Mit Pam nach London. Oder doch nicht?

Nun war es also bereits zwei Mal ausgesprochen und somit unignorierbar: Pamela, die knapp 30jährige Prostituierte afrikanischer Abkunft wollte mit mir, der frisch 17jährigen, spätpubertierenden, fleischgewordenen Knappunterdurchschnittlichkeit aus Kiel-Mettenhof nach London fliegen. Was für eine fantastische Kombo. Ich mein‘, Serena Williams wurde ja auch schon öfter mit Macaulay Culkin im Urlaub gesehen. Und warum nicht mal London. Der entferntest liegende Ort, den ich vorher je bereiste, war Owschlag. Und ich hab mal bei Kirsch Kowalewski in Wattenbek in den Mai getanzt. Naja, und mit meinem Eltern war ich ’79 mal im Legoland, war auch nicht schlecht. Aber London? Die haben doch weder die D-Mark noch Labskaus?! Und geflogen bin ich auch noch nie – komm‘ ich mit meiner Sonnenbrille eigentlich durch den Zoll? „Well, Pam, I will think about it and tell you tomorrow!“. „There’s nothing to think about – I pay for that!“. Die Situation spitze sich zu wie Hypotenusen in Richtung Kathete. Ich musste diese Sachen dringend mit Jan besprechen.

„Sie will mit Dir wohin?“. „Naja, London halt.“. „Wieso denn das? Ist doch immer Scheißwetter in Irland.“. Die Klassenbesten waren wir beileibe nicht. Ich erklärte Jan, dass ich auch mal etwas Anderes sehen wollte, als unsere Mitschülerinnen, Video2000-Pornos oder das lokale Rotlichtmilieu. „Ich mein‘, vielleicht treff‘ ich Simon Le Bon oder Samantha Fox? Und der Big Ben ist doch auch da!“. Jan schlug mir mit der flachen Hand gegen den Hinterkopf, „Big Ben? Der ist in Schottland, Mann! Noch nie Scotland Yard gespielt?!?“. Ich liess gut sein und sagte dies, „Lass gut sein, Dschänsen!“. „Haha, du Pfeife.“.

Zuhause wollte ich erstmal vorsichtig die Lage testen als sei ich Bandscheibenpatient. „Spricht etwas dagegen, dass ich mit Jan über’s Wochenende in der Jugendherberge Westensee übernachte, Mum? Wir wollen baden und Tischtennes spielen, einfach mal raus!“. „Ich,“ begann meine Mutter ihre Antwort, die wenn sie so stehenbleiben würde „Deine Mudder“ lauten würde. Blieb sie aber nicht, „weiß ja nicht so recht. Ihr könnt doch auch ins Schwimmbad nach Schilksee und in der Kirche haben sie auch Tischtennisplatten.“. „Du hast vermutlich recht.“. Ich lenkte ein wie chinesische Orthopäden (Alter! Der war aber jetzt echt mal gut!), eigentlich wollte ich ja auch gar nicht. Ich mein‘, unvolljährig mit Hure am Trafalgar Square Paderbornber Export trinken – wie Rock’n’Roll wäre das? Aber wie rock’n’rollig war mein Untergewicht, mein Miami Vice-Sakko oder meine Gewürzmittelallergie? Außerdem hingen meine Schultern ein wenig und die Zunge rollen konnte ich auch nicht. Am Folgetag wollte ich es ihr sagen.

Was ich tat. Und was Gegenwind von mindesten 360 bar zur Folge hatte. Was ich wohl denken würde, wer ich sei. So ein Angebot auszuschlagen wäre ja wohl unhöflicher als Hagebuttenkerne unter der Vorhaut. Und ich möge doch bitte dorthin gehen, wo der Pfeffer wächst – was mit meiner Allergie ja leider überhaupt nicht vereinbar gewesen wäre. Und das Alles in einer Lautstärke, dass einer der Aufpasser zur Hilfe kam. „Was‘ hier los? Pam?“. „This little mothershutyourmouth tried to fool me!“. „Ich wollt‘ eh gerade gehen!“, sagte ich und suchte das Weite wie Übergewichtige beim Zeltverleih. „Hausverbot!“, rief mir der Mann noch hinterher, was in meinem Alter ja per se der Fall war.
Pamela sah ich nie wieder. Und in London regnet’s wirklich immer.

Kommentare

27 Antworten zu “Mit Pam nach London. Oder doch nicht?”

  1. feronia sagt:

    Och du Armer, Muttis sind aber auch wirklich Spielverderber!

  2. Toby sagt:

    tja dumm jeloofen!

  3. Schöner Schreibstil!
    Gruß
    Fulano

  4. gar nicht wahr, im moment schneit es.

  5. Ich wollte mit 17 Jahren mit 2 Jungs durch Frankreich trampen. Mutti erzählte ich, da käme noch ne Frau mit. Als sie es rausfand, war die Hölle los. Der Trip aber glücklicherweise schon vorbei. Toll war’s. Und sexfrei.

  6. Thomas sagt:

    Was ist eigentlich zuerst da, die Vergleiche oder der Text?
    Diesesmal waren die aber wirklich gut.

    Was will man mit einer Nudde in England? Man nimmt ja auch kein Holz mit in den Wald.

  7. Mone sagt:

    Muddi weiß alles besser. Zum Glück!

  8. Erdge Schoss sagt:

    Mussten Sie, werter Herr Winkelsen,

    zum Tischtennisspiel in der Kirche Schläger und Bälle
    mitbringen oder stellte die die Gemeinde?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  9. Gürtel sagt:

    „Ich lenkte ein wie chinesische Orthopäden“

    GREAT ONE!!

  10. Herr Schmidt sagt:

    Das wäre wirklich mal Rock’n’Roll gewesen.
    …aber hattest Du denn auch eine Lederhose und eine Jeansweste mit Iron Maiden Aufnäher?!? ^^

  11. denzel sagt:

    emser, ermser. ich dachte sisters AIN’T doin‘ it for themselves. Aber immerhin hast du es ja versucht. :o)

  12. Flo sagt:

    Mittlerweile London einen Besuch abgestattet?

  13. Perot sagt:

    Ach, MC, ich hätte auch einen Rückzieher gemacht. Die hätte Dich womöglich da sitzenlassen – ohne Rückflugticket. Wer weiß, in was für dunkle Kreise Du dann in London geraten wärst. Dann wärst Du heute nicht „MC Winkel“, sondern so’n brutaler Gangster-Rapper und würdest Dich „Grandmaster Vicous Winkel“ oder so nennen. ;-)

    London – Klassenabschlussfahrt – da hatte ich auch ein Erlebnis der Sorte „strange, but good“: Klassenabschlussfahrt mit Englisch Leistungskurs. Meinen Zimmerhomies und mir war aufgefallen, dass das mittlere der drei Betten im Vergleich zu den anderen stets irgendwie unordentlicher aussah, nachdem das Zimmermädchen dort „aufgeräumt“ hatte – das mittlere Bett war übrigens meins. Da konnte doch irgend etwas nicht stimmen, oder?

    Nun war von den Lehrern wieder so eine langweilige Museumsbesichtung angesagt, und wir hatten keinen Bock darauf. Also schlossen wir uns im Zimmer ein und verhielten uns ruhig. Es wirkte: Die Lehrer bemerkten unser Fehlen nicht und zogen ohne uns los, und wir öffneten zischend unsere Dosen „T-Bier“. Plötzlich hörten wir, dass von außen ein Schlüssel in das Schloss gesteckt wurde. Die Tür öffnete sich, und das Zimmermädchen stand Händchen haltend mit dem jungen Spund von der Rezeption im Türrahmen, bemerkte uns schließlich, erschrak, und sagte vollkommen irritiert: „Soooaaaaariiiiieeeeeee!“

  14. Smikey sagt:

    Respekt. Das wäre sowas von Rock’n’Roll gewesen. Wie ausm Bilderbuch. Allerdings hätte ich Bedenken, dass du wieder heim nach Hause gekommen wärst.

    Wir werden es nie herausfinden :D

    Aber “Ich lenkte ein wie chinesische Orthopäden” ist der Brüller. Muahaha.

  15. Tarek sagt:

    Ich mein’, Serena Williams wurde ja auch schon öfter mit Macaulay Culkin im Urlaub gesehen.

    Ach ja?! ^^
    (allein die Vorstellung! DIESE BEIDEN! lol)

  16. Scholli sagt:

    Da young MC wäre da nur unter die Räder gekommen, Herr Winkel. Glauben Sie’s mir, ich weiß wovon ich spreche. Muttern hat Ihnen was erspart! ;-)

  17. 500beine sagt:

    Wenn schon Hagebuttenkerne unter der Vorhaut unhöflich sind, was, MC, ist dann mit einem Viertelpfund guter irischer Schmier-Butter?

  18. radd sagt:

    …köstlich!

    Stimmt, was smikey sagt, der Orthopädenspruch ist ne Glanzleistung, da grins ich schon den ganzen Tag drüber.

    Meine Theorie: die wollte dich an ihren Bruder verhökern. Und der sollte dich zum boytoy für alte dicke Engländerinnen abrichten. Oder für alte dicke Engländer. Egal, du wärst jedenfalls nie wieder nach Hause gekommen.

    Müdder haben eben IMMER recht!

  19. MC Winkel sagt:

    @feronia: Sie wollte mich doch nur beschützen! :)
    @Toby: … ingesamt war’s aber wohl besser so! :)
    @Fulanos Worte: Danke! Und Gruß zurück…
    @charlotte sometimes: :))@ChliiTierChnübler: Waren die Jungs denn gleichaltrig. Und sagt man überhaupt „gleichaltrig“? Oder „gleich alt“? :)
    @Thomas: Ganz klar, der Text. Dann die Idee, dass man da comparen könnte. Und Dange!
    @Mone: „Alles“ wäre übertrieben. :)
    @Erdge Schoss: Hatten die da. Aber die Griffe klebten so, Herr Schoss. Wissen Sie vielleicht, warum?

  20. MC Winkel sagt:

    @Gürtel: Siehste! :) Morgen MIC-Check. Im Wahrsten! :)
    @Herr Schmidt: Nene, hatte ich nicht. Damals eine Tödsünde für einen, der die MiamiVice-Wear trug!
    @denzel: Konnt‘ man nichts machen, nä! :)
    @Flo: Nö, lieber nicht. Man hat ja Webcams. Und was man da so sieht: Regen. Für mich ist das nichts. :)
    @Perot: *lol* … nd haben die eine Idee, was die machen wollten, Herr Perot? :) (Pfui! Wenn man mal überlegt, dass man unfreiwillig in den Sportstreifen der Reinigungskraft schlief! :))
    @Smikey: Hätte, wäre, könnte. Naja. Aber: Danke!
    @Tarek: Ich wüsste zu gern, wie deren Nachwuchs aussähe!
    @Scholli: Glaube ich inzwischen auch! Also echt nochmal Glück gehabt.
    @500beine: Nicht auszudenken, 500. Dann lieber die Kerne.
    @radd: IMMER nun auch wieder nicht, Herr Radd. So muss los. Sehen uns gleich. :)

  21. Perot sagt:

    Kein Märchen: Das Kopfkissen roch eines Abends, und zwar noch vor dem „Besuch des Dienstpersonals“, partiell nach „Harzer Roller“ – ich schob es auf den Weichspüler. Nach dem „Besuch“ fragte ich mich hingegen, von welchem Körperteil der Dame oder des Herren diese Duftnote wohl „abgefärbt“ hatte und verspürte ein hartnäckiges Kloßgefühl. Erst nach Ende der Klassenabschlussfahrt gestand mir ein Mitschüler, dass er einmal durch die anderen Zimmer gegangen sei, als keiner anwesend war, und bei den nicht abgeschlossenen Zimmern diverse Kopfkissen mit „Harzer Roller“ eingerieben habe. Ich war irgendwie erleichtert.

  22. Erdge Schoss sagt:

    Wissen wäre zu viel gesagt …
    (ich bin ja nicht evangelisch)

  23. Pssst! sagt:

    ihrer mutter gehört ein friedensnobelpreis verliehen! jawoll! richten sie ihr beste grüße von einer ebenso fürsorglichen mutter aus! äh, also von mir quasi ;)

  24. derFrosch sagt:

    Mc, die hätte dich schon nicht kaputt gemacht, oder? Und wer weiß, am Ende hättest du auch so nen schicken Lamborghini gehabt!
    Live fast, love hard, die young.

    derFrosch … wäre nach London geflogen

  25. Roland sagt:

    Also der mit den chinesischen Orthopäden ist ja sowas von brillant, da werd ich meinen Kindeskindern noch von erzählen! Top!

  26. radd sagt:

    :)

    da haste natürlich recht. Aber Übertreibungen bringen nunmal Spaß!

  27. Addliss sagt:

    Darf ich mal anmerken, dass es in einem (rechtwinkligen [sic!]) Dreieck zwei Katheten und eine Hypotenuse (im Übrigen ohne „h“) gibt? Man merkt, Sie waren wirklich nicht der Klassenbeste, Herr Winkel. Nichts für ungut! :)

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