Ringkøbings Revenge

Maike war Kundenberaterin bei der lokalen Sparkasse. Sie arbeitete in einer Filiale, die ich irgendwann zu Beginn dieses Jahrhunderts einmal betrat und sofort Stammkunde wurde. Ich wollte Maike unbedingt kennenlernen und weil ich gerade einen relativ positiv laufenden Abschnitt meiner Sturm- und Drangzeit durchlebte, fragte ich nach einem Date – was ich keine zwei Tage später auch bekam. Maike machte einen sehr bodenständigen Eindruck. Sie war sehr geordnet, hatte eine konservative, partiell spießige Weltanschauung; was ihr weißer, spitzenbesetzter BH unter der leicht transparenten Bluse aber auf irgendeine Art wieder wettmachte. Am Abend unseres dritten Treffens bot Maike mir an, sie und ein paar Arbeitskollegen am Wochenende in ein angemietetes Haus in Dänemark zu begleiten. Ich sag’s Euch ganz ehrlich: ich hatte ü_ber_haupt keine Lust und konnte mir wenig Langweiligeres vorstellen, aber: ich wollte da endlich bei! Drei Dates und kein Gescore – was blieb mir also übrig.

Ich bereitete mich innerlich schonmal auf ein sehr inspirierendes Wochenende mit interessanten Persönlichkeiten und bestimmt tollen Gesprächen vor. Ehrlich gesagt hätte ich lieber bei einer vom Stützstrümfe produzierenden Sponsoren ausgerichteten Senioren-Busreise durch den Thüringer Wald partizipiert. Lieber ein paar altersmilde Heizdeckensympathisanten als ein Haufen hyperaktiver Aktienhomies mit Redezwang. Ich ging davon aus, am Wochenende dienliche Häkel- und Kochtips zu bekommen, würde bestimmt viel über volkswirtschaftliche Handlungsempfehlungen für die Wirtschaftspolitik erfahren und die Frage nach etwaiger Stehpinkelei könne ich mir bestimmt auch gleich ersparen. Aber dann kam es: Ringkøbing, die Rache.

Vergesst all Eure romantischen Illusionen, was Banker betrifft. Wenn es eine Gruppierung gibt, die es hart zu feiern versteht, dann sind sie es. Wir reisten in einem gemieteten VW-Bus an, sofort nach Fahrtbeginn knallten die Korken. Das Radio pumpte Oasis „Cigarettes & Alcohol“, was allgemein mitgegröhlt wurde und im Fahrzeug gab ein nur eine Person, die nicht kiffte: mich. „Maike, der Fahrer hat ja schon ganz rote Augen!“. „Ach lass den mal. Franky fährt stoned besser als nüchtern, wirste noch sehen!“. Als stellvertretender Filialleiter würde er bestimmt wissen, was er tut. „Oder soll ich den Rest fahren?“. „Du? Du kannst mal den Jägermeister reichen!“. Ich wurde ausgelacht. Von Bankern.

Im Haus angekommen wurde weiter getrunken. Die Gruppenältesten machten es sich mit der Auszibildenden im Whirlpool gemütlich, in der Sauna kippte man Pflaumenschnaps auf den Holzofen und Franky kokste auf dem Küchentisch. Die Stimmung war bereits ausgelassener als Heizungen im Sommer und nachdem die Herrschaften sich nach ihren jeweiligen Vorabendaktionen im Wohnzimmer sammelten, wurde Strippoker vorgschlagen. Als über die Hälfte der Anwesenden nur noch in Unterwäsche im Wohnzimmer herumsaß, wurde der Trichter gereicht. Franky und einer der etwas älteren Herren verschwanden regelmäßig zum Nachkoksen und als sich die Immobilienexpertin in das Waschbecken der Küche erbrach, steckte der Kassenmann ihr seinen Flachmann ins Maurerdekolletée. Irgendwann war Maike beim Trichtern an der Reihe und ich staunte nicht schlecht, wie tapfer sie die zwei Liter aufnahm. „Mensch Maike, bei deinen knapp 50kg Körpergewicht hast Du gerade innerhalb von 10 Sekunden 4% zugenommen – wirklich beachtlich!“. „Brrrrrrrrrp. Brp.“.

Irgendwann war auch dieser Abend vorbei und dass heute Nacht noch etwas passieren würde war sicherer als Cheyenne Mountain. Es fing auch alles sehr harmonisch an, bis zu den Zeitpunkt, als Maike irgendwas Umschnallbares aus ihrem Koffer zauberte und mich fragte, wie es denn so um meine Devotheit bestellt sei.
Am folgenden Montag wechselte ich die Filiale.

Kommentare

38 Antworten zu “Ringkøbings Revenge”

  1. Parkster sagt:

    Kann ich mir zwar beim besten Willen nicht vorstellen (kenne zu viele Leute, die in der Sparkasse arbeiten!), aber trotzdem ne nette Story.

  2. JMK sagt:

    Das glaubt doch kein Mensch!!

    Nie im Leben war das ein VW Bus!

  3. HLA sagt:

    Das mit dem Schnee und dem Strap-On kann ich zwar nicht bestätigen, aber was den Alk-Konsum und das Durchhaltevermögen angeht, volle Punktzahl!! Bin leider in einer anderen Branche, hab’s zwar auch mit Alk, aber weniger mit Zahlen.

  4. Andre sagt:

    Meine damalige Filiale war das definitiv nicht – die Erinnerung kommt mir allerdings leicht durch gewissen Nebel beeinflusst vor, in Wirklichkeit schlief der werte MC nach der Hinfahrt ein und hatte diesen Traum :-)

  5. Solidglobe sagt:

    Ne gute Freundin von mir ist auch im Bank Business beschäftigt… die sind definitiv so hart drauf!

  6. typkes sagt:

    Und wie ist es denn nun um die Devotheit unseres MCs bestellt? :-P Zwischen Freitag abends und Montag morgens liegen schließlich – in Schweigen gehüllte – über 48 Stunden.

  7. Casjen sagt:

    Krasse Sache eh :D haha

  8. Herr W., das hört sich für mich aber an, als wechselten Sie die Fililale erst nachdem Sie sich für etwas Devotes hatten einspannen lassen, Sie Sau!

  9. Gürtel sagt:

    Krass- Heftig, Alter. Hätt ich im Leben nich gedacht, dass Banker….Oasis hören…

  10. Finja sagt:

    *prust* Haha, geil! Gut gelacht am frühen Morgen, so muss das sein!

  11. Pssst! sagt:

    und ich dachte, du hättest die weiber schön eine nach der anderen…………….. nach hause geschickt… ;-)

    …*gähn* du langweiler! *g*

  12. Scholli sagt:

    Jaja, außen hui und innen pfui, das kennt man ja. Anwälte, Herr Winkel, genau das gleiche Spiel. ;-)

  13. DFink sagt:

    Ach du Kacke, meine lil‘ Sis fängt dieses Jahr ne Ausbildung bei der Bank an O_o

  14. Sonja sagt:

    Ja, so sind sie. Ich weiss das, ich war selber eine und bin dann nach 11 Jahren zur Versicherung geflohen-vom Regen in die Traufe. Ts.

  15. danimateur sagt:

    Und von diesem Tag an ruderten Sie zurück und begannen zu bloggen…?

  16. 500beine sagt:

    „komm mal unten bei mich bei..!“,
    hat sie auch befohlen!?

  17. der.grob sagt:

    ich hatte auch mal eine freundin, die sich zum sex immer eine clownsnase umgeschnallt hat. allerdings noch nie eine bankkauffrau.

  18. Kaal sagt:

    Die Angestellten der Banken auf Staatshilfe dürfen neuerdings nur noch Crack über ihre Spesen abrechnen.

  19. singhiozzo sagt:

    Oooooohhhhhh ja, DAS kann ich bestätigen. Mir hat mal die örtliche Sparkassenschnecke in eine Palme gereiert, 5 Minuten nachdem sie auf die Party gekommen ist. Nen Strap-On hatte die allerdings nicht dabei.

    Übrigens: Ich bin für mehr Oasis hier im Blog! :-D

  20. Commander sagt:

    Koksende Banker?
    Business as usual!

  21. der Kaiser sagt:

    Da hätte man sicherlich günstige Zinssätze bekommen wenn man da mitgemacht hätte!

  22. KleinesF sagt:

    Das stützt die gelegentlich vertretene Weltanschauung Geld=Spaß.

  23. Riwalin sagt:

    Wen wundert da die Finanzkrise noch?

  24. Herr Schmidt sagt:

    Da hab‘ ich aber andere Erfahrungen mit Bankangestellten gemacht. Muss an der Region liegen…

  25. Sahne sagt:

    Die Frage zu deiner Devotheit würde ich gerne noch mal aufgreifen… ;-)

  26. Lucas sagt:

    Ich hab auch aus der Nähe erfahren, dass es in Traderkreisen so richtig abgeht … ähm ging,

  27. onGri sagt:

    „… irgendwas Umschnallbares aus ihrem Koffer zauberte …“

    ich musste laut lachen, schönes Ende … ghihi

  28. Du hast wohl noch nie in der Werbung gearbeitet, wah …
    Haha …

  29. Elec sagt:

    Muha… Also noch mal ganz langsam (mein gestriger Post ist verschollen):
    1. Fehlt das was. Deine Reaktion, die Rückkehr, die Folgen, der StatusQuo des Kontakts, etc! 2. fällt mir dazu ein, dass mein Gay-Arbeitskollege dich neulich als „süßes Bückstück“ bezeichnet hat. Doch bevor du nun auf dem Weg in den Süden bist, um deine Männlichkeit unter Beweis zu stellen, sei angemerkt, dass er dich allerhöchstens auf 23 schätzte. ;-)
    Mail an mich, falls ich den Kontakt herstellen soll ;-))))

  30. Johanna sagt:

    Zum Glück bin ich nicht vermögend und deshalb auch nie in der Bank. Gruselig!

  31. pulsiv sagt:

    ich war nur mal mit ner frau im bett, die ihre mütze auf lassen wollte… aber ich durfte ihr die nicht ins gesicht ziehen… schade…

  32. Slim sagt:

    jaja, ich weiß schon, warum ich nach Frankfurt gezogen bin…

  33. Thearcadier sagt:

    Irgendwie musste ich bei der Erwähnung Deiner Devotheit spontan an Deinen Natursekt.Vogel denken: wenn das ma nich nen bischn narrow is…

    Ansonsten: geile Story!

  34. hoeller sagt:

    Das war wirklich ein RABEnschwarzer Tag für Dich…

  35. […] nochmal die Geschichten zu den jeweiligen Schauplätzen: – Die Akhtar-Trilogie – Kurzurlaub mit der Bankerin plus Kollegen – Brown Plaza – Durchfall im Steigenberger – Erster Puffbesuch, Mile High Club – Special: […]

  36. Gilli Vanilli sagt:

    also ich bin banker

    bis auf das mit dem umschnallbaren teil

    hab ich ALLES was hier steht schon selber erleben dürfen ;-)

    ich sag euch was auf den azubi parties abging – die mädels waren
    freiwild für die „älteren“
    und beim vorstand im büro wurde ne fette jolle durchgezogen

    danach noch ne azubine weggekna..t – leider rief zu dem zeitpunkt
    dann einer der anderen vorstände an der arbeitsgeil noch im büro war

    seitdem durften azubiparties nur noch extern stattfinden
    und die vorstandsbüros wurden verschlossen :-)))

  37. Gilli Vanilli sagt:

    PS: natürlich nicht von mir ich war artig in den massen und
    hab mich betrunken :-)

    PS: dieser eine banker im büro des vorstands war
    nach diesem event kurze zeit später EX-banker :-))

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