Sahnepfeifen

Diese Geschichte wollte ich Euch eigentlich schon vor 3 Jahren erzählen, ich bekam dafür seinerzeit aber leider keine Freigabe von dem Hauptprotagonisten. Jetzt ist dem jungen Mann inziwschen offensichtlich genug heilende Zeit ins Land gezogen, jetzt darf ich. Bitte habt dennoch Verständnis, dass ich an dieser Stelle keine (echten) Namen nennen kann; immerhin geht es hier um eine Prostatitis. Aber der Reihe nach.

Marc hatte es an einem Wochen vor knapp drei Jahren endlich geschafft, seine absolut favorisierte, in Kiel ansässige Südamerikanerin zu einem Date zu überreden. Weil es stadtweit ein offenes Geheimnis war, dass Verabredungen mit Séfora noch am selben Abend horizontal enden würden, wurde dieses Ereignis entsprechend zelebriert. Ich erinnere mich wie heute, am Ende des Abends hatte Mark über 350€ auf dem Bierdeckel und mindestens 20 Bilder von zu Schildkröten geformten Genitalien auf seiner Kamera. Fragt nicht, so feiert man halt hier. Nur doof: Séfora erkannte, dass Sie der eigentliche Grund unserer guten Laune war, daher baute sie Marc noch eine Hürde in den zu erwarteten Strike: das Date würde nur stattfinden, wenn Marc einen weiteren Freund mitbringen würde. Für Sarah. Eine Arbeitskollegin von Séfora.

An sich wäre das jetzt kein Problem gewesen, wenn sich am Ende zwei oder gar vier Menschen freuen ist doch alles super. Das Problem war nur: Sarah. Figurmäßig war bei ihr alles okay, sie hatte halt nur kein Kinn, wie Bert, bei ihr ging die Unterlippe irgendwie direkt in den Brustraum über. Dazu ein leichter Silberblick und Schuppen, aber da sollte Andreas, Marcs Einwechselspieler #1, mal nicht so genau hingucken. „Dicker, die ist heiß! Jetzt vom Gesicht her keine Beyoncé, aber obenrum: 1A Sahnepfeifen sag‘ ich dir!“. Er sagte wirklich Sahnepfeifen, eine wirklich sehr prollige Bezeichnung für die sekundären Geschlechtsmerkmale der Frau, ich muss es aus Authentizitätsgründen an dieser Stelle aber rezitieren. Bei mir selbst ist ab Fleischbalkon eigentlich Schluß, aber das nur am Rande.

Lassen wir Marc und Séfora an dieser Stelle mal außen vor, an besagtem Abend lief alles glatt, keine groben Abweichungen vom Erwarteten. Andreas hingegen hatte zu kämpfen. Mit so wenig Kinn hatte er wirklich nicht gerechent. „Eine anatomische Einzelerscheinung, ein Kopf wie ein Strohhalm!“, „Durch die Augen sah ich den Kehlkopf!“ oder „Ein Blick wie eine Waldohreule!“ waren nur 3 der unendlich vielen Beschwerdesprüche, mit denen Andreas im Freundeskreis subtil um Mitleid bittete. Dazu kam, dass Sarah trotz ihrer 35 Jahre wenig Erfahrung in libidösen Angelegenheiten vorzuweisen hatte und augenscheinlich der Meinung war, harte Gebäumsel-Massagen würden das Lustempfinden des Mannes steigern. Am Mittwoch der Folgewoche rief Andreas für den Abend ein Krisentreffen zusammen, Grund: Blut im Ejakulat.

Wir googleten, lasen uns durch etliche Foren und nach kanpp zwei Stunden Laienrecherche dann unser Resultat: Prostatitis. „Das glaub‘ ich nicht, dass muss mit dieser Sarah zu tun gehabt haben. Die hielt meine Jewels für ’nen Igelball!“. Als wir dann hörten, dass kulminationsseitig außerdem noch Krustenreste ausgeliefert wurden, empfahlen wir doch lieber die Konsultation eines Urologen. „Keine Sorge, die neuen, medizinischen Gummihandschuhe haben einen Schmierfilm. Und so dick sind Daumen ja nun auch nicht!“, wir bauten Andreas auf. Das Ende des Liedes: eine Überstrapazierung im Bereich des Skrotums/Damm, irgendwelche geplatzen Äderchen, selbstheilend innerhalb von einer Woche. Nochmal Glück gehabt. Und immerhin: Sahnpfeifen.

Kommentare

23 Antworten zu “Sahnepfeifen”

  1. Patrick sagt:

    :D
    Flattered – vielleicht kannste ja dem Herrn mit dem 350€ Deckel was zukommen lassen

  2. sebastian sagt:

    aua, bitte sowas in zukunft unterlassen!
    wie reagiert er heute auf den namen sarah?

  3. Will.I.Be sagt:

    Interessant, interessant!

  4. Scholli sagt:

    Ich glaub, ich muss lachen. Aber ich hab ja auch keine Prostata.

  5. Perot sagt:

    Kinnings, Ihr Kieler Homeboys habt Euch aber auch vom Regen in die Traufe gebämst: Sarah, Akhtar, Pam … ;-)

    Aber wenigstens helft Ihr Euch gegenseitig, wenn sich einer beim Kampfbämsen „verletzt“ hat.

    Irgendwie erinnert mich die Beschreibung von Frau Sarah an den Homie.

  6. honki sagt:

    ich hab gerade tränen gelacht xD

  7. Toby sagt:

    minor details pls… :)

  8. Thomas sagt:

    Lass mich raten, aus Mark ist Marc geworden…?
    Ansonsten, wie wäre es mal mit Anspruch?

  9. Tanja sagt:

    Fleischbalkon finde ich sensationell. Den Rest eher befremdlich. Und … ich hab auch nicht alles verstanden. Bin eben aufm Land groß geworden. Da laufen die Sachen noch anders…

  10. grievedesign sagt:

    schon wieder outch

  11. denzel sagt:

    sahnepfeifen am montag morgen
    vertreiben kummer und sorgen!

    danke für diesen gelungenen start in meine woche! *lol*

  12. MC Winkel sagt:

    @Patrick: Danke für’s flattern – aber ich denke, der Button fliegt hier bald wieder raus. Auch wenn ich im ersten Montag einen Gewinn von 400% einstreichen konnte (also: knapp 32€! :)) – es gibt noch zu wenig Leute, die da mitmachen.
    @sebastian: Eigentlich gut. Er mag nur keine Daumen mehr. :))
    @Will.I.Be: … whudat ersetzt das Medizinstudium – hier lernt man noch was. Spielend. :)
    @Scholli: Braucht auch nicht jeder, sowas. :)
    @Perot: Jaja, klar, bei Blut im Irgendwas (Urin, Stuhl, Ejakulat, Speichel; Sie wissen schon) muss man doch füreinander sa sein! ;)
    @honki: :)) … ich beim Schreiben auch. :) (Und sorry nochmal wg. der Verunglimpfung Deines Namens! :))
    @Toby: whudat ist doch aber gerade für seine hohe Detaildichte beliebt, Herr Tobsen. Geht also leider nicht. :))
    @Thomas: Hab das erste K mal geCt. Ansonsten: *lol*
    @Tanja: Was hast Du denn nicht verstanden? Kann ich irgendwo bei helfen? :)
    @grievedesign: Aber diesmal anders, nä! :)
    @denzel: Bidde! :)

  13. SAN sagt:

    Autsch!
    Hoffentlich ist „Marc“ für immer und ewig „Andreas“ für diese Aufopferung dankbar.

    (das sind halt Männerfreundschaften, „BIS AUFS BLUT!!!!!!!!!“) oh Gott, hoffentlich bekomme ich das nie!

  14. Banquo sagt:

    … und wo kann man Sarah so treffen?

  15. Venden sagt:

    Was man nicht alles für Freunde macht…

    Doch interessant wäre natürlich auch zu wissen, wie der Abend/ Nacht von Andreas verlief…

  16. MHW sagt:

    Ouuhhmann,
    das mit Blut kenne ich, es waren sehr beunruhigende Tage.

  17. Tanja sagt:

    @MC Winkel: na was da so passiert ist … was da so weh tat und so … vielleicht liegt’s auch daran, dass ich kein Kerl bin :-P

  18. gesche sagt:

    @ tanja: kommt wohl, weil das männersprache ist -ich habs auch nicht ganz geblickt, obwohl direkt aus sailing city kiel stammend….und ich les solche negativfaszinierenden sachen ja immer gern, aber das mit der kulmination und den krusten, also da hab ich nun ziemlich lange ergebnislos drüber gegrübelt….

  19. frau k. sagt:

    also Herr Winkelsen, ich weiss nicht so recht, aber für mich liest sich die Geschichte so, als hätten Sie den eigentlich spannenden Teil weggelassen. Haben Sie uns etwa was verheimlicht?

  20. watnu sagt:

    Hier kann man was lernen! Sahnepfeifen, Fleischbalkone, Blutsperma. Derbe, aber lustig!

  21. honki sagt:

    @MC Winkel: ach kein ding ;)

  22. Tanja sagt:

    @gesche: danke! you made my day ;)

  23. Electrolotion sagt:

    Muha. Sehr gut. Sahnepfeifen. Das muss ich erstmal wirken lassen.
    Jetzt noch hier und da ein paar Buchstaben hin und ich meld‘ mich bei flattr an. Lass also gefälligst den Button drin. ;-)
    Denn 32,- € steuerfrei kriegste sonst nur sonntags morgens um 7, verkatert auf dem Trödel und musst dafür deine alten Kamasutra-Soulpladden im Schlafzimmer verhökern.

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