Runtime, Pt. I


Eigentlich wollte ich nur Haargel kaufen. Weder großer Umstand noch Zeitaufwand, ich weiss in welchem Regel bei Rossmann es steht, hatte einen offiziell legitimierten Parkplatz vor der Tür und einen anschließenden Termin bei meinem Anwalt. Will doch meine Psychotherapeutin anscheissen, weil sie mir in der letzten Seance beiläufig von illegal aus Polen importierten Wohnzimmeraccessoires berichtete, die sie mit Maximalgewinnbringung noch vor Fastnacht bei ebay an naive Schnäppchenjäger verhökern wolle. Doch dieser Parkplatz lud einfach ein, selbst wenn ich momentan noch über ausreichend Haargel verfüge. In seiner Größe stand er einem spanischen Erstliga-Fußballtor in nichts nach, ich parkte sofort quer ein. Nemesis! Waren es doch zu viele Bußgeldbescheide in 2004. Und Längsparker sind konfrontationsscheue Wechselgeldzähler, wie ich finde.

Kaum die Tube 3-Wetter-Taft-Haargel (mit blauem Logo -> Wetlook) in der Hand, spricht sie mich an. Sie ist die Regaleinräumerin, die mir irgendwie bekannt vorkam. Ist sie nicht die Ex-NBC-Giga-Moderatorin, die aufgrund fehlender Eloquenz die Probezeit beim Sender nicht überstand, dann in der Blitz-Illu Ihre Vulva für ein Honorar ablichten ließ, bei welchem jeder Kellner seinen Gast mit dem EC-Cash gerät erschlagen würde, wenn dieses als gutgemeintes Trinkgeld gedacht wäre? Oder ist es die ehemalige Klassensprecherin der Hauptschulklasse 9c aus Preetz, die mir in meiner Sturm- und Drangzeit in einer ländlichen Großraumdiskothek von einem befreundeten, tschechischen Golflehrer vorgestellt wurde? Ich erinnere mich noch aufgrund Ihres grotesken Sprachfehlers gut an sie. Nach jedem „sch“ und bei Vokalen zog sie Ihre Lippen expanderartig auseinander und presste sie anschließend leicht nach vorn. Mein tschechischer Freund berichtete mir damals frustriert, er sei immer noch nicht dahinter gekommen, ob es sich hierbei um eine aufgesetzte, sexuelle Geste zur kontinuirlichen Multiplikation Ihrer Beischlafspartner oder um eine simple Hasenscharte handeln würde. Vielleicht war sie aber auch einfach nur eine einfache, anatolische Regaleinräumerin mit ausgeprägtem Mitteilungsbedürfnis.

„Das ist gut, das hat mein Ex auch benutzt. Ich schwooooaaaarh!“. Da waren sie wieder, die „sch´s“ und die Vokale und Ihre mystische Geste! Also doch die Klassensprecherin mit dem Sprachfehler. Ich erinnerte mich an meinen Parkplatz, den ich in dieser Ausführung innerhalb der nächsten Legislaturperiode bestimmt nicht noch einmal bekommen würde und entschloss, mich einem Smalltalk mit Ihr herzugeben. Sie berichtete von Ihrem Vater, einem selbstständigen Schneider mit kleinem Lädchen in der Gaardener Einkaufspassage, der derzeit auf der Intensivstation des städtischen Krankenhauses läge. Er sei bei dem Versuch, vor der GEZ durch ein viel zu kleines Kellerfenster zu flüchten mit seinem Wanst in dem verrostetem Rahmen hängengeblieben. Leider fand Ihn der örtliche Pfarrer erst ca. 8 Stunden später, befreite Ihn unter Zuhilfenahme seiner im Handschuhfach stets griffbereit gelagerten Vasiline und nutze die Hilflosigkeit schamlos aus, indem er den jammernden Schneider für anale Phantasien missbrauchte, die er nach dem gerade abgeschlossenem Studium des Kamsutra sich mit seinem in Dänemark angeheirateten Partner nicht auszuleben traute. Gleiches versuchte er wohl bei der Frau des Schneiders, die in Ihrer Freizeit (welche Ihr ausreichend zur Verfügung steht, da sie nur halbtags in der Schneiderei beschäftigt ist) sämtliche Hollywood-Filme auf DVD konsumierte, um anschließend belanglose Inahltsangaben in Ihrem Weblog zu veröffentlichen, die selbst die Mitschüler Ihrer Tochter seiner Zeit in der Hauptschule origineller ausarbeiteten. Bei der Schneidersfrau gelang es dem Pfarrer aber nur rudimentär, vermutlich lag es an Ihrem Muttermal auf dem Steiß, welches der Heiligen Jungfrau Maria nicht unähnlich war.

Kauft MC das Haargel?
Kann Ihm sein Anwalt helfen?
Kann MC seinem Anwalt mit dem anatolischen Schneider einen weiteren Klienten liefern?

(Fortsetzung folgt)

Kommentare

9 Antworten zu “Runtime, Pt. I”

  1. […] Vorher lesen: Teil I, II, III!!! Der Motor des Busses startet, noch bevor die Tür geschlossen wird und ich mich hinse […]

  2. Mark sagt:

    Ich mag das! Bin echt gespannt, wie es weiter geht.

  3. GL sagt:

    Ich auch! Hatte ich nicht schon mal gefragt, wann das erste Buch von dir erscheint!?!? Wird Zeit…

  4. Ben-Chi sagt:

    Sehr lesenswert. Da bin ich mal auf die Fortsetzung gespannt wie der Papst beim Eier suchen.

  5. mai sagt:

    her damit….

  6. Hendrik sagt:

    SPITZE!!!
    Aber das wesentliche fehlt………wo sind die Fotos der NBC-Moderatorin???? Bitte nachreichen…….

  7. MC sagt:

    das ist die dusselige Kuh auf dem Bild oben…

  8. Mein lieber MC Winkel,
    ich fand’s nicht so dolle, ähem, im Gegensatz zu vielen anderen Krachern in deinem Blog (wo ich keinen Kommentar schrieb), insofern weiter so und nicht so.
    gez. Schmidt

  9. kollegaa sagt:

    Fortsetzung!!!! Fortsetzung!!!!! Fortsetzung!!!!!
    aber zack zack, wenn ich bitten darf.

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