The Koreatown Oddity – Purdy: Ein Vater malt sich ins eigene Bild

The Koreatown Oddity Purdy

Der Rapper und Produzent Dominique Purdy, besser bekannt als The Koreatown Oddity, meldet sich aus Los Angeles zurück. Mit „Purdy“ legt er sein viertes Album auf Stones Throw vor, das heute erscheint und fünfzehn Stücke versammelt. Schon der Titel verrät, worum es geht: Hier steht der Mensch hinter der Kunstfigur im Zentrum. Die Stücke wirken wie Skizzen aus einem Leben, das sich gerade neu sortiert, so viel Nähe gelingt im Rap selten.

Als KTown rappt er selbst, die Beats stammen aus seiner Produzentenarbeit, sodass sich beide Rollen ständig ineinander verschränken. Neu ist der Blickwinkel, denn Purdy erzählt als Vater und Partner und begegnet dem Alltag mit dem grenzenlosen Selbstvertrauen einer kindlichen Fantasie. Genau darin liegt der Reiz, weil die Platte verspielt klingt und trotzdem nie beliebig wirkt.

The Koreatown Oddity Purdy – Der Künstler im eigenen Gemälde

Dominique Purdy beschreibt das Album als Werk, in dem der Künstler zugleich im Bild steckt und es beim Entstehen betrachtet. Er sei bis ins Unendliche regrediert und selbst Teil der Landschaft geworden, die er gemalt hat. Das klingt hochtrabend, funktioniert aber als Prinzip, denn KTown beobachtet das Leben und mischt gleichzeitig mittendrin mit. Vaterschaft und Partnerschaft verschieben den Maßstab, denn plötzlich zählt nicht mehr nur die eigene Karriere, sondern ein gemeinsames Leben.

Gleich der Opener „Dancing with the Trees“ mit Gary Wilson setzt den Ton, denn hier trifft ein Außenseiter-Kosmos auf Purdys Beat-Handwerk. Dahinter steckt die Erkenntnis, jetzt Teil von etwas Größerem zu sein. Statt Pose gibt es deshalb Neugier, und die trägt das Album durch alle fünfzehn Stücke.


Rasen, Saucen und Wochenendfloskeln

Besonders greifbar wird das auf „Astro Turf“. Koreatown Oddity vergleicht darin die Pflege eines prächtigen Rasens mit der Musikindustrie: Kampf, Ablehnung, Kritik und unkonventionelle Ideen dienen als Dünger für etwas Schönes. Ob kommerzielle Anerkennung die Authentizität kostet, stellt der Song als offene Frage in den Raum. Seine Moral ist trotzdem klar, denn echtes Gras schlägt jeden Kunstrasen. Dass daraus keine bloße Nummernrevue wird, liegt an Purdys Arrangements, die jede Idee präzise setzen.

Daneben steht der Humor. Der Vorbote „Ragu & Prego“ spielt Streitereien zwischen Saucenmarken nach, und ein anderes Stück begleitet die erste Schlacht eines Ritters. Außerdem fragt Ktown, ob irgendwer meint, was er sagt, wenn er ein schönes Wochenende wünscht. Solche Alltagsabsurditäten wirken nie wie Gags um ihrer selbst willen, weil sie den Blick eines Vaters auf eine seltsame Welt spiegeln. Das hat Witz und Haltung zugleich.

Beschwerdetag mit Gästen

Wie hart die Realität unabhängiger Künstler ist, zeigt „Festivus“ mit seinem Kollegen Trenttruce aus Los Angeles. Wie der gleichnamige „Seinfeld“-Feiertag wird der Song zur Runde der Beschwerden über den Zwiespalt zwischen künstlerischem Ehrgeiz und dem Überleben. Zugleich erscheint der eigene Weg als etwas, das man schmiedet und das nicht vorherbestimmt ist. Gerade das macht die Nummer so ehrlich. Ktown beschreibt das Stück als Seinfeld, Staffel 9, Folge 10, trifft auf „Terminator 2″.

Dazu gesellt sich das mehrteilige „Several Verses“ mit Skyler Duf, 3Qwestions, Ashanti Lewis und Dion Lack, das die Platte um weitere Stimmen öffnet. Nach der Origin-Story „Little Dominique’s Nosebleed“ und der Mockumentary „ISTHISFORREAL?“, die wie eine Mischung aus „In Living Color“ und „SNL“ lief, ist „Purdy“ der Klang eines neuen Lebensabschnitts. Koreatown bleibt dabei so neugierig wie früher, gewinnt aber hörbar an Tiefe und Gelassenheit. Damit gelingt ihm ein warmes, kluges Rap-Album, das Vaterschaft ohne Kitsch erzählt.

The Koreatown Oddity – Purdy // Spotify:

The Koreatown Oddity – Purdy // Bandcamp:

Kommentare

Die Kommentare sind geschlossen.