OP- Bericht I: Mein Meniskus sieht aus wie eine Vagina


(Oder nicht? S.o., links)
So, da bin ich wieder. Bin sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist. Schon erstaunlich, wie schnell sowas heutzutage geht. Als ich vor 15 Jahren am Aussenband des linken Fußes operiert wurde, lag ich fast 3 Wochen im Krankenhaus. Damals wurde noch gegipst, 6 Wochen lief ich mit dem weißen, nach kurzer Zeit schon sehr penetrant riechenden Hartklumpverband herum, insgesamt war ich 9 Wochen krank geschrieben. Heute wird an Tag 1 operiert, am zweiten Tag beginnt die Krankengymnastik und nach 2 Wochen soll bereits wieder mit Vollbelastung gelaufen werden. Statt Gips gibt´s flexible Schienen und die Thrombosestrümpfe… naja, die sahen noch nie gut aus.

Ich komme also am Dienstag um 8.20h (leicht verspätet) im St.Elisabeth-Krankenhaus in Kiel an und werde sofort in die OP-Klamotten gezwängt. Man gibt mir 2 glücklich’n’gleichgültigmachende Tabletten und die Schwester beginnt sofort mit der Rasur. Jeweils 2 handbreit unter und über dem Knie, aufgrund von attraktivitätslosigkeit besteht keinerlei Erektionsgefahr. 30 Minuten später liege ich auf der OP-Liege, die Tabletten wirken, ich fühle mich wie nach 6 Holsten und zwei Phillyblunts. Der afrodeutsche Anästhesie-Helfer bereitet mich vor und witzelt herum. Bevor der Anästhesist mir schließlich den Hahn aufdreht, schlägt er mir vor, an etwas Schönes zu denken. „Ich liege am Strand von Jamaica, Herr Doktor…“ sage ich, als der afrodeutsche Helfer direkt mit einsteigt: „Geeeenau man, die Füße im Wasser, einen Cocktail in der Hand, ein pa$§%#[cut! /mc=consciousless]

Als ich wieder erwache, schüttelt´s mich. Zu kühl ist offensichtlich die intravenöse Kochsalzlösungszufuhr, die mich zum späteren Zeitpunkt noch die Ente bis über die Markierung befüllen lässt. Zwei Schläuche befinden sich in meinem Knie, je ein Katheter klemmt an meinem Arm und in meiner Leiste. Die Nachwirkungen der Vollnarkose erinnern mich an 1987er-Campingplatzparties mit dem Aldi-Jägermeister-Verschnitt, ich bekomme meine Augen nicht weiter auf als Karl Dall und mein Doc P. verweigert mir mit den Worten „… sprechen wir morgen drüber; sie werden´s in Ihrem jetzigen Zustand ohnehin wieder vergessen!“ jegliche Auskünfte zur OP, die aber immerhin komplikationsfrei verlaufen sei.

Nachts schlafe ich gut. Noch liege ich alleine im Zimmer mit Terrasse. Morgens gibt´s Frühstück. Lecker. Also lecker für das, was man von einem Krankenhaus erwarten kann. Allgemeiner Schmerzpegel gleich null, der Leisten-Katheter wurde vor der Nacht nochmal befüllt, das Bein ist taub. Und das ist auch ganz gut so, denn vom Ziehen der Schläuche (soll ja ein vergleichbarer Schmerz sein wie Stricknadel im Hoden) merke ich ga_har_nichts! Anschließend sofort die erst Krankengymnastik-Stunde. Erste Gehversuche scheitern wie die SPD in NRW, noch hält die Lokalbetäubung an. In der Beinmaschine wird das Gelenk dann aber sofort wieder aktiviert.

Am nächsten Tag, dem Zweiten nach der OP, sieht das dann aber schon anders aus. Mit der Schiene kann ich aufstehen und auch schon wieder ordentlich gehen. Die ersten 2 Wochen halbe Körpebelastung für´s linke Bein, danach sofort wieder Vollbelastung. So – da habe ich jetzt also einen geflickten Meniskus und ein neues, vorderes Kreuzband. Es passt gut zu mir; es sieht fantatstisch aus! Jetzt folgen noch 3 Monate Krankengymnastik, dann bin ich wieder besser in Form als eine Coke-Flasche. Und so´n büschen Humpeln ist auch nicht schlimm. Hab´ ich halt eine Ausrede für etwaige Verspätungen!

[Stick around; es folgt ‚OP-Bericht II: Snoring Manfred‘ (Morgen! Mit Film! Momentan zu warm draussen…)]

Kommentare

14 Antworten zu “OP- Bericht I: Mein Meniskus sieht aus wie eine Vagina”

  1. Gürtel sagt:

    moin winkel. herzlich willkommen zurück im leben. hoffe, es hat alles geklappt. wir mailen

  2. mai sagt:

    schön sie wieder zu lesen und unter den lebenden zu wissen….
    brauche mir also keine gedanken zu machen ob sie so enden würden…

  3. Brittbee sagt:

    Das Maskenmörder-Bild ist groß. Steht Dir.Schroeder hat übrigens einen glamourösen Job für Dich, wenn das Gehen wieder klappt.

  4. [thomas] sagt:

    „Erste Gehversuche scheitern wie die SPD in NRW, […]“

    muahahahaha :D zu geil :D

  5. Tuomikallio sagt:

    Hört sich nach einem tollen Kurzurlaub an. Ich glaub, ich muß los. Nochma in’n Park, bißchen buffen. *hmhm*
    In diesem Sinne.
    „Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann.“
    Leo N. Tolstoi

  6. marcello sagt:

    wenn es eine knie-op war, wozu dann der leistenkatheder?
    gute besserung!

  7. KleinesF sagt:

    Stimmt … Leistenkatheter, da hast Du wohl zu viel verraten, mc ;-)

    Oder Du bist reingefallen auf die mails mit „Enlarge your …. now!“

  8. MC Winkel sagt:

    @ Marcello + kleinesF:

    […der Leisten-Katheter wurde vor der Nacht nochmal befüllt, das Bein ist taub.]

    Diente zur lokalen Beinbetäubung. Gute Sache!

  9. KleinesF sagt:

    Da hat jemand den Namen KleinesF missbraucht, Mr. Winkel. Bitte die IP kontrollieren. Ich war noch gar nicht mit fabulieren fertig.

  10. KleinesF sagt:

    …so sieht also eine Vagina aus?

  11. MC Winkel sagt:

    84.59.204.152, ist ´ne Arcor DSL-Adresse. Der ist öfter hier und postet unter falschen Namen.

  12. […] Vorab: mein neues Kreuzband (s.o., Röntgenbild von gestern) sitzt fest wie George W. Die OP ist jetzt 13 Wochen her, mir fehlen noch 2° an Streckung und beim schnellen Gehen schmerzt es noch leicht, aber wenn ich die Muskulatur weiterhin trainiere, bin ich kurzfristig wieder ganz wie vorher. Naja, nicht ganz, meine neue Schienbein-Narbe macht mich ja wie beschrieben noch interessanter. […]

  13. […] Und werden es dann erst einmal 30° ist alles aus! Dann dürfte mein Meniskus zu einer Geldscheindruckmaschine werden, mein Innenband zur Wünschelrute (mit welcher ich Erdöl in Niebüll, Kreis Nordfriesland entdecke) und mein neues Kreuzband (welches in seinem vorigen Leben ja auch schonmal Sehne im Oberschenkel war) produziert eine flüssige Substanz, deren orale Aufnahme dem Menschen Gerechtigkeit und Frieden bringt. Diese könnte ich dann gewinnbringend an Volvic veräußern oder den Arabern ins Trinkwasser mogeln. […]

  14. […] Ich habe es probiert. Ich besorgte mir jüngst rezeptfreie Doxylamin-Tabletten mit einer Dosis von je 15mg. “Ist das jetzt mehr so eine Baldrianverarschung oder bringen die tatsächlich etwas?”, wollte ich von der Apothekerin wissen. “Sie sind rezeptfrei – aber gu_ut!”, so die Antwort, welche mich durch den langezogenen Vokal im letzten Adjektiv vollauf überzeugte. Ich erhoffte vermutete einen ähnlichen Flash wie kurz vor der Vollnarkose bei meiner Kreuzband-OP (Tasmanien!). Zwei Tabletten, der Flash blieb aus, aber ich schlief. Schnell ein. Lang. Und Tief. Und ich bin so ausgeglichen, dass ich an dieser Stelle sogar auf eine Abschlusspointe verzichte. Mir doch egal. […]

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