshalb nie wie Fremdkörper, sondern unterstützen die melancholische Grundstimmung des Albums perfekt.
Die schmerzhafte Realität lebender Freunde
Dennoch sind nicht alle Abstecher auf dieser musikalischen Reise von gleicher Qualität. Das Stück „Gotham City“ bricht mit der spirituellen Atmosphäre und liefert stattdessen eine harte, düstere Hymne für die Clubs. Fivio Foreign und Cory Gunz zeigen zwar beeindruckende Parts, aber die Verbindung zum emotionalen Kern des Albums geht verloren. Den emotionalen Höhepunkt findet das Album jedoch in der ehrlichen Betrachtung einer lebenden Person. Der von Nicholas Craven produzierte Track „4 Fiends Away“ widmet sich einem alten Weggefährten, der tief im Alkoholismus versunken ist. Smoke DZA (Youtube) verharmlost die Situation nicht, sondern beobachtet den Absturz seines Bruders mit einer Mischung aus Schmerz und Hilflosigkeit. Er kann seinen Freund momentan nur aus der Ferne unterstützen und für ihn beten. Am Ende schließt sich der Kreis genau dort, wo die Reise begann.


