Wie A Tribe Called Quest den Hip-Hop für immer veränderten
Mit People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm legte A Tribe Called Quest 1990 nicht nur ihr Debütalbum vor, sondern schrieb gleichzeitig Musikgeschichte. Es war ein leiser, aber revolutionärer Einstieg. Kein überzogenes Ego, kein Gangsta-Image. Stattdessen: Leichtigkeit, Jazz, Verspieltheit und ein neues Selbstverständnis in der Sprache des Hip-Hop.
Dieses Album war der Auftakt einer Trilogie, die mit The Low End Theory und Midnight Marauders zur goldenen DNA von Jazz-Rap wurde. Und es war das erste Album, das von The Source mit der legendären „5 Mic“-Bewertung ausgezeichnet wurde.
A Tribe Called Quest – Die Geburt des Native Tongues-Sounds
Das Jahr 1990 markierte den Durchbruch der Native Tongues – ein loserer Zusammenschluss von Künstler:innen wie De La Soul, den Jungle Brothers, Queen Latifah oder Monie Love. A Tribe Called Quest (ATCQ) wurde schnell zum Herzstück dieses afrozentrierten, bewussten und musikalisch offenen Sounds.
Während Gruppen wie N.W.A. den Gangsta-Rap in den Vordergrund rückten, bot Tribe eine andere Vision: friedlich, poetisch, humorvoll – und stets voller Groove.
Q-Tips Vision: Beats aus dem Kinderzimmer
Schon mit dem Intro „Push It Along“ wurde klar: Hier geht es um Atmosphäre. Um Samples, die sich wie Wolken ineinander schieben. Q-Tip, damals noch ein Teenager, produzierte einige der Tracks auf Pause-Tapes. „Bonita Applebum“, einer der bekanntesten Songs des Albums, entstand in seiner ersten Version, als er gerade einmal 15 war.
Die Sample-Auswahl war ebenso vielseitig wie geschmackvoll: Von Eugene McDaniels über Donald Byrd bis hin zu Stevie Wonder. Was auffällt: Die Beats sind oft minimalistisch, aber immer raffiniert arrangiert. Q-Tip führt durch die meisten Tracks – Phife Dawg war zu dieser Zeit noch nicht fester Bestandteil der Crew.
A Tribe Called Quest – Storytelling, Samples und Stil
Tracks wie „Luck of Lucien“ oder „I Left My Wallet in El Segundo“ zeigen Q-Tips Fähigkeit, Storytelling mit Humor zu verbinden. Die Beats sind verspielt und lassen Raum für Atmosphäre. Besonders „Can I Kick It?“ wurde zum Kult-Hit, obwohl Lou Reed sämtliche Einnahmen einstrich – das berühmte Walk On The Wild Side-Sample kostete Tribe die Rechte am Song.
Dennoch bleibt Can I Kick It? ein Paradebeispiel dafür, wie Tribe klangliche Welten miteinander verband. Jazz, Funk, Soul – alles wurde durch ihre Linse zu Hip-Hop destilliert.
Der Ton der Zukunft
People’s Instinctive Travels… war kein fertiges Meisterwerk – aber ein mutiges Manifest. Die Produktion war simpler als auf den späteren Alben. Phife war noch Nebenfigur. Und doch: Alle Zutaten waren da. Ali Shaheed Muhammad lieferte den DJ-Background, Jerobi sorgte für Spirit – und Q-Tip hielt das kreative Zepter fest in der Hand.
Was folgte, waren zwei Alben, die Hip-Hop für immer veränderten. Doch der Samen wurde 1990 gepflanzt. Und er trug Früchte, die bis heute Künstler wie J Dilla, Common, The Roots, Erykah Badu, Tyler, The Creator oder Kendrick Lamar inspirieren.
Fazit: Eine Revolution mit leisen Tönen
Was dieses Album so besonders macht, ist seine Zeitlosigkeit. Trotz seiner Verspieltheit ist es kein Kinderkram. People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm zeigt, dass Hip-Hop auch sanft, nachdenklich und verspielt sein kann – ohne an Kraft zu verlieren.
A Tribe Called Quest gaben der Kultur einen neuen Ton. Einen Ton, in dem Kreativität, Ehrlichkeit und Musikalität wichtiger waren als Statussymbole oder Gewaltfantasien. Es war der Anfang von etwas Großem. Und manchmal genügt ein leiser Anfang, um eine laute Bewegung zu starten.


