Tom Hanks über Präsenz: Warum Vertrauen größer ist als Kontrolle
Tom Hanks spricht über das Leben mit Präsenz mit einer Gelassenheit, die nur aus gelebter Erfahrung entstehen kann. Seine Worte tragen die Ruhe eines Menschen, der gelernt hat, sich dem Unbekannten zu ergeben, statt es zu bekämpfen. „A hero is somebody who voluntarily walks into the unknown” – ein Satz, der seine Haltung präzise fasst: Mut bedeutet nicht, Angst zu vermeiden, sondern sie anzuerkennen und trotzdem weiterzugehen. Was Tom Hanks in diesen Tagen sagt, ist kein Motivationsspruch, sondern eine Einladung, das eigene Verhältnis zur Unsicherheit neu zu betrachten.
Tom Hanks über Präsenz: Das Prinzip der Gegenwart
Für Tom Hanks beginnt alles mit einem einfachen Appell: Sei präsent. Sei da, wo du bist. „Wherever one is, whoever one is around – be present.“ In dieser schlichten Haltung liegt für ihn die Basis allen Handelns. Sie hat ihn durch seine Karriere getragen, von Saving Private Ryan bis Toy Story, durch jahrzehntelangen Ruhm und Wandel. Das, was in seinen Rollen wie natürliche Wahrhaftigkeit wirkt, ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines Lebens, das sich immer wieder bewusst dem Moment anvertraut. Präsenz ist für Hanks keine esoterische Übung, sondern eine Form der Verantwortung: Wer ganz im jetzigen Moment ist, kann ehrlich sprechen, klar handeln und dem Leben begegnen, wie es sich zeigt.
Er erinnert daran, dass der Versuch, alles kontrollieren zu wollen, eine Illusion bleibt. Wir wissen nie, was wir wissen müssen, und wir werden nie alles wissen. Immer wird etwas verborgen bleiben, immer wird mehr enthüllt werden. „More is always going to be revealed. And this too shall pass.“ Diese Worte fassen sein zentrales Prinzip zusammen: Alles verändert sich – Erfolg, Schmerz, Freude, Verlust. Wer akzeptiert, dass nichts bleibt, kann aufhören, sich gegen das Unvermeidliche zu stemmen, und beginnt, sich ihm hinzugeben.
Der Glaube an das Ungewisse
Hanks beschreibt das Leben als ein Gleichgewicht von Glaube und Zufall. Man braucht, wie er sagt, „some degree of faith and luck that what happens after that is the best thing it could possibly be“. Gemeint ist damit nicht blinder Optimismus, sondern Vertrauen – ein leises, stabiles Vertrauen darauf, dass selbst das Unfassbare einen Sinn offenbaren kann. Er vergleicht diese Haltung mit einem Münzwurf: Auch wenn sie fünfmal hintereinander auf „Kopf“ landet, bleibt die sechste Chance immer 50/50. Die Vergangenheit bestimmt nicht die Zukunft. Nur, weil etwas war, muss es nicht wieder so sein. Dieses Bild ist schlicht, aber es entlarvt unser Bedürfnis nach Kontrolle als das, was es ist: eine Illusion, die uns Sicherheit vorgaukelt, wo keine sein kann.
Über das Loslassen der Vergangenheit
In einer Zeit, in der Nostalgie oft als Trost dient, nennt Hanks sie eine Versuchung, die uns aufhält. „There is an addictive quality to examining the past that can be counterproductive.“ Rückblicke können Erkenntnis bringen, doch wenn sie zum Rückzugsort werden, verlieren sie ihre Kraft. Niemand, sagt er, wusste, dass er im 15. Jahrhundert lebte; die Menschen waren einfach da, im Jetzt, so wie wir heute. Wer glaubt, früher sei alles besser gewesen, hat das Leben missverstanden. Denn das Leben ist kein Museum, sondern eine Bewegung nach vorn. Hanks sieht in dieser Haltung ein moralisches Statement: Wenn wir nur zurückblicken, geben wir die Zukunft auf. Wir verlieren den Glauben an Fortschritt – und an die Möglichkeit, dass unsere besten Tage noch vor uns liegen.
Damit stellt er sich bewusst gegen den zynischen Zeitgeist, der Veränderung oft mit Verlust gleichsetzt. Für ihn ist Geschichte kein Ort der Flucht, sondern ein Lehrer. Wer in ihr nur die Helden sucht und die Gegner vergisst, verpasst die Lektion – die Erkenntnis, dass das Menschliche selbst, mit all seiner Zerbrechlichkeit, das eigentlich Wunderbare ist.
Tom Hanks über Präsenz: Lernen, sich zu ergeben
Hanks beschreibt seine Haltung nicht als spontane Erleuchtung, sondern als jahrelanges Lernen durch Irrtum. In seinen Zwanzigern und Dreißigern habe er noch geglaubt, dass man im Leben einen Masterplan brauche. Erst später verstand er, dass auch Hingabe eine Form von Stärke ist. Manchmal muss man kämpfen, manchmal muss man loslassen. Zu akzeptieren, dass man nicht alles schaffen und nicht alles wissen kann, gehört für ihn zur Reife. Dieses Gleichgewicht aus Ehrgeiz und Demut prägt nicht nur seine Karriere, sondern seine ganze Lebensphilosophie: Kontrolle ist kurzatmig, Vertrauen beständig.
Gegenwart als Haltung
Am Ende läuft all seine Weisheit auf eines hinaus – präsent zu bleiben, ehrlich zu handeln und Vertrauen in das eigene Gespür zu haben. „If you have the chance, do it. Don’t pause there. If you’ve got an instinct, go at it. Throw deep.“ Intuition, so beschreibt es Hanks, ist eine Form von Intelligenz, die sich erst zeigt, wenn man sie zulässt. Er glaubt an Entscheidungen, die aus voller Präsenz entstehen – nicht kalkuliert, sondern gespürt. Das Leben ruft, und wer dabei zögert, verpasst seinen Moment.
Fazit | tl;dr
Tom Hanks spricht in diesem Video (Youtube) nicht als Guru, sondern als Zeuge. Seine Botschaft ist leise und doch radikal: Unser größter Mut besteht nicht darin, das Unbekannte zu besiegen, sondern ihm zu begegnen. Wer das akzeptiert, gewinnt eine neue Art von Frieden – jenen Frieden, der entsteht, wenn man aufhört, alles wissen zu wollen. „You have to be all right with what’s going to happen.” Vielleicht ist genau das die Essenz eines erfüllten Lebens: zu vertrauen, dass alles, was geschieht, uns formt, nicht zerstört.


