Leven Kali – „LK99“ // Ein stimmungsvoller Aufbruch aus dem Hintergrund

Leven Kali LK99

Leven Kali ist ein Name, den viele Musikfans vielleicht noch nicht direkt zuordnen können, obwohl sie seine Arbeit garantiert schon gehört haben, hier kommt „LK99“. Der in Santa Monica aufgewachsene Künstler hat in den letzten Jahren maßgeblich an den Soundwelten von Superstars wie Beyoncé mitgewirkt. Auf dem gefeierten Album „Renaissance“ stammen gleich vier Tracks aus seiner Feder, darunter Hits wie „Virgo’s Groove“ und „Alien Superstar“. Auch auf „Cowboy Carter“ hinterließ er mit „Bodyguard“ seine musikalische Handschrift. Nach Jahren im Hintergrund für Größen wie Snoh Aalegra oder Jazmine Sullivan tritt er nun mit seinem dritten Studioalbum LK99 endgültig ins Rampenlicht.

Leven Kali x LK99 – Ein organischer Sound zwischen Funk und Psych-Soul

Musikalisch bleibt Kali seinen Wurzeln treu, die ihm quasi in die Wiege gelegt wurden. Sein Vater spielte Bass in der Funk-Rock-Band Mother’s Finest, seine Mutter war seine Gesangslehrerin. Diese fundierte musikalische Ausbildung hört man jeder Sekunde von LK99 an. Gemeinsam mit seinen langjährigen Partnern Sol Was und Daniel Memmi hat er ein Werk geschaffen, das durch echte Instrumentierung besticht. Der Sound ist warm, funky und mit einer angenehmen psychedelischen Note versehen. Kali bewegt sich gesanglich in einem warmen Tenor, der irgendwo zwischen der ekstatischen Leidenschaft eines Miguel und einer geerdeten, fast konversationellen Intonierung liegt.


Zwischen Sehnsucht und emotionalen Forderungen

Thematisch dreht sich auf LK99 fast alles um das Zwischenmenschliche. Viele der elf Songs fungieren als direkte Fragen oder Bitten an ein Gegenüber. In „Are U Still“ erkundet Kali die Unsicherheit, ob die Liebe noch Bestand hat, während „Jus a Lil’ Bit“ die Verhandlung um einen letzten Kuss und eine gemeinsame Nacht beschreibt. Besonders stark zeigt sich diese emotionale Offenheit in „Without U“. Hier lässt der Künstler gegen Ende alle Masken fallen und gesteht sich ein, dass materieller Besitz gegen die Sehnsucht nach einer bestimmten Person nicht ankommt. Diese ungeschönte Ehrlichkeit verleiht dem Album eine greifbare Intimität.

Leven Kali x LK99 – Highlights und atmosphärische Momentaufnahmen

Der Track „Are U Still“ markiert mit knapp vier Minuten das Herzstück der Platte. Er beginnt als Geständnis und steigert sich in eine fast schamanische Beschwörung über Schwingungen und Geister. Hier beweist Kali, dass er komplexe Songstrukturen meistern kann, die über bloße Stimmungsbilder hinausgehen. Auch „Jus a Lil’ Bit“ überzeugt durch seine konkrete Bildsprache. Die Hitze eines Augusttages in New York wird hier zum Ankerpunkt für das Verlangen. In „Raining Sun“ blitzt zudem kurz die Außenwelt auf, wenn von schlechten Nachrichten die Rede ist, vor denen man sich in die Zweisamkeit flüchtet.


Ein kompakter Ausblick auf die Zukunft

Trotz der hohen musikalischen Qualität wirken einige Passagen des 31-minütigen Albums etwas formelhaft. Songs wie „BREATHE!“ oder „Remedy“ plätschern angenehm dahin, hinterlassen aber weniger bleibenden Eindruck als die experimentelleren Stücke. Manchmal wünscht man sich als Hörer noch mehr Ecken und Kanten oder einen tieferen Einblick in die konkreten Konflikte hinter den Texten. Dennoch ist LK99 eine hochprofessionelle Visitenkarte eines Musikers, der sein Handwerk perfekt beherrscht. Leven Kali hat bewiesen, dass er bereit für die Frontreihe ist. Man darf gespannt sein, welche Geschichten er erzählt, wenn er diesen geschlossenen Raum der Zweisamkeit beim nächsten Mal noch weiter öffnet.

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