Unpeinlich.

Wie Ihr Euch das bestimmt schon denken könnt, schäme ich mich selten. Wenn ich einmal peinlich bin – was bestimmt oft vorkommt – dann war ich halt peinlich weil ich etwas tat, was ich während dieser Zeit für richtig hielt. Als Mensch mit Herz auf der Zunge sollte man sich sowas wie Scham sowieso schnellstmöglich abgewöhnen. Wenn ich mich ständig für Vergangenes schämen würde hätte ich kaum noch Zeit für sinnvollere Dinge; wie Crème brûlée flambieren oder Fußnagelfusselentfernerei. Das Einzige, was mir noch ferner liegt als Greymouth, ist Fremdscham. Wenn jemand ständig peinlich ist, ist er gegebenenfalls ein Trottel. Durch Fremdscham würde ich doch zulassen, dass der/diejenige mir körperlich in irgendeiner Art & Weise Schaden zufügt. Wozu?

Was ich eigentlich sagen möchte: Popeln halte ich nicht für peinlich. Normales Popeln, die anschließende Bargeld-Gestik und das In-Form-Gerollte verschwindet im Fußraum sämtlicher Kraftfahrzeuge vor roten Ampeln; weltweit. Bin ich komplett einverstanden mit, mach ich selbst und wer nicht popelt guckt auch Beckmann. Was allerdings alles soeben Erwähnte außer Kraft setzt wie Beverly Hills’sche Scheidungsanwälte sind: Vertilger. Popelvertilger. Die zu sehr in sich ruhenden Schlemmerpopler mit Vorliebe für rohes Lammfleisch oder Sodbrennen. So Einen hatte ich nämlich gerade, im Flugzeug, auf der gegenüberliegenden Sitzgruppe.

Die Stewardess (Lufthansa und übrigens sehr nett (im Gegensatz zu der Ziege von Swissair LX1057 vom Freitag, 14:50 nach Zurüch), zwar Ü40 mit Botox und Bleaching – aber Himmel, wofür gibt es das?!) war gerade dabei, den Reisenden feste Nahrung feilzubieten, als der rotbemarmelte, leicht adipöse Herr von gegenüber … aufgegessen hatte. Er trug Kopfhörer und tippte irgendwas in eine Powerpoint-Präsentation, konnte somit schonmal kein Blogger sein. In der Annahme seiner aktuellen Taubheit gab ich der Stewardess mit offigkundigem Zeigefinger in der Nase zu verstehen, dass mein Sitznachbar mit großer Wahrscheinlichkeit satt wäre. Sie verstand nicht. Unser Feinschmecker auch nicht, so entledigte er sich seiner Kopfhörer. „Hören Sie, der Mann isst Popel. Der hat vermutlich keinen Hunger mehr!“. Niemand lachte. Und irgendwie schämte ich mich.
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[Der Film aus Monaco kommt übrigens am Mittwoch und wird super!]

Kommentare

26 Antworten zu “Unpeinlich.”

  1. Toby sagt:

    grandios werter herr, grandios :)

  2. Addliss sagt:

    Na, wenigstens war das Missverständnis geklärt! :-D

  3. Looka sagt:

    Wie kann man sich Fremdschähmen abgewöhnen?

    Dann könnte ich hier viel öfter lesen.

  4. Mike sagt:

    Wer um alles in der Welt will Popel essen! Gut die Zahnspange aus der 3. Klasse machte das auch, aber hey, sieh wusste es nicht besser. Aber im Flugzeug. Du tust mir leid. Nicht für den Spruch, der war Hammer! Eher das Unverständniss der Leute.

  5. Rockgöre sagt:

    Jetzt sagen Sie bloss, Sie waren in der Schweiz Herr Winkel….
    Hätten wir das gwusst, hätten wir den roten Teppich ausgerollt. Nun kriegten Sie halt nur unsere Stewardessen. Wobei die Swiss ja mittlerweile auch Deutsch ist… ;-)

  6. Basti sagt:

    Dabei wurde schon mehrfach, und nicht nur von mir, bewiesen wie NÄHRHAFT Popel sind und wie toll es ist endlich ein Nahrungsmittel mit einer postiven und Veganen CO2 Bilanz zu verschweigen! Popel sind also nicht nur Nahrungsmittel sondern auch noch Seelenfutter… Popel for Kharma sozusagen!

  7. SabrinaS sagt:

    Sie waren in ZÜRICH??!!

  8. JasBlog sagt:

    Ja also mich würde es auch interessieren, wie man sich fremdschämen abgewöhnen kann?! – geht das überhaupt? – nach eigenen Aussagen, Herr Winkel, scheinbar schon…

    So guten Start in die Woche…
    bis denne
    Jas

  9. Das war ein reichlich kurzer Trip, oder?
    Macht nix, hier sind immer noch so um die 26 Grad und dabei ist grad mal Fruehling mit starker Tendenz zum Sommer.

  10. Thomas sagt:

    Ohne Frendscham würde Stromberg etwas fehlen.
    Ansonsten, ziemlich widerlich alles.

  11. feronia sagt:

    Lieber Herr Winkel, das war nicht die Hauptspeise, sondern der Appetizer des netten Herrn! So einfach zu behaupten er sei satt, ist nun wirklich nicht nett und hat in ihm vermutlich die Angst geschürt, die nächsten 2 Stunden ohne Extrafutter auskommen zu müssen!

    Fremdscham abgewöhnen, gut und schön, aber die Empathie sollte bleiben!

  12. Donna sagt:

    A propos Botox, Herr Winkelsen. Werde ich es in 11 Jahren denn auch brauchen? Oder vielleicht sogar Sie?

  13. Flo sagt:

    Ich hätte gelacht und merke noch an dass es auch schrecklich ist wenn im Flugzeug die Französin neben einem plötzlich meint sich im Schneidersitz hinsetzen zu müssen…waaah!

  14. Pleitegeiger sagt:

    Werter Herr Winkel, ich wünsche Ihnen, daß Sie bis Weihnachten dann aus dem Krankenhaus raus sind… ;-)

  15. Ja, der Herr Winkel war in Zürich – ich kanns beweisen, ich war dabei – er hat auch sein Essen in der Business-Class ordentlich aufgegessen ! :) – aber eigentlich war er gaaanz woanders,..dazu gibts aber erst Mittwoch Details.

  16. Die Muräne sagt:

    Advent, Advent… Zeit der letzten echten Wunder!

    Kommt ein Deutscher nach Zürich und geht dann auch wieder nach Hause :DDDD

    priceless

  17. MC Winkel sagt:

    @Toby: Oh, Danke der Herr! ^^
    @Addliss: Oder? :)
    @Looka: Es gibt nur cool und uncool und wie man sich fühlt! :)
    @Mike: Danke für das Mitleid!
    @Rockgöre: Ja, aber nur ein Zwischenstop. Ich war doch in Naco an der Cote! :)
    @Basti: PFUUUi!
    @SabrinaS: s.o. (@Rockgöre): Nur ein Zwischenstop!
    @JasBlog: Jaja, das geht. Steht da doch. Einfach die Gefühle nicht zulassen. :)
    @Lenny_und_Karl: FREEECHHEIT!
    @Thomas: Also beim Stromberg ist es doch eher das Erkennen eigener, ziemlich ähnlicher Abgründe, was die Sendung ausmacht, oder?
    @feronia: Naja, das konnte ich ja nicht ahnen…
    @Donna: Kann ich Ihnen nicht sagen. Ich weiß nur, dass ich es in 11 Jahren vllt. mal ausprobieren werde… :)
    @Flo: So richtig mit der Rückseite in die eigene Richtig?! Also das geht nun wirklich nicht!
    @Pleitegeiger: Das schaff‘ ich bestimmt (nur: warum werde ich eingewiesen?)
    @Markus Jordan: :)) – Aber nicht die Sache mit dem Bier erzählen, Markus!
    @Die Muräne: Ich sah ja leider nur den Flughafen, Herr Muräne. Lohnt es sich denn, mehr zu sehen?

  18. Die DiVa sagt:

    Jetzt, werter Herr Winkel, muss ich aber mal schimpfen. Aber mit ausgestrecktem (nicht Popel-)Finger. Sie waren in Zürich und haben nichts gesagt?

    Herzlichst und jetzt erstmal beleidigt

    Ihre DiVa

  19. Tanja sagt:

    Igitt igitt igitt. Trotzdem schön geschrieben!

  20. @mc winkel: Hauptsache, das Video am Mittwoch kommt mit der Szene von den netten Polizisten – aus dem Land, wo wir waren :) (und das war nich die Schweiz ! :)

  21. Die Muräne sagt:

    Nein nein, es ’nieselt‘ nur ständig. Können Sie doch viel besser auch zu Hause haben :)

  22. Flo sagt:

    Ja so richtig mit der Sohle! :/

  23. Giselle sagt:

    Cool story bro ^^ Warum, oh warum hast Du das nicht gefilmt?! Wofür haben moderne handys wohl diese Funktion? Genau, um popelnde Mitflieger zu filmen.

  24. Pleitegeiger sagt:

    @MC Winkel: Na auf so nen Spruch könnte schon mal Kieferbruch folgen. Falls der Herr nach der Mahlzeit nicht zu träge für ne Schlägerei war ;-)

  25. norrin sagt:

    Popel sind die vom Gehirn ausgeschiedenen schlechten Gedanken. Also ist Popeln eine wichtige Reinigungsmaßnahme für Geist und Körper. Man kann sich in etwa vorstellen, was das für Menschen sind, die ihre schlechten Gedanken wieder in sich aufnehmen.

  26. Michael sagt:

    Jaja, die Stewardessen, ständig ein professionelles Grinsen im Gesicht, und im entscheidenden Moment wollen diese nicht verstehen oder mitspielen.

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