Weltrekord: 69facher Marathon durchs Eis

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Wir schreiben das Jahr 2004. Der Brite Ben Saunders ist 26 Jahre alt und brennt für eine irre Idee: Ganz alleine per Ski zum Nordpol wandern. Klingt nach einem lebensgefährlichen Abenteuer. Ist es auch. Aber wer den Briten kennt, der weiß, dass er keine halben Sachen macht. Saunders hat stets ein Ziel und einen Plan – und irgendwie sind Polarexpeditionen und wahnwitzige Rekordversuche immer elementare Bestandteile seiner Machenschaften. Vor dem Briten liegt ein langer Fußmarsch: 72 Tage auf Skiern bis zum Nordpol. Und er ist dabei alleine, der einzige Mensch auf einer Fläche von 8,6 Millionen km². Gelegentlich begegne man einem Eisbären, ansonsten herrsche große Einsamkeit, sagt Saunders. Und es ist kalt. Während seiner Solo-Ski-Tour durch die Arktis lag die Durchschnittstemperatur bei -35 Grad Celcius, an manchen Tagen sogar bei -50 Grad Celcius. Laut NASA herrschten am Nordpol in dieser Zeit die schlimmsten Bedingungen seit Beginn der Aufzeichnungen. Man versucht zu verstehen, warum sich Menschen so etwas antun? Eine plausible Antwort finde ich nicht. Vielleicht muss man erst selbst zum Nordpol fliegen und eine Polarexpedition mitmachen? Nein, unwahrscheinlich für unsereins. Es gilt, die Tür ein wenig zu öffnen, nach draußen zu gehen, die Welt zu erkunden, statt diese nur zu beobachten – denn nur so lässt sich das wahre Leben finden, so jedenfalls erklärt Saunders die Motivation hinter der qualvollen Reise. Das Leben im menschlichen Grenzbereich zu kosten, mache ihn süchtig. Manchmal denke ich, dass meine Sucht nach Polarexpeditionen so ein bisschen wie eine Cracksucht sein können. Es ist schwer zu erklären, wie gut es ist, bevor man es nicht probiert hat, so Saunders weiter. Also doch selbst mal zum Nordpol laufen?

Following 105 days in Antarctica British adventurers Ben Saunders and Tarka L’Herpiniere have officially made the first completion of Captain Scott’s iconic 1,795 mile Terra Nova route from the very coast of Antarctica to the South Pole and back. Pushing the outer limits of physical and mental endurance the Scott Expedition is the longest polar journey on foot in history and will be the next chapter in one of the greatest stories of polar exploration ever told.

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Nein. Nicht umsonst ist der Brite bis heute einer von nur drei Menschen in der Geschichte, die alleine auf Skiern zum Nordpol marschiert sind. Damit stellte er auch einen Rekord auf: Es ist die längste Solo-Reise eines Briten durch die Arktis. Doch das war nur der Beginn der großen Saunderschen Suchtabhängigkeit. Zehn Jahre später geht der Polarerforscher erneut vor die Tür. Natürlich hat er wieder eine Polarexpedition im Sinn. Natürlich muss ein weiterer Rekord aufgestellt werden. Doch dieses Projekt will er nicht alleine bestreiten, er wird begleitet von Tarka L’Herpiniere, einem ebenfalls suchtgefährdeten Polarabenteurer. Diesmal marschiert er auch nicht für 10 Wochen, sondern über ganze vier Monate. Und nun geht es auch nicht in den Norden, sondern nach Süden. Ziel ist die größte Wüste der Welt, die Antarktis.

Das große Abenteuer der beiden Polarfanatiker begann im Oktober 2013. Eigentlich begann es schon zehn Jahre früher. Denn ab diesem Zeitpunkt startete Saunders mit den Vorbereitungen für das nächste Projekt. Ihr bescheidenes Vorhaben bestand darin, auf Skiern bis zum Südpol und zurück zu marschieren, eine Strecke über rund 2900 Kilometern durch das ewige Eis. Dabei wandelten Saunders und L’Herpiniere auf den Spuren des legendären britischen Erforschers Robert Falcon Scott, der sich vor rund 100 Jahren als erstes an diese gefährliche Expedition heranwagte. Scott verstarb zusammen mit den Mitgliedern seiner Südpol-Mannschaft, Dr. Edward Wilson und Leutnant Henry Bowers, am 29. März 1912 auf dem Rückweg vom Südpol, rund 300 Kilometer vor dem Ziel. Über 100 Jahre lang wagte sich keiner mehr an diese gefährliche Antarktis-Expedition heran. Am 25. Oktober 2013 war es soweit: Saunders und L’Herpiniere starteten das große Remake des legendären Expeditionsversuchs von Robert Falcon Scott aus dem Jahr 1912. Und der Eintrag in die Geschichtsbücher sollte ihnen gelingen. Am 07. Februar 2014 kehrten die beiden Forscher zurück zum Startpunkt ihrer Expedition, nachdem sie über 105 Tage (vier Monate) unterwegs waren. Sie brachen damit den Weltrekord für die längste durch reine Muskelkraft bewältigte Polarexpedition in der Geschichte.

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Unglaublich! 2900 Kilometer auf Skiern zum Südpol und zurück. Das sind umgerechnet 69 Marathon-Strecken – sozusagen der „Ultrathon“ auf dem Eis. Hinzu kommt, dass beide jeweils einen 200 Kilogramm schweren Schlitten hinter sich herzogen – bei Temperaturen von gefühlt -50 Grad Celcius. Mit nur viereinhalb Stunden Schlaf pro Nacht und einem acht- bis neunstündigen Fußmarsch jeden Tag sind die beiden bis an die äußerste Grenze der physischen und psychischen Belastbarkeit gegangen. L’Herpiniere sagte: Wir hätten jederzeit über unser Satellitentelefon Hilfe anfordern, uns abholen lassen bzw. aufgeben können. Die größte Herausforderung bestand darin, dies nicht zu tun. Aufgegeben haben sie nie, allerdings ließen sich die beiden am 70. Tag Essen nachliefern, welches mithilfe eines Flugzeug an ihren Standort abgeworfen wurde. Es ist beinahe unmöglich nachzuvollziehen, was wir erreicht haben. Die Terra-Nova-Expedition von Scott zu beenden war ein Lebenstraum von mir und ich bin überwältigt, jetzt hier an der Ziellinie zu stehen, so Saunders.

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Eine derartig aufwändige Expedition verursacht immense Kosten. Intel und Land Rover unterstützten die beiden Polarexperten gemeinsam von der Vorbereitung der Expedition bis hin zur Umsetzung. Saunders nannte zwar keine konkrete Zahl, sagte jedoch, dass Camping in der Antarktis grundsätzlich nicht billig sei und das ganze Projekt Kosten im siebenstelligen Bereich mit sich brachte.

Auf die Frage, wann Ben als nächstes vor die Tür gehe bzw. was er nun im Schilde führe, antwortet er erleichtert: Essen und ruhen. Über vier Monate habe er sich fast ausschließlich von Energieriegeln ernährt und kaum geschlafen. Sein Körper sei noch zu erschöpft, um über das nächste Projekt nachzudenken. Aber eine Sache habe er bereits im Sinn: Ich möchte ein Buch über die Expedition schreiben. Doch irgendwie passt diese Ruhe nicht zu ihm. Ich frage mich, ob ein Mensch wie Ben Saunders die Ruhe hat, ein Buch zu schreiben? Bestimmt, aber vermutlich erst im späteren Alter. Mit 36 befindet er sich in der Blüte seines Lebens. Ich persönlich gehe davon aus, dass er sich nach einer kurzen Erholungsphase, ein neues Rekordprojekt sucht – spätestens nach Veröffentlichung seines Buchs. Das Buch ist hoffentlich schnell geschrieben.

Clip:

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Bilder:

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Dank Intel waren Saunders und L’Herpiniere in der Lage, die Welt live an ihrem Abenteuer teilhaben zu lassen. Trotz der enormen Anstrengungen aktualisierten die beiden ihren Blog. Der Chip-Hersteller stellte den beiden hierfür ein spezielles Ultrabook zur Verfügung, das auch unter den extremen Temperaturbedingungen zuverlässig funktionierte.

 

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Die zwei Polarerforscher Tarka L’Herpiniere und Ben Saunders.

 

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Vier Monate Eishölle, 2900 Kilometer, jeden Tag im Schnitt 20 Kilometer zurückgelegt – das sind die harten Fakten der Scott Expedition.

 

Der Kontinent der Extreme: Nirgendwo ist es so kalt wie in der Antarktis. Im Winter erreichen die Temperaturen durchschnittlich minus 50 Grad Celsius.

 

Zwei Jahre Vorbereitungszeit hatte Saunders ursprünglich für die Scott Expedition eingeplant. Letztendlich bereitete er sich ganze zehn Jahre auf das Abenteuer vor.

 

Die Ödnis des Trips und die starken körperlichen Anstrengungen machten den beiden ordentlich zu schaffen. Mit einem Satellitentelefon konnten sie Kontakt zu ihren Familien pflegen, was ihnen Kraft für den bevorstehenden Tag gab.

 

Für Saunders kommt wahre Inspiration und Wachstum nur von Widrigkeiten und großen Herausforderungen. Er ist der Meinung: Nur dann, wenn man sich vom Bequemen und Familiären entfernt und ins Unbekannte vorstößt, entwickle man sich weiter.

 

Wusstet ihr’s? Die größte Wüste ist nicht die Sahara, sondern die Antarktis. 13 200 000 Quadratkilometer misst die größte Wüste auf Erden.

 

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Nach 1500 Kilometern Fußmarsch erreichten Ben und Tarka endlich am Südpol, dem weißen Ende der Welt.

 

Camping in der Eiswüste.

 

Durchschnittliche Schlafdauer pro Nacht: 4,5 Stunden.

 

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Im letzten Jahrhundert setzten insgesamt 12 Menschen ihren Fuß auf den Mond, mehr als 500 schafften es in den Weltraum und über 5 000 Menschen bestiegen den Everest. Bislang hat es jedoch keiner geschafft, von der Antarktisküste bis zum Südpol und zurück zu laufen. Am 07. Februar 2014 war es soweit: Saunders und L’Herpiniere beendeten erfolgreich die Scott Expedition. Sie brachen damit den Weltrekord für die längste durch reine Muskelkraft bewältigte Polarexpedition in der Geschichte.

 

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Zurück auf der Insel: Beide sind glücklich nach vier Monaten ihre Familien wieder zu treffen.

 

Zur Welcome Back Party im Sofitel in London wurde ein mächtiger Kuchen serviert. Am meisten freuten sich die beiden auf gutes Essen, nachdem sie sich vier Monate nur von Riegeln ernährten und jeweils zehn Kilo Gewicht verloren.

 

 

Weitere Infos zu Ben Saunders:

http://magazin.intel.de/

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Hinweis: Whudat wurde von Intel zur Pressekonferenz nach London eingeladen, in deren Rahmen die beiden Polarerforscher über ihre Antarktis-Expedition sprachen.  

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