Yuuf – „Mt. Sava“: Wüstensand, Windklänge und ein majestätisches Live-Erlebnis im St Sava Canyon
Nach der traumhaft-meditativen EP Alma’s Cove legen Yuuf mit Mt. Sava eine spirituelle Schwester nach – diesmal nicht für die Strandtage, sondern für die endlosen Weiten der Wüste. Die neue EP, veröffentlicht auf Technicolour, einem Imprint von Ninja Tune, besteht aus sechs instrumentalen Stücken, die sich klanglich zwischen psych-rockigem Handpan-Vibe, saharischer Hitze und postrockiger Eleganz bewegen. Und als wäre das nicht genug: Im St Sava Canyon wurde eine atemberaubende Live-Performance aufgenommen, die das visuelle Pendant zu dieser musikalischen Reise liefert.
Yuuf sind längst mehr als ein Geheimtipp: Das vierköpfige Kollektiv aus Europa beherrscht die Kunst, Natur, Klang und Emotion zu verweben. Mit Mt. Sava verschiebt sich der Fokus vom lauschigen Küstenambiente in eine rauere, majestätischere Landschaft – karger, weiter, intensiver.
Yuuf x Mt. Sava – Ein Klang wie flimmernde Luft über heißen Steinen
Der Opener „Moon Dive“ bringt mit langen Gitarren-Trails und subtilen Windgeräuschen sofort die Stimmung der nächtlichen Berge auf den Punkt. Eine sanfte Einladung, die zugleich wie Atemarbeit wirkt – zurückhaltend und geerdet. „Night Aïr“ schlägt dann mit Handpan-Slaps, gedämpften Drums und einer treibenden Gitarre eine Brücke zu Tuareg-Musik und Desert Rock. Man fühlt sich wie auf einem staubigen Ritt bei untergehender Sonne, während der Soundkörper zwischen Rastlosigkeit und Konzentration pendelt.
„Ørken Bloom“ liefert dazu das Gegenstück: Western-Vibes, verspielte Beats, spaghetti-artige Gitarrenlinien – alles auf einem Niveau, das in ein modernes Indie-Game-Soundtrack passen würde. Die EP ist als Nacht-zu-Tag-Zyklus gedacht, und mit „Calima“ geht die Sonne auf: Saharischer Swing, komplexe Gitarrenarbeit und luftig-gleitende Grooves bringen Hitze, Licht und Bewegung in den Sound. Ein Höhepunkt, der zugleich leichtfüßig und episch wirkt.
Mesa Mesa – das große Finale im Canyon
Der Zweiteiler „Mesa Pt. 1“ und „Mesa Mesa“ beendet die EP mit cineastischem Feingefühl. Ersterer wirkt wie das Aufziehen einer Szene, das langsame Einatmen vor dem letzten Akt. „Mesa Mesa“ selbst bleibt dann überraschend kontrolliert. Statt Explosion gibt es Finesse: Gitarren schweben wie Wüstenlüfte durch das Arrangement, Percussion klirrt trocken und klar – man denkt an orientalische Filmmusik, nur eben durch den Yuuf-Filter gezogen. Ruhig, hypnotisch und voll warmer Texturen.
Yuuf x Mt. Sava Live im St Sava Canyon – Musik wird Landschaft
Begleitet wird die Veröffentlichung von einem Live-Video aus dem spektakulären St Sava Canyon. Dort hat Yuuf die gesamte EP inmitten von Steilwänden und Naturklangkulisse performt. Eine visuelle Meditation, die die Musik noch greifbarer macht. Zwischen Sonne, Schatten und Gestein wirken die Songs fast noch intensiver – als hätte man einen Blick in den Ursprung der Kompositionen geworfen. Selten passten Ort, Sound und Stimmung so organisch zusammen.
Fazit | tl;dr
Mit Mt. Sava liefern Yuuf erneut ein kleines Meisterstück. Die EP verlagert den Sound von der Küste in die Berge, von feuchtem Schatten in trockene Weite – und bleibt dabei stets Yuuf: meditativ, präzise und zutiefst atmosphärisch. Das Live-Video aus dem St Sava Canyon verstärkt diese Erfahrung und zeigt, wie ernst die Band ihr ästhetisches Konzept nimmt. Eine Einladung zur Entschleunigung – und zum Staunen.


