Rahiem Supreme & Wun Two – „Broke Mega Glass“: Jazz im Staub, Rhymes im Nebel

Rahiem Supreme Wun Two

Wenn der Beat wie eine alte Schallplatte atmet, weiß man: Wun Two war am Werk. Auf Broke Mega Glass trifft der deutsche Lo-Fi-Veteran Wun Two auf den D.C.-MC Rahiem Supreme, und was hier passiert, ist weit mehr als nur eine transatlantische Kollaboration. Es ist ein Treffen zweier Welten, die dieselbe Sprache sprechen – die der Reduktion, der Textur, der Atmosphäre.

Zwölf Tracks, kaum über drei Minuten lang, bauen eine Klangwelt, die so roh wirkt, als sei sie direkt aus dem Tape-Deck eines vernebelten 90s-Studios gefallen. Kein Overmixing, keine Hooks mit Marketing-Duft. Stattdessen: verwaschene Jazz-Loops, dumpfe Kicks, und Rahiems Stimme, die mehr fließt als drückt – Storytelling im Halbschatten.

Rahiem Supreme x Wun Two – Staubige Beats, fließende Worte

Wun Two liefert hier, was man von ihm erwartet – und noch etwas mehr. Seine Beats knistern wie alte Vinylfetzen, Sample-Chops stapeln sich auf subtile Weise, kleine Tastenfiguren huschen unter der Oberfläche. Man hört sofort: dieser Sound will dich nicht überwältigen, sondern dich unter die Haut kriechen.

Rahiem Supreme gleitet über diese Klangflächen, als würde er sie nicht einmal berühren. Seine delivery erinnert mitunter an Slick Rick – lässig, unaufdringlich, aber voller Zwischentöne. In „Silver Lining Smoke“ erzählt er kleine Straßenszenen wie Skizzen, in „Dirt Between Diamonds“ zieht er Bilder, bei denen man förmlich den Asphalt riecht. Es ist weniger Battle-Rap als Straßenpoesie.

Wun Two baut dafür das perfekte Gerüst: seine Loops sind hypnotisch, seine Drums stoßen nie in den Vordergrund. Alles wirkt wie mit Dunst überzogen, aber jeder Sound sitzt. Man meint, den Regen auf einer Windschutzscheibe zu hören, wenn ein Sample aufblitzt – genau dieser visuelle Charme zieht sich durchs ganze Album.

Lo-Fi als Lebensgefühl

Broke Mega Glass hat nichts mit Perfektion zu tun, und genau darin liegt seine Kraft. Der Titel selbst – gebrochenes Mega-Glas – klingt wie ein Symbol für jene Schönheit, die im Fragmentarischen liegt. Nichts hier will glänzen, alles will sich bewegen. Jeder Track fühlt sich an wie ein Atemzug, irgendwo zwischen verrauchtem Jazzclub und regennasser Stadtecke.

Tracks wie „Sunroof Tears“ oder „Autumn Vinyls“ zeigen die Essenz des Projekts: Beats, die nach verwaschenen Erinnerungen klingen, Rhymes, die wie Gedankennotizen wirken. Kein Song drängt sich auf, und doch klebt die Stimmung an einem, lange nachdem der letzte Loop verklingt.

Fans beschreiben das Album als „super chill hip-hop“, manche bemängeln den Mangel an Dynamik in der zweiten Hälfte. Aber gerade diese Monotonie ist Teil der Sogwirkung – Broke Mega Glass will kein Spannungsbogen sein, sondern ein Drift. Ein Spaziergang durch verschwommene Bilder, nicht das Ende eines Films.

Zwischen Jazz und Joints

Am Ende bleibt ein Gefühl: Broke Mega Glass ist kein Album für Playlisten, sondern für Räume. Für einen späten Abend, vielleicht eine langsame Autofahrt bei Regen. Es ist Hip-Hop im Rohzustand – Beats, die atmen, Rhymes, die fließen, keine Maske, kein Glamour.

Wun Two und Rahiem Supreme schaffen hier eine Collage aus Staub, Rauch und Seele. 36 Minuten lang kein einziger Fehltritt – nicht, weil jeder Song glänzt, sondern weil keiner es versucht. So klingt echte Balance: zwei Künstler, die nichts beweisen müssen. Nur leben, erzählen, loopen.

Rahiem Supreme & Wun Two – „Broke Mega Glass“ // Spotify:

Rahiem Supreme & Wun Two – „Broke Mega Glass“ // Bandcamp:

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