Keine Bohnen, Mama.


Oktober 1987. Endlich eine Freundin. C. war die erste Freundin, mit der auch mal über Kopulation nachgedacht werden konnte. Vorher, bei all den zahlreichen Flaschendreh- und ‚Wahrheit oder Pflicht‘-Spielereien, ging es über trockenes Geknutsche ja nie hinaus. C. lud mich eines Abends zu sich nach Hause ein. Wir schlenderten nachmittags noch gemütlich durch die Stadt, später würden Ihre Eltern mich dann nach Hause bringen. Klasse – dann lerne ich ja auch heute gleich Ihren Vater kennen.

Wir Popper waren damals bei den vermeintlichen Schwiegereltern in spe immer bevorzugter als gleichaltrige Punks, Teds, Waver oder Mods (weitere Subkulturen, wie heute z.B. Visual Kei oder Happy Pessimism gab´s damals ja noch nicht). Mir war nur unklar, ob C.´s Vater meine Ohrringe und den gewagten N.K.O.T.B.-Haarschnitt mögen würde. Er hasste beides, wie sich schnell herausstellte. Hauptsächlich hasste er aber mich.

C. lebte in einem konservativen Elternhaus, beide Elternteile waren Beamte. Sie selbst wolle nach der Schule auch Staatsdienerin werden, wie sie mir stets beteuerte. Trotzdem hatte sie akzeptable Brüste und ich freute mich schon auf´s Fummeln, als wir dann endlich in Ihrem Kinderzimmer saßen. Nachdem Ihre Mutter das zweite Mal unangekündigt mit einem Kännchen Tee das Zimmer betrat, bat C. sie, uns doch ab sofort bitte in Ruhe zu lassen. Freie Bahn! Beinahe. Wären da nicht meine schmerzhaften, versteckten Blähungen gewesen. Ihr kennt das: Man furzt doch nicht gleich beim ersten, richtigen Date in das Zimmer seiner Angebeteten. Und alle 10 Minuten auf die Toilette verschwinden möchte man auch nicht. Zumal man dazu am Wohnzimmer vorbeigehen müsste, aus dem die Eltern einen skeptisch kontrollierend anstarren würden. Also innehalten.

Verdammt, was war nur mit mir los? Mein Magen- u. Darmtrakt blubberte wie das Gärstübchen einer Kölsch-Brauerei. Flatulenz; ausgerechnet heute! Verfluchte, serbische Bohnensuppe. Dabei hatte ich meiner Mutter beim letzten Mal schon gesagt, sie soll weder serbische Bohnensuppe noch Chili con Carne kochen, wenn ich Abends noch weg möchte. An Petting war nicht mehr zu denken. Wir schauten uns „Ferris macht blau“ auf Video an. Mein gesamter Rumpf hatte sich inzwischen bestimmt um 20cm im Umfang vergrößert und ich war so unentspannt wie Ru Paul bei der Musterung. C. war bezüglich meiner Zurückhaltung auch etwas irritiert, so kannte sie mich ja gar nicht. Ich fasste Sie den ganzen Abend nicht an, zu stark waren meine Darmschmerzen. Gegen 22 Uhr hielt ich es dann nicht mehr aus und stellte die erlösende Frage, ob Ihr Vater mich dann jetzt nach Hause fahren könnte. C. begriff die Welt nicht mehr, sagte aber Ihren Eltern Bescheid. Meine Schmerzen waren mittlerweile so groß, dass ich nicht einmal mehr aufrecht gehen konnte. Ich entschied mich also dazu, vor der Abfahrt noch einmal das WC aufzusuchen. Mir war bewusst, dass C. und Ihre Eltern in ihren Jacken im Flur vor der Toilette auf mich warteten, doch er musste einfach raus. Er? Er war ein Schwefelwasserstoff-Faulgas-Monster. 300L komprimierte Luft aus Zwölffinger- bis Enddarm verliessen mit 150 bar und der Lautstärkes eines Motörhead-Rehearsals meinen Anus. DAS tat gut!

Auf der Fahrt zu mir nach Hause wurde im Auto kein einziges Wort mehr gesprochen. Und eine Woche später war C. dann mit André zusammen. André fuhr damals eine 80er. Und er hasste Bohnen.

Kommentare

45 Antworten zu “Keine Bohnen, Mama.”

  1. TS sagt:

    tz tz tz…. Dieser kleine Seitenhieb auf die Beamtenschaft ist aus meiner unmaßgeblichen Sicht nicht wirklich nett…. Es soll da auch Exemplare geben, die tarnen sich nur mit morgendlicher Verkleidung (sitzt mein Armani-Schlips richtig?), sind im Inneren aber bös dreckig… ;-)
    Ansonsten: Shit resp. bad air happens…. Aber Respekt MC, Körperbeherrschung ist bei dem Zusammensein mit dem weiblichen Geschlecht ja nicht unbedingt von Nachteil….

  2. Christoph sagt:

    Ich hoffe heute passiert Ihenn so etwas nicht mehr Herr Winkel.

  3. GL sagt:

    Ist es nicht herrlich, wenn man erwachsen und felsenfest liiert ist? Dann kann man einfach sagen: „Sorry Schatz, ich hab heute die Sch**ßerei.“ Verständnis auf beiden Seiten… Wann kommt eigentlich mal ne Geschichte von der Frau mit den dicken Augenbrauen? Würd ich mich drüber freuen… :-)

  4. Herbert sagt:

    Und C. liest auch mit???

  5. Gürtel sagt:

    seh ich aber genauso, mc, beim ersten date furzen echt nicht so angebracht… später sollte man schon diese offenheit an den tag legen können…
    war ganz cool freitag, lullinger fand ich jetzt nicht sooo prall, aber vorher war nett… und mit dem rap machen wir auch mal klar ;)

  6. Malcolm sagt:

    Der erste Lacher des Tages geht nach Kiel!

  7. False sagt:

    geschichten aus der gruft, köstlich! :D

  8. MC Winkel sagt:

    @ TS: Der Style darf ruhig dreckig sein!
    @ Christoph: Heute furz´ ich einfach drauf los; bin ja jetzt schließlich MC Winkel.
    @ GL: JJ? Weiss nicht. Muss ja langsam auch mal über Erfolge schreiben, sonst denken die Leute, ich hätte früher nie gescored.
    @ Herbert: Ich denke nicht! (Wollte übrigens ein Holsten für den ersten „C. liest hier mit?“-Comment raushauen. Hab´s mir dann aber doch nochmal überlegt.)
    @ Gürtel: s.o., einfach laufen lassen! :) Freitag war wirklich phänomenal. Selbst Luller war okay, da Musik erträglich und nicht zu voll. Kannst Du Dich noch erinnern, dass er mich mit meinem Holsten reingelassen hat („Wir sind ja hier nicht in Hamburch!“)?
    @ Malcolm: Danke! Nette Pics! Wo ist das Fratzenpic??
    @ False: Da waren Sie noch gar nicht auf der Welt, hm?!

  9. Malcolm sagt:

    „Wo ist das Fratzenpic??“

    Nicht auf meiner Kamera!!!

    Hab ich eigentlich eins gemacht..? Ja, oder?
    Mein Gedächtnis hat nach Samstag abend schlimme Schäden genommen…

  10. sabbeljan sagt:

    eine echte horrorgeschichte zu hallo wien! mc: ten points

  11. GL sagt:

    Hattest du nich bei ihr? Oder hättest jedenfalls können…

  12. Osiris sagt:

    Das nenne ich eine sehr unterhaltsame Geschichte! Ich mußte häufiger mal schmunzeln, denn etwas ähnliches hab ich auch schonmal erlebt. Und es ist wirklich die Hölle – man will die Luft loswerden, und der jeweilige gesellschaftliche Anlaß verbietet das. Eine schlimme Folter.

  13. r0ssi sagt:

    jaja, da gibt es wohl erfahrungswerte, die wir alle mal sammeln. ich konnte mich jedenfalls gut in ihre situation hineinversetzen. quel amusement!

  14. Herbert sagt:

    Das mit dem Holsten wäre ja nur halb so schlimm (wenn überhaupt), wenn Sie es nicht erwähnt hätten. Aber so….. Kein guter Start in die Woche,

  15. glam sagt:

    wegen so etwas wie blähungen muss man doch wirklich daran zweifeln, dass es einen gott gibt.

  16. Bernhard sagt:

    Hattest du kein Feuerzeug zur Hand? ;)

  17. burnster sagt:

    Ich liebe deinen Mut zur Blöße, Emme. Die C. und ihre Spießereltern haste ordentlich ausgeräuchert. Und für „Ru Paul bei der Musterung“ gibts ein extra Rethorikfleißbildchen von mir! Funziger Beitrag, Digga.

  18. msia.de sagt:

    Was hätte ich drum gegeben, die Gesichter von den Leuten zu sehen.

  19. False sagt:

    87 hab ich doch mehr oder weniger schon erleben dürfen (als geburtsjahr ;))

  20. ZuN sagt:

    apropos bohnen: ich konnte nicht fassen dass furgy (black eyed peas) mit ihrem komischen pony und der blassen haut im neuen clip so scheiße ausschaut. wie’n schweinchen.

  21. MC Winkel sagt:

    @ Malcolm: … stimmt, es gibt nur eins, oder? Das habe ich aber auch schon geflickrt.
    @ sabbeljan: Danke.
    @ GL: Dazu möchte ich hier nichts sagen. :)
    @ Osiris: Freifurzen sollte in die F&S-Bewegung eingegliedert werden.
    @ r0ssi: Man hat´s als Teenager aber auch echt nicht leicht…
    @ glam: Stimmt, Gott sollte mal etwas gegen Gasbildung tun, so es Ihn denn gibt.
    @ bernhard: Das ist eine andere Geschichte.
    @ burns: „Man muss zu seiner Vergangenheit stehen!“ (M.Schaffrath, Juni 2002)
    @ msia: Ich sah das Gesicht des Vaters die ganze Zeit im Rückspiegel. Es war grau.
    @ False: Wow, volljährig! Dann haben Sie all das ja noch vor sich… :)
    @ zun: Ach so.

  22. Bateman sagt:

    Eine Beamtenfrau ist das Beste, was einem passieren kann. So erhält man(n) Beihilfeanspruch und das ist Top!
    Apropos Flatulenz, erinnert mich an die Szene aus Trainspotting, als Spud ins Bett gesch… (na ja, Sie wissen schon ;-) )

  23. GL sagt:

    “Man muss zu seiner Vergangenheit stehen!” (M.Schaffrath, Juni 2002)
    Geht also los, ja? Ganz detailliert… ;-)

  24. Andre sagt:

    Bateman, stimmt die Schxxxe-Szene mit Spud aus Trainspotting ist echt der Hammer :-)

  25. Vere sagt:

    @ZAN
    die heißt fergie!

  26. Ole sagt:

    Die Bohnen sehen aus wie türkische Sucuk-Wurst! :) Die macht mehr Knoblauchfahne als Afterburner… ist aber auch sehr lecker.

  27. 500beine sagt:

    Du warst ein Popper? Die Kids von heute kennen den Begriff ja gar nicht mehr, vermut ich mal, aber bei uns
    waren Popper verpöhnt. das waren die Golf-Fahrer,
    die zweimal im Monat einen trinken gingen, danach
    gegen einen Baum fuhren und mit absolut heiler
    Haut aus dem Wrack gekrocken kamen anstatt
    einen Heldentod zu sterben.
    Wahrscheinlich haben sie deshalb überlegt..
    (hast du dich damals auch Popper genannt, oder kommt das jetzt
    in der nachschau..?)

  28. Jay sagt:

    Sind gerade Ex-Wochen bei McWinkel oder was? – Egal, ich fühl mich wieder sehr entertained. ;-)

  29. attention whore sagt:

    owned part IV? ;)

  30. du machst sachen! gibts gegen blähungen kein „rennie“ oder sowas. das sollte man doch immer im handtäschchen haben ;)

  31. Du alter Blähbär, Emmi!

  32. Proust sagt:

    Ein köstlicher Beitrag!
    Und ein jeder war sicher schon in einer vergleichbaren Situation…
    Hochachtungsvoll,
    M.Proust

  33. brittbee sagt:

    MC hat auch Motörhead-Content! Kaum zu glauben dass unsere Themen sich mal überschneiden :-)

    Na, war die HH-Bloggeria nett?

  34. tuoMIKAllio sagt:

    Urgh!
    Flatulenz beim Fummeln ist ähnlich schlimm wie aufstoßen beim Knutschen. Der eigene Leib hat manchmal schon ein paar schlimme Überraschungen auf Lager.

  35. Moritz sagt:

    19:23 Uhr: Der offiziell letzte – bemitleidener – Lacher geht an den MC

  36. steffen sagt:

    wie lange muss Mann mit einer Frau zusammen sein, damit er ungehemmt der Flatulenz frönen kann?
    oder: gibt differenzierte pupsphasen?

  37. Jazzer sagt:

    Oh Mann. Da bekomm ich ja noch heute Mitleid ;)

    Was diese Probleme angeht bin ich froh, dass ich mittlerweile in „offenen Bürostrukturen“ arbeite. Da kann mich kein Kantinenessen der Welt mehr schocken.

    btw. sorry, dass ich hier schon so lange nicht mehr reingeschaut habe. Aber sie wissen ja, rein internettechnisch kann man den Arsch der Welt von Hannover aus schon ganz gut sehen. Meld dich mal, wenn du in der Nähe bist. Um die Ecke gibts auch Holsten ;)

  38. Jay sagt:

    Ich wüsste ja gerne wie der MC mit New Kids-Frisur aussah. Wer warst du denn MC? Donnie? Mark? Oder Jordan?

  39. Lydia sagt:

    [Kurzer Abstecher zu Hause.] Ich habe gerade geweint vor Lachen.

  40. tizzle sagt:

    herzlichst gelacht, dicker.

  41. Odysseus sagt:

    Super viel gelacht!

    Und merke: Bohnen und Linsen bringen den Arsch zum grinsen ;-)

  42. stoertebeker sagt:

    Spät aber herzlich gelacht! Insbesondere die Stelle, sie wolle auch Staatsdienerin werden hatte aber trotzdem beachtliche Brüste….. :-) Wenn ich mir die hiesigen Staatsdiener dagegen anschaue … aber hey, vielleicht liegts ja auch am Bundesland?!

  43. … das läuft wohl jetzt unter „das erste Mal Brüste befummeln versaut“…

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