Gratulation: 10 Jahre Internet

Also, bei mir jetzt. So in etwa. Alles fing an mit der Gitarre meines Vaters und Sara; nur ohne die Gitarre meines Vaters. Dafür aber mit seinem alten 56k-Modem, welches er mir irgendwann einmal mitgab. „Das machst Du da links in die Dreier-Telefondose rein, dann hier diese Nummer eingeben, Benutzername ist Dings und Passwort Jochbein. Aber pass auf, sind eine Menge Viren im Netz.“. Ich und Viren? Nach dem negativen HIV-Test 3 Monate nach dem ungeschütztem StellDichEin bei Äquator-Pia (diese Assoziation hatte weniger mit dem Bauchumfang zu tun; wir vermuteten lediglich, sie hätte ähnlich viele Kilometer auf der Uhr) hielt ich mich ohnehin für universalresistent. Für mich war das Internet seinerzeit auch nur aus zweierlei Sicht interessant: Chatrooms und Pornos. Dass man sich hier auch ganz wunderbar selbstdarstellen können würde, lernte ich erst zwei Jahre später. Gab ja damals noch nicht einmal myspace.

Und genau in dieser Reihenfolge probierte ich das Netz dann auch aus. Im Amica-Chat (gibt’s den noch) lernte ich, was Separées waren und zog mir recht schnell die erste Cyper-Stalkerin zu. Und parallel dazu musste ich dann wenig später feststellen, dass im Zeitalter der Web-Dialer ohne Firewall und Virenschutz nicht wirklich von Universalresistenz die Rede sein kann: nach nur einer Woche Internetnutzung hatte ich es geschafft, dass mein jahrelang einwandfrei laufender 4/86er nicht mehr startete. Was Backups betrifft – ich hielt das damals für eine weiterentwickelte Positur des flächendeckend sehr populären Doggystyles.

Nun traf ich mich damals recht regelmäßig mit Sara, deren Vater einen der erste IT-Fachgeschäfte in Kiel führte. „Sara, ich hab da meine ganzen Daten drauf und jetzt geht der nicht mehr an! Kann da mal ein Techniker von euch gucken?“. „Bestimmt. Hast Du denn eine Ahnung, woran es liegen könnte?“. „Naaaaayne!“. Natürlich nicht. Aber ich lernte ja schnell: über das Einrichten einer DFÜ-Verbindung zu Webbrowsing bis hin zur korrekten Anwendung von Internet-Suchmaschinen (yahoo oder altavista). Wovon ich jedoch weniger blassen Schimmer hatte als Wesley Snipes: Nukleosynthese. Und dass es sowas wie einen Cache-Speicher oder einen Verlauf beim Netscape-Navigator [!] gab.

Zwei Tage später konnte ich mir den Rechner bei Sara abholen. Dass sie am Telefon kürzer angebunden war als Kampfhunde vorm Kadaverpark Essen schob ich auf PMS oder GZSZ, irgendwas mit weniger als 5 Buchstaben halt. „Lil‘ MC – was ist ????.com?“. „Öhh, also Hansen meinte, ich soll da mal gucken. Wollte mich bestimmt reinlegen, und“. Und. Erklärt Ihr mal einem potentiellen Schwiegervater, wieso man auf so Animal-Links geklickt hat. Ich meine, ich kannte das ja noch nicht. Und überhaupt: Tradition hin oder her, Aal gab es bei mir nach dieser Erfahrung nicht einmal mehr zu Weihnachten mit Salz auf Schwarzbrot.
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[inspired by nadine. Der Film aus Köln/Paderborn kommt morgen! :)]

Kommentare

21 Antworten zu “Gratulation: 10 Jahre Internet”

  1. der.grob sagt:

    können sie mir den besagten link bitte zukommen lassen, werter herr winkelsen? das wäre prima. und den film zu köln/paderborn am besten auch. wegen dem bin ich nämlich extra aufgeblieben.

  2. schaezle sagt:

    hahahaha, ich bin auch mal über so eine Seite gestolpert, da gabs ein Video das hätte auch „kleine Aale aus dem Arsch“ heissen können.
    Das hab ich dann auch gebloggt, unter dem Titel: Willst Du kotzen, dann klicke hier.
    Ich denke aber, der Link wird nicht mehr gehen…

  3. Dein Vater wusste wirklich vor Dir vor der Existenz des Internets? Unser Vater hat uns zwar schon im Alter von 10/8/4/2 (ja ich bin die Älteste und nein, meine Schwester sieht mir nicht ähnlich) einen Computer gekauft, aber das www haben wir dann schon selber gefunden. Ich bin also schon etwas beeindruckt von Deinem Erzeuger und das mit der Gitarre würde ich gerne etwas ausführlicher erfahren wollen.

  4. Pssst! sagt:

    Backup = Doggystyle *schnellnotier* :-D

    wußte ja, daß das www ein heißes pflaster ist!

  5. Thomas sagt:

    „Alles fing an mit der Gitarre meines Vaters und Sara…“ ist der erste Satz aus dem Song „Erste Schritte“ von Freundeskreis. Zu finden auf deren 2. Album Esperanto. Den Song gibt es noch mal in einem leicht abgeänderten RMX, zu finden auf der B-Seite der Single „Mit Dir“ featuring Joy Denalane, die sehr viel bekannter sein sollte. Der Remix ist in jeglicher Hinsicht einer der besten Songs, die mir zum deutschsprachigen Raum einfallen. Wenn man den Songtext im Ohr hat und weiß wie es weitergeht, könnte man meinen, dass der McWinkel die Sara etwas gerner hatte. So, mal sehen wie sie da wieder herauskommen.

  6. Johanna sagt:

    Ach, Aal ist doch eh eklig!

    Ich war früher immer im Young Miss Chat, klingt pornös, war es aber gar nicht. Heute gibt es nicht mal mehr die dazugehörige Mädchen-Zeitschrift und jetzt fühle ich mich alt…

  7. Lanzenotter, Aale – Herr W. ist das ein Hilferuf oder die Suche nach Gleichgesinnten? Wie hoch ist die aktuelle Stalkerinnen-Zahl – mich mal außen vor gelassen?

  8. erste schritte!!!

    dankeschön. und ich wundere mich schon, weshalb sich die zahlen überschlagen ;-)

  9. Lenny_und_Karl: Also Du und ich = wären schon mal zwei.

  10. danimateur sagt:

    aal, werter winkelsen, aal gibt es bei uns immer karfreitag.
    und den kadaverpark werd ich alsbald mal besuchen gehen. aber davor noch ins phantasialand. und in heidepark.

  11. Manuel_M sagt:

    ahh hilfe es kommen bilder in meinen Kopf die ich längst verdrängt hatte…

    ist das nicht diese seite mit den 2 T in der Mitte? es gibt dinge die will ich einfach nicht sehen, diese 2girls1cup sache konnte ich bis jetzt auch vermeiden.

  12. der kaiser sagt:

    warum den MC stalken? Früher oder später kann man das eh hier nachlesen oder gibt es da etwads was er uns vorenthält?

  13. Erdge Schoss sagt:

    Apropos Bleaching, werter Herr Winkelsen:

    Können Sie ihren tschechischen Dentalveredler weiterempfehlen?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  14. denzel sagt:

    „Naaaaayne!“

    lol

    kennen sie nayne carter, mr. winkel?

  15. MC Winkel sagt:

    @der.grob: lol – tut mir leid, Herr grob! Heute nochmal wach bleiben? :)
    @schaezle: WO? PFUIIII! Das ist ja noch schlimmer…
    @ChliiTierChnübler: Das mit der Gitarre? Ich kläre Dich auf: das war der Vater von Max Herre (Freundeskreis). Klick den link oben und höre auf die ersten 20 Worte, die Max da singt…
    @Pssst!: Wohin notieren Sie sich denn Ihre Sachen immer so, Frau pssst!? Moleskine?
    @Thomas: :) – neee, ich fand diese Passage halt einfach nur passend. Danke nochmal für die Erklärung. Ich hatte dafür übrigens diesen link da oben vorgesehen! :)
    @Johanna: Echt nicht? Und seitdem liest Du die Brigitte? :)
    @Lenny_und_Karl: Och, gerade noch so im dreistelligen Bereich. Kein Grund zur Sorge! :)
    @nadinevonbremen: Die 10? Oder Ihre Klickzahlen? :)
    @ChliiTierChnübler: Nennt man das denn nun Comment-Stalking?
    @danimateur: Bevor Sie da hinfahren: ich habe hier noch 2 Freikarten. Komme so selten nach Essen…
    @Manuel_M: 2 Ts in der Mitte??? Ach, egal. Bitte sagen Sie’s nicht. Und auch nicht immer diese Girl/Cup-Geschichte, bitte! :)
    @der kaiser: Ähm, ja, so ca. 98,5%. :)
    @Erdge Schoss: Erst, wenn es Zeit für die Dritten wird, Herr Chausse! Solange machen Sie’s wie ich: Fliesenfarbe! :)
    @denzel: Den III.? :)

  16. Pssst! sagt:

    nee, filofax hr. mc. unter M, wie Machine! ;-)

  17. Flo sagt:

    Ach jetzt muss ich daran denken wie ich damals noch mit einem 28,8k Modem ins Internet bin…da konnte man beim Seitenaufbau noch ein Buch lesen.
    Und der alte Toshiba-Laptop mit orangener Benutzeroberfläche…herrlich!

  18. caschy sagt:

    Und was lernen wir daraus? Auch 10 Jahre später hält der MC Backups für eine Beischlaf-Position ;)

  19. Geht doch nicht bei der Arbeit solche Links… Und ja, ich höre ja schon wieder auf mit dem Stalking. Muss am Wetter liegen. Ich verzieh mich dann mal zu anderen Blogherren :)

  20. Micky sagt:

    Endlich sprichts mal einer aus!

    Der Aal- ein früher Blumenkohl.
    Im Jahr x minus 9 vor Frau Roche.

    Schlimm, wie Lebensmittel konnotiert sein können….

    Die Geschichte allerdings war wie immer doll.

    Ahoi,

    Micky

  21. Schaps sagt:

    Du wirfst mit Begriffen um dich, die für manche Kiddies schon gar nicht mehr zum Vokabular gehören…aber da verfällt man ja fast der Nostalgie wenn man das so liest. Ich hatt da zwar noch kein Internet, aber ich hatte schonmal davon gehört ^^
    Einen 486er hatte ich da auch noch. Man war das eine Schrottkiste!

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