Mein erster Tinnitus

Vielleicht hat der ein oder andere es ja schon mitbekommen: bei mir pfeifts seit einigen Wochen. Angefangen hat es mit länger anhaltenden Schlafstörungen, der Tinnitus kam nach ca. 2 Wochen dazu. Ich unternahm etwas dagegen und mit der zurückerlangten Durchschlaffähigkeit verließ mich auch das Pfeifen. Doch jetzt feiert beides sein Comeback, um halb vier in der Nacht begrüßt mich regelmäßig das Merk-Hoyzer-Collina-Quintett (eigentlich ein Trio, aber die erstgenannten zählen doppelt) mit einem anhaltenden Querflötensolo in Shizz-Dur. Bevor das nun chronisch wird und weil man ja von überall nur die schlimmsten Schauerballaden hört dachte ich mir, meinen HNO-Arzt in dieser Sache einmal zu befragen.

Ohne Termin muss man am Abend natürlich extrem geduldig sein und mehr Wartezeit mitbringen als der gemeine Bahnfahrer, was für mich nicht in Frage kommt. Als Stammgast in diversen ADHD-Foren weiß ich da aber natürlich Rat: Versichertenkarte einlesen lassen, nach anzunehmender Wartezeit fragen und einfach später wiederkommen. Denn wenn es etwas Schlimmeres gibt, als der nach Zahnstein riechende Atem eines kettenrauchenden Kaffeetrinkers während einer Diät, dann sind das Wartezimmer.

Wie Ihr wisst, kann man sich mit mir als zweitsympathischstes Nordlicht nach Uwe Seeler eigentlich nicht erzürnen. Es gibt da im Grunde nur zwei Ausnahmen: entweder a) man begegnet mir mit unterschwellig arroganter Ignoranz oder b) man ist Gesellschafter einer Nürnbergischen Wurstwarenfabrik. Und wenn ich nach 1 ½ Stunden zurück in die Praxis komme, erneut 40 Minuten Wartezeit erhalte und nach einer weiteren halben Stunde ohne angeschaut zu werden am Tresen mit „Haben Sie eine Frage?“ erniedrigt werde, kann die Antwort nun mal nur

„Frage? Nein. Ich wollt nur mal gucken wie es sich inmitten eines völlig raum- und zeitlosen Nanokosmos so anfühlt.“

lauten. Immerhin hat man mich dann sofort in ein Behandlungszimmer gesetzt und der Arzt hat mir wenig später verzwackt sitzende, eigens unentfernbare Ohrenschmalzansammlungen abgesogen. Außerdem wurde mir nach dem Hörtest nebst Tinnitus eine mittelgradige Hochtonschwerhörigkeit diagnostiziert. Gegen das Pfeifen nehme ich jetzt Dusodril. Unschöne Zeiten.

Kommentare

39 Antworten zu “Mein erster Tinnitus”

  1. Merk-Hoyzer-Collina, ich kann nicht mehr!! Aber auch beim Arzt ist Pünktlichkeit die Kunst zu wissen wieviel der andere einen zu spät rannimmt, oder so.
    Dass die meisten Tinnitusse (oder Tinniti?) von alleine wieder weggehen, hat sicher schon jemand getwittert. Viel Glück! Ansonsten, willkommen im Club.

  2. tanith sagt:

    willkommen im club! hab ich auch seit anno 94 und ist doch eigenlich der ritterschlag eines jeden musikus ;-)
    ich habe mich einfach dran gewöhnt das ich damit leben muß. bei mir helfen ginkotabletten wenn er mal wieder zu dolle nervt

  3. hoeller sagt:

    …dann mal schön bei den Auftritten nicht die Ohrstöpsel vergessen lieber MC!

  4. Roxy sagt:

    du armes… gesunde ernährung, körperlicher ausgleich und ein regelmäßiger lebensstil sollen auch helfen. keine ahnung, ob das stimmt.. war nur ein tip von meiner oma..

  5. Typkes sagt:

    Müssen wir nicht um den heißen Brei reden: Die Karriere ist hörlichst im Mors. Ich kondoliere :-/

  6. Mone sagt:

    Psychischer Ursprung? Stress?

  7. Erdge Schoss sagt:

    Das wird wieder, werter Herr Winkelsen: Sie sind ein Tänzer!

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  8. Pssst! sagt:

    denke auch, dass es psychisch ist und vielleicht die nachwirkungen vom anlehnen an die starken boxen inner disse in „wilden jahren“ MEIN Freund lebt auch seit jahren damit. stelle ich mir grauenvoll vor. bissi tust mir ja schon fast leid. dann noch die diät… schrecklich, wie du dich hier selbst fäddich machst…. ;)

  9. frauvivaldi sagt:

    Gegen das tiefsitzende Ohrenschmalz hilft: mit den Wattestäbchen nicht so tief im Ohr rumprökeln. Damit schiebt man das Zeug nur fest nach hinten. Und macht außerdem die Härchen im Gehörgang kaputt, was dann zur Hochtonschwerhörigkeit führen kann. Hygiene ja – aber nicht mit Wattestäbchen. Auch wenn es mir vor dem Frühstück selbst weh tut: beim Duschen / Haarewaschen mit den nassen Fingern schön das Ohr säubern, dann gründlich abtrocknen. NICHT in den Gehörgängen pulen.
    Und da Sie ja früh genug mit den Pillen angefangen haben, wird das schon wieder.. bis dahin: gute Besserung!

  10. Ich empfehle einen auf Tinnitus spezialisierten Naturarzt in Deiner Nähe zu suchen. Ich bin selber immer wieder erstaunt, wie auch seit Jahren bestehender Tinnitus mit komplementärmedizinischen Behandlungsmethoden zum verschwinden oder zumindest gemildert werden können. In der Schweiz gibt es Nath-Pool und die Naturärztevereinigung – sowas gibts sicher auch bei Dir im Norden. Auf alle Fälle hoffe ich, dass er bald verschwindet. Ist eine echte Minderung der Lebensqualität und auf alle Fälle nichts, womit man spassen sollte.

  11. Chriss sagt:

    @FRAUVIVALDI:
    Selten so einen bullshit gelesen. Die Härchen die es zum Hören braucht sitzen selbstverständlich HINTER dem Trommelfell und sind natürlich nicht mal annährend in Reichweite…

    @lil’MC:
    Ein verzweifelter Versuch der One-Hit-Wonder Falle zu entgehen? ;)

  12. Pleitegeiger sagt:

    MC, Sie sind ein Mädchen. Ich saß neulich von 7 Uhr bis 14 Uhr (bevor Sie den Taschenrechner bemühen: Ja, das SIND 7 Stunden. Oder auch 420 Minuten. Und mehr als 4 ganze Fußballspiele, verdammt!) beim Pneumologen. Neben mir im Wartezimmer einige Lungen, die noch mehr pfiffen als das Merk-Hoyzer-Collina-Quintett…

  13. danimateur sagt:

    @ Pleitegeier
    Pfiffen die zufällig Twisted Nerve?

    @MC
    jetzt fällt es mir wie schuppen von den …., da war das letztens in der philharmonie DOCH besagtes quintett, was den solo-part pfiff. sensationell. sammeln sie eigentlich krankheiten?

  14. dan sagt:

    Frage: Sind deine Zähne in Ordnung? Das kann auch ein Grund sein!

  15. Herr Schmidt sagt:

    Also ich wurde bei meinem ersten Tinnitus mit einer Woche Krankenhausaufenthalt und intravinösem Medikamentationism belohnt. Aber das weißt Du ja schon längst. ^^

  16. Kaal sagt:

    Einfach die Anlage immer schön in der Nähe und auf voller Lautstärke lassen, dann bekommst du von dem Tinitus gar nix mehr mit.

  17. setann sagt:

    das gesundheitswesen wird doch immer moderner, freu dich doch, dass der arzt noch mit dir gesprochen hat!
    ich bin gestern aus dem krankenhaus gekommen und bin total begeistert wie fortschrittlich alles geworden ist!!
    als ich bei dem überreichen der entlassungspapiere fragte, wie mein einer schlechter wert denn zustande kam, antwortete die frischgebackene ärztin (sie sah jung, dynamisch und wie der serie „gzsz“ entsprungen aus, aber dafür konnte sie ja nix):“…wenn man viel sport treibt“ „bin invalide kommt als erklärung nicht infrage.“ „…kann auch sein, wenn man nur liegt.“ „hab drei kinder, zwei hunde, zwei katzen, ich liege eher selten.“ „….dann weiß ich auch nicht.“
    als ich nach dem zweiten schlechten wert fragte, antwortete sie original: „googeln sie doch!“
    (man trifft sich immer zweimal sach ich nur…)

  18. setann sagt:

    …und von dem anderen spaßvogel der station schreib ich gar nicht erst, sonst bekomme ich womöglich noch einen tinnitus!!!!!

  19. der Kaiser sagt:

    Ein zeitloser Nanokosmos? Wow, Sie kommen echt rum Herr W.

  20. frauvivaldi sagt:

    @Chriss:
    Ja, Chriss, wenn Sie es so genau wissen, dann machen wir es wissenschaftlich: natürlich sitzen die Härchen zum Hören hauptsächlich hinter dem Trommelfell (noch ein Grund, warum man keine Wattestäbchen benutzen sollte..), aber die feinen Härchen im äußeren Gehörgang haben durchaus eine Funktion, die auch mit dem Hören (aber auch mit dem Schutz vor Insekten etc.) zu tun hat. Tinnitus wird oft in Verbindung mit unsachgemäßem Gebrauch von Wattestäbchen und der Verletzung eben dieser feinen Haare in Verbindung gebracht. Dass das mit der Hochtonschwerhörigkeit nicht korrekt, sondern im Zusammenhang mit der Geschichte hier eher ironisch gemeint war, konnten Sie ja nicht wissen.
    Es ist hier kein Lebenshilfeblog. Nur mal so am Rande.

  21. Pleitegeiger sagt:

    @danimateur: Woher wissen Sie, waren Sie etwa der Kerl, mit dem ich mir 5 der 7 Stunden flirtenderweise die Zeit vertrieb?

    (Dennoch: Pleitegeiger, bitte. Zu Krisenzeiten muß ich darauf leider bestehen…)

  22. als bislang tinnitusveschonte ,sich jedoch tagtäglich selbst hochfrequent beschallende jazzflute empfehle ich dir den hörgeräte-akustiker, unten am wall (gibt’s den noch?), und zwar möglichst jetzt noch vor der kieler woche. da gibt’s angepasste ohrstöpsel, die musik noch durchlassen, aber nur die guten töne, die schädlichen bleiben draussen.muss man als musiker haben.
    und wehe, du bescherst mir nochmal so einen nichtenden wollenden zwerchfellkrampf ,indem so sowas schreibst: „…etwas Schlimmeres gibt, als der nach Zahnstein riechende Atem eines kettenrauchenden Kaffeetrinkers während einer Diät…“ zu und zu gut- LOL !

  23. Looserfinder sagt:

    Dr. Göbel, Klink Roseneck am Chiemsee ist einer besten Experten für Tinnitus. Als McW sollte er mit Dir sprechen, nicht ganz einfach da einen Termin zu bekommen.
    jm2c

  24. LadyVanilla sagt:

    So ein Tinnitus, werter Herr Winkel, ist oft auch streßbedingt und gar nicht wirklich körperlicher Ursache. Wie auch immer : ich wünsche baldige gute Besserung!
    *ups* habe gerade gesehen, dass die Vermutung mit dem Streß bereits geäußert wurde. Dann bleibe ich einfach beim „gute Besserung!“

  25. FelixN sagt:

    Erst das schaezle, nun Sie, Herr Winkelsen…
    Ich MUSS schlagfertiger werden in meinem every-day-life.
    Gute Genesung!

  26. danimateur sagt:

    @pleitegeiger
    oh, ich entschuldige vielmals. ich bin durch, lassen sie mich arzt. oder wie war das?

  27. Geheimratsecken, ein Bauch, Gejammer beim Männerschnupfen, eine Charakternase und jetzt sind sie auch noch schwerhörig – wenn ich all das lese: Herr W. worin lag nochmal ihr Geheimnis als Frauenheld?

  28. Herr Olsen sagt:

    Meiner Erfahrung nach erledigt sich gerade das Ohrenschmalzthema mit zunehmendem Alter von selbst.
    Da wachsen die Haare dann schneller aus den Ohren und transportieren den Schmalz gleich mit.
    Praktisch. Aber natürlich kein Ersatz für im Alter nachlassende Hochtonhörigkeit.
    Übrigens: „In seiner Freizeit formt Prinz Charles die Tower Bridge aus Ohrenschmalz.“ Aber das nur am Rande.

  29. vogelmann sagt:

    Kann mich Tanith nur anschliessen. Tinnitus ist der Mercedes-Stern des Musikanten. :-D

  30. Markus sagt:

    Hm, den hatte ich vor ca. fünf Jahren auch schonmal. Mir haben Kortisoninfusionen geholfen. Hat der Arzt dir da schon zu geraten? Ansonsten benutze ich jetzt immer Ohrstöpsel in der Disse und auf Konzerten, denn das waren echt die schlimmsten Wochen meines Lebens… Gute Besserung wünsche ich dir auf jeden Fall!

  31. Johanna sagt:

    Ach Mr. Winkel, für einen ordentlichen Bass braucht man ja Gott sei dank keine Ohren!

  32. schaezle sagt:

    das auch noch? Du wirst vielleicht einfach alt?

  33. rico sagt:

    „…damit müssen sie jetzt leben, hören sie einfach nicht hin.“
    hat mein arzt gesagt

  34. Die DiVa sagt:

    Wie dumm ist es wenn ich mich jetzt frage, werter Herr Winkel, ob die Hochtonschwerhörigkeit, den Tinitus (beschrieben als hohen Pfeiffton von besagtem Terziett) nicht vermindert bis absärbelt?

    Herzlichst und also ich frag ja nur

    Ihre DiVa

  35. Das tut mir leid zu hören Herr Winkeslen. Versuchen Sie es mal mit Entspannungsübungen. Das soll helfen.

  36. chätzle (seit längerem bloglos) sagt:

    Blutegel ums Ohr setzen lassen. Hilft. Ehrlich.
    Den Ohrenschmalz ziehen sie natürlich nicht raus. Dafür sind sie zu sehr Geniesser.
    Im Übrigen verbessern sie auch die Kopfdurchblutung. Fördert sicher die Kreativität beim Schreiben.. ;-)

  37. thethe sagt:

    Alles halb so schlimm. Auch mit Tinnitus kann mann gut leben – ich tue das seit 4 Jahren. Nicht so drauf konzentieren, immer für eine leichte Geräuschkulisse sorgen. Bei 90% aller Tinnitus-Patienten verschwindet der innerhalb der ersten drei Monate (ganz egal wie sie behandelt wurden). Studien konnten weder die Wirksamkeit von Cortsionpräperaten noch die Wirksamkeit von Infusionen nachweisen. Also einfach abwarten, wird schon wieder.

  38. […] gegen einen Karton, der auf meinem Wäschetrockner steht. Plötzlich summts. Nein, nicht (nur) der Tinnitus, es war eine Wespe. Kurz daruf ein Stereosummen, über das Trio zum Quartett dann letzlich ein […]

  39. Enno sagt:

    Willkommen im Club. Ich bin so taub, dass ich den Tinnitus gar nicht mehr höre… ;) Hatte das erst über den Blogbeitrag bei Not quite like Beethoven mitbekommen. Der schreibt über die Sache mit dem iPhone. Dasselbe hatte ich zu analogen Zeiten auch schon, allerdings mit Kuli und Papier. Die Damen verstehen nicht, dass man sie nicht versteht. Und schwupps hatte ich ne Telefonnummer mehr. (Kann natürlich auch böse beim Mittelfinger enden.)

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