MCs Dysfunctions 16 – Die Suggestivfragenschwäche

Heute möchte ich einmal über eine meiner widerlichsten Gepflogenheiten berichten und ich bitte Euch, mich anschließend nicht zu hassen – auf jeden Fall bitte nicht mehr als jetzt schon. Ich weiß ja schließlich, dass diese Angewohnheit verachtenswert ist; und Einsicht ist doch immerhin der Weg zur Besserung.

Ja, ich stelle nicht selten pädagogisch gemeinte Suggestivfragen. Soll heißen: ich decke bei meinem Gesprächspartner eine Unzulänglichkeit auf und versuche ihm/ihr diese in Form von rhetorischen Rückfragen, dessen Antworten (= die aufgedeckten Fehler) mir natürlich bekannt sind, unter die Nase zu reiben. Das Schlimmste an diesem grauenhaften Gebaren ist, dass ich mich selbst schwarz ärgere und sofort Hass empfinde, wenn mir jemand so kommt. Ein paar Beispiele:

Die Kassiererin in Supermarkt verspricht sich. Sie möchte 45,80€ kassieren, spricht aber – vermutlich durch das himmelblaue Strahlen meiner engelsgleichen, langumwimperten Augen abgelenkt – von „Fünfhundertvierzig,achtzig“. Statt mein Schandmaul zu halten und im Vertrauen auf korrekte 4,20€ Wechselgeld einfach den Fünfziger über das Laufband zu reichen, muss ich natürlich „Fünf Grüne für so’n bißchen Leberwurst? Na dann geh‘ ich wohl doch lieber zum Aldi hin, hm!?“ einwerfen, ich blöde Sau. Dabei meinte sie es ja gar nicht so. Und helfen tu‘ ich damit auch keinem. Schlimm ist das.

Oder jemand vergisst etwas (= X). Mir fällt es zwar auf, dennoch schaffe ich es einfach nicht, vorher noch lautstark anzumerken, wie sehr ich mich ausgerechnet auf X gefreut habe, dass genau X mir den Tag rettet, das Leben lebenswert macht, der einzige Grund sei, warum ich am Morgen aufgestanden bin und wo es denn eigentlich ist?!

Das geht so weit, dass ich sogar Flüchtigkeitsfehler in E-Mails oder SMS anprangern muss. Ein Freund schreibt „Beeil‘ Dich, das Bier ist gleich lehr!“. Statt mich über diesen gutgemeinten Hinweis zu freuen scheint die Freude über den entdeckten Lapsus zu überwiegen und ich sende „Was hat unser Holsten in Ulm verloren?“ zurück. Es muss an eigenen, wesentlich gravierenderen Defiziten liegen, die ich in diesen kleinen Orthographie-Dominanzmomentchen zu vertuschen versuche. Dabei schreibe ich Dämlack z.B. ‚Standardregelmäßig recht häufig mit t.

Abschließend – und um meine Suggestivfragen-Charakterschwäche ein wenig zu entschärfen – sei noch gesagt: das absolut Allerobermiesepetrigschlimmste ist es jedoch, seine Mitmenschen mit der „seid/seit“- oder der „ward/wart“-Zurechtweisung, ganz zu schweigen von der „einzigste“-Massregelung („Ey, einzig kann man nicht steigern!“) züchtigen zu wollen.

Ab sofort gilt: No more Klugscheißerism!

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… und nun sucht die Rechtschreibfehler!

Kommentare

43 Antworten zu “MCs Dysfunctions 16 – Die Suggestivfragenschwäche”

  1. Gerhard sagt:

    Mist, da war ich zu langsam. Und das, nachdem ich doch drüben beim Bestatter erst kürzlich zum Rechtschreibbeauftragten ernannt wurde… =D

  2. nath sagt:

    attention: this blog runs utterly on suggestion.
    yet, its intentions and effects should be classified positive.even for minors.
    … in diesem sinne;viel positives fuer 2008.

  3. Chilli sagt:

    Passiert mir auch ab und an, mehr oder minder unbewußt. Ich neige dazu, dem Gesprächspartner die Korrektur ganz unhöflich in den aktuell formulierten Satz zu knüppeln. Einfach kurz auf die Zunge beissen, das hilft manchmal.

  4. prinzzess sagt:

    ob du das durchhältst? *augenbraue hochzieh* *berechtigte zweifel anmeld* *inflektivflash bei prinzzess diagnostizier*
    ja…bin ja schon weg. ;)

  5. gürtel sagt:

    ey, ich weiß wieso alles besser als wie du. und du tuuuhst soo, als ob der der einzichste bist, der wo alles besser wissen tuten tut. das kenn ich aber auch. gerade auch bei dieser „brauchen mit zu“ geschichte. da korrigiere ich jeden, wenn er das „zu“ nach einem satz mit „brauchen“ vergißt und oft hänge ich sogar noch den widerlichen spruch „wer brauchen nicht mit zu gebraucht, braucht brauchen gar nicht zu gebrauchen“ dran. einfach ekelhaft.

    ein beispiel:
    PERSON A: „ich brauch neigung!“
    ICH: “ ZU neigung!“

    verstehste, der braucht ein bischen der witz ;-)

    schönen tag noch…was is mit mittag heut?ne flyertour machen?

  6. buem sagt:

    Ich weise immer gerne auf den fehlerhaft verwendeten Dativ anstatt des erhaltenswerten Genitivs hin. Ist das auch schlimm ? :-)

  7. Benutzer sagt:

    bisschen wird mit Doppel-S geschrieben

    und

    gut gemeint schreibt man nicht zusammen

  8. zoee sagt:

    was hälst du davon, wegen dem butter heute mal nach penny zu gehen? ach, lass mal nach, da ist noch welcher in der kühle!

    ist doch nett von dir, wenn du deine mitmenschen auf ihre unzulänglichkeiten hinweist. das hat so etwas empirisch-bescheidenes! :)

  9. Siggi sagt:

    @buem:

    Was hat denn der Fehlgebrauch von dem Genitiv mit der des Dativs zu tun? .-)

  10. Erdge Schoss sagt:

    Rächtschreipfeler, wärter Her Winklesen?

    Ych hahpe kainen ayntzikn ändäggt.

    Härclycz
    Yr Ärdke Czoß

  11. Die Muräne sagt:

    Keine Sorge, ich habe dafür vollstes Verständnis!

  12. Touri320 sagt:

    Rechtschreibung ist ein arschloch!

  13. Curi0us sagt:

    Also mir tun gerade die seid/seit-Dinger immer körperlich weh, wenn jemand sie schreibt. Auch lustige sz am Ende eines Begriffes (Hinweiß…). Jarghl.

    An sonsten: Ja ich liebe solche Suggestivfragen auch, kein Hass Herr Winkel.

  14. Benutzer sagt:

    Herr oder Frau Curi0us – ansonsten wird übrigens zusammen geschrieben :-))

  15. KleinesF sagt:

    War mir auch schon aufgefallen, dass Sie´s zwar gerne machen, aber nicht selbst vertragen. Ich schätze, das haben Sie von Ihrem Vater – Sie können da also nichts für. Eine Lanze aber muss ich brechen für das Ulm-Schema. Hier überschwemmt einfach Ihre Bildung und Ihr Sinn für Humor jede Demut.

  16. Deutschlehrer sagt:

    zusammengeschrieben aber auch, Herr Benutzer.

  17. holstenbewohner sagt:

    Sir Winkelsen! Ich werde Sie beim nächsten Besuch an meiner der Theke mal richtig….!Aus Erfahrung denke ich, dass Sie da aufgrund späterer Stunde und dem Konsum alkoholischer Verwirrungsbeschleuniger nicht mehr ganz so schlagfertig sein werden.

    Regards Holstenbewohner

  18. Herr Schmidt sagt:

    Hach, sehr gut. Ich finde mich in diesem Text wieder.
    Nur: Soll ich mich jetzt darüber freuen oder auch mein Verhalten ändern?!?
    Ach, nee, ich bleib‘ lieber so’n arroganter Verbesserer. Das steht mir irgendwie. ;-)

  19. SirParker sagt:

    Verdammte Axt aber auch, genau diese „Einzigste“-Maßregelung ist meine Spezialität, was bin ich doch für ein Charakterschwein.

    Ach ja, schreibt man Maßregelung nicht weiterhin mit ß? Dachte, das wäre bei vorangestelltem langem Vokal so… oder schreibst Du etwa auch Strasse statt Straße?

  20. mone sagt:

    Solange ich mein Gegenüber (ohne großen Aufwand) gut versteh‘, ist alles cool, Baby! ;)

  21. sofastar sagt:

    keine sorge MCW, wenn es mal nicht mehr anders geht: einfach ein lehramt studieren. die offizielle lizenz zum klugscheißen! :-)

  22. Chris sagt:

    Der ultimative Klugkoter und Korinthenscheisser bin sowieso ich.
    Geschädigt durch Bastian Sick und die Wikipedia kann ich mich da kaum zurückhalten.
    Das kann Dir jeder bestätigen, der mit mir mehr als 5 Sätze gewechselt hat.
    Da trennt sich die Spreu dann sehr schnell vom Weizen (-:

  23. Lehrerkind sagt:

    Hey, Rechtschreib-Klugscheißerism rocks! Ich hasse außerdem Apostrophmissbrauch. („Beeil´“ muss echt nicht sein). Widerlich auch: das/ dass-Verwechsler – kein Pardon selbst in Liebesbriefen. Dafür nervt andere wahrscheinlich mein ausgiebiges Spiegel- bzw. Bindestrich-Nutzen…

  24. rl.green sagt:

    Ach was, bisher sind Sie nicht durch besonderes Klugscheissertum in Erscheinung getreten. Und ab und zu nicht die Fresse halten können, ja mei, passiert. Seien Sie bloß etwas umsichtiger, wenn Sie die bayrische Hauptstadt besuchen und alles ist super. Grüsse

  25. Scholli sagt:

    Winkel’s MC, da haben Sie sich aber als KorinthenkackerErbsenzähler geoutet. Na dann: Willkommen im Club!

  26. Lieber Herr Winkelsen. Ab sofort will ich nicht nur ein Kind von Ihnen, ich will Sie auch heiraten. Die Korrekturwut meinerseits wurde mir heute gerade wieder bewusst, weil ich einen guten Mann verschmähte, nur weil seine SMS einfach nicht grammatikalisch korrekt waren. Es ist genetisch angeboren, Sie können damit nicht einfach aufhören.

    (Unser Kind wird dann übrigens den Duden neu schreiben.)

  27. der missbrauch von „wie“ und „als“ muss unbedingt korrigiert werden,finde ich. und chliitierchnübler: nicht gleich gute männer in die wüste schicken, man kann das mit denen üben!

  28. NIch so kleinkariert! Mal fünfe gerade sein lassen, den lieben Gott einen guten Mann sein lassen, hm?!
    Hm?hm?hm?

    ;-) Auf ein Neues!!!!!

  29. @bittersweet choc: Das geht wirklich? Braucht das viel Geduld?

  30. Cara-LorettaLametta sagt:

    Ich amüsiere mich !
    Ganz und gar köstlich und reichlich , was der junge Mann so darbietet.
    Fülle nie ein Tier zum Scherz!
    Also sprach der hoffentlich sanft ruhende Gernhardt dereinst in einem Vorwort zu Kriegel’s
    „Wie sich das nackte Schaf mal schwer gehen ließ“. Und im weiteren resümiert er dann über Quadrupelbegabungen, für welche uns die Steigerungsworte fehlen.
    Kannten Sie sich?

    Für solche Anträge, wie sie die schweizerische Tierfreundin oben stellt, fehlt mir der Mut.
    Ich begnüge mich inzwischen mit einer Verfolgung bei Twitter.
    Auch wenn die VerehrerInnen (ha! auch so eine Unsitte) dort in Schwärmen auftreten.

    Bitte lesen Sie weiter die Leviten, Massa MC Winkel!

  31. all right - no doubt sagt:

    @ChliiTierChnübler: _Den Duden_ auf Schwyzer-Holsteinisch? Wäre das nicht eher ein Langenscheidt-Wörterbuch? Egal, ich ordere ein Exemplar.

  32. pro-viel sagt:

    Hach, so’n Klugscheißer….ICH habe meine Chef’s dazu genötigt, ALLE Briefe unserer Office durch meine Hände zu geben, um eventuelle Schreibfehler aus zu merzen ;-)))…und ich BESTEHE darauf, dass mit doppel-s und nicht mit ß zu schreiben!!!!!
    Ich bin echt ’ne blöde Tussi….aber ich hab‘ die Schreibmacht! Außerdem habe ich das letzte Wort – zumindest in unserer Office…und das ist doch auch schon was ;-).

  33. *lach*
    ich kenne jemand wie du. er ist zwei mal so jung (alt) wie du. er lebt in hessen =)
    deshalb ist es ja auch so unheimlich lustig deine berichten zu lesen.
    weil durch dir/dich (mann ist deutsch schwierig) kann ich ihm besser verstehen.

    ich bin ausländerin. ich habe nie in deutschland gewohnt.
    gegen mir warst du immer nett. alle meine/-r/-n/-m schreibfehlern hast du nie kommentiert.

    ich glaube dein herz ist aus pure gold.
    oder vielleicht magst du schwedische weiber *lach*

  34. klip sagt:

    Bitte nicht damit aufhören. Wenn große Stars der Blogosphäre gerne korrigieren, darf ich das doch als Referenz bezeichnen – und auch weiter korrigierend durchs Leben gehn! :)

  35. Tilla sagt:

    Wer als der Klügere immer nachgibt, sorgt dafür, dass bald die Dummheit die Welt regiert
    Deswegen: Als druff un korrigiere!;)
    Als Beutehessin mit Salzluft in den Adern habe ich hier im tiefsten Süden des Hessenländchens nicht nur mit dem als/wie Problem zu hadern, der Genitiv ist hier unbekannt, die Leute haben „gedenkt“, er wäre bereits abgeschafft und ins Museum gebracht wie die alten Vehikel, „die wo da so rumstehn tun“.
    Ich empfehle eine Urlaubsreise in unsere Region und biete auch gerne die Teilnahme an dem Workshop „Linsepiddele als literarische Lebensform“ an. ;)

  36. l9 sagt:

    Langumwimpert gibts nicht. Und bei Männern schon garnicht. Außerdem ein schönes 2008!!!

  37. Robby sagt:

    Suggestivfragen sind meines Wissens nach etwas anderes.
    Statt „Wie geht es dir?“ (neutrale Frage) stellt man zum Beispiel „Dir geht es schlecht, oder?!“, womit man suggeriert, dass es dem anderen schlecht geht. In unserem Interviewtechnikenseminar wurde als Beispiel das Unterstellen/Suggerieren des Neidischsein gebracht. War sehr… lustig, was die Dozentin da darbot *hehe*

  38. Rico sagt:

    Hmm, ich erkenne mich komplett wieder, kann diese Eigenschaft aber auch nicht sonderlich leiden und versuche sie so gut wie möglich nicht an meinen Mitmenschen auszulassen, was mir allerdings sobald Phrasen wie „Wie gesagt…“ (Obwohl davon vorher natürlich noch keine Rede war), „Weißt du wie ich meine?“ (Sag’s doch einfach was du meinst!) oder die Floskel „heutzutage“ ins Spiel kommen völlig unmöglich ist.

  39. creezy sagt:

    Du hast ja so Recht!

  40. Burnster sagt:

    Ekelhaft is the new jähzornig!

  41. Hey ho
    Immernoch im Neujahrsschlaf?
    Gut so!
    (Nein nur spass in zusammenhang mit weltfrieden zu lesen)
    where dat?
    bussi aus gran

  42. Arik sagt:

    Ach, ich fände das gar nicht schlimm, eher lustig^^

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