Nonzurückgrüßerismen

Kann doch nicht so schwer sein. Ich bin weiß Gott kein Knigge-Auswendigkenner oder sonst ein Verfechter konservativer Verhaltensregeln, aber wenn mir irgendwas ähnlich widerstrebt wie Sitzenbleiber nach Taschengeldentzug ist es die in Deutschland großflächig verbreitete Rückgrußignoranz. Was ist an Hallo, Moin oder Tach so schwer, wieso wird man immer wieder ungegrüßt zurückgelassen? Gut, es gibt da 1-2 nachvollziehbare Gründe; bei einigen Nachbarn von mir verstehe ich das, höre aber trotzdem nicht auf, werde sogar immer freundlicher dabei. Muss jetzt bald aufpassen, dass ich die rückgrußlose Alte von oben nicht beim nächsten Mal handküsse. Oder beim Ordnungsamt, was die da schon für einen Schriftwechsel in der KFZ-Ordnungswidrigkeitenabteilung (Hangman den mal!) von mir haben – ich würde da nicht nur nicht grüßen, ich würde spucken. Auch wenn Peter Ludolf im Fußmassagestudio den Rücken der dort arbeitenden Filipinas statt einer Grußformel bekommt – könnte ich mit leben. Ansonsten gibt es aber keine Gründe!

Zwei Mal habe ich in meinem bisherigen Leben auch nicht zurückgegrüßt. Beim ersten Mal saß ich um 8.00h im Büro, war auch nur so früß da, weil ich bis um 5.00h auf einer AfterWork-Party feierte (bevor die irgendwann einmal mainstream wurden, seitdem natürlich nie wieder und wer heute noch an einem Donnerstag um 19.00h mit gelockerter Krawatte öffentlich am Tresen Alsterwasser trinkt, gehört angezündet), danach irgendwo mitging (ich verhütete, keine Sorge! Aber bei Verkäuferinnen, die an einem Donnerstag um 19.00h mit 3 4 offenen Blusenknöpfen am Tresen Prosecco trinken, erübrigt sich jede weitere Erklärung) und um 7.50h dann zu Fuß die Bergstraße (80% Steigung, ftwdk!) Richtung Bürogebäude hochlief.

Und selbst da wollte ich zurückgrüßen; konnte nur nicht, weil ich mich gerade in den Papierkorb übergab. Beim zweiten Mal war’s Ingo Stawitz. Naja, und bestimmt ein paar Mal mit Kopfhörern. Aber wer so dämlich ist, Leute mit Kopfhörern anzusprechen (Liebe Grüße ins Gym!) kann eh froh sein, keine Glättekelle zu bekommen. Solche Leute fragen bestimmt auch presslufthämmernde Straßenbauarbeiter nach dem Weg in die Stadtbücherei.

Und das Alles nur, weil mich vorgestern die Apothekerin nicht zurückgrüßte. Also ich reinkam, bediente sie gerade eine Rentnerin, irgendwas Inkontinentes, echt sünde. Trotzdem hätte sie zurückgrüßen können, immerhin ist sie ja trocken (nehme ich an). Als ich dann an der Reihe war, schwiegen wir uns erstmal blickkontaktet an. „Was kann ich tun?“. „Vielleicht zuerst einmal zurückgrüßen!“. „Guten Tag, was kann ich tun?“. „Ich brauche einen Liter ph-freies Babyöl!“. „Ah, sie sind Vater geworden?!“. „Nein, ich brauch’s zum Wichsen!“. Eigentlich benötigte ich nur Nasenspray, aber der saß wie Weller 99!

Kommentare

21 Antworten zu “Nonzurückgrüßerismen”

  1. Pssst! sagt:

    nee, das hamm sie nicht gesagt! LOOOL

  2. juno sagt:

    Geilgeilgeil!!

    Renee Weller, Frauenversteher der alten Schule: „Meine Frau ist völlig emanzipiert. Ich kümmer mich um die Kohle und sie sich um die Küche. Und sie redet mir nicht rein.“

  3. Perot sagt:

    Ich komme ja aus dem Bergischen Land und bin daher Muffelschnutigkeit gewohnt („Nonzurückgrüßerismus“ ist leider auch eine Eigenschaft des „Bergischen Bollerkoppes“, wie man den Einheimischen hier auch liebevoll nennt). Den Norddeutschen hingegen habe ich zumeist als freundlich kennengelernt, vor allen Dingen, wenn man ihm mit einem langgezogenen „Moooiiiiijen“ begegnet. Was machst Du also bloß falsch, MC? :)

    Die Sache mit dem Babyöl hat mich allerdings schwer geschockt! ;-)

  4. Und wieder ein Beitrag ueber Geschlechtsverkehr im hohen Alter, Herr W! Ich sollte mal gegen Beitraege schreiben, denn egal wie es hier auch grad sein mag. Die Frequenz und Qualitaet und so… Sie wissen schon!

  5. Sumit sagt:

    is mir auch schon aufgefallen diese nichtzurückgrüßerei. Verdirbt mir den Spaß :(
    Besonders ältere Menschen – wenn die nen dunkelhäutigen (südländisch aussehenden) Typen vor sich sehen und der „Servus“ / „Tag auch“ sagt, is da immer an BOden schauen und grummeln angesagt. Ich nehms als Ansporn ;-)

  6. Toby sagt:

    Ach du heiliger. :) Sie meinten wohl ph-neutral (bzw noch korrekter ph-hautneutral ). Musste grad ma clever shitten.

  7. Moin Herr Winkelsen! ;-)

  8. singhiozzo sagt:

    Ach ja, das kommt mir alles sehr bekannt vor. Wenn man hier (Südharz) morgens beim Bäcker rein kommt und fröhlich grüßt, wird man angeguckt als wolle man gleich ein gegrilltes Baby bestellen.
    Mein Tip: Baden-Württemberg. Gut, man versteht kein Wort von der Sprache, die die da sprechen, aber nett sind die alle.

  9. Marteen sagt:

    „aber wenn mir irgendwas ähnlich widerstrebt wie Sitzenbleiber nach Taschengeldentzug“

    der hat heute morgen etwas länger gedauert! SUPER! ;o))

  10. feronia sagt:

    Nicht Grüßen, wenn man was verkaufen soll geht gar nicht! Aber ich fürchte, die Damen in der Apotheke sind schlimmeres gewöhnt als Babyöl, dass einen Wolf am Schniedel vermeiden soll.
    Zum Beispiel: „Schauen Sie mal, hier ist es ganz wund. Haben Sie was dagegen?“

  11. Donna sagt:

    Obacht: vom Onanieren bekommt man krumme FInger, Herr Winkelsen! ^^

  12. loverk89 sagt:

    Noch schlimmer als Leute die nicht zurückgrüßen, Sind Leute die einen immer die Hand zur Begrüßung geben und man genau weiß, das diese Personen eine Mangelhafte Handhygiene haben.

    P.s haste das Babyöl noch gekauft und wurdes noch ein schöner Abend :)

  13. Erdge Schoss sagt:

    Haben Sie, werter Herr Winkelsen,

    es schon einmal mit Gratisumarmungen verursacht?

    Herzlich
    Ihr Erdge Schoss

  14. Tanja sagt:

    MC, das musste ich jetzt 3x lesen … schwurbel … kurbel … Was haste genommen? Kann ich es auch haben?
    Zum Thema: Ich kenne das. Einfach weiter hartnäckig zurückgrüßen. Meistens meinen es „die anderen“ gar nicht verkehrt. Sie können nur nicht über ihren Schatten springen, sind von dir eingeschüchtert, glauben es nicht, dass du sie grüßt und bis sie es realisiert haben, ist der Zug schon abgefahren, bzw. MC schon weiter gegangen. Alles nicht so dramatisch.
    Aber, Mister Provokation … mach weiter so … ansonsten geht dir irgendwann der Stoff aus … und das will hier keiner :-P
    Fühl dich fett gegrüßt, umarmt, geküsst und was du sonst noch so brauchst *lol

  15. Scholli sagt:

    Kommen Se ma bei mich nach Westfalen, Herr Winkel, da lernen Se dann, wie ordentliche Nonzurückgrüßerer die Mundwinkel nach unten ziehen und dabei kleine Kinder mit Senf verspeisen!

  16. Flo sagt:

    Auf jeden Fall nochmal lauter grüßen…

  17. die anke sagt:

    lieber herr winkel, DAS haben sie doch nicht wirklich gesagt ?! manchmal ist es aber unheimlich befriedigend, wenn man seine gute „Kinderstube“ vergisst. ich erlebe manchmal, wenn ich so durch die gegend gehe und fremde anlaeche,l dass diese entweder grimmig oder verstaendnislos zurueckschauen, schade, die die zuruecklaecheln machen den tag doch etwas froehlicher. ps: manche die ich gruesse moechte ich aber eigentlich nie gruessen

  18. Dilan sagt:

    Moin an den Mc,
    Einfach mal ein kleines Feedback generell ueber deinen Blog. Habe ihn erst vor einigen Tagen entdeckt, aber die Vids alle schon gesehen … Also weiter so Mr.Faullancer
    Gruesse aus Holland
    Dilan

  19. Bea sagt:

    EINEN Liter??? Angeber!!!

  20. Thilo sagt:

    @ ERDGE SCHOSS

    Werter Herr Schoss,

    spielen Sie mit „Gratisumarmungen“ auf das Theaterstück „Von der Welt der Freundlichkeit“ an, welches jüngst in Berlin von der Herbert-Hoover-Schule aufgeführt wurde?

    Mit besten Grüßen

    Thilo Frank

    PS: Habe gerade festgestellt, die „free-hugs-campain“ gabs schon eher, schade!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.