100 Tage alkoholfrei – eine abschließende Abstinenzanalyse

Ich glaube, ich war wieder mal zu voreilig als ich dachte, dieses 100-Tages-Projekt sei mit dem Livestreaming abgegolten. Immerhin sahen mir knapp 1500 Leute dabei zu, wie ich meinen ersten Schluck Bier nach 100 Tagen trank. Und das mir dieses Projekt zum Ende hin etwas auf den Säque ging, war ja auch rauszulesen. Nachdem ich nun mehrfach per E-Mail darum gebeten wurde, fasse ich die auffälligsten Ereignisse/Veränderungen/Befindlichkeiten einmal kurz für Euch zusammen.

FAQs:

Habt Ihr es denn überhaupt alle geschafft, 100 Tage abstinent zu bleiben?

Ja. Und es war tatsächlich ziemlich hart. Mal abgesehen von den Angeboten angetrunkener Dritter im Nachtleben und einigen 100%igen Diskretions-Beteuerungen, so die jeweils anderen Teilnehmer nicht zugegen waren; die Versuchung lauerte überall, besonders an den Geburtstagen und an Feiertagen.

Was fehlte Euch/Dir am meisten?

Zunächst der Geschmack. Es ist ja nicht so, dass ich Bier ausschließlich für den Flash trinke – es schmeckt mir einfach wunderbar! Und egal, welches alkoholfreie Bier ich trank: es gab keinen adäquaten Ersatz. Am schlimmsten war übrigens das Clausthaler, mit Jever fun oder dem Erdinger alkoholfrei konnte ich mich gerade noch so arrangieren. Nach 4-6 Wochen fehlt es einem dann auch schonmal an Brightness. Ich mache ja keinen Hehl daraus, gerne auch mal berauscht zu sein; manchmal muss das halt einfach. Und hier lasst Euch gesagt sein: auch THC ist kein Ersatz (wie man so hört). Nichts zeichnet weicher als Bier.

Wie reagierte der Körper, hast Du/habt Ihr zu- oder abgenommen?

Der Körper war zeitweise sicherlich dankbar. Kein Kater am Sonntag und ohne Alkohol gab es dann natürlich auch weniger Nikotin. Dennoch war ich wider Erwarten 3x erkältet (!) und konnte mein Vorhaben, mehr Sport zu treiben, leider nicht umsetzen. Mein Ausgangsgewicht konnte ich jedoch halten, Gürtel und Jockel haben ein ganz klein wenig abgenommen.

Habt ihr seelische, geistige oder psychische Veränderungen feststellen können?

Ich bilde mir ein, eine bessere Konzentrationsfähigkeit erlangt zu haben. Insgesamt habe ich natürlich mehr gelesen und mehr unternommen, das hängt aber nur mit der gewonnenen Zeit (Freitag und Samstag Abend, Sonntag) zusammen. Ich hoffe Ihr glaubt mir, kein Lobbyist irgendwelcher in Tennessee oder Hamburg-Altona ansässiger Interessengemeinschaften zu sein wenn ich sage, dass sich die seelische Balance durch die Rauschfreiheit sogar eher noch verschlechtert hat. Oft fehlte es mir an Kreativität, Euphorie oder Energie. Aber gut, das wird typenabhängig sein.

Wie verlief Dein erster Brand nach dieser Zeit?

Zunächst vielversprechend. Ich wurde nicht schneller betrunken als gewöhnlich, hielt sogar den Umständen entsprechend ziemlich lange durch. Nur der erste Kater – der war schlimmer als Alles, was ich vorher in solcherlei Angelegenheit durchleiden musste. Hat sich inzwischen aber auch wieder relativiert.

Würdest Du soetwas noch einmal machen?

Niemals! Und schon gar nicht wieder in dieser Länge. Dass ich im Zweifel auch mal 100 Tage ohne Alkohol auskomme, weiß ich nun. Ich weiß nur nicht, warum ich das nochmal sollte? Es ist bestimmt nicht verkehrt, sich und seinem Körper mal eine Auszeit zu gönnen. Und grundsätzlich gilt natürlich: ein gesundes Maß ist das Geheimnis. Wenn man den Umgang beherrscht, spricht hin und wieder sicherlich nichts gegen einen amtlichen Rausch!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es sich hier um einen rein subjektiven Erfahrungsbericht handelt. Eine Abstinenz kann bei jedem sicherlich etwas Anderes, vielleicht sehr viel Positiveres bewirken. Dennoch möchte ich Euch einen Satz nicht verschweigen, den ich in Maltes „Drogenführer Teil II: Alkolhol“ gelesen habe:

Alkohol ist ein soziales Schmiermittel, ohne das Parties nur bedrohliche Ansammlungen von Menschen wären, die sich ernsthaft mit einem unterhalten wollen.

In diesem Sinne: lebt gesund – aber glücklich!

Kommentare

35 Antworten zu “100 Tage alkoholfrei – eine abschließende Abstinenzanalyse”

  1. Looka sagt:

    Was einfach ist, sind Parties, die gänzlich auf Alkohol verzichten, da von Grund auf anders ausgerichtet.

    Schwieriger ist es ohne Alkohol auf einer Mit-Alkohol-Party, aber durch meinen Bekanntenkreis weiß ich, dass auch das mit etwas Übung geht und man sogar noch mehr Spaß haben kann.

    Man muss sich auf die Dinge einlassen, dann geht das schon.

  2. Dennis sagt:

    Ich habe ein paar Tage vor dir mit so ziemlich dem gleichen Projekt begonnen, nachdem ich es ein paar mal übertrieben habe und ich muss abschließend sagen: Es war echt herrlich Samstag Nacht nach Hause zu kommen und sich mit dem Wissen ins Bett zu legen dass es einem morgens mal nicht schlecht geht…!
    Andererseits musste ich aufm Kieler Weihnachtsmarkt und in verschiedenen Clubs feststellen, dass die Leute, die man sonst als Affen wahrnimmt einem noch 1000x mehr auf den Zeiger gehen. Wie oft habe ich gedacht: wenn ich SO im duhnen Zustand bin, erschießt mich!!

  3. war schon `ne gute übung.

    kann ja sein, dass ihr mal im hospital landet und dann ist nix mit scroll.
    bei weiblichen fans, die die bühne attacken kann man sich schonmal was breaken.

  4. Scholli sagt:

    Aber Sie und die anderen beiden haben durchgehalten, was Sie sich vorgenommen haben, Herr Winkel, und das ist doch was. Ich nehm mir jeden Tag vor, netter zu sein, keinen Zucker in den Kaffee zu tun und nicht zu fluchen. Klappt auch eher selten, aber bewusster Dinge tun oder lassen ist eben nicht so einfach wie sich das oft so dahersagt, deswegen noch mal Chapeau an alle 100-Tage-Abstinenzler!

  5. nilsn sagt:

    Ohne-Alkohol-Party? Ohne witz, habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht von gehört. Aber jetzt schon Abends? Vielleicht habe ich den falscher Freundes- und Bekanntenkreis, oder halt den richtigen. ;)

    Jeder wie er mag, und ich mag es hin und wieder.

  6. vogelmann sagt:

    Ich garantiere dir: Mach‘ dasselbe mal hinsichtlich Fleisch, und dir wirst sehen, es fehlt dir erstaunlicherweise NICHTS.

  7. Aquii sagt:

    Da ich auch mal in 2007 gewettet hatte, 90 Tage keinen Alk zu trinken, fand ich die Erfahrung recht nett. Allerdings war meine Wettpartnerin die Inhaberin einer Bar, in der ich dann auch im nüchternen Zustand besucht habe. Ab einer bestimmten Uhrzeit war es dort als „Nüchterner“ nicht mehr auszuhalten.

    Aber bei der Höhe des Konsums sollte jeder sehr vorsichtig sein, Es ist ein Gift und greift alles im Körper an, nicht nur die Leber…

  8. Dirk sagt:

    @vogelmann: Doch, der Geschmack eines guten Steaks.

  9. Die Muräne sagt:

    Danke für diese gründliche Analyse Ihres Selbstversuches. Im Ernst, es war ungemein wichtig, dass sowas mal von jemandem gemacht wurde. Damit dieser dann berichten kann, dass es nicht wirklich was bringt… sonst würden wir jetzt alle weiter in dieser quälenden Ungewissheit leben!

    Ein wahrer Dienst am Menschen. Sie sollten sich dies irgendwie bei der Steuer anrechnen können!

  10. Svern aus Ddorf sagt:

    Danke MC, das ist genau was ich hören wollte :-) Und auch inhalölich wie erwartet!

  11. Mone sagt:

    Wann folgt die Serie „100 Tage Sport am Stück“? ^^ Das wäre auch ganz interessant!

  12. hab mich auch schon gefragt wann „endlich“ eine Auswertung der 100 Tage kommt und gebe Muräne voll und ganz Recht: gut dass das mal jemand gemacht hat! Während den 100 Tagen hab ich ja auch mal drüber nachgedacht ob sowas vielleicht mal ganz gut wäre und es beruhigt mich ungemein, dass es eigentlich unnötig ist (und v.a. dass man dadurch nichtmal abnimmt…)

    live is short, also Prost…

  13. Johanna sagt:

    Ich will es wirklich nicht sagen. Naja, okay, ich will es doch unbedingt sagen: ICH HAB ES JA GESAGT!

  14. schnutenmaul sagt:

    Aus dem herzen gesprochen, der letzte Satz: gesund, aber glücklich! Also alles in Maßen und manchmal auch Massen :)

  15. von allem ein bisschen was. leben und genießen. ich ziehe meinen hut, hr. mc vor so viel charakterstärke! aber ein kleiner zweifel bleibt dennoch…. ;-)

  16. MC Winkel sagt:

    @Looka: Alkfreie Partys? Sie meinen Eigentümerversammlungen? :)
    @Dennis: Ich weiß, wovin Du sprichst!
    @Jerry B. Anderson ™: Aber die Zeiten sind ja jetzt vorbei. Prost!
    @Scholli: Netter sein? Zu JEDEM? Das geht nun wirklich nicht. :)
    @nilsn: Sehr gesunde Einstellung. Unsereins wird bestimmt 105! ^^
    @vogelmann: Ganz ehrlich: wir haben neulich backstage mal so ein Tofuzeuchs bekommen. Nicht das echte Tofu, mehr so ein Mashup. ^^ Das schmeckte fast so gut wie Putenfleisch. Damit könnte ich leben. Aber ich mag ja eigentlich nichts, was mich einschränkt, weisste…
    @Aquii: Eben! Daher ist ein gesundes Maß wichtig. Muss jeder selbst wissen. Wird schon!
    @Dirk: :)
    @Die Muräne: Ich frag mal meinen Steuerberater. Und Ulla Schmidt.
    @Svern aus Ddorf: Aber dennoch: MACHEN! Mindestens 2 Monate…
    @Mone: Wenn, dann ab Ende März.
    @die annemarie: gänz genäu! Pro_houst!
    @Johanna: Fraus Nostradamus! :) Aber dafür wissen wir es jetzt genau!! :)
    @schnutenmaul: Aight!
    @little-wombat: Und jetzt sind Sie dran: 100 Tage das Drehpapier weglegen! :))

  17. kleiner.mops sagt:

    Werter Winkel, Sie zeigen erste Anzeichen einer leichten Alkoholabhängigkeitkeit. Ts-ts. Aber freuen Sie sich nicht zu früh. Die haben die meisten Menschen, die regelmäßig mehr Alkohol trinken :-D

  18. danimateur sagt:

    congratz mr winkelsen. eine auswertung fehlte mir jedoch. wie verleif der kontakt zur weiblichen spezies und die dazugehörige erfolgsquote?

    ach ja, ab karnevalsmittwoch wir bei mir dann der glimmstengel abgelegt. dauerhaft.

    herzlich rauchend, danimateur

  19. also, wenn ich nun richtig gezählt habe, dann haben wir die hälfte der drehpapierfreien zeit hinter uns! *seufz*

  20. Scholli sagt:

    @MC Winkel: Da hamSe auch wieder recht. Ab jetzt ist es dann wohl Ihre Schuld! :-)

  21. „Ich weiß nur nicht, warum ich das nochmal sollte?“

    Tja, das Herr Winkelsen hat sich mir auch nicht erschlossen. Aber immerhin wissen Sie jetzt, dass Sie der Alkoholentzug nicht umbringen sollte, falls Sie mal auf einer einsamen Insel landen sollten. Der Nikotinentzug wird das schon übernehmen ;-)

  22. aristokitten sagt:

    Gerade körperlich hätte ich jetzt auch mehr Resultate erwartet, wo doch nu Leute die gar nicht rauchen und trinken nachweislich gesünder und fitter sind als unsereins. Aber wahrscheinlich reichen da 100 Tage einfach noch nicht zum kompletten Entgiften.

    100 Tage fleischlos, oder gar lebenslang, das kann ich natürlich nur unterstützen! Green Curry im TanTamar ist auch mit Tofu köstlich, ich schwör. =)

  23. QWERTZwerker sagt:

    Ich bin gerade bei Tag 22 angelangt. Silvester hat mir ein asozialer Wichser die Nase gebrochen (worauf ich ihn natürlich zwei Mal zu Boden prügeln musste) … aber mit dem Nasen“gips“ hatte ich einfach keinen Bock mehr auf Alk. Gelegenheit genug also, auch mal ne Pause einzulegen.

    Ich dachte auch, damit mein oft gereiztes Verdauungssystem ausbalancieren zu können. Diesbezüglich sehe ich jedoch nicht mal den Ansatz einer Verbesserung. Parties in den Clubs? Ein einziger Versuch war grässlich! Plötzlich nimmt man selbst erst richtig wahr, dass auch andere Menschen total breit sind. Trotz akzeptabler Geräuschkulisse und des Beisammenseins unter Freunden, überkam mich bereits nach einer Stunde eine quälende Langeweile. Um halb 2 musste ich schläfrig den Laden schon wieder verlassen.

    Fazit am 22. Tag: Okay, man fühlt sich im Alltag etwas „wacher“ – abends und nachts jedoch nicht. Beim Sport meine ich, ausdauernder zu sein. Gewichtsverlust? Fehlanzeige. Vielleicht fress ich auch mehr als vorher. Ohne gelegentlichen „Rausch“ fehlt es dem Leben allerdings an einigen Höhen. Das Party-Feeling ist einfach nicht mehr so intensiv da. Abschalten gelingt nur noch schwer. Das „Scheißelabern“ unter Freunden ist fast auf ein spießig-langweiliges Maß reduziert. Ich sage „Ja!“ zum Alkohol (natürlich nur begrenzt …) und freue mich auf kommenden Samstag. Denn dann besuchen mich meine Leute, die mit mir meine zu 96% gerichtete Nase und meine Rückkehr in gesellschaftliche Zwänge feiern wollen. Und ich bin mir sicher: Der erste Jack-Cola wird mich komplett aus den Latschen hauen!

  24. FrauvonWelt sagt:

    Das, werter Herr Winkelsen, haben Sie aber auch wirklich gut gemacht.
    Meine Verehrung. Prost!

  25. Die DiVa sagt:

    Ich, werter Herr Winkel, hätte ja jetzt das Umkehrprojekt vorgeschlagen, aber es wäre wirklich zu schade um Sie.

    Herzlichst und Schade

    Ihre DiVa

  26. chilldogg sagt:

    Ich sage ja auch immer, dass der Genuss von Malzhaltigen Getränken gut für die Gesundheit und die natürlichen Abwehrkräfte ist und ganz nebenbei noch Haut und Oberweite geschmeidig hält…

  27. shyen sagt:

    also um ehrlich zu sein, ich glaubte nict so recht an einen erfolg. deshalb umso herzlicher: glückwunsch!

    partys ohne alkohol gibts jede menge, meistens gibts da dann auch kein fleisch. nennt sich straight edge. wird aber sicher jedem geläufig sein. und ist wirklich gut, wenn man auf ernsthafte gespräche steht und es schön findet, auch nachts um 3 noch menschen zu treffen, die sich verständlich artikulieren können.

    ich für meine person habe dem alkohol gänzlich abgeschworen, schon vor einiger zeit. das einzig negative ist, dass man sich sehr ausgeschlossen fühlt. manchmal. unter all den besoffenen.

    nun ja.

  28. Jens sagt:

    Trotzdem Respektfür diese Leistung.
    Ich hatte vor das bis Karneval durchzuziehen und habe es schon jetzt nicht geschafft.

    Stattdessen habe ich mich mit meinem Körper/Gewissen darauf geeinigt, den Konsum auf einen Tag am Wochenende zu beschränken.
    Denke das ist auch okay so.

  29. schneck08 sagt:

    titten auf’n tisch: ich finde das wirklich klasse! gruß, schneck

  30. BeastyBasti sagt:

    100 Tage alkoholfrei? Echt ’ne Schnapsidee…

    Also der Nordeutsche an sich muss um die 0,8 Promillegrenze zu erreichen glatte 2 1/2 Tage ausnüchtern…. und Ärzte raten da dringend von ab. 100 Tage ohne Alkohol klingen da in meinen Ohren von vorne herein nach einer absoluten Schnapsidee,,,

  31. patomate sagt:

    Realität ist nur ein Eindruck, der durch mangelnden Alkoholkonsum entsteht.

  32. Dude sagt:

    Herr MC Winkel. War das der Grund, warum sie es heute im ease so richtig haben knallen lassen?

  33. Ich fasset nicht, der Winkel als Kommentator auf meiner Seite!
    Endlich mal ne echte…äh…Weblebrity.

    Demütigst danke ich für die Aufmerksamkeit und verbleibe lobend
    für ihr schönes wie wahres Experiment.

    Auf dass das nie wieder soweit kommen möge (also: 100 Tage ohne)

    Cheers,

    der Beisenherz

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