5 Cannabis-Mythen im Check: Was die Wissenschaft wirklich sagt

In der öffentlichen Debatte rund um Cannabis stehen fundierte Erkenntnisse oft im Schatten von Halbwissen und Vorurteilen. Sogar in bekannten Wissenschafts-Podcasts wie dem Huberman Lab bedarf es manchmal einer Korrektur durch führende Fachleute. Dr. Matthew Hill, ein renommierter Neurowissenschaftler und Cannabis-Forscher, räumte in einem viel beachteten Gespräch mit Andrew Huberman gründlich auf. Fünf weit verbreitete Mythen über Cannabis hielten einer wissenschaftlichen Überprüfung schlicht nicht stand. Die folgenden Abschnitte beleuchten, was die moderne Forschung tatsächlich über Dosis, Wirkung, Psyche und CBD verrät. 5 Cannabis-Mythen im Check, wir schauen uns in diesem Beitrag genau an, was die Wissenschaft wirklich sagt.
1. Höherer THC-Gehalt bedeutet nicht automatisch mehr Schaden
Der THC-Gehalt moderner CannabissSorten liegt heute häufig bei 20 bis 30 Prozent. Früher betrug er oft nur rund 5 Prozent. Viele Berichte behaupten deshalb, dass heutiges Cannabis um ein Vielfaches gefährlicher sei. Die Forschung zeigt jedoch ein differenzierteres Bild. Konsumenten passen ihr Inhalationsverhalten beim Rauchen oder Verdampfen meist automatisch an. Sie ziehen kürzer oder weniger tief, sobald die Wirkung einsetzt. Durch diese sogenannte Selbst-Titration bleiben die THC-Blutwerte bei Blüten auf einem sehr ähnlichen Niveau wie früher.
Biologisch gesehen stößt die Pflanze bei etwa 30 Prozent THC-Gehalt ohnehin an ihre Grenzen. Das eigentliche Risiko bilden hochkonzentrierte Extrakte und Dabs mit bis zu 98 Prozent THC. Bei solchen Konzentraten versagt der körpereigene Kontrollmechanismus, da ein einziger Zug die Rezeptoren im Gehirn mit enormen Wirkstoffmengen überflutet.
2. Edibles wirken wie eine völlig andere Substanz
Essbare Cannabisprodukte gelten fälschlicherweise oft einfach als stärkere Form von Blüten. Die Biochemie des Körpers verarbeitet Edibles jedoch grundlegend anders. Bei der oralen Aufnahme passiert der Wirkstoff die Leber. Dort wandelt der Stoffwechsel das enthaltene Delta-9-THC in das Stoffwechselprodukt 11-Hydroxy-THC um. Dieser Metabolit wirkt deutlich intensiver und passiert die Blut-Hirn-Schranke viel leichter als normales THC.
Ein weiteres Problem ist die verzögerte Wirkung. Während die Wirkung beim Inhalieren sofort einsetzt, vergehen bei Edibles oft 30 bis 90 Minuten. Viele Konsumenten legen ungeduldig nach, weil sie fälschlicherweise annehmen, die Dosis sei zu gering gewesen. Die volle Wirkung hält anschließend vier bis acht Stunden an. Dieser verzögerte und potenziell überwältigende Verlauf ist die Hauptursache für Notaufnahme-Besuche im Zusammenhang mit Cannabis.
3. Die Bezeichnungen Sativa und Indica sind wissenschaftlich wertlos
Die Unterteilung in belebendes Sativa und beruhigendes Indica prägt seit Jahrzehnten die Kultur rund um Cannabis. Aus chemischer und pharmakologischer Sicht existiert diese Unterscheidung jedoch nicht. Labormessungen zeigen regelmäßig, dass sich das Wirkstoffprofil einer angeblichen Sativa-Pflanze kaum von dem einer Indica unterscheidet.
Die wahrgenommenen unterschiedlichen Effekte beruhen zum Großteil auf dem sogenannten Erwartungseffekt (Expectancy Bias). Wer eine Blüte kauft und eine beruhigende Wirkung erwartet, nimmt diese im Anschluss auch eher wahr. Für die tatsächliche Wirkung medizinischer oder therapeutischer Anwendungen zählen ausschließlich das genaue Dosisverhältnis von THC zu CBD sowie das spezifische Terpenprofil. Die Form des Blattes oder traditionelle Sortennamen liefern dafür keinerlei wissenschaftliche Grundlage.
4. Cannabis verursacht Schizophrenie nicht direkt, wirkt aber wie Treibstoff
Die Behauptung, dass Cannabis direkt eine Schizophrenie auslöst, hält einer genauen Überprüfung der Daten nicht stand. Die Wissenschaft unterscheidet streng zwischen der Ursache einer Erkrankung und dem Auslösen bei einer bereits vorhandenen Veranlagung. Cannabis fungiert in diesem Zusammenhang wie Öl, das man in ein bereits brennendes Feuer gießt.
Menschen mit einer genetischen Vorbelastung oder einer biologischen Empfänglichkeit tragen ein deutlich erhöhtes Risiko. Konsumieren Personen aus dieser Risikogruppe Cannabis, kann die Erkrankung früher ausbrechen und schwerer verlaufen. Bei Personen ohne genetische Veranlagung führt der Konsum nach aktuellem Forschungsstand jedoch nicht zur Entstehung einer Schizophrenie. Eine sorgfältige medizinische Anamnese ist daher essenziell, um Risiken bei gefährdeten Personen von vornherein zu vermeiden.
5. Frei verkäufliche CBD-Produkte sind meist extrem unterdosiert
Frei verkäufliche CBD-Öle erfreuen sich enormer Beliebtheit. Sie versprechen Linderung bei Stress, Schlafstörungen und Schmerzen. Aus wissenschaftlicher Sicht sind die meisten im Handel erhältlichen Produkte jedoch wirkungslos. Die typischerweise empfohlenen Dosen von 10 bis 20 Milligramm pro Tag liegen weit unter der klinisch wirksamen Schwelle.
Klinische Studien zeigen eine verlässliche Wirksamkeit von Cannabidiol erst ab einer Tagesdosis von 300 bis 500 Milligramm. Hinzu kommt die extrem geringe orale Bioverfügbarkeit von CBD. Der Körper nimmt über den Magen-Darm-Trakt lediglich etwa 4 Prozent des aufgenommenen Wirkstoffs auf. Die berichteten positiven Effekte bei Niedrigdosis-Produkten aus dem Supermarkt oder der Drogerie sind daher in den allermeisten Fällen dem Placebo-Effekt zuzuschreiben. Mehr zu den 5 Cannabis-Mythen gibt es hier im Video.


