Honky Tonk Night


MC: „Haze, ich geh´ mal pissen.“
Haze: „Aber nicht in´s Wascbecken, MC!
MC: „Ach kooomm!
Haze: „Na gut.
Später dann los. Honky-Tonk, schonmal gehört? Bei einer Honky Tonk-Nacht werden in verschiedenen Kneipen und Clubs der jeweiligen Stadt ein paar Künstler auf die Bühne gestellt, bevorzugt musikalischer Natur. Man zahlt einmalig 10€, bekommt ein blaues Plastik-Armbändsel und kann sich mit ansonsten freiem Eintritt alle Bands in allen Teilnehmenden Clubs ansehen. So soll´s laufen. Bei mir gibt´s natürlich eine Extrawurst, schließlich bin ich ein zu geiler Typ für´s Standard-Programm. Soll heißen: MC erspart sich sämtliche Eintrittskosten und marschiert einfach am Controllingpersonal vorbei. Sollte ich angehalten und gefragt werden, kann ich immer noch mit meiner Prominenz und einem imaginärem Containerschiff voller Style argumentieren. Musste ich aber gar nicht. Gestartet ist die Reise durch´s Kieler Kneipenleben im Café Taktlos, dort gab´s Ska-Mucke. Glaub´ ich. Irgendso ein komischer Style, schneller beat, immer gegen den Rhythmus, klingt irgendwie Irish und daher wack. Nützt nix, im Taktlos gibt´s Holsten vom Fass – man bleibt also noch etwas länger. Außerdem steht hier eine AOL-Surfstation, dort kann man in Zeiten schlechter Musik wenigstens Pornobilder absurfen. Trotzdem, ich muss hier weg – I need a beat!
Zweite Station: Schaubude. In Kiel bekannt für lauschige HipHop-Abende, open-mic´s und so. Wurde temporär mal geschlossen, weil selbst im Winter das Gras hier am grünsten ist. Am heutigen Abend spielt „Schall & Rauch“, witzige Leude. Trugen alle Polizei-Oberhemden, darunter kurze Boxershorts. Mehr weiße Beine sah ich zuletzt nur bei einer Liveübertragung eines kasachstanischen Fußball-Hallenturnieres auf Dänemark 2. War aber ganz okay. Auch wenn´s hier nur Krombacher und Budweiser gibt; der Beat stimmte. Weiter geht´s.
Dritte Station sollte der Legienhof werden. Soulfire Hi-Fi, ne Reggae-Combo aus Kiel, semibekannt. Auf die hatte ich mich eigentlich schon gefreut, aber hier im Legienhof stellt man sich wegen des fehlenden Honky-Tonk-Bändsels an. Fünf Euro nochmal extra? Nö. Dann lieber woanders sein Glück versuchen.
Und wieder einmal endet der Abend im After Dark. DJ Pascal legt hier seine schwatten CD´s in sein Soundsystem, drückt ab und zu „play“, optional „pause“ und wechselt zwischendurch die Kanäle. Ne Band hat man sich hier scheinbar gespart. Wie wir erneut die Eintrittskosten. Und solange Pascal Snoop´s „Beautiful“ abspult, ist wenigstens für Amusement gesorgt. Auch wenn´s hier nur noch Radeberger gibt. „Binding ist leider alle“, singsangt die unmotivierte Tresenmumu mir ins Ohr. Eigentlich egal, die Wahl zwischen Binding und Radeberger kommt einem Landtagswahl-Stimmzettel mit den Optionen DVU oder NPD gleich. Oder einem Wunschkonzert, bei dem entweder Rammstein oder die Onkelz Ihren Bockmist vortragen. Oder einem Italiener, bei dem es entweder Bananen- oder Thunfischpizza gibt. Naja, in der Not geht Naddel in den Dschungel – her mit der Ost-Plürre, die morgigen Kopfschmerzen nehme ich mal in Kauf. Ist ja Samstag.

Kommentare

2 Antworten zu “Honky Tonk Night”

  1. Jones sagt:

    Wieso warst Du nicht im Hemingway?

  2. Bo sagt:

    Scheiß Wetter, sonst wäre ich sicher länger unterwegs gewesen. Aber gute Sache, so eine Honky Tonk Nacht.

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