Gewinnertyp (Teil 2 – inklusive Podcast!)

(Teil 1 hier)

Zwölf Jahre nichts gehört, nichts gesehen und dann dieses Profilbild. Facebook hat so einen klugen Algorithmus, man bekommt nur Mitteilungen, die einen interessieren, die Werbung ist auf das eigene Profil zugeschnitten, selbst das Fratzendetecting klappt wunderbar – wieso um alles in der Welt wird dann ausgerechnet mir so eine Nachricht zugestellt, ohne vorher als 4F-Spam bewertet und aussortiert zu werden? In einer perfekten Welt würden solche Accounts und die User dahinter implodieren, period. Trotzdem wollte ich wissen, was aus meinen Vermutungen wurde. „Wie ist es Dir so ergangen, bist Du glücklich?“.

Inzwischen wieder, sagte sie, aber die letzten Jahren seien recht hart gewesen. Sie hätte es dennoch nach einer langen Phase des Kampfes geschafft, reich zu heiraten. Der Typ wollte zunächst nicht, war sich unsicher, brauchte noch etwas Zeit, sein Job war sowieso immer erste Prio, „Da musste also Plan B wie Baby her!“. Sofortiges Absetzen der Pille, mittels Temperaturmethode die fruchtbaren Tage im Menstruationszyklus ermittelt und diese dann weitestgehend im Schlafzimmer verbracht, nicht selten in postejakulatöser Kerzenhaltung. Kann man mal sehen, zu blöd eine Busfahrkarte zu lösen aber im Kinderanhängen professioneller als jeder Kettenkarussellbesitzer. „Er wollte dann natürlich kein uneheliches Kind und schwuppdiwupp erklangen die Hochzeitsglocken!“. „Kannst Du mir versprechen, sowas nie wieder zu machen!“, griff ich entsetzt ein, „Jemandem ein Baby aufzuhalsen?“, „Nein, davon kann Euch doch eh Niemand abhalten, ich meinte schwuppdiwupp zu sagen.“.

Nach vier Jahren war die Ehe dann kaputt, es folgte die Scheidung, aufgrund des vom Ex-Mann und dessen Anwalt gut ausgearbeiteten Ehevertrages blieb ihr allerdings bis auf den Sohn, den 3 Katzen und eine Alkoholabhängigkeit nicht besonders viel übrig. „Das heisst Du warst dann eine 30jährige, alkoholkranke, geschiedene Mutter, die mit ihrem Kind und 3 Katzen in einer Mietswohnung am Kieler Ostufer lebte?“, eine Frage, die ich eigentlich nur stellte, um ihr damit in Erinnerung zu rufen, was ich exakt 5 Jahre zuvor prophezierte provozeite prophezog prophezeite. Danach hätte sie dann erst wieder einmal 2-3 Jahre die Sau rausgelassen, ihr Sohn wuchs bei den Großeltern auf, immerhin musste sie ja schließlich erstmal ihre Dinge geregelt bekommen. „Ich hatte das dringende Gefühl, etwas nachholen zu müssen!“, „Aber Du hast doch zwischen deinem 16ten und dem 25ten Lebensjahr schon mehr Sticks aufgenommen als jeder Profi-Mikadospieler?“. „Ja, schon, aber das war halt eine andere Zeit.“. Auch technisch hätte sich viel verändert, gerade bei den jüngeren Männern, Smiley.

Blieb halt nur noch die Frage, was in den letzten 4 Jahren so passiert sei. „Ich hab‘ mich dann nach einem anderen Typ Mann umgeschaut, von diesen Alphas hatte ich die Schnauze voll. Ich wollte einen hörigen, einen biegsamen Mann, der auch mal die Frau Dinge entscheiden lassen würde.“. Ich machte sie darauf aufmerksam, dass es so etwas überhaupt nicht geben würde und wenn, dann handele es sich vielleicht um einen lauchig duckmäuserigen Luftguckpfeifenkopf, aber auf gar keinen Fall um einen Mann. Sie bestätigte mir das, sei aber verhältnismäßig glücklich. Ich bohrte nach, bekam lange Mails, bestimmt 8 DinA4-Seiten, zusammengefasst stand da: Reihenhaus zur Miete, ein 10 Jahre alter Volvo, sicheres Angestelltenverhältnis, 2x die Woche Aldi und 1x im Jahr Balearen. Ich überlegte wirklich lange, konnte aber beim besten Willen nicht einen Hauch von Glück in ihren Zeilen feststellen, gratulierte aber trotzdem. Immerhin gibt es noch sehr viel Menschen mit demselben Leben, abzüglich Balearen und mit einem 20 Jahre alten Volvo. „Dann hast Du ja nun Alles, was Du wolltest!?“, „Ja, sogar noch eine kleine Tochter. Als es nach 2 Jahren Beziehung kriselte… Du weisst schon, Plan B.“. „Und wie kann ich Dir nun helfen?“. „Vielleicht trifft man sich ja mal auf einen Aperol Sprizz im Non Solo Pan?“. Bei facebook als Spam melden ist das neue Auflegen.

Und hier beide Teile als Podcast – gestern Nacht noch eingesprochen für Euch:

[audio:http://mcwinkel.podspot.de/files/Gewinnertyp.mp3]

Download: Gewinnertyp (Part I + II)

Kommentare

8 Antworten zu “Gewinnertyp (Teil 2 – inklusive Podcast!)”

  1. Sonja sagt:

    Wunderbar, Herr Winkelsen :) :)

    Der Text und der Podcast.

    Toll :)

    Danke schön.

  2. Flo sagt:

    Irgendwie können die 2 Dudes aber auch nicht die hellsten Köpfe gewesen sein… :D

  3. Sascha sagt:

    Das sind (unter anderem) die Geschichten, weswegen ich seinerzeit zu Whudat gefunden habe, und die leider in der letzten Zeit (immer noch) viel zu kurz kommen… Mal wieder mehr davon, Herr Winkelsen! Vielleicht auch mal wieder das eine oder andere VLOG „aus dem Leben“? Ich denke da z. B. an die legendäre Jacuzzi-Einweihung, die Geschichte mit der iPod Fernbedienung, die Wohnmobil-Aktion, um nur ein paar spontane Beispiele zu bringen…

  4. Henrik sagt:

    hahaha, schönes Ding !!! Leider gibt es zuviele von solchen „Plan B“ Weibern.

  5. Ruffmadi sagt:

    Ja also echt jetzt, dass hat mir schon sehr, sehr geil gefallen! Danke auch.

  6. Daniel sagt:

    Cooles Ding.
    Genau sowas macht WHUDAT aus.

    An die VLOGS kommt der Podcast aber nicht ran.

    Trotzem: mehr davon

  7. Mser if laiph. Solche stories bauen mich auf. Bin oft am overlayn warum ich nicht alles wie der Durchschnitt make. Immer noch versauteb Scheiß (wie 1990) – die Weiber haben darauf keinen Bock, family wäre unmöglich und doch denke ich: Mit Kind und Kegel am Hals würden meine teilweise uncontrolet Manien in ne Dauerdepression enden und ich wäre ganz am game over rand. Wir sind nunmal große Kids geblieben und ich werde auch noch in 40 Jahren vom stickpresent talken. :-)

  8. Die Muräne sagt:

    Ein Ding wie aus den guten alten Zeiten. Well done Brassa!

    Bin demnächst in Kiel, werde Sie aber keinesfalls ansprechen… nicht dass ich dann noch in eine schlüpfrige Geschichte eingebettet werde.

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