Patchwork Inc. – More Patchwork // Wenn Retro-Soul auf unperfekte Perfektion trifft

Patchwork Inc. More Patchwork

Ein Album hat sich unbemerkt in den Gehörgang geschlichen und bleibt dort fest verankert: Die Rede ist von „More Patchwork“, dem neuesten Werk von Patchwork Inc. Hinter dem Soloprojekt steckt Blake Rhein, der gewöhnlich als Gitarrist der Formation Durand Jones & The Indications glänzt. Mit diesem Longplayer liefert der Musiker ein absolutes Highlight ab, die Platte verbindet stilistische Unabhängigkeit mit tief empfundener Leidenschaft.

Der Name des Projekts ist hier absolute Philosophie. Rhein sammelt seit langer Zeit Decken und liebt die Symbolik von Handarbeit. Genau diese Ästhetik überträgt er nahtlos auf seine Kompositionen. Es geht darum, fragile Bruchstücke kunstvoll zusammenzufügen. So verschmelzen auf dem Album zeitgenössischer R&B und klassischer Retro-Soul. Die einzelnen Elemente bleiben organisch greifbar, verbinden sich jedoch zu einem stimmigen Gesamtbild.


DIY-Geist und die Magie der Kollaboration

Die Entstehung der Platte basiert auf einem bodenständigen Fundament. Nach dem Umzug in ein eigenes Studio begann Rhein mit der Arbeit an Demos. Er spielte viele Instrumente selbst ein und öffnete sich schrittweise für andere Kunstschaffende. Der wichtigste Maßstab bei der Auswahl der Mitwirkenden war schlicht die reine Begeisterung für die Musik.

Die Entstehung der Stücke folgte meist einer klaren Dynamik. Rhein legte offene instrumentale Fundamente vor und lud passende Stimmen ein, gemeinsam wurde das Material im Anschluss weiterentwickelt. Gäste wie Lynda Dawn aus London oder lokale Größen aus Chicago bereichern das Klangbild enorm. Trotz der Vielzahl an Stimmen behält das Album seine klare Linie, die Vocals erwecken die reduzierten Arrangements zum Leben.

Patchwork Inc. x More Patchwork – Analoge Wärme und das Streben nach Unperfektion

Ein markantes Merkmal der Produktion ist die angenehme klangliche Wärme. Fast das gesamte Material entstand im eigenen Heimstudio. Rhein setzt auf eine ausgewogene Balance zwischen digitaler Präzision und analoger Ästhetik, für ihn zählt vor allem das feinfühlige Einspielen der Instrumente. Das Balancegefühl zwischen Kickdrum und Snare entsteht bereits vor dem Mikrofonsignal.

Inspiration zieht Rhein aus den legendären Produktionen der Siebzigerjahre. Scheiben wie „I Want You“ von Marvin Gaye dienen ihm als Referenz für einen knackigen Sound. Gleichzeitig fasziniert ihn die rohe Energie der britischen Band Sault. Musik muss für ihn keineswegs glattpoliert sein, gerade kleine Makel geben den Songs ihren unverwechselbaren Charakter.


Chicago-Roots und weltweite Einflüsse

Die musikalischen Wurzeln der Produktion reichen tief in die Geschichte von Chicago. Einflüsse von Legenden wie Charles Stepney, Quincy Jones oder Herbie Hancock schimmern immer wieder durch. Die hiesige Soul– und Jazzszene bildet einen wichtigen Nährboden für Wheins Schaffen. Neben der Musik übernimmt der Künstler auch die Regie sowie den Schnitt der Musikvideos in Eigenregie.

Auch internationale Einflüsse prägen den Sound maßgeblich. Besonders die japanische „Free Soul“-Bewegung hinterließ tiefe Spuren in seinem Schaffen. Das Stöbern in diesen Katalogen eröffnete ihm völlig neue Perspektiven auf anspruchsvollen Soul. Rhein versteht es meisterhaft, diese historischen Einflüsse in die Gegenwart zu übertragen. „More Patchwork“ ist ein warmes, vielschichtiges Album voller Hingabe und handwerklicher Präzision.

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