Drei Worte

Vielleicht habt Ihr gemerkt, dass es gestern hier im Blog etwas ruhiger war. Dafür gibt es einen einfachen Grund: ich war die Nacht zuvor derbe einen supen ich begoss tolle Neuigkeiten! Ein Freund hat nach jahrelangem Herumgestreite einen wichtigen Prozess gewinnen können und erwartet nun in absehbarer Zeit – ähnlich der Anhänger des umstrittenen Watersport-Fetischs – einen warmen Regen. Und da man als Faulancer ja die Feste buchstäblich feiern kann, wie sie fallen, fand ich mich wenige Stunden nach der Überbringung dieser Nachricht in einer Einraum-Kniep wieder. Ihr wisst schon, dort, wo man noch rauchen darf. Dort, wo Hans Albers aus der Musikbox pumpt. Dort, wo man noch Mensch sein darf. Wir fassen den Abend in drei Worte zusammen: Sam. Bu. Ca.

Ein kleines Malheur ist mir dann auf dem Rückweg noch passiert. Ich sprach den Taxifahrer auf seine unglaubliche Ähnlichkeit zu Carlo von Tiedemann an, was dieser nicht nachvollziehen konnte. Gut, es handelte sich um einen glatzköpfigen Inder mit Vollbart – aber der Blick! Ich sag’s Euch: Carlo von Tiedemann. Schnell begann das Gespräch in eine schlüpfrige Richtung abzudriften. Der Taxifahrer war sich nämlich sicher, dass Carlo von Tiedemann ein drogenmissbrauchender Schoko-Onkel sei, der Alles weggrätscht was Haare hat. In mir brach eine Welt zusammen als säße Emmerich in meinem Zentralnervensystem – der Carlo von Tiedemann? Der freundliche Herr, den ich als Kind immer so gern in der Schaubude sah? Der soll zum Hedonismus konvertiert sein – das wollte ich nicht wahr haben. „Carlo ist ein Freund von mir, ich habe hier seine Nummer. Soll ich ihn mal anrufen?“, wollte ich wissen. „Nein.“. „Warum nicht. Ich möchte doch nur mal hören, ob das stimmt, was sie sagen!“. „NEIN!“. Zweimal nein ist ja. Also drückte ich wahllos auf meinem iPhone herum, welches ich verkehrt herum in der Hand hielt, was aber egal war weil es dunkel war und der Inder ja eh auf die Straße gucken sollte.

Was ich nicht merkte: ich rief versehentlich den A&R einer Plattenfirma an, mit der wir vor 2 Jahren mal kurz zu tun hatten. Ich habe in meinem Leben vielleicht 3x mit ihm gesprochen, eigentlich gehört diese Nummer gelöscht. Aber irgendwie ist man wohl zu eitel, weil da ja immerhin Sony Ariola hinter dem Namen steht. Sei’s drum. So kam es, dass ich diesen jungen Mann unter der Woche um halb drei aus dem Bett klingelte, ihm, seiner Frau und dem 4 Monate alten Baby aber immerhin eine Gute-Nacht-Geschichte auf dem Anrufbeantworter hinterliess:

Carlo? Ich bin’s, MC.
Jaja, Alter, bei mir alles klar.
Hör‘ zu, ich sitz‘ hier mit einem Typen zusammen, der meint Du wärest jetzt…, naja, du weisst schon: Drogen und Weiber.
Jaja, sagt er: Drogen und Weiber!
DROGEN UND WEIBER!
Ach stimmt nicht? Alles klar, Carlo. Peace.

Vergessen wir kurz, dass dieser A&R mich überhaupt nicht mehr kannte. Die erste Konversation des Tages war heute (8:30h) also ein Gespräch mit einem unausgeschlafenen, sehr aufgebrachten Münchener, der am Ende des Gespräches offensichtlich noch nicht einmal mehr Zeit für eine Abschiedsformel hatte. Aber immerhin konnte ich ihm gut erklären, wie es zu all diesem Wahnsinn kommen konnte. In nur drei Worten: Sam. Bu. Ca. Und jetzt mal ganz ehrlich: ich rühr‘ dieses Zeug NIE WIEDER an!

Kommentare

30 Antworten zu “Drei Worte”

  1. Mircow sagt:

    Ach herrlich, wenn ich groß bin möchte ich auch Faulancer werden. ;)

  2. BeastyBasti sagt:

    heheheheheäää… Schadenfreude ist doch die schönste Freunde.
    Sei froh das du keine Ex angerufen hast :-)

  3. honki sagt:

    Kann mir mal bitte jemand erklären was an sambuca so toll ist? ich trink ja gerne ma einen und wenns sein muss auch zuviel. aber sambuca ist mir echt noch suspekt. und das will was heißen, mit 19 hatte ich mal ne aquavit phase. aber nur ne kurze, ischwör!

  4. MHW sagt:

    JaMann!
    Diese Lokalität, die Du beschreibst ist genau das what i´m talking about wenn ich mal ein paar Bierchen inhalieren gehe. Die gelegentlichen Differenzen mit den Taxifahrern können unter gewissen Umständen zustande kommen, ich kenn´ das, auch mit den Indern. War es der gleiche mit dem ich damals einen kleinen Disput hatte?
    Und die Sache mit dem A&R! Carlo war zwar nicht sein Name, aber ansonsten haut das doch hin, orwa? Fühlte sich der feine Herr aus München ertappt. Die sind doch alle so!:)
    Das Du nie mehr Sambuca willst. Einfach vorbildlich! Ich bin mir sicher Du ziehst das durch!:)
    Du bist also immernoch so wie damals, nur mit Bart.
    Das ist schön.
    so long

  5. Enjan sagt:

    hahaha *lachweg* geile story, MC. *brüll*

  6. Torsten sagt:

    Sehr geehrter Herr Winkelsen,

    sie sollten lieber Nierentee trinken. Das ist besser.

  7. Gürtel sagt:

    Du rührst also das Zeug nachd dem Abend zum 5ten Mal nicht mehr an?! Bin gespannt.

  8. Thomas sagt:

    Sambuca ist doch dieser flambierte Mist. Der obere Glasrand wird schwül und das Zeug schmeckt auch so. Schwül. Geh auf Tequila über. Da haste mal ein vernünftiges Trinkritual am Hals und niemand ist danach fischig. Und jeden, der meint lustig sein zu müssen, indem er sich das kleine, rote Hütchen aufsetzt, kannste auf ewig ignorieren. Auch so ein Trinkritual.

  9. Toby sagt:

    Damn was eine Story. Jetzt bin ich wach und brauch nur nochn Kaffee. *lach*

  10. Wendlander sagt:

    Ja, Sambuca ist hinterhältig. ;-)
    Habt ihr ihn wenigstens ‚con la mosca‘ genossen? Flambieren kann man ihn ja um die Prozente zu drücken, Kaffeebohnen müssen aber sein…

  11. singhiozzo sagt:

    Muahahaha, IMMER der gleiche Satz am nächsten Tag: DAS mache ich nie wieder! Und auch immer der gleiche Ablauf auf dem Heimweg! Wir haben neulich während eines amtlichen Kneipentourabends mal die Schnecke von GNTM getroffen….. Milla hieß die, und haben die übelst peinlich vollgelabert.

  12. feronia sagt:

    Jetzt weiß ich endlich, wozu die ganze Lernerei gut ist. VOn wegen Examen und so, sie bewahrt mich vor Exzessen und bösen Telefonaten!

  13. denzel sagt:

    yay, bro! ^^
    drink less hug more!

  14. Pssst! sagt:

    der hat echt zurück gerufen? tststssss…. was ein depp. gut, dass sie nur so kurz mit denen zu tun hatten.

  15. donna sagt:

    Können Sie mir den Vergleich mit den Wasserski-Freunden nochmal erklären, Herr Winkelsen? PFUI! ^^

  16. Erdge Schoss sagt:

    Konnten Sie, werter Herr Winkelsen,

    ähnliche Triumphe auch mit Stroh Rum feiern?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  17. Thomas sagt:

    Damn – meine Beine sind zu kurz!
    Zumindest würde es bei weitem nicht so entspannt aussehen, würde ich eine Pose wie meine Vorschreiberin einnehmen.
    P.S.: Toll, nun hat sich auch eine ganze Etage dazwischen geschoben.

  18. FrauvonWelt sagt:

    Warum, werter Herr Winkelsen, haben Sie eigentlich nicht so blaue Augen wie Hans Albers?

    Herzlich und war noch nie auf der Reeperbahn nachts um halb eins
    Ihre FrauvonWelt

  19. MC Winkel sagt:

    @Mircow: Kann ich wirklich Jedem nur zu raten. :)
    @BeastyBasti: … was natürlich aber auch schon passiert ist! :)
    @honki: Sagen wir so: das Zeig geht direkt in die Marmel! Und es macht so komisch breit, als wäre es Absinth. (Ich glaube ja immer noch, dass da irgendwie sowas drin sein muss) Kurz: es kommt vom Teufel. Direkt vom Teufel!
    @MHW: :) … ich hoffe, ich schaffe es! Und ja, das „Lammers Eck“ in Kiel ist einfach die schönste Location. Wenn ich einmal heiraten sollte – dann hier!
    @Enjan: Muss allerdings zugeben, dass es mir ein ganz klein wenig unangenehm war! :)

  20. MC Winkel sagt:

    @Torsten: Jaja, hätte, sollte, könnte. Nun lassen Sie mir mal mein Bier! ;)
    @Gürtel: Saque! :)
    @Thomas: Quatsch, gar kein Schnaps wäre die Lösung. Aber wenn, dann immer noch lieber einen Sambuca als Tequila. Oder Korn.
    @Toby: Danke! :)
    @Wendlander: Kann ich Dir nicht sagen. Das Schlimme: der war noch nichtmal kalt! Zimmertemperatur. Bäh!
    @singhiozzo: Ne, aber das mit dem Sambuca muss jetzt echt mal vorbei sein. Mir war so unglaublich schlecht und der gestrige Tag – eine Farce! :)
    @feronia: Was eigentlich schlimm ist, oder? :)

  21. MC Winkel sagt:

    @denzel: *lol* … wo hast Du den denn aufgegabelt?!
    @Pssst!: Also ICH hätte glaub ich auch zurückgerufen!
    @donna: Lieber nicht! :) (Und bitte nicht googlen! :))
    @Erdge Schoss: ICH? Nein. Aber fragen Sie Rolf!
    @Thomas: Herr Littbarski? :)
    @FrauvonWelt: Aber habe ich doch. Man muss mich nur adäquat ausleuchten!

  22. norrin sagt:

    ;)))))
    muss schon den ganzen Tag drüber grinsen.
    gehts heute wieder besser?

  23. Danimateur sagt:

    Allein von Holsten lebt es sich doch auch nicht, Winkel. Das wissen Sie ja viel besser als meine Wenigkeit.

    Herzlichen, Danimateur

  24. Marco sagt:

    Grandiose Story, wirklich Gran-di-os! :D
    Aber wenn Alkohol und Eitelkeit aufeinander treffen, kommen ja immer solche Sachen heraus ;)
    Sambuca kann ich übrigens auch nicht leiden… sehr suspektes Zeug das *g*

  25. rouge sagt:

    Sheice, ich seh schon Herr Winkelsen. Ich hab den falschen Job … und den falschen Taxifahrer.

  26. die anke sagt:

    lieber herr winkel, ich habe groesstes mitgefuehl, kann mir gut den tag danach vorstellen… (bei mir waren es 2 tage und naechte bevor ueberhaupt was ging, essen erst am 3.tag), es war eine caipi-nacht mit verherenden folgen, es gab bis 24h zu jedem caipi ein sambuca dazu…5x habe ich das „gedeck“ ueberstanden und nach nun mitlerweile 5 jahren (!!!) schmeckt es zwar ulegger, aber es geht wieder, seien sie guter hoffnung

  27. Jörn sagt:

    Sowohl Ihre als auch die Reaktion des A&R finde ich nur konsequent. Völlig in Ordnung. Weitermachen.

  28. Joe sagt:

    Ein Herz für Inder!

  29. Carby sagt:

    Ich kenne nur Carlo Thränhardt. Sieht der nicht so ähnlich aus?

  30. schaezle sagt:

    Glückwunsch Oller!
    Und was den Rest betrifft, ich sollte auch mal wieder bloggen, mir ist da letztens nämlich….

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