Vorhin an der Fischtheke

Ich hatte heute Abend irgendwie Bock auf Fisch. Am riesigen Fischstand in der Einkaufsmall hatten sie kein Sushi mehr, was mich kurzzeitig so zornig machte, dass ich gar nicht erst nach Alternativen frug, was rückblickend etwas dämlich war. Der Reis unter den Nigiris oder in den Maki-Rolls stünde eh in großer Diskrepanz zu meiner immer noch andauernden Dinner-Cancelling Low-Carb-Dings, ein ehrliches Stück geräucherter Bratbückling wäre da schon wesentlich kompatibler. Aber nochmal zurück? Da würde ich ja mein Gesicht verlieren wie Epileptiker im Sägewerk, das konnte ich nicht zulassen. Dann lieber nochmal zur Fischtheke im Supermarkt – mal sehen, inwieweit die Lachsforellen dort heute so flashen.

Ich hab‘ der Fischlady dann auch gleich von meiner Diät erzählt, möglicht wenig Kohlenhydrate, außerdem würde ich mich ungern zuhause an den Herd stellen und meine Crib verkabeljauisieren, wenn das vielleicht irgendwie zu umgehen sei. Die Dorschfreundin zeigte mir dann eine Auswahl an geräucherten Utilities, welche man sofort vertilgen könne und welche im Gegensatz zu Hackfleisch ja auch noch den Tinte-on-the-Füller-Effekt hätten – an sich ein okayes Argument, aber ich hatte mich bereits entschieden. Aber ganz schön mutig; so wie ich heute aussah hätte ich Zwiebelmett-Lobbyist sein können.

Was das denn da für ein schöner Schillerlocken-Block auf 12 Uhr sei, wollte ich wissen. „Makrele!“, entgegnete sie, ohne zu vergessen, auf die Deko hinzuweisen. Sah wirklich traumhaft aus, so kleine Paprikastückchen in Ampelfarben, außerdem Zwiebelringe. „Ist ja doll, was ist das denn für ein Modell?“. „Das ist unsere Räuchermakrele Mexiko!“. Gut. Wer wie ich als Zivi in der Mensa bereits einmal „Chinesische Gemüsesuppe Bombay“ verkaufen musste, fragt nicht weiter nach. „Nehm‘ ich, das große Stückchen da hinten, bitte. Und was empfehlen sie mir als Instant-Hungerkiller, ich bräuchte noch direkt ‚was auf die Faust?“. Sie präsentierte mir das gesamte Fischbrötchen-Proposal, von Brat- und Bismarckhering über Matjes- und Rollmopssemmeln, bis hin zum Sprottenschnitzel oder … Makrele. „Ach wissen sie was – heute ist Makrele! Einmal bitte, aber ohne Remoulade!“. „Macht zusammen Sechsvierzig.“. War lecker.

Kommentare

9 Antworten zu “Vorhin an der Fischtheke”

  1. jo sagt:

    Die gegenseitig querzüngelnden Zwillingsschwestern vom Kavka fand ich jetzt irgendwie ein klein wenig erotischer.

  2. Herr Winkelsen ich bin enttäuscht! Wie inkonsequent! Fischbrötchen uff de Faust!!! Wo is denn da datt Low-Carb-Dings hin!??? Manmanman…;-)

  3. singhiozzo sagt:

    Beruhigend zu wissen, dass bei dir auch mal ganz normale Dinge am Tag passieren (oder hab ich irgendeinen eine Pointe oben nicht gerallt?)!

  4. MHW sagt:

    fantastisch geschrieben und erst die Ernährung. Bei mir gibts auch gleich Makrele. Ist ein super Fisch. Ich werde ihn bei Edeka erstehen, da sich der Fischmann gegenüber zu fein ist um diese Zeit seine heiligen Hallen zu öffnen, diese Drecksau! Meint wohl er ist was besseres oder wie… jaja, die von da oben, doh, die feinen Herren, die oberen 10tausend Fischverkäufer.

  5. Erdge Schoss sagt:

    Um nochmals, werter Herr Winkelsen,

    auf das leidige Makrelen-Thema zurückzukommen, das in der Hektik beim letzten Kutterangeln etwas zu kurz kam (weil ich latent unwohl über der Reling hing):

    Zum Spinn oder Naturköderangeln mit der Pose eine leichte Spinnrute mit Wurfgewicht von 40 g und dazu entsprechender Rolle, 30er monofile oder 20er geflochtene Schnur. Zum Kutterangeln mit einem Paternoster eine stabile Spinnrute mit 100g bis 200g Wurfgewicht, dazu entsprechende Rolle mit 50er monofiler oder 25er geflochtener Schnur. Bleie von 200g bis 400 g – je nach Tiefe und Strömung.

    Waidmannsheil
    Ihr Schoss

  6. Tanja sagt:

    War bei der Makrele (übrigens sensationeller Eiweiß- und Omega3-Fettsäuren-Spender) auf der Hand ein Dingenskirchen … Brötchen dabei? Wenn ja … nicht so richtig low-carb, oder 8-).
    Abäääär Fisch is immer gut … Lachs, Hering, Makrele sind die golden Jungs (oder auch Mädels). In jedem Zustand (nur nicht frittiert). Hau wech und guten Appo!

  7. Donna sagt:

    Was ist eine „Dorschfreundin“, Herr Winkelsen? ;o)

  8. jo sagt:

    @Tanja: Wie, „nicht frittiert“?

    Am Ende noch ohne Remoulade, oder was? Schmeckt das dann noch? Ist das überhaupt erlaubt? Gibt es nicht sowas wie ein Reinheitsgebot für den Fischverzehr?

  9. Puuuuuuuuh, ist jetzt nicht direkt ein Kommentar zu Deinen Fisch-Brötchen, aber ich bin ganz verblüfft…
    Du bist ja ein richtig Grosser ;-))). Beeindruckender Blog (von der Navi her ein bisschen schwierig – aber ich bin auch schon aaaaaaaaaaaalt). Tolle Texte, noch tollere Bilder, megaumfangreich. Alle Achtung!
    Hab‘ Dich eigentlich als Kommentator in einem Low-Carb-Blog gefunden. Witzig:“ Die Wege des www sind (fast) unergründlich“.
    LG, Petra

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