Rauchschluss und der Kontoauszugs-Lieferant

Ich hab mir neulich irgendwann mal vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören. Ich bin Genussraucher, seit etwas mehr als 20 Jahren. Genuss ist hierbei ernstzunehmen, ich rauche nämlich wirklich nicht täglich und schon gar nicht rund um die Uhr, ich rauche entweder auf Feierlichkeiten, in Gesellschaft oder eben aus purem Genuss. Freitag oder Samstag Abend, so 21 Uhr, Feierabend, ein kühles Bier oder ein guter Rotwein in der Hand, die richtige Serie/den richtigen Film für die Abendunterhaltung gepickt, Füße hoch, Kippe an. Unvorstellbar, so ein Abend ohne Rauchwerk. Doch leider treffen hier – übrigens zum ersten Mal in meinem Leben – Genuss und Eitelkeit hart aufeinander. So hart, dass ich mich in absehbarer Zeit wohl entscheiden muss.

Auch wenn es sich nicht um große Massen an Nikotin handelt, das was da auf den Packungen steht und was man sonst so hört – das ist ja nicht Alles gelogen. Auf der einen Seite würde ich ja wirklich schrecklich gerne meine Lunge und ein paar sonstige Zellen re-energizen, darüberhinaus wäre es toll, wenn meine Haut durch etwaigen Nikotinverzicht so ein ganz kleines bißchen blumiger daherkäme, halt so, wie ich mit 29 noch aussah. Wobei, das ist jetzt auch Quatsch – sagen wir wie 22, man muss ja Ziele haben. Auf der anderen Seite: ein Leben ohne Pafferinski im Gesicht, das wohlige Gefühl des Filters zwischen den Lippen, der erste Zug, bei dem man richtig hören kann, wie das brennende Kraut sich über den Hals seinen Weg Richtung Lungenbläschen knistert – ich will das. Aber noch mehr will ich die Rosenhaut, also musste etwas passieren. Ich hielt es für einen gelungenen Move, mir während der letzten Reisen an den Flughäfen im Dutyfree-Bereich keine Kippen mehr zu besorgen. Hier kosten die Lungenbrötchen im Schnitt nämlich so 1,50 bis 2€/Schachtel und wenn ich keine Zigaretten mehr zuhause habe, dann kaufe ich mir bestimmt Keine für das Dreifache.

Dann war es wieder soweit: Samstag Abend, endlich Ruhe nach einer turbulenten Woche. Füße hoch, Bier bei 4° (ich trinke derzeit übrigens Störtebeker Atlantik Ale, weil das echt so schmeckt, wie die Bier aus Neuseeland – needs more hops!), die letzte Homeland-Folge streambereit und ich keine Zigaretten mehr. Eigentlich wusste ich sofort, dass das diesen Abend auf gar keinen Fall funktionieren würde, dennoch wartete ich noch knapp zwei Stunden, bevor ich wirklich zum Zigarettenautomaten hier ums Eck rannte. Wortwörtlich. Ich paffte dann meine 3-4 Zigaretten, ärgerte mich etwas, misshandelte Lunge, Zellen und Haut aber muss ja. Eitelkeit ist eine Todsünde, von Genuss konnte ich da nichts finden.

Bevor ich mich dem Schnitt des letzten (und vermutlich besten!) Vlogs aus Neuseeland (heute Abend noch – mit Bungeesprung!) widmen wollte, ging ich am gestrigen Sonntag erstmal duschen. Es wurde etwas später, weiß nicht, 16 Uhr oder so, es wurde gerade dunkel. Im Bademantel ging ich zur Gegensprechanlange und erkundigte mich nach dem Anliegen des mir unbekannten Besuchers. „Machen Sie mal bitte auf!“, wurde ich aufgefordert. „Um was geht es denn?“, „Ich habe Ihre Geldkarte gefunden, machen Sie mal auf!“. Wie was Geldkarte, wann, … ach ja. Die steckt man ja neuerdings in Zigarettenautomaten, da werde ich meine wohl gestern dort vergessen haben. Lunge, Zellen, Haut und jetzt auch noch Erinnerungsverlust – ich muss die Scheiße ernsthaft beenden. Also im Bademantel und mit nassem Haar an die Tür, „Moin! Ach ja, meine Karte, aber was, woher…“, ich zeigte auf einen ca. 5cm dicken Stapel an Kontoauszügen. Wenn ich neben Zigaretten-aus-dem-Automaten noch etwas nicht tue, dann sind es Kontoauszüge aus dem Automaten. Ich warte immer so 3-4 Monate, dann kommen die schon mit der Post, das letzte mal holte ich mir Auszüge irgendwann im Sommer 1987, ich brauchte einen Filter für den Johnson Einkaufszettel für Aldi. „Ich habe die Auszüge bei der Bank nur geholt, damit ich Ihre Adresse habe, ich habe aber nicht draufgeschaut!“, sagte der Mann und guckte dennoch etwas verwundert aus der Wäsche, „was, was haben sie da im Gesicht?“, fragte er. „Ähm, was meinen Sie, … Jochbein? Stirn, Kinn? Nasolabialfalte, hab ich 2 von!?“, „Nee, da!“, er zeigt auf den Mund. „Ach, die Zigarette! Ja, hab mir gerade eine angesteckt.“. „Ah, ich verstehe: Genussraucher!“.
Geht so. Ich muss mich in absehbarer Zeit wohl entscheiden.

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