Erick Sermon – „Dynamic Duos“ // Eine Hommage an Rap-Legenden

Erick Sermon gehört seit EPMD zu den konstantesten Architekten des Eastcoast-Sounds, doch sein neues Album Dynamic Duos stellt ihn überraschend hinter die Kulissen, weil er sich weitgehend auf die Produktion konzentriert und legendäre Partner auf die Bühne schickt. Das Ergebnis eröffnet eine Hommage an ikonische Rap-Duos, während Erick Sermon lediglich punktuell selbst zum Mikrofon greift und damit eine elegante Verneigung vor seiner eigenen Historie formuliert. Die Idee wirkt sofort plausibel, denn Sermon war immer Teamplayer und baute sein Vermächtnis mit Kooperationen wie Def Squad oder seinem Solo-Erfolg No Pressure.
Erick Sermon x Dynamic Duos – Rückkehr als Kurator statt als Hauptfigur
Nach E.S.P. und dem persönlich gefärbten Vernia wollte Sermon eigentlich kürzertreten, doch Dynamic Duos macht deutlich, dass sein kreativer Motor weiterhin läuft und sein Talent als Produzent aktueller denn je klingt. Der Longplayer eröffnet nach einem kurzen Intro direkt mit Look at ’Em, auf dem Method Man und Redman in gewohntem Zusammenspiel über ein schaurig schimmerndes Instrumental abliefern. Der Track setzt früh den Ton, weil er nonchalant an alte Def-Squad-Dynamiken erinnert und trotzdem heute funktioniert. Anschließend übernehmen M.O.P. bei Sidewalk Executives, das einen souligen Grundton nutzt und die Härte der Brownsville-Ikonen unterstreicht, während Snoop Dogg auf Like That spielerisch in Richtung Funk abbiegt und seinen unverkennbaren Flow entspannt auskostet.
Ikonen, Westcoast-Legenden und Polit-Statements
Nach einem kurzen Skit (Maya Crockett) folgt God Mode mit Conway the Machine und The Game, die ihre Verse wie moderne Schriften betrachten und Sermons schwere Drums souverän reiten. Cypress Hill wählen in How Do You Know? einen klassischen Boom-Bap-Entwurf, warnen jedoch gleichzeitig, dass niemand den berüchtigten Purple-Haze-Rauch wirklich testen möchte. Besonders interessant wird es, wenn Public Enemy bei How Long? die Funk-Linie zurückholen und ihre politische Relevanz erneut unter Beweis stellen, weil Sermon (Youtube) gerade diese historische Perspektive bewusst inszeniert.
EPMD-Vibes und Westcoast-Hommage
Natürlich darf EPMD selbst nicht fehlen, weshalb Test Me genau jene Energie freilegt, mit der Sermon und Parrish Smith schon früher Grenzen verschoben. Über ein weiteres Skit (Pimp Gators) rutschen wir anschließend Richtung Westküste, denn Tha Dogg Pound übernehmen The City und erinnern mit lässiger Präzision an Zeiten, in denen Dogg-Pound-G-Funk Stadien zum Wackeln brachte.
Erick Sermon x Dynamic Duos – Authentizität ohne Zierde
Mit Spectacle greifen Heltah Skeltah soulige und funkige Versatzstücke auf und sprechen offen darüber, das Musikspiel erneut durcheinanderbringen zu wollen, und zwar ohne Firlefanz. No Gimmicks mit 38 Spesh und Da Youngfellaz dreht die Idee weiter und erinnert daran, dass Glaubwürdigkeit niemals als nostalgische Geste verstanden werden sollte. Kurz vor Schluss tauchen Salt-n-Pepa mit Back 2 the Party auf und lassen die Block-Party-Zeiten wieder aufleben, bevor der Outro-Teil die Bühne für die kommenden Teile der Dynamic Duos-Trilogie vorbereitet.
Fazit | tl;dr
Erick Sermon bleibt Produzent, Kurator und Kenner der eigenen Geschichte, während Dynamic Duos eine liebevolle, moderne und gleichzeitig traditionsbewusste Verneigung vor den legendären Rap-Duos darstellt. Die Produktion bleibt warm, funky und druckvoll, jedoch ohne überflüssige Retro-Attitüden. Gerade diese Balance lässt hoffen, dass die angekündigte Trilogie zu den spannendsten späten Kapiteln in Sermons Karriere gehören könnte.


