Deante‘ Hitchcock – „Junkie In The Sun“: Ein Balanceakt zwischen Begehren und Abgrund

Deante Hitchcock Junkie In The Sun

Der Rapper aus Riverdale, Georgia, füllt sein drittes Studioalbum mit allem, was er besitzt und schmerzlich vermisst. Deante Hitchcock packt belanglose Wünsche direkt neben existenzielle Ängste und überlässt es dem Hörer, diese auf „Junkie In The Sun“ zu sortieren. Der Künstler aus Clayton County, südlich von Atlanta, ist inzwischen 33 Jahre alt. Ursprünglich plante er mit seinem Produzenten Brandon Phillips Taylor eine Trilogie: „Good“ (2016), „Better“ (2020) und schließlich „Best“. Stattdessen entschied er sich für den Titel Junkie In The Sun.

Deante Hitchcock x Junkie In The Sun – Die Wärme der Produktion

Fast alle Tracks wurden von Phillips Taylor produziert und teilen eine warme, organische Frequenz. Die Basis bilden Soul-Vocal-Samples, jazzige Percussion und Gospel-Harmonien im abschließenden Song. In dieser klanglichen Geborgenheit glänzt Hitchcocks konversationeller Vortragsstil besonders. Da fast das gesamte Album aus einer Hand stammt, muss die inhaltliche Tiefe aus dem Writing kommen. Wenn die Texte jedoch an der Oberfläche bleiben, kann auch die Produktion sie nicht retten. Party-Hymnen und Liebeslieder verschmelzen hier gelegentlich etwas zu sehr miteinander.

Zwischen Banalität und Terror

Das Songwriting greift nach Dingen, die Hitchcock nicht greifen kann. Verlangen treibt alles an. Er wünscht sich, dass seine Mutter nicht stirbt, will einen Song mit J. Cole aufnehmen und hofft auf neue Musik von Rihanna. Nichts davon wird priorisiert; das Existenzielle und das Belanglose existieren gleichberechtigt nebeneinander. Im Titeltrack listet er eine ganze Strophe lang Wünsche auf, die von Identitätsfragen bis hin zu familiären Sorgen reichen. Die Zeile über das Müdesein vom ständigen Jagen kehrt das gesamte Inventar seiner Ambitionen plötzlich um.

Die Logik der Verzweiflung

In „Funny Thing“ stapelt Hitchcock Ironien. Er reflektiert über Geld, Straßenschlachten mit seinem Bruder und preist Gott für gesunde Lungen, nur um direkt danach zu rauchen. Besonders stark wirkt eine Sequenz über Dinge, die eigentlich nicht passieren sollten. Wenn der Großvater stirbt, bricht für ihn die Weltordnung zusammen. Wenn die Regeln für das Schicksal nicht gelten, warum sollte er sich dann an sie halten? Diese Logik ist simpel und gleichzeitig erschreckend wasserdicht. In „Smile You’re on Camera“ fragt er sich schließlich, ob er außerhalb seiner Arbeit überhaupt zählt.

Deante Hitchcock x Junkie In The Sun – Einblicke in dunkle Momente

Die intensivsten Momente finden sich in „Almost There“. Nach zwei Strophen über kaputte Handys und Steuerprobleme sitzt er in der dritten Strophe mit einer geladenen Waffe da. Er beobachtet sein Spiegelbild und führt einen inneren Dialog. Eine Seite nennt ihn nutzlos, die andere erinnert ihn an seinen Sohn und sein Versprechen, es herauszuschaffen. „The Cycle“ geht noch einen Schritt weiter und schildert eine Schießerei aus zwei Perspektiven: dem Opfer und dem Schützen. Beide wissen am Ende nicht, ob sie selbst oder ihr Gegenüber überlebt haben.

Licht und Schatten der Lyrik

Nicht jeder Song erreicht diese Tiefe. Manche Vergleiche auf „U-N-I“ wirken abgenutzt und die Produktion plätschert hier fast zu angenehm dahin. Auch „Heaven On Earth“ verliert sich in allgemeinen Affirmationen. Dennoch bleibt ein starkes Werk zurück. In „Reminders“ versammelt er Childish Major und 6LACK für Reflexionen über die Vaterschaft. Es sind die Momente der Aufrichtigkeit, die dieses Album definieren. Deante‘ Hitchcock beweist Mut, im Raum zu bleiben, wenn die Themen schmerzhaft werden.

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