Lack of Sportsmanship – now.

Ich weiß, die folgenden Worte sind entsetzlich, es handelt sich vermutlich um das desillusionierendste Stück Text, was Ihr jemals gelesen haben werdet. Aber wollen wir da mal nichts beschönigen, es ist wie es ist: ich habe keine Ehrenurkunde! Nie bekommen. Und eine Siegerurkunde gab es in den 80ern bei den Bundesjugendwettspielen in der Schule auch nur, weil meine Sportlehrerin Mitleid hatte und mir beim Kugelstoßen die fehlenden drei Meter zuschummelte, sonst hätte nicht einmal das geklappt. Was Schwimmen betrifft: bronze. Ich habe mich in dieser Angelegenheit mein Leben lang mit Lügen aus Angst vor drohenden Massenauslachveranstaltungen durchgekämpft, aber damit soll Schluss sein: nein, silber hat nicht geklappt, ich hatte kein Bock auf den Kopfsprung vom Dreier. Ich mach‘ Euch wenn’s Not tut eine Arschbombe von der Spitze des Tatzelwurms, aber doch nicht mit der Marmel voran, ich bin doch nicht bekloppt.

Sowieso, Sportlichkeit, wie definiert man das?! Ich geh‘ mich 2x die Woche austrainieren, Unbekannten könnte ich so vortäuschen, der mitteleuropäische Michael Jordan des Triathlons zu sein. In Wirklichkeit spiele ich Basketball, so wie man sich das von Bruce Darnell vorstellen würde, Fußball hingegen nicht ganz so gut. Richtig mies wird es, when it comes to Leichtathletik, dort glänze ich auf nicht einer Ebene. Mein Anlauf zu einem Fosbury-Flop gleicht der Flucht eines wassertretenden Rentners mit Hüftschiefstand und Raucherbein und überhaupt: laufen, nur des Laufens wegen? Was ist das für ein Quatsch, ich laufe, wenn ich den Bus verpasse (also, metaphorisch jetzt) oder wenn mich Menschen mit dem „Leuchtturm“, dem „Modern Scientologist“ oder dem „Phimose heute“-Farbbildband in der Hand ansprechen. Noch schneller, wenn ich von Uli Hoeneß auf eine Lena Meyer-Landrut Record-Prelisteningparty verschleppt werden soll, bei der mir die Hände in die Hosentasche genäht werden und Holger Apfel von innen die Tür zuhält, was zum Glück schon länger nicht mehr vorkam. Aber doch nicht freiwillig, gegen die Zeit. Steht da so ein gröhlender Spinner mit Stopuhr und ich röchel mir‘ die Lunge buten – auf gar keinen Fall.

Kugelstoßen. Hinter einer Schattenwand gleicht meine Silhouette bei Ausübung dieser Sportart Ribérys Haaransatz im rechten Schläfenbereich, nur dass ich am Ende über die Absperrung stolpere und dann meistens selbst noch weiter fliege als die Kugel. Ähnliches beim Speerwerfen, mein bestes Ergebnis bei Wettspielen war Minus-Zweimeterachtzig, den zuschauenden Eltern konnte bei einer Not-OP geholfen werden, auch wenn ein Stück der Speerspitze niemals ganz dem Jochbein entnommen werden konnten. Zum Glück sicherte ich mich vorher durch mein „Beware of undescribable Fehlmotorik“ und einer Unsportlichkeitsversicherung bei der Schleswig-Betheler ab, wäre sonst doppelt ins Auge gegangen.

Gründe für meine Unsportlichkeit könnten bei meinem Ausschluss vom Sportunterricht ab der achten Klasse zu finden sein. Als ich den Reck-Aufschwungs mit Schweinebaumeln am Lattenrost des Fußballtores verwechselte und mir die Geräteturn-Ringe um den Hals legte, untersagte man mir alles Sportliche überhalb von Vier Gewinnt. War aber auch okay, die rote, enganliegende Acryl-Turnhose stand nichtmal Kevin Keegan, wenn man ehrlich ist.

Kommentare

9 Antworten zu “Lack of Sportsmanship – now.”

  1. Denis sagt:

    *Thumbs Up*

    Und um Dir beizustehen – gab für mich sogar nur Teilnehmerurkunden, da nach dem Schlagballweitwurf (das konnte ich sogar gut ^^ 50m+ no Problem) – für mich der Tag einfach gelaufen war – weder sah ich einen Sinn da drinne, die schönen Air Jordan in einer befeuchteten Sandkiste zu versenken, nur um weiter zu springen als alle anderen – Hallo Air Jordan – Ich flieg bis zum Mond, muss ich nicht beweisen – und den 100m lauf sah ich ähnlich wie du – warum sollte ich anfangen zu transpirieren für 100m und dann danach noch 2 Std. da rum chilln, weil die ach so sportlichen Sportstreber mit Ehrenurkunde noch den Staffellauf über 2km machen mussten … ich hab diese Wertung eh nie wirklich verstanden, vorallem weil diese Super Ehrenurkunden Sportspieler, alle Balllegastheniker waren und man nur mit einem Fussball, respektive Basketball vor den stehen musste und schon hatten sie mehr Fragezeichen im Gesicht , als Mourinho nachdem Ronaldo und Kaka an Neuer gescheitert waren.

    Peace Out

  2. Jens sagt:

    Nun es hatte doch auch was gutes, man konnte auf Grund der Sportabneigung, seinen Turnbeutel nicht so oft im Bus liegen lassen. Super geschrieben Digga.

  3. sebastian sagt:

    haha, da kann man sich gut wieder erkennen. leider ;)

  4. Vulkanente sagt:

    Bester! Ever!
    Du rettest mir den Nicht-Brückentag nach einem gefloppten Release und ich
    mußte gerade feststellen, dass mein Mascara NICHT wasserfest ist.
    Kann ich zu 90% unterschreiben, wenn natürlich auch nicht so „blumig“.
    Thanx!
    P.S.:Ich habe NUR wegen des Sprints eine Siegerurkunde bekommen, glaube ich.
    Ist im Schulerinnerungsnirvana verschütt gegangen und liegt dort auch gut.

  5. wolfstar sagt:

    Sehr geiler text mc!
    same here. Obgleich ich sogar mal ne ehrenurkunde hatte- aber im GERÄTETURNEN. Damit konnte und kann man auch nicht wirklich angeben- zumindest nicht als heterosexueller mann. Ansonsten hieß es immer…. teilgenommen, du „sportskanone“. Brille und bundesjugendspiele will aber auch echt nicht zusammenpassen. Da fällt dir das ding von der nase und du verläufst dich mit -4,5 diops auf der 100m strecke. Beim weitsprung… schlaffer körper 2,7m- Brille ca. 8,4m weiter im gebüsch. Danach hatte man doch echt kein bock mehr!

  6. Scholli sagt:

    Lieber MC, dabei war doch Gymnastik/Tanz der Horror! Hätt ich mal die ganze Schulzeit Rudern, Kampfsport oder Kugelstoßen machen dürfen, wär alles tutti gewesen. Aber so halte ich noch heute den einsamen Schulrekord bei den Verweigerungs-Sechsern im Sportunterricht. Und bei Turnen mit Bändchen verstand ich gar keinen Spaß. Echtnech. Ich hab aber auch nie so ganz verstanden, warum zwei Minuten mit dem Turnbändchen über dem Kopf von links nach rechts und zurückwedeln genauso eine Sechs gab wie gar nicht erst Antreten.

  7. Parkster sagt:

    Bei uns gab´s Teilnehmerurkunden. Für jeden, der für Sieger- oder Ehrenurkunde zu unsportlich war.


    Ich durfte sie schreiben.

  8. Andreas sagt:

    BUCH!
    MACH EIN BUCH!

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