Hippie im Anzug


Da, wo ich aufgewachsen bin, war es nicht besonders schön. Die Leute waren entweder sehr anspruchslos oder tranken. Die meisten gaben sich mit sehr wenig zufrieden, was kein Kunststück war; sie hatten keine Wahl. Ein Stadtteil mit vielen Plattenbauten und einigen Grünflächen, um die sich niemand ordentlich kümmerte. Ein künstlich angelegter Teich, der nach einigen Jahren dreckiger war als die Blaumänner der Arbeiter, die sich tagsüber auf dem Bau betranken, nach dem Feierabend in einer der zahlreichen Kneipen damit fortfuhren und später zuhause den Rest der Familie zusammenschissen. Solche Leute wohnten dort auch gerne mal in unmittelbarer Nähe, im selben Haus. Eine Zeit lang lebte ich in einem Wohnkomplex aus den siebziger Jahren. Wenn ich aus dem Fenster meines 12qm-Kinderzimmers schaute, verdeckte mir das wohl größte und hässlichste Hochhaus der Region die Sicht in die Ferne. Die Sonne schien sehr selten mal durch die Jalousien.

Nach der Schule konnte man sich mit Klassenkameraden oder den Nachbarskindern zum Fußballspielen, Skaten oder Rumhängen auf der Strasse treffen, was nicht ungefährlich war. Ende der 80er Jahre bildete sich hier die städtische, rechte Szene. Es gab in diesem Stadtteil die höchste Dichte an aggressiven Jungendbanden. Mein damaliger Freundeskreis wurde mit der Zeit auch ungewollt zu einer „Gang“. Jeder, der sich hier regelmäßig mit immer denselben Leuten traf, war automatisch in einer Gang. Wir als Popper hatten eigentlich andere Ambitionen. Wir machten uns einen Spaß aus dieser Gang-Mentalität und gaben uns einen Namen, den wir zwar nicht auf Bomberjacken druckten, dafür aber auf T-Shirts, die wir dann auch nicht ganz ohne Stolz zur Schau trugen. Damit handelten wir uns natürlich schnell Ärger ein. Als Andenken aus dieser Zeit habe ich immer noch einen angebrochenen Schneidezahn, eine tiefe Narbe am Schienbein und eine Narbe am linken Knöchel, die mir nach einer Operation blieb. Ich riss mir die Bänder im Fuß tatsächlich auf der Flucht vor mehreren Mitgliedern einer der besagten Gangs. Immerhin haben die mich an diesem Abend nicht gekriegt. Gekriegt hat mich dafür aber Wochen später dann ein Schäferhund der Polizei. Fast verblasst sind die Narben heute, welche die Eckzähne des Biestes deutlich und nur knapp über meinem Solarplexus abzeichneten. Meine Personalien wurden von der Polizei in dieser Zeit öfter aufgenommen als leere Bierdosen durch Putzkräfte auf dem Boden des lokalen Einkaufszentrums, in welchem ich in mindestens zwei Läden Hausverbot hatte, weil man mich beim Zigaretten klauen erwischte.

Aber so war es halt. Wo gehobelt wird, fallen Späne. Euer MC hat damals nicht mehr gehobelt als der Durchschnitt, wurde aber jedes Mal erwischt. Vielleicht war es Dummheit. Vielleicht aber auch ein gutgemeinter Wink des Himmels. Ein Hinweis, damit ich mich endlich mal besinne. Endlich mal zur Ruhe komme. Mein Wertegefüge überdenke. Die Gegend war übel, dennoch hatte ich Träume. Sollte ich diese Träume für einen rauschigen Abend nach dem Anderen einfach so hinschmeissen? Für die Jungs, denen es primär doch auch nur ums Trinken ging? Für ein imaginäres Zusammenhalten? Für die verkaterten Vormittage am Wochenende, an denen ich so viel Zeit verlor? Für den heimlichen Joint am Fenster? Für Paderborner Export?

Mit Anfang Zwanzig verliess ich diesen Ort. Ich zog zusammen mit meiner damaligen Freundin in eine ordentlichere Gegend der Stadt. Weil ich als Mieter plötzlich Geld brauchte, entschied ich mich gegen das Studieren und für einen Ausbildungsplatz. Die strenge Geschäftsführung meiner damaligen Ausbildungsstätte brachte mir viel Blödsinn bei, aber auch Loyalität, Disziplin und Verantwortung; wenn auch nicht im höchsten Maße. Es ging voran. Nach dem Zivildienst zunächst schleppend, aber irgendwie bekam ich immer die Kurve. Auch wenn ich gehörig einen an der Marmel habe – auf den Kopf gefallen bin ich glücklicherweise nie.

Jetzt bin ich über 30. Ich war letztes Jahr so unglaublich spießig und habe mir eine Eigentumswohnung gekauft. Warscheinlich ist es unterbewusst, aber ich stehe mittlerweile auf Lebensqualität erhöhendes, komfortables Mobiliar. Ich sehe es offensichtlich als kleinen Teil des noch nicht zu Ende Geträumten. Und es gibt Umstände, die es inzwischen erfordern, dass ich mich tagsüber adäquat kleide. Irgendwie gefällt es mir sogar und man kann nicht sagen, dass mir Hemd+Kragen nicht stehen. Aber: Ich höre immer noch HipHop-Musik, ich bin den Beats&Rhymes und der Kultur immer noch so verfallen wie am ersten Tag. Ich bin immer noch gesellig und ich gehe mich immer noch gerne betrinken. Ich bin immer noch laut. Ich bin immer noch unvernünftig. Ich bin rastlos, euphorisch, emotional, hektisch und aufbrausend. Ein blödes Arschloch mit großem Herzen. Vielleicht siehst Du mich im Anzug. Doch dieser Mann im Anzug, das ist ein Hippie. Dieser Mann da, im Anzug, der sieht was, was Du nicht siehst.

Es ist also nicht, woher Du kommst; es ist nur, wo Du jetzt bist? Falsch. Es ist, woher Du kommst und es ist, wo Du bist. Selbst wenn ich wollte – ich werde niemals vergessen, was mich mein frühes Leben in diesem Stadtteil lehrte. Es ist ein großes Stück Heimat im kleinen MC. Und ganz ehrlich: Das finde ich schön.

Kommentare

82 Antworten zu “Hippie im Anzug”

  1. Rociel sagt:

    Solche Einträge sind es, die uns die Person hinter dem Blog erst wirklich näher bringen. Diese Resolution, dieser kleine Rückblick, den Du uns gibst – so pathetisch das auch klingen mag, das finde ich zutiefst schön. Argh.

  2. Andre sagt:

    Back to the roots… ob nun Dänischenhagen oder Mettentown, eine Heimat haben wir alle.

  3. Nomak sagt:

    Ein MC Winkel, der mal ganz ernsthaft und sehr persönlich wirkt. Ich kann mich da Rociel nur anschließen – gefällt mir auch gut.

  4. domi sagt:

    autobiographiewochen im bloggewerbe. erst rené, dann burnster, jetzt du. schön.

  5. glam sagt:

    politics. you should be in politics. hollywood-produzenten sollten dann deine gloriose politkarriere verfilmen. obige rede bricht dann in der filmfassung die herzen aller parteien. die monarchie wird eingeführt. du gibst wetten dass wegen der lesereisen, audienzen und staatsempfänge an chiara ohoven ab, die es zu dem zeitpunkt auch endlich aus der vorstadthölle düsseldorfs weggeschafft hat (sie lebt und arbeitet als chihuahua-klonerin in passau, besucht ihre mutter aber halbjährlich auf dem sonnenhof, der in petra-schürmann-hof umbenannt worden ist.)

  6. Bernardo sagt:

    Sehr schöner Rückblick…Daumen hoch!

  7. Die Muräne sagt:

    Das war jetzt aber echt einer Ihrer besten Posts so far. Cool man!

  8. Die Muräne sagt:

    Vor allem den letzten Abschnitt kann man sich ausschneiden und einrahmen.

  9. Jay sagt:

    12 qm Kinderzimmer? Ich kenne genug Studenten die mit 9 klarkommen müssen. Aber sehr schöne Geschichte vom MC from the block/ blog!!!

  10. buem sagt:

    Mein Gott, was für eine Ansage. Nicht schlecht. Noch etwas dran arbeiten, dann ist es ein Rapper Text :-)

  11. eigenart sagt:

    Schöne Beschreibung darüber, was prägt, was man hinter sich lässt und was man sich bewahrt.
    Den Hippie im Anzug halte ich auch für absolut schützenswert. Meiner hört im dicken Auto gerne lauten Punk!

  12. SODL sagt:

    @buem: Yepp… hab ich mir auch gedacht… müsste man noch nen passenden beat finden und ab damit. :)
    @MC: Toller Beitrag… Du kannst also nicht nur lustig sein. Ganz neue Seite lerne ich da an Dir kennen…

  13. mS sagt:

    ja, die poppernation! und ey, wir werden alle älter und hin und wieder entdeckt man an sich selber eine gewisse art an spießigkeit, die wir damals verflucht haben! Doh!

  14. Dr.Sno* sagt:

    It’s Westside till I die…

    Als Skater haben wir uns die Blessuren wenigstens noch selber beibringen können.
    Aber egal, denn eigentlich zählt dann doch nur wohin wir gehen…

  15. waschsalon sagt:

    lieber mc,
    deine geschichten sind oft witzig und manchmal haben sie mich neugierig gemacht auf den menschen dahinter. manchmal habe ich auch einfach gedacht: was für eine eingebildete laberbacke. das gebe ich zu. doch dann habe ich jemanden getroffen, der dich kennt. sie sagte, du seist ganz anders – und vor allem sehr, sehr nett. ich finde sie auch sehr, sehr nett. also fing ich an, deine geschichten anders zu lesen. ich sah dich in einem anderen licht und fand dich immer sympathischer. seit dieser geschichte aber, hast du mich davon überzeugt, dass du wirklich ein sehr, sehr netter mensch bist. ich bin beeindruckt, dass hinter dem entertainer so viel gefühl und nachdenklichkeit stecken. ich werde dir jetzt nicht sowas schreiben, wie „du hast einen neuen fan“, weil man das als tumbe anbiederei missverstehen könnte. außerdem ist das ein scheiß satz. aber es geht in diese richtung. danke für die schönen worte.

  16. Julia sagt:

    Hm, schöner Beitrag!

  17. dL sagt:

    NOICE … Du kannst den MC aus der Hood nehmen, aber die Hood nicht aus dem MC. Word, son!

  18. SyrelSnyr sagt:

    Ich denke Du kannst stolz darauf sein die „Kurve“ bekommen zu haben, falls man das so nennen kann. Es gibt leider viel zu viele Menschen die daran scheitern und „falsche Werte“ haben. In diesem Sinne, ein leises Respect! von meiner einer.

  19. msia.de sagt:

    Drogenrausch, oder?

  20. padre sagt:

    sehr schöner text. finde da ein paar parallelen. witzig wird es, wenn man vom acht jahre jüngeren bruder als spießer bezeichnet wird, nur weil man mittlerweile saubere hemden trägt und seine schuhe putzt. naja, der muss auch nicht alles wissen …

  21. MC Winkel sagt:

    @ Rociel: Vielen Dank. Es war diesmal echt eine Überwindung, auf „veröffentlichen“ zu klicken. Ich dachte, es sei mal an der Zeit für sowas…
    @ Andre: Sogar mehrere.
    @ Nomak: Danke! Ich hoffe, ich verschrecke hier heute niemanden…
    @ domi: Habe die anderen Texte auch gelesen und gestehe, dass die mich angespornt haben. Jetzt, wo so viele Leute whudat.de besuchen, traue ich mich auch einfach mal… wobei es so einfach wirklich nicht war…
    @ Glam: Danke! Aber Chiara wird in meiner Bio NIEMALS vorkommen, lieber Glam!
    @ Bernardo: Danke.
    @ Muräne: Huch, Dankeschön! Sollte ich womöglich öfter nachdenklich und leicht pathetisch schreiben?
    @ Jay: Na gut, es waren 11,24qm. :)
    @ buem: Sie meinen „lyrics“ oder „16 bars“, wie wir Rapper sagen?
    @ eigenart: Hatte dieses Gespräch erst neulich; der Musikstil ist wirklich Latte. Hauptsache ehrlich. Bin – denke ich – eine andere Generation. Was hören Sie denn so?
    @ SODL: Danke. Ob ich das „kann“ weiss ich nicht. Aber ich gebe mir Mühe.
    @ mS: Auch Hippie?
    @ Dr.Sno*: Oder vielmehr, wo wir bleiben. Zumindest stückweise.
    @ waschsalon: Hoppla, wer hat denn da meinen Ruf so durch den Schmutz gezogen? :) Die sensibelsten Menschen habe ja bekanntlich die härtesten Fassaden, nicht wahr?! Also, ganz allgemein jetzt mal. Nicht, dass jetzt einer denkt, … also wirklich nicht …
    @ Julia: Danke.
    @ dL: Wollte ich auch erst irgendwo unterbringen, diesen Satz. Fand das alles hier aber schon pathetisch genug! Aber danke…
    @ Syrel: Danke.
    @ msia: Nein.
    @ padre: Tscha, vielleicht sollte der dann doch mal etwas mehr zu hören bekommen. Das Niveau ändert sich automatisch. Schlimm nur, wenn man seine Wurzeln wirklich vergisst.

  22. Malcolm sagt:

    Ungewohnte Klänge. Burnster scheint einen guten Einfluss zu haben!

    Gern öfter.

  23. Gaby sagt:

    Ich kann mich der Mehrheit nur anschließen … sehr sympathisch, was du uns da von dir sehen lässt. Steht dir sehr gut :)

  24. saintphalle sagt:

    „Jetzt, wo so viele Leute whudat.de besuchen, traue ich mich auch einfach mal… wobei es so einfach wirklich nicht wahr…“
    Ich stelle es mir eher schwieriger vor, so persönliche Texte zu verfassen, wenn einen derart viele Leute kennen – vor allem auch live kennen und nicht nur als virtuelle Kunstfigur.
    Respekt dafür, dass Sie sich trotzdem getraut haben, diesen wunderbaren Text zu posten.

  25. maren sagt:

    ach… schön. :)

  26. chilldogg sagt:

    Es ist ja schon alles geschrieben..
    Aber auch ich gebe zu, dass ich einen solchen Beitrag hier bei Ihnen so niemals erwartet hätte. Sehr schön geschrieben und toll mal ein wenig hinter die Fassade des Herrn MC geblickt haben zu dürfen, vielen Dank!

  27. GIZA sagt:

    „Der Mensch hinter der Legende.“ Fein, fein.
    Das mit den Gangs kenne ich auch noch. „Wanderers“, „Dragons“… War nicht schön.

  28. MC Winkel sagt:

    @ Malcolm: Hat er. Beschleunigt quasi meine Entwicklung als komischer Kautz Blogger.
    @ Gaby: Das freut mich heute tatsächlich einmal besonders…
    @ saintphalle: Blogger sind halt Seelenstripper. Die Guten zumindest. Und so einer will ich ja werden… :)
    @ Maren: Danke.
    @ chilldogg: Freut mich, Danke!
    @ Giza: Mad Fighter, Mad Butchers (vor denen bin ich übrigens geflüchtet), Tigers, Warriors, Kneipenterroristen, (…)

  29. Stefan sagt:

    Moin aus Norden.
    Mutiger Eintrag! Habe dich bisher immer für ein Arschloch gehalten, aber langsam wirst du mir sympathisch. Habe gestern sogar deinen Urlaubsfilm gesehen, obwohl ich eigentlich Urlaubsfilme hasse. Habe mich sehr amüsiert und schaue mir gerade den Rest deines Filmarchives an. Klasse! Dein Blog hat wirklich Unterhaltungsqualität. Das kann man leider nur von ganz wenigen Blogs sagen.
    Weiter so oder mit deinen Worten:
    Easy & Peace

  30. Bateman sagt:

    Chapeaux, in der Nacht zum Sonntag noch eine Erleuchtung erhalten ;-) Aber ernsthaft, autobiographische Geschichten mit Gefühl sind auch mein Ding – sehr schön. Alles andere wurde hier schon gesagt.

  31. um es mit Kermit zu sagen: „Applaus Applaus Applaus“!
    Einmal gelebtes Leben – Das macht Dich ein Stück menschlicher (also im Sinne von „greifbarer“ -> nicht dass jetzt der Umkehrschluss erfolgt, alles andere hier würde Dich „unmenschlich“ machen ;-)

  32. Burnster sagt:

    Na endlich, Emdog! Es geht doch! Du kannst es. TAG in jeder Hinsicht.

  33. mS sagt:

    man ist was man isst… hehe!

  34. SirDregan sagt:

    Hey Mc. Was war das denn eben?
    Ich hab mich während des lesens wirklich gefragt, ob ich nicht auf der falschen Seite bin. Wunderbar geschrieben, muss ich doch glatt nochmal lesen. Echt klasse.

  35. GIZA sagt:

    Ach ja, die Tigers. Die haben doch damals in ganz Kiel das Tragen von „Detroit Tigers“-Merchandising verboten. Gab auf dem Jahrmarkt mal richtig Ärger…

  36. Tobias sagt:

    Wow – ich bin von den Socken!
    Deine Bandbreite ist echt beeindruckend – lese Deine Texte immer wieder gerne!!

  37. spango sagt:

    also ehrlich, es geht mich ja nix an, aber ich dachte ja oft: da macht dieser mensch schon wieder auf dicke hose. trotzdem war es meistens entweder so sprachlich verzwirbelt, dass ich dranblieb oder wurde im laufe der geschichte adabsurdum geführt, dass ich erneut zu meiner sauerstoffflasche greifen musste wg. hyperventiliertem lachens.

    geht mich ja nix an. weiß jetzt nur, warum ich fast immer hier lese.

  38. spango sagt:

    fehlt das fazit: keiner macht besser auf dicke hose und die faz hatte lange nicht mehr so wahre statements zu bieten.

    ja, da staunt die teiggesichtige unke schirrmacher!

  39. schroeder sagt:

    Das Arschloch mit dem großen Herzen *hrhr* habe ich dir ja vorher schon abgenommen. Im Grunde schon vor unseren Live-Treffen. Hat dir ja nicht an Selbstironie gemangelt. Nun glaubhaft die Street-Credibility nachgereicht. Stark!

    Wenn das mit „Wetten, dass…“ nichts werden sollte, wie wär’s mit Fußball-Bundestrainer? Ich mein, Lichtgestalt bist du ja jetzt schon .-)

  40. MC Winkel sagt:

    Oh Mann, ich bin ja wirklich mal heilfroh, dass dieses Experiment nicht in die Hose ging. Ich Danke allen Kommentatoren für die netten Worte. Dann wird der alte MC wohl hin und wieder mal mit einem etwas ernsteren Text um die Ecke kommen.

    @ Stefan: Siehst´ woll, manchmal lohnt es sich, etwas länger dran zu bleiben…
    @ Bateman: Danke, Batey!
    @ Kerstin: Ich freue mich, dass mir das vermutlich gelungen ist. Danke!
    @ Burnster: Auch Deinen Kommentar habe ich mit Ehrfurch gewartet, mein Lieber! Ich muss noch feilen, aber das Gerüst steht. Danke, Mann!
    @ Dregan: Hehe, das haben bestimmt so Einige gedacht heute…
    @ Tobias: Danke. Früher sagte ich mal „you ain´t seen nuttin´ yet“ – das wurde heute wieder etwas geschmälert. Danke für die Blumen!
    @ Spango: Höre ich gerne! Danke, Spango.
    @ Shroe: Dir wurde ja auch vorher schon viel verraten! :) Danke, Shroe!

  41. r0ssi sagt:

    das war das beste, was ich bislang in diesem blog gelesen habe.

  42. talia sagt:

    Ich musste weinen
    Echt

    Ich wünsch dir ein schönes Leben Mc Winkel, ja genau, das wünsch ich dir…

  43. Ole sagt:

    Eine wirklich meisterliche Sozialstudie, bei der ich mich stantepede Herrn rOssi anschließe.

  44. Karlmarks sagt:

    Toller Beitrag. Erinnert mich von der Schreibweise her sehr an das Buch „Dorfpunks“ von Rocko Schamoni. Er beschreibt auf eine ähnlich saucoole Weise seine Jugenderlebnisse, allerdings als Punk und nicht als Popper.
    Weiter so!

  45. SirParker sagt:

    Das Leben hat es also nicht immer gut gemeint mit dem Mann, den wir als MC Winkel kennen… kaum entgeht er der Dresche von üblen Gangs, schon knabbert ihn ein Polizeiköter an.

    Die ernstere Seite steht Dir auch… genau wie der Anzug!
    *Daumen hoch

  46. KleinesF sagt:

    Mein Gesicht ist tränenschwer.

  47. dirk @ ulm sagt:

    Ich bin begeisterter Leser Ihres Blogs, habe mir neulich an einem entspannten Whisky-Cola-Abend die Prachtstücke ihrer Videosammlung gesaugt (sorry, wegs dem Traffic) und ergötze mich gleichfalls an stillen, nachdenklichen Ratrospektiven als auch an Posing-at-it’s-best.

    Machen Sie so weiter – irgendwie hat das den symphatischen, richtigen Einschlag!

  48. rene sagt:

    Sehn’se Herr Winkel, Hosenrunterlassen funktioniert auch im Blog ;-)

  49. Illsen sagt:

    You can get MC out of the Ghetto, but you can’t get the Ghetto out of MC ;)

    Ya know dat … kee on hustlin‘

  50. timanfaya sagt:

    sehr schön. erinnert mich an eine alte reklame der uhrenfirma omega [ich gebe zu, der zusammenhang hört sich arg bescheuert an]. auf dem deckblatt des gesamtprospektes war stonehenge und darüber der mond zu sehen [stonehenge -> uhr / mond -> erste uhr auf selbigem: omega speedmaster]. zugehöriger satz oben im bild: wer seine vergangenheit nicht kennt wird die zukunft nie erreichen … [oder so ähnlich].

    ich bin als vorschul-pimpf größtenteils bei meinen großeltern aufgewachsen, weil meine eltern wenig geld hatten und beide arbeiten mußten. mein großvater war ein einfacher stahlarbeiter, meine großmutter putzfrau. einzimmerwohnung ohne dusche und wc. ich weiß noch gut, wie sich eine unter null grad kalte klobrille am nackten hintern auf der außentoilette anfühlt. von diesem leben bin ich inzwischen lichtjahre entfernt. aber irgendwie ist das nach wie vor das fundament auf dem ich stehe …

  51. Daniel sagt:

    Ich schließ mich an: Das war einer der schönsten MC-Texte. Man muss nicht immer die Lacher auf seine Seite ziehen um genial zu sein. Steht dir außerordentlich gut, die Ernsthaftigkeit.

  52. Fireball sagt:

    Es ist sogar noch mehr als bloss der Ort, von dem du kommst, und dem, was du aus deinen Genen gemacht hast. Ich denke, jedes klitzekleine Ding im Leben beeinflusst einen irgendwie. Das ist ein wenig wie mit der Chaostheorie, aber gerade weil alles so chaotisch ist, passieren Dinge, die einen beeinflussen, die einen verrändern und die auch das spätere Leben beeinflussen.
    Der Eintrag hat mir sehr gefallen, ich finde es immer wieder toll (und mutig!), wenn sie persönliche Errinerungen erzählen.

  53. abermals anerkennung, mein lieber ;o)

  54. Silka sagt:

    wie recht du hast

  55. xit sagt:

    ich habe mich immer gefragt, woher Sie dieses ausgeprägte Faible für HipHop haben. Jetzt macht es Sinn. Ich bin sehr berührt von Ihrem Text, zumal die Orte und die Atmosphäre, die sie beschreiben, mir sehr vertraut waren und sind (auch wenn ich damals bei den „Gang Kriegen“ nicht dabei war… Mad Boys gab’s glaub ich auch…). Hoffe, noch viel von Ihnen lesen zu können!

  56. wasi sagt:

    Ja auch ein MC wird mal erwachsen. Zwar nie ganz aber in die Richtung gehts zumindest. Was so eine Bloglesung in Hamburg doch alles bewirken kann,

    Grüße und danke für die Rhymes
    wasi

  57. KleinesF sagt:

    Und selbst wenn Sie durch dieses Experiment 1300 lustige Leser verlieren, gewinnen Sie doch 60, die Ihnen ans Herz wachsen wollen.

  58. Torx sagt:

    *rotzziehhoch*

  59. Henning sagt:

    Respect! Der MC hat doch einen weichen Kern. Auf jeden Fall unter den TOP-5 MC-Texten! Ach, und „Komik ist Tragik in Spiegelschrift“, sagte mal ein deutscher HipHoper. Funktioniert auch andersrum, wusste schon Shakesbier.

  60. Louis XIV sagt:

    Ich guck ja immer mal wieder rum, was es so Neues gibt, auch wenn ich selber nicht viel Zeit zum Schreiben habe. Bis jetzt war ich mir auch nicht ganz sicher, wer dieser McWinkel eigentlich ist. Ob man den lesen / kennen / mögen soll.
    Aber wie Sie ganz elegant mit einem Stück gutgeschriebener Biographie die Strasse raufkommen, das hat was. Glaube ich wirklich.
    Möh, Don, HerrPaulsen und dark* werden sich freuen über den neuen Nachbarn – herzlich willkommen bei den „Netten Blogs“.
    :o)

  61. medienjunkie sagt:

    wunderbar. deine kreativität scheint unerschöpflich!

    p.s.: paderborner ist derbst ekelig. ;)

  62. Mülli sagt:

    Was ist denn aus der damaligen Gang geworden? Haben von denen noch mehr die Kurve gekriegt?

  63. hui mc! you brighten my cold and cloudy andalucian day :)

    das dir nie die blogluft ausgeht, ist absolut fabelhaft. deine energie hätte ich gerne.

  64. Michael sagt:

    All das was Du im Herzen mit Dir trägst ist Heimat. Und es ist keine Schande, dass ein miserabler Stadtteil auch dazugehört. Ganz im Gegenteil, unsere Wurzeln geben uns Kraft und wenn man weis wie die Dinge zusammengehören, kann man sie auch nutzen. Ich hab den Eindruck, Du machst nichts anderes, als dieses Potential zu entdecken und zu verwenden.

  65. Lakaluschi sagt:

    BZM & der von Natur aus umgekippte Heidenberger Teich, das „Einer“ und sein „Weisser Riese“, Möchtegern-Nazis vs. Tigers im Wikingerbummel – what a true ode to good ol‘ Mettentown! Dass ich jat noch erleben darf …

    Hut ab, MC!

  66. Lakaluschi sagt:

    Wie konnte ich ihn bloß vergessen, den seinerzeit und wohl auch heute noch grössten Nebenbuhler vom Paderborner Export, der lettenweise unsere Schlünde runterstrudelte: Regenten Pils aus der Linden Brauerei zu Unna ist das Stichwort! Würzig, frisch – drum kam’s damals auf den Tisch …

    Cheers, Folkz!

  67. Kommentator sagt:

    *rotzziehhoch* passt . . .
    Ich schliesse mich an *rotzhochzieh* – meine Kindheit und die Bilder dazu ziehen dunkelrot an mir vorbei, und vieles, zu vieles ist nicht lustig und nicht schön an diesen Bildern, aber sie gehören zu mir wie die Narben, die wir alle alle tragen, drinnen wie draußen.

    Es gibt ein Lied, dass diese Form von Reminissenz und Erfahrung beschreibt bzw. beschreiben möchte – den Namen der Band weiß ich gerade nicht, und das Lied ist auch nicht sooo toll, aber die ersten Zeilen des Textes treffen mich immer wieder, durch Mark und Bein und bis ins Herz:
    „Da, wo man groß wird,
    wo man weg will und es doch niemals groß wird . . .“
    MC, in diesem Sinne: Du bist ein Großmaul und eine Labertasche, aber Du bist auch gut.
    Gruß und *rotznocheinmalhochzieh*

  68. Kommentator sagt:

    Sorry, es heißt ganz richtig:
    “Da, wo man groß wird,
    wo man weg will und es doch niemals los wird . . .”
    Sorry.

  69. Etosha sagt:

    Schön, dass die Reaktionen so positiv waren. ‚Immer lustig‘ ist eine der wenigen gut funktionierenden Fassaden für sensible Menschen – schwierig, sie abzulegen. Womöglich wärst du bei negativen Tönen schnell wieder dahinter verschwunden.

    Mir hats auch sehr gut gefallen.

  70. Tina sagt:

    Obwohl ich schon Tränen gelacht habe bei Ihren Beiträgen, Herr Winkel – dieser Text ist nach meinem Emfpinden der schönste, den ich bisher von Ihnen gelesen habe. Sie beweisen nicht nur Ihren herrlichen Humor, sondern auch, daß Sie in ernsthaften Bereichen die richtigen Töne treffen, was ungleich schwerer ist. Ich würde sehr gern mehr davon lesen. Obwohl… fluchen Sie nebenbei weiter, auch das möchte ich nicht missen.
    Ich finde es toll. Ganz einfach. Fühle mich zwar gleichzeitig etwas überflüssig als Nr. 72, die Ihnen dies mitteilt, möchte es aber trotzdem nicht ungesagt lassen.

    War es Mettenhof? Bei mir war’s Meimersdorf – und trotzdem ähnlich ;o)

  71. MC Winkel sagt:

    … mehr hierzu jetzt öfter.
    Danke!

  72. Erik sagt:

    Bei mir war’s Braunschweig, Weststadt. Und statt Narben von Schäferhunden waren’s eher impaktierende Autos, Glas, Nägel und Fleischerhaken (echt wahr). Ansonsten aber die gleiche Geschichte um Jugendgangs, Orientierungslosigkeit und – im späteren Alter – die spontane Flucht nach vorn, um nicht ebenfalls im Sozialghetto kleben zu bleiben. So wie viele Freunde vergangener Tage, deren Horizont der Möglichkeiten sich leider nur bis zur Stadtgrenze entwickelt hat, und deren Geschichten heute zwar fast schon deprimierend, aber irgendwie nicht mehr nachvollziehbar sind.

    Wenn ich aber ehrlich sein soll – und das will ich auch – dann ist es mir allemal lieber, als Jungspund des öfteren mal ordentlich auf die Fresse geflogen zu sein. Keine Ahnung, wieviel Blut man als Kind im wahrsten Sinne des Wortes gelassen hat – aber nur, wer sich auf’s Maul packt, kann auch lernen, wieder aufzustehen. Und hätte ich damals diese Erfahrungen nicht gemacht, dann hätte ich wahrscheinlich heute in vielen Bereichen des Lebens versagt, wo ich mich bislang immer durchgekämpft habe. Nicht zu vergessen, dass mit die schönsten Kindheitserinnerungen eben das Abhängen mit der „Gang“ war, im Sommer draussen an den legendären Bänken bei der „Plantage“, die heute nicht mehr steht, aber die wir damals so nannten – zerbombte Kleingärten aus dem 2. Weltkrieg. Und nicht zu vergessen, Abends mit Litern von Bier bewaffnet durch die Straßen zu ziehen, rumprolen und saufen, bis es wieder hell wird. Das mag für den Einen oder Anderen eine fremdartige, niveaulose Welt sein – aber für mich ist es einfach ein Stück Erfahrung, ein Stück Selbstprägung.

    Kurzum: „Es wäre nicht so, wie es ist, wär‘ es damals nicht gewesen, wie es war.“, um es mal mit Cora E. zu sagen. Übrigens bin ich auch auf Hiphop und RnB hängen geblieben – und ich hab ständig das Gefühl, dass eigentlich nur die biologische Uhr tickt, während das Stammhirn fest davon überzeugt ist, immer jung zu bleiben. Irgendwie so Anfang 20. Dementsprechend benimmt es sich auch, aber wir haben nach anfänglichen Diskussionen inzwischen unseren Frieden gefunden.

    Mit den besten Grüßen aus Kiel,
    Erik

  73. Zack sagt:

    Respekt MC! Ein richig schöner Text aus dem Leben.

    @Erik
    Weststadt oh ja, da bin ich auch zur Schule gegangen aber wohnen möchte und werde ich da nicht.

  74. Toujours-Moi sagt:

    Jetzt weiß ich wieder einmal mehr, was einem kleinen Nomadenkind mit 13 Umzügen in 19 Jahren fehlt. Dieses feste Gefühl der Heimat, das zurückblicken können auf seine Wurzeln.
    Aber ich kann durch Ihre Geschichte erahnen, lieber MC, wie das sein muss. Schönes Gefühl (und schön geschrieben!)

  75. Rociel sagt:

    P.S. (etwas verspätet): Mit ‚pathetisch‘ meinte ich selbstverständlich nur meinen Kommentar selbst (es klingt doch wirklich kitschig, wenn jemand hach-seufzend „Wie schön!“ sagt). Es sollte einem auf keinen Fall unangenehm sein müssen, etwas in seinem Blog zu veröffentlichen – was Dir das große Feedback doch nur bestätigt hat. (Und, der Hund hat Dir wirklich in den Bauch gebissen?!)

  76. Opa Brass sagt:

    Sehr schöner Text!
    Sieht nach Mettenhof aus…leige ich richtig?

  77. Kuddel sagt:

    Ich glaubs nicht! Ich seh Mc Rulez Winkel by DSF im GTC….
    Und dann noch diese nice side.

    Greets from old Knödy

  78. Redford´s 84 sagt:

    Bin durch zufall auf diese Seite gekommen.Kommt mir alles sehr bekannt vor, bin mir nur noch nicht ganz sicher ob wir sogar in einer clicke waren. Hast es sehr gut geschrieben.das alles ist schon über 20 Jahre her ich erinnerre mich sehr gerne an die Zeiten .Der weiße Riese die Kiste Madfighter Dragons Bombers Donalds Madboys Tigers Snakes Redfords 84 das waren Namen zu dieser Zeit .Tja wir sind alle älter geworden und ruhiger. Das war meine Jugend würde auch gerne mal wissen was aus den meisten geworden ist. Mettenhof Kroshagen Gaarden alle hatten sie ihre Gangs alle sind sie älter und ruhiger geworden. Und was ist mit der heutigen Jugend sind die anders als wir vor 20 Jahren ??? Ich bin heute fast 40 Jahre alt hab eigentlich schon überall gewohnt bin 14 mal umgezogen nur weg von Mettenhof mitlerweile wohne ich wieder da wo alles mal angefangen hat hab mir mit meiner Frau auch eine Eigentumswohnung zugelegt und will hier alt werden .Na ob wir uns kennen grins

  79. Westpfalz-Johnny sagt:

    r.e.s.p.e.k.t.

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