Tauschgeschäft: iPhone gegen Leben (Terrorismus heute)

Neulich so’ne App runtergeladen, die Einem mittels GPS helfen soll, wenn man sein iPhone/iPad mal irgendwo verliert oder – was wahrscheinlicher ist – geklaut bekommt. Gerade jetzt, bei den aktuellen Terrorwarnungen, ich rechne sekündlich mit hijackend kidnappigen Vierteilungs-Teerfedereien durch mandeläugige Selbstmordattentäter, ist doch klar. Vielleicht kommen apple-Endgerätebesitzer wie ich im Ernstfall aus der Sache raus, wenn wir im Tausch gegen unser Leben das Handy abgeben, wobei ich mir das dann auch nochmal genau überlegen müsste. Aber gesetzt den Fall, ich täte es: dann wäre es doch prima, wenn ich a) die Terroristen via GPS im Anschluss ausfindig machen und Deutschland (oder wenigstens Schleswig-Holstein) somit retten könnte und b) bei der Gelegenheit den Knochen wiederbekomme! Siehste.

Die App funktionierte im ersten Test. Ich konnte sie über eine Website aktivieren, der Terrorist bekommt dann eine Nachricht auf’s Display (die ich natürlich direkt auf arabisch verfasst habe) und sieht, „ah, da schau her, dass mach‘ ich mal lieber sonst gibt’s noch des Emser’sche Kasperklatsche“, womit er natürlich recht behielte. Was ich nicht bemerkte: durch das ewige Tracken hält der Akku im App-aktiven Zustand gerade mal zwei Stunden. Nach dem ersten Test war der Akku des iPhones also sehr schnell leer und weil nur dumme Menschen den gleichen Fehler doppelt begehen, passierte es mir gestern erneut. Unbemerkt. Auf jeden Fall bis ich im Auto saß und nachguckte, ob der (tatsächlich) wichtige Anruf inzwischen vielleicht geschah. Nicht einmal das Schnell-Laden via USB-Port im Autoradio konnte das Handy einschalten. Ich musste den zu erwartenden Anrufer also schnell informieren, dass ich gerade nicht telefonieren kann. Am besten telefonisch. Ach ja.

Naja, gut, dann schnell im Supermarkt rechts ran, von dort aus kann ich ja bestimmt schnell telefonieren, es handelt sich schließlich um einen Notfall. Zur Not mach‘ ich Einen draus, „hören sie, meine Frau ist zu doof zum Eieruhrlesen. Wenn ich nicht sofort anrufe, vergisst sie wieder, das Tiramisù aus dem Ofen zu ziehen und das Haus brennt nieder. Das ist uns gerade erst im Sommer während unseres Wanderurlaubes in Russland passiert, vielleicht haben sie es in den Nachrichten gesehen“, war aber gar nicht nötig, am Infortresen reichte man mir sofort den Hörer. Festnetzt, Ortsgespräch, siebenstellige Nummer. Es hat nichts mit Faulheit zu tun, dass ich die nicht auswendig lerne, das ist pure, dafür aber auch einzigartige Verstandslosigkeit. Aber ich kann ja im Handy nachguc…warte.

Wäre mir in dem Moment einer der Terroristen gekommen – er hätte mein Scheiß-iPhone sofort geschenkt bekommen. Wo sind die Brüder, wenn man sie wirklich mal braucht?

Kommentare

8 Antworten zu “Tauschgeschäft: iPhone gegen Leben (Terrorismus heute)”

  1. Patrick sagt:

    Die Terroristen haben alle schwarzen Hoodies dieser Welt geklaut. Die brauchen keine iPhones. Und warum muss zum iPhone orten auf dem iPhone eine App laufen? Bei mir muss da nix laufen.

  2. Schlesi sagt:

    Aus diesem Grund (Akku leer), hab ich mir ein kleines Büchlein angelegt, in dem alle wichtigen Nummern & Krams stehen. So hat man alles, wenn mal die Technik versagt. Passt wunderbar in die Tasche, wiegt so gut wie nix. Ich kann mir auch gerade mal meine eigenen Nummern merken.
    Aber, ich hab auch kein iPhone, also muss ich wohl mein Leben lassen…
    Und im Übrigen glaub ich nicht, das soetwas in dieser schönen Stadt hier passiert! ;)

  3. joerg sagt:

    Ich nehme an du hast TapTrace installiert, das saugt am Akku….
    Du weisst aber schon, dass die iPhone Suche von MobileMe jetzt kostenlos ist? ;)

  4. Tyce sagt:

    @Joerg: Jetzt weiß er es, aber dann wäre die fantastische Geschichte nicht entstanden… zumindest nicht so.

  5. o. sagt:

    Die ganze Geschichte spannt irgendwie so´n Dittsche-Bogen finde ich ;-)

    Sehr schön alles miteinander verwoben. Wenn Du nun noch den neuen Nord-Südkorea-Konflikt, Sebastian Vettel und Stephanie zu Guttenberg reingepackt hättest, könnteste direkt beim Ingo an der Theke lehnen…

  6. Sahit sagt:

    ja und mit Instalus ist auh kostenlos

  7. singhiozzo sagt:

    Kann ich alles genau so unterschreiben! Wenn das scheiß iPhone tot ist, bleibt das restliche Leben nahezu komplett stehen. Schlimm eigentlich!

  8. Yaab sagt:

    mal wieder erstklassig geschrieben. musste zum schluss echt lachen. genial! ;-)

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