Bonjour, Frau Doktor! (deux)

Wie Krustenflechten brannten wir in der Sonne und wie das mit zunehmendem Konsum mittelweicher Präperate nunmal so ist, verhalten sich Rück- und Vorsicht in großer Diskrepanz zur Vernunft. Und ganz entgegen meiner sonstigen Gepflogenheiten äußerte ich erste Bedenken und forderte zur allgemeinen Rast auf. „Jungs, vielleicht noch eine kleine Siesta, bevor wir in die Nacht starten?“. Hansen, der aufgrund von kontinuierlicher Brösel- und Kippenrollerei ganz vergessen hatte, sich lichtschutzfaktorisch einzucremen, lachte mich aus. „Alter, für Mittagsschlaf ist’s eh zu spät. Wir ziehen durch, dann sind wir morgen früher auf den Beinen!“. Es nickte die mitrauchende Schar, ich ging lieber nochmal baden. „Nimm die LuMa mit, MC!“.

Mit Arndt und Micha machte ich mich 1-2 Stunden später auf den Weg zurück zum Campingplatz. Es folgte ein tatsächlich sehr revitalisierender Powernap, gefolgt von einer auf Gas gekochten Pasta (Dosenravioli, was dachtet Ihr denn?) und dem Pflegeprogramm. Ich erinnere mich an keine Zeit im Leben, in welcher ich mich öfter skrotumiös enthaarte als auf diesem Campingplatz. Natürlich: Eierglatzen sind Pflicht, aber täglich? Was will man machen, Stichwort Gruppenzwang in Gemeinschaftsduschen. Aber zurück zum Platz: ein frisches Hemd aus dem inzwischen nicht mehr so frischen Koffer, der aufgrund von jahrelanger Kellerlagerung ohnehin schon einen Eigengeruch entwickelte wie Zac Efrons Ohrmuschel. Zu unserem Erstaunen waren Hansen & Co. offensichtlich immer noch nicht wieder vom Strand zurück und so beschlossen wir, auf dem Campingplatz noch schnell jeweils insgesamt einen Kronenbourg-Träger auszutrinken, bevor wir uns ins Nachtleben stürzten. „Da wird ja wohl nichts passiert sein!?“, frug Arndt besorgt. „Ach was – die sind bestimmt eingeschlafen und werden heute nicht mehr alt!“, beruhigte Micha uns, lag damit aber

Falsch. Denn auf dem Weg zur legendären Captains Bar trafen wir sie, immer noch am Strand, rauchend wie der Ätna und duhner als Fiete. „Jungs – ihr habt seit heute morgen durchgezogen und noch nichts gegessen?“. „Halt die Fresse, Winkelsen!“, antwortete Hansen rotbenast, „wir kommen jetzt mit Euch mit!“. Na gut.

In der Menge der Leute verlor man sich dann im Laufe des Abends und natürlich gingen wir ohne Hansen + seine Loderfreunde zurück zum Zeltplatz. Aber irgendwie müssen die es in der Nacht geschafft haben. So hörte sich jedenfalls die Begrüßung seiner Mutter an, die vermutlich der ganze Campingplatz vernehmen durfte: „Wie siehts Du aus, Du Schwienjack*! Was ist das für eine Mütze?** Ja wie riechst Du denn, total blau bist Du! Steh‘ auf, steh‘ sofort auf!“. Unter Begleitung eines verschüchterten „Aber Ma_ma!“’s folgte Hansen der Anweisung seiner Mutter und verließ unbehost*** den Wagen seiner Eltern. „Was ist das da für ein Haufen, Hansen. Du hast doch nicht etwa auf den Sitzbereich geschi…?“, schrie Frau Bibliothekarin entrüstet. Hansen hob ein paar Zigarettenkippen vom Boden auf und steckte diese in den Haufen. „Nene, Mama. Das ist ein Igel. Der wohnt jetzt bei uns.“.

Ich ging dann erstmal duschen.
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[*=norddeutsch für „Ferkel“, **=eine HSV-Fanmütze, die für Dunkelheit im Sichtfeld sorgen sollte, ***=dafür aber beschuht!]

Kommentare

21 Kommentare zu “Bonjour, Frau Doktor! (deux)”

  1. Carsten sagt:

    Ich kannte den Igel bisher nur mit Salzstangen… So isser aber fast noch besser!

  2. Delouqe sagt:

    Ouw was für eine Geschichte eh :D
    Hoffentlich erlebe ich auch nochmal so was :D

  3. Aggel sagt:

    „Ein ganz normaler Camping Urlaub in den 80ern“ dachte ich so bei mir; bis zu dem Igel – herrlich!

    *schenkelklopp* „der wohnt jetzt bei uns“

    Wegen solcher highlights lese ich hier mit – ganz fein!

  4. InforX sagt:

    Na das mit dem Igel ist jetzt aber geklaut geliehen, oder? Zumindest geistert dieses Stück Geschichte leicht abgewandelt so durch das ein oder andere soziale Netzwerk.

  5. Ich wär gern dabei gewesen.
    War wohl ne andere time. Aber herrlich, Winkel

  6. Gürtel sagt:

    Diese „Geimschaftsduschen“ müssen vor meiner Zeit gewesen sein, was sind das für Duschen? ;-)

    (Sohn einer Deutschlehrerin, ich kann da nix für..hihi)

  7. der.grob sagt:

    ich bin mal in so einen igel getreten. unbeschuht. er war sofort tot. (und mein fuß stinkt noch heute.)

  8. danimateur sagt:

    am ende haben sie aber ein wenig die flunkerhosen angezogen, herr winkel.

    herzlich, danimateur

  9. Chilli sagt:

    Hahaa, köstlich.

  10. zoee sagt:

    haustiere sind ja so wichtig für die soziale kompetenz, nicht wahr? :)

  11. Kaal sagt:

    Hehe, die Captains Bar, das weckt auch bei mir Erinnerungen :)
    Vieux ist der Kevin Bacon der Reiseziele.

  12. MC Winkel sagt:

    @Carsten: Der mit den Zigarettenkippen ist der sogenannte „Königsigel“. :)
    @Delouqe: Auf auf nach Südfrankreich! :)
    @Aggel: Danke! Immer wieder gerne…
    @InforX: Was? Ein mit Zigarettenkippen bestückter web2.0-Kothaufen twittert? Fonsi?
    @Jerry B. Anderson ™: Muss so ’92/’93 gewesen sein. War echt super!
    @Gürtel: AHA! Und das berechtigt also zum Klugscheißen. Gut. Meine Mutter war Wrestlerin – wirst heute Abend sehen, was das bedeutet. :)
    @der.grob: Um Himmels Willen, was waren das für Kippen; HB?
    @danimateur: Ich? Oder Hansen?
    @Chilli: :)
    @zoee: Eben. Und seien es nur Handpuppen! ^^
    @Kaal: SUPER! Dieses Bacon-Ding kannte ich noch nicht…

  13. danimateur sagt:

    sie? ich würd es ihnen nicht zutrauen. ^^

    sie wissen ja, lügen und beine und kurz und so
    http://www.glariosa.ch/varia/aktuellesbild/images/aktuell174_600.JPG

  14. Ach was täte ich dafür mal wieder ein kühles Blondes zu trinken!!!!!! Aber ich darf ja nicht :-( Und dann warten Sie hier mit solchen Storys auf. Wie gemein ….

  15. Erdge Schoss sagt:

    Sie, werter Herr Winkelsen,

    müssen unglaublich mutig sein. Hatten Sie keine Angst,
    dass die Luma draußen auf dem Meer platzt?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  16. CRen sagt:

    Da spannst Du uns tagelang auf die Folter für eine derart dümmliche Pointe? Doooooof!

  17. MC Winkel sagt:

    @danimateur: :))
    @Frau Ährenwort: Hilft ja nichts! :) (geht wenigstens alkoholfrei?)
    @Gürtel: :))
    @Erdge Schoss: Schon, Herr Schoss. Aber ich hatte Fahrradschlauchflicken dabei. Und MacGyver!
    @CRen: Seit wann geht es bei MC Winkel um Pointen? Die Texte sind eine Aneinandereihung genialer Metaphern und Aphorismen, Schlusspointen sind sekundär.

  18. Johanna sagt:

    Ich weiß gar nicht, was mit jetzt mehr traumatisiert hat der Igel oder das Gemeinschaftsduschen…

  19. Es geht auch nicht alkoholfrei, da ich eine Weizen, Geste…Allergie habe. Es ist zum heulen :-(

  20. ryanmccarthy sagt:

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