Bye Bye Trump – Wie immer mehr Amerikaner nach Spanien auswandern
Bye Bye Trump: Seit der Wiederwahl von Donald Trump im November 2024 erlebt Europa einen deutlichen Zustrom an US-Amerikanern. Besonders Spanien wird zunehmend zum Sehnsuchtsziel. Laut offiziellen Angaben leben mittlerweile 41.000 US-Bürger dauerhaft hier – ein Anstieg von rund 70 Prozent innerhalb von neun Jahren. Damit reiht sich Spanien neben Portugal und den Niederlanden ein, wo die Zahl der Amerikaner ebenfalls stark gestiegen ist. Während 2016 zunächst vor allem wohlhabende Auswanderer kamen, zeigt sich heute ein anderes Bild: Mittelklassefamilien, alleinerziehende Mütter, Akademikerinnen und Akademiker kehren dem „neuen Amerika“ den Rücken.
Von San Diego nach Barcelona
Ein Beispiel ist Chris Kelly aus Kalifornien. Gemeinsam mit ihrer 17-jährigen Tochter Theresa hat sie San Diego verlassen und in Barcelona ein neues Leben begonnen. Ihr Grund: politische Unsicherheit, steigende Lebenshaltungskosten und vor allem Angst um die Sicherheit ihrer Tochter. In den USA waren bewaffnete Polizisten an Schulen längst Normalität. Schussalarm gehörte zum Alltag. In Spanien erlebt Theresa nun eine entspanntere Lernumgebung, in der Bildung wieder Vorrang hat. Für Chris bedeutet der Schritt ein finanzielles Risiko – doch die Lebensqualität ist entscheidend. Statt 3.500 bis 4.000 Dollar für eine kleine Wohnung zahlen sie nun 2.000 Euro für ein Apartment im Zentrum Barcelonas.
Bye Bye Trump – Die neue amerikanische Diaspora
Cepee Tabibian, ursprünglich aus Texas, gehört zu den Vorreiterinnen dieser Bewegung. Vor über zehn Jahren zog sie nach Málaga und baute sich ein neues Leben als Influencerin und Auswanderungscoach auf. Was als persönliche Erfahrung begann, ist heute ein gefragtes Business. Seit Trumps politischem Comeback schnellen die Aufrufe ihrer Videos in die Höhe. Über 65.000 Menschen folgen ihr auf TikTok, Instagram und YouTube. Ihr Angebot: Beratung zu Visa, digitale Nomadenprogramme und Tipps für das Leben in Spanien. Nach Trumps Wiederwahl verzehnfachte sich die Nachfrage. „Ich hatte 664 neue Teilnehmer in nur einer Woche“, erzählt sie.
Identität und Sicherheit
Auch persönliche Freiheit spielt eine große Rolle. Vanessa Velasquez, Tochter kolumbianischer Einwanderer, lebte in Texas und musste ihre sexuelle Identität stets verstecken. Als lesbische Frau fühlte sie sich in der republikanischen Hochburg nicht mehr sicher. Madrid wurde für sie zur Befreiung – nicht nur wegen der Sprache, sondern auch wegen der gesellschaftlichen Offenheit. Ihre Geschichte zeigt die andere Seite der Migration: Es geht nicht nur um ökonomische Vorteile, sondern auch um Schutz der Menschenrechte. Während ihre narzisstische Mutter weiterhin Trump unterstützt, hat Vanessa den Kontakt zu konservativen Teilen ihrer Familie abgebrochen.
Leben zwischen zwei Welten
Die Entscheidung zur Auswanderung bringt jedoch auch Widersprüche. Viele Familien lassen Kinder oder Geschwister in den USA zurück. Chris denkt täglich an ihre erwachsenen Kinder in Seattle. Vanessa reflektiert über die Ironie ihrer Situation: Ihre Eltern flohen einst aus Kolumbien in die USA, um den amerikanischen Traum zu leben. Nun zieht sie in die entgegengesetzte Richtung, weil genau dieser Traum für sie unerreichbar geworden ist.
Bye Bye Trump – Spanien als Sehnsuchtsort
Warum gerade Spanien? Zum einen überzeugen die Visa-Modelle, die digitale Nomaden, Studierende und Rentner gleichermaßen ansprechen. Zum anderen punktet das Land mit Lebensqualität. Hier zählt mehr die gemeinsame Zeit mit Familie und Freunden, weniger das ständige Arbeiten. Für viele US-Bürger wirkt das befreiend. Das mediterrane Klima, die geringeren Lebenshaltungskosten und eine entspanntere Gesellschaftskultur sind ausschlaggebend.
Eine stille Revolution
Hinter der Bewegung steht ein leiser, aber tiefgreifender Wandel. In Suchmaschinen sind die Anfragen zur Ausbürgerung um 1.500 Prozent gestiegen. Diese Zahlen zeigen: Viele Amerikaner verlieren das Vertrauen in ihr Land. Die Auswanderungswelle, die bereits 2016 begann, hat sich nach Trumps Wiederwahl noch einmal verstärkt. Spanien profitiert davon – nicht nur durch die wachsende Diaspora, sondern auch durch die kulturelle Vielfalt, die Einwanderer mitbringen.
Fazit: Ein Abschied auf Zeit?
Ob diese Entwicklung dauerhaft ist, bleibt offen. Für viele wirkt der Umzug wie ein Befreiungsschlag, für andere wie eine Zwangslösung. Doch der Trend ist unübersehbar: Spanien wird für tausende Amerikaner zum Ort der Hoffnung. Zwischen Paella, Plaza und politischer Gelassenheit suchen sie ein neues Zuhause – weit weg vom Druck des „trump’schen Amerikas“.
Bye Bye Trump – Wie immer mehr Amerikaner nach Spanien auswandern
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[via Arte]


