„Sticky Art Machines“ — An Urban Portrait of Berlin by Max Schwarck

Sie sind meist gelb oder rot. Stets scheu und seltsam analog. Bevorzugt auf Augenhöhe von Kindern und akut vom Aussterben bedroht. Einst ein Augenleuchten, eine Hüpfburg für den Blutzuckerspiegel oder eine erste noch so unschuldige Konsumerfahrung – wohlbehütete Erinnerungen an die vermutlich süßeste Maschine der Kindheit: der Kaugummiautomat! Im heutigen urbanen Jungel wurde das Kultobjekt über Generationen vom bloßen Verkaufsautomaten zu einem Zeichenspeicher von Stadtkultur umfunktioniert. Fragmentarisch sprechen sie von „Kein Tier ist egal“, „Bizim Kiez“, „Beste Hase“ oder „Wo! Wo! Wo! Wo! Wo!“ und fügen sich doch so übergangslos in die städtische Alltagspraxis, dass man ihre Botschaften kaum noch wahrnimmt. Mit all den Tags, Aufklebern, Scratchings und sonstigen Hinterlassenschaften wird jeder zum Unikat, stets im Wandel unzähliger Botschaften. Egal ob geplündert, umfunktioniert als Mülleimer auf dem Weg zum Lollapalooza-Festival, Automaten, die laut nach „Schnuffel“ schreien oder als Erweiterungen des Außenbereichs einer Bar, als Open-Air-Theke dienen – jeder ist einzigartig, egal ob er als Politik-, Party-, Kunst- oder Quatsch-Automat dient.

Der Fotograf Max Schwarck (hier bei Instagram)hat im Zeitraum 2015-2016 zahlreiche Kaugummiautomaten der Bezirke Kreuzberg, Neukölln, Friedrichshain, Wedding, Prenzlauer Berg und Mitte portraitiert. Keiner der Automaten wurde für die Fotos „hergerichtet“, sondern jeder einzelne in genau dem Zustand fotografiert, in welchem er aufgefunden wurde. Vom urbanen Umfeld befreit und auf einen farbigen Untergrund gesetzt, wurden 70 von über 200 Aufnahmen in Form eines Plakats verdichtet: Ein Wimmelbild kultureller Botschaften. Wer sich – vor allem in Kreuzberg – auf den Weg durch die unzähligen Nebenstraßen macht, wird mit wachsamem Blick schnell den ein oder anderen Kasten wiedererkennen. Also: Botschaften dechiffrieren, Geld einwerfen – 360° drehen – schmecken lassen!


[via urbanshit]

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