Katt Williams bei Lewis Howes: Warum Gott manchmal nicht antwortet

Katt Williams Lewis Howes

Katt Williams hat 14 Stand-up-Specials gedreht, ein Memoir geschrieben und einen neuen Podcast auf Netflix, der „According 2 Katt“ heißt. Doch im Gespräch mit Lewis Howes geht es nicht um Karriere, sondern um eine Frage, die viele heimlich beschäftigt: Warum antwortet Gott manchmal nicht? Beide stammen aus Ohio und verließen mit 13 das Elternhaus. Williams sieht den Fehler nicht bei Gott, sondern beim Fragenden. Wer um Hilfe bittet und scheinbar nichts bekommt, hat die Antwort oft längst erhalten und nur nicht erkannt. In seinem Buch „Nine Lives, No Wives, and 69 Concubines“ erzählt er, wie dieser Gedanke sein Leben getragen hat. Die Geschichte beginnt bei dem Dreizehnjährigen, der fest an Gott glaubt. Katt Williams ist zu Gast bei Lewis Howes und erklärt unter anderem, warum Gott manchmal nicht antwortet.

Früher Auszug, früher Prince: Warum Größe nicht zählt

Mit 13 verlässt Williams sein Zuhause. Er empfiehlt das niemandem, denn kein Dreizehnjähriger sei dafür qualifiziert, und in seinem Buch Nine Lives, No Wives, and 69 Concubines verklärt er diesen Schritt nicht. Trotzdem kannte er aus seiner religiösen Prägung Jesus und die jüdische Tradition, die einen Jungen in diesem Alter als Mann betrachtet. War die Lage so schlecht, wie er sie empfand, durfte er sie ändern. Er war jung genug für einen dummen Fehler und jung genug, um es zu testen. Außerdem hatte er mit 12 in Dayton Prince getroffen. Williams maß schon 1,65 Meter, Prince nur 1,60 Meter und war trotzdem Millionär. Plötzlich wurde ihm klar, dass der erhoffte Wachstumsschub vielleicht nie kommt und dass er auch so genug ist. Hätte er 1,93 Meter gemessen, scherzt er, wäre er schon mit neun gegangen.

Eine präzise Bitte statt eines vagen Gebets // Katt Williams Lewis Howes

Mit 20 steckt Katt Williams finanziell in einer miserablen Lage. Er lernt den Drogenhandel kennen: Aus 100 Dollar lassen sich 700 machen, und das geht schnell und einfach. Doch ein Leben im Verbrechen passt nicht zu ihm. Also schildert er Gott seine Situation: Er sieht, wie viele Chancen es gibt, schnell Geld zu verdienen, und braucht etwas anderes, das ihn davon befreit. Er bittet darum, ihm seinen Lebenszweck zu zeigen und verspricht, mit voller Kraft daran zu arbeiten. Entscheidend ist die Genauigkeit der Bitte. Williams verlangt etwas, das er nicht besitzt und auf das er keinen Zugriff hat, damit er später nicht zweifeln muss, ob Gott oder der Zufall am Werk war. Trifft die Antwort zwei Wochen später ein, scheut er sich nicht, offen zu sagen, woher sie kam.

Der größte Fehler: Die Antwort ist längst da

Aus diesen Erfahrungen leitet Williams seinen wichtigsten Rat ab. Der Glaube lässt sich trainieren, sagt er, und wer das Gefühl hat, es passiere nichts, hat genau darin seine Antwort. Viele warten auf eine Antwort, die längst gekommen ist, und fragen immer wieder, warum Gott nicht hilft. Dabei laute die Antwort: Das sollst du nicht tun. Also probiere etwas anderes, damit du aus Versehen findest, was gemeint ist. Wer für eine schlechte Ehe betet, bekommt als Antwort die Scheidung. Auch er selbst hat um Dinge gebeten, die er nicht brauchte und missbraucht hätte, und er bekam sie nicht. Stattdessen erhielt er etwas anderes. Mit Gott spricht er nur, wenn er ihn für eine Situation braucht, doch diese Situationen gibt es täglich. Inzwischen führe er mit Gott eine Art mündliches Protokoll. Deshalb lautet sein Rat: Gib nicht auf, sondern stelle bessere Fragen.

Jedes Nein ist Feedback: Was Haustüren und Spiegel lehren

Sein Leben lang verkauft Williams etwas: Religion, Süßigkeiten, Bücher, Zeitschriften. Als Tür-zu-Tür-Verkäufer lernt er, dass Verkaufen ein Zahlenspiel ist, bei dem 300 Neins zu 30 Jas führen. Er klingelt an allen Türen, denn er macht keinen Unterschied und rechnet bei 900 Häusern mit 90 Jas. Ein Nein entmutigt ihn nicht, weil sein Selbstwert längst an einem Ja hängt. Er hört darin die Rückmeldung, dass er seinen Job nicht gut genug gemacht hat, etwa mit seiner Haltung oder seinem Gesichtsausdruck bei der Begrüßung. Diese Einstellung nimmt er mit auf die Bühne, denn das Publikum liege nie falsch. Lacht es nicht, ist der Witz nicht lustig genug und das sei dann sein Problem. Deshalb erzählt er jeden Witz 35-mal im Spiegel, bis er selbst darüber lacht. Danach testet er ihn an einer Vertrauensperson, bevor er ihn auf die Bühne bringt.

Haiti: Wenn Wissen Babys rettet

Als Teenager arbeitet Williams anderthalb Jahre als Missionar in Haiti. Dort hilft er Müttern, deren Babys unter Durchfall durch Austrocknung leiden. Er kennt den Trick, etwas Salz ins saubere Wasser zu geben und die Mütter kennen ihn nicht. Die Wirkung tritt sofort ein, sodass er versteht, warum Menschen Missionsarbeit leisten. Er gibt zu, damals noch ein verwöhntes amerikanisches Kind gewesen zu sein, das nie ein ganzes Dorf hungrig aufwachen sah. Zugleich staunt er, wie glücklich viele Menschen trotzdem sind, weil sie ihr Glück zu ihrer Aufgabe machen. Sie sind stolz, denn sie haben nach der Kolonisierung ihre Unabhängigkeit erkämpft. Für ihn waren sie hungernde Krieger und freie Menschen. Aus dieser Zeit nimmt er mit, dass Wissen Macht ist und dass Helfen etwas mit einem selbst macht.

Spiritual Warfare: Gegenwind als Zeichen // Katt Williams Lewis Howes

Wer die Wahrheit ausspricht, muss mit Widerstand rechnen. Williams verweist auf das gut dokumentierte Schicksal von Whistleblowern und auf viele Wissenschaftler, die tot oder verschwunden seien. Wer das nicht einkalkuliere, schade sich selbst. Dennoch begegnet er spirituellen Angriffen gelassen. Ihn beeindruckt, wie schwach und ineffizient die Gegenseite sei. Gegenwind zeigt ihm Fortschritt, denn ohne jemanden, der ihn stoppen will, wüsste er nicht, ob er das Richtige tut. Sich selbst sieht er als Chirurgen, der seziert, entfernt, reinigt und wieder zunäht, und den getroffenen Nerv bemerkt er sofort. Wer ihn deshalb meidet, tut ihm einen Gefallen, weil nur die besten Menschen bei ihm bleiben. Dass ihn jemand verrückt nennt, trifft ihn nicht. Verrückt heiße etwas, solange es nicht funktioniert, exzentrisch, sobald es Erfolg hat.

Drei Wahrheiten für den letzten Tag

Zum Schluss nennt Williams drei Wahrheiten, die er hinterlassen würde. Erstens kann man nie genug lesen, lernen und fragen. Zweitens hat ein perfekter Gott jeden Menschen perfekt erschaffen und ihm ein perfektes Universum geschenkt. Drittens beginne man klein und verbessere nur Mahlzeiten, Getränke, Freizeit und Schlaf, denn das verschaffe immer eine bessere Ausgangslage. Hindernisse sieht er wie ein Hürdenläufer: Sie sind eine Gelegenheit, höher zu springen. Auf Seite 116 von Nine Lives, No Wives, and 69 Concubines heißt es: Das Universum werde kleinlich. Das passiere, wenn man den eigenen Segen ständig umgeht. Seine Definition von Größe: Es zählt, wie der letzte Einsatz im eigenen Beruf ausfiel. Nichts bleibt gleich, und jeder Moment bringt den letzten näher. Zugleich gilt für ihn: Es kann nur so dunkel werden, bevor das Licht kommt. Seine Botschaft lautet deshalb: Frag besser, und fang jetzt an.

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