Michael Jackson und ich.

Ich war im Sommer 1983 mit meinen Eltern und meiner Schwester in Spanien. Wir hatten uns dort so ein strandnahes Haus gemietet, mit Pool und Grundstück und diesem ganzen Gedöhns. Nachdem wir vom Strand kamen grillten wir auf der Terasse und hörten einheimische Radiosender, welche am laufenden Band Billie Jean und Beat It spielten. Ich konnte kaum glauben, wie cool das war, was ich da hörte. Später lernte ich, dass es die perfekt ausgefeilten Arrangements von Quincy Jones waren, dahergebracht von einem jungen, hungrigen Mann, der einem die Leidenschaft für das, was er da machte, nur so um die Ohren haute. Zurück in Deutschland sah ich zu der Musik dann das erste Mal Bewegtbilder und war sofort infiziert. Ich flehte meine Mutter um mehr Taschengeld an, lief in den Plattenladen und kaufte mir mit verschwitzten Händen meine erste Langspielplatte: Thriller.

Ein paar Wochen später verkündetet Peter Illmann bei Formel Eins, dass es jetzt das neue Michael Jackson-Video zu sehen gäbe, den Titletrack. Allerdings sei dieses recht spooky und daher erst nach 23h sendbar. Ich liess mir unseren neuen Video2000-Rekorder programmieren und schaute es mir am nächsten Tag unter Aufsicht der Erziehungsberechtigten an. Ich fand es eher lustig als gruselig, die Choreo versuchte ich zu verinnerlichen und wie so oft tanzte ich Gemerktes im Kinderzimmer nach. Bin nur froh, dass es damals noch kein youtube gab – ich hätte alles gepostet. Naja, mach ich ja heute auch noch. Whatever.

Jahre später kam Karaoke nach Deutschland und die ersten Kieler Clubs veranstalteten so Nachsing-Contests. Ich kaufte mir nicht nur so einen weißen Handschuh, ich besorgte mir – introvertiert wie ich immer schon war – einen kompletten Einweg-Maleranzug in weiß. Jedes Mal wählte ich Billie Jean, obwohl meine Stimme damals schon viel zu tief für diese Nummer war. Aber mir ging es primär ja auch um den Moonwalk, den Wadenbeinshaker und den Kniedreher. Einmal wurde meine Performance sogar im Offenen Kanal übertragen, im Ausbildungsbetrieb lachte man mich aus wurde das sehr kontrovers diskutiert – aber das war mir immer schon egal.

Im Juni 1997 kam Michael Jackson nach Kiel. Ich erinnere mich, kurz eingefroren zu sein, als er endlich und mit jeder Menge Licht- und Nebeleffekten auf die Bühne gehievt wurde. Ich kann mich nicht erinnern, jemals wieder ähnlich geflasht gewesen zu sein. Das Konzert erlebte ich wie im Trance, all die Bilder, Videos und Fernsehauftritte hatte ich nun also in ca. 50m Luftlinie live vor mir – Wahnsinn. Und das, obwohl mein Herz seit Public Enemy und NWA eigentlich bereits mehr für Rapmusik schlug.

Ich muss zugegeben, Michaels außergewöhnliche Entwicklung im Laufe der Zeit natürlich auch sehr skeptisch beäugt zu haben. Invincible fand ich dann auch schon nicht mehr so spannend, ich kaufte mir dieses Album nicht einmal mehr. Dennoch habe ich nie geleugnet, ein großer Fan seiner Musik zu sein. Ich habe immer mit einem gewissen Stolz von Thriller als meiner ersten, selbstgekauften LP berichtet und ich behaupte nach wie vor, dass Musik – egal welches Genre – ohne Michael Jackson niemals so geworden wäre, wie sie heute ist.

Natürlich hatte Michael Jackson gehörig einen an der Marmel – keine Ahnung, ob das Anfang der Achtziger auch schon so war. Die Geschichte zeigt, dass je früher man ins Showgeschäft einsteigt, je früher man Erfolg hat und je früher einem der Arsch hinterhergetragen wird, umso größer die Gefahr ist, sich später nicht mehr zurechtzufinden, wenn es einmal nicht mehr so läuft. Der mediale Druck, der auf Michaels Schultern nach Thriller und Bad lastete, hätte vermutlich jeden Menschen austicken lassen. Aber was auch immer schiefgelaufen ist: Michael Jackson ist jetzt tot. Das schreibt und das liest sich immer noch irgendwie surreal, solche Ikonen können doch nicht einfach wegsterben? Schon gar nicht so früh! Ich erfuhr es am Donnerstag gegen halb eins, realisierte es jedoch erst am nächsten Morgen. Ich bin mir zwar sicher, dass Michael Jackson zuletzt ein tief depressiver, seelisch sehr verwirrter Mensch war und es somit vielleicht tatsächlich das Beste für ihn ist. Trotzdem macht mich dieses Wissen, auch drei Tage nach seinem Tod, nicht untrauriger. Bleibt mir nur nochmal von ganzem Herzen zu sagen: Jacko Dicker, Danke für Deinen Shizznit, Danke für die Inspiration und Danke, dass Du mir und Millionen anderen Menschen gezeigt hast, wie man Musik fühlt. See you at the crossroad.

Kommentare

28 Antworten zu “Michael Jackson und ich.”

  1. FrauvonWelt sagt:

    Think twice…

    Ich war vierzehn. Wir packten die Sachen. Zelte, Luftmatratzen, Decken, Schlafsäcke und was man sonst noch so braucht, wenn zwölf Teenies das Wochenende auf dem Zeltplatz verbringen wollen. Die Fahrräder wurden gesattelt, das Verstauen der Habseligk…

  2. ekrem sagt:

    word! irgendwie ging mir kein celebrity tod näher als dieser. sehr sehr schade das ganze. detlef d! soost meinte im interview: es ist so als würde einer aus der familie sterben. unrecht hat er nicht wirklich. komplette kindheit mit seiner musik verbracht… sogar die rap musik wär ohne ihn nicht das was es jetzt ist hat er alle producer beeinflusst. naja… gone to soon!

    RIP KING OF POP

  3. fj sagt:

    ja so war es.
    :(

  4. Mell sagt:

    Ey MC… Du bezahlt demnächst meine Taschentücher…..und wieder Heulung! Sehr schön geschrieben.
    *RIP MJ*

  5. Casorel sagt:

    Genauso gings mir auch.. nachts um 2 mitgekriegt.. aber erst als meine Freundin mich am nächsten morgen mit ner sms weckte „Michael Jackson ist tot!“ hab ichs richtig realisiert.. is schon komisch!

  6. Jerry B. Anderson sagt:

    Mein old friend. Ich kann mich gut erinnern, dass du damals ein MJ freaky warst. Von uns Chaoten eigentlich einer der Greatesten, oder?

    Mit Video2000 war ja auch smart of life. Da passten 8 h ! musicvideos auf one tape rauf. Naja- Bei mir waren`s ja nie musicvideos sondern Pmovies :-)

  7. hog sagt:

    Sehr schön geschrieben – klasse!
    Aber eine Frage: Hast du wenigstens den richtigen Stern vom Walk of Fame genommen? Nicht, dass dir der gleiche Lapsus unterlaufen ist, wie zahlreichen Jacko-Anhängern, die irrtümlich Kerzen beim Radiomoderator Michael Jackson niedergestellt haben, da der richtige Stern durch einen Roten Teppich verdeckt war!?

    greetz – endlich Erholung!

  8. aristokitten sagt:

    Sein Tod wär nur halb so traurig, wenn nicht sein Leben schon so traurig gewesen wäre… Eigentlich ist es ein echtes menschliches Drama der Neuzeit, dass jemand, der so viel von dem hatte was sich andere Menschen wünschen, sich so wenig daran erfreuen konnte. Zum Schluß sah er aus, als wäre das Leben eine einzige Last für ihn. Also ist es vielleicht wirklich besser so.

  9. DFink sagt:

    Achja Jacko :( Ich habs ebenfalls gegen halb 1 erfahren. Twitter ging Down und ich dachte mir erst: Hey das ist nen Fake. Am nächsten morgen war alles klar…

    Seitdem läuft Thriller in iTunes rauf und runter…

  10. Pssst! sagt:

    thriller, das war wirklich brilliant. und den damaligen mj mochte ich. aber dann kam der film moonwalker, bei dem ich alleine im kino saß und mich danach dumm und dämlich geärgert habe, das ticket bezahlt zu haben. nein, der mj in den letzten 10 jahren, den mochte ich nicht mehr. zu kaputt. zu krank. zu durchgeknallt. dennoch: RIP

  11. danimateur sagt:

    Ich hatte damals das konzert nachst angesehen, wo er mit so nem rocket shizzel umherflog.
    schon nicht so verkehrt was der so fabrizierte. und einzigartig. das macht es bedauernswerter.

  12. zoee sagt:

    endlich mal etwas unpathetisches.

  13. Luto sagt:

    Mir geht es ganz ähnlich wie Ihnen, lieber Herr Winkelsen und ich habe am Freitag mit meiner Freundin darüber gerätselt, warum es so seltsam ist, dass Michael Jackson gestorben ist. Die Antwort auf die wir kamen war: „Weil er schon immer da war“. Als Kind der 1980er bin ich natürlich -ähnlich wie Sie- mit ihm aufgewachsen. Und unbestritten ist das Lebenswerk von Herrn Jackson wirklich beachtlich. Dazu kommt noch, dass er durch seine OPs nicht wirklich alt wurde. All das lässt seinen Tod unwirklich erscheinen und es braucht eine Weile bis man ihn realisiert hat.

  14. timanfaya sagt:

    zugegeben, er war stellenweise gut, aber ich konnte mit ihm nie richtig was anfangen. wer die schmutzige genialität von prince verehrte, konnte mit jacksons weichspüler mädchenmucke nie ins reine kommen. das paßte einfach nicht. aber das tut auch nichts zur sache. die menschliche tagödie, die sich um diese pop ikone rankt hat selbst mich heute zu ein paar zeilen bewegt. zeitweise eine tragikömödie, von der am ende nur noch tragik übrig blieb …

  15. Acki sagt:

    „You’re Not Alone“…MC jetzt hab ich als macker sogar ein tränchen im knopfloch…

    @all der 80iger MJ was the Greatest…

    RIP MJ

  16. Thomas sagt:

    Invincible nicht gekauft… Du treue Seele

  17. Stoeps sagt:

    Genie und Wahnsinn liegen eben ganz oft sehr nahe beieinander! So auch bei MJ! Er ist und bleibt aber der King of Pop! Trotz seiner unschönen Entwicklung war er auch für mich mehr als nur Inspiration. Er war Teil meiner Jugend! RIP MJ & Thx 4 all ! *sniff*

  18. […] Michael Jackson und ich. | whudat.de […]

  19. Flo sagt:

    Hat schon coole Mucke gemacht der Kerl…

  20. Vulkanente sagt:

    Na toll, DU hast es geschafft, jetzt sitze auch ich hier mit einem Kloß im Hals…
    MJ war halt immer da, in irgendeiner Form, immer präsent, und nu isser weg. Die Postings von Lily Allen und John Mayer paßten gut.
    Und sein Vater- halt ein Arsch, der nichts dazugelernt hat. Wie kann man angeblich „super“ sagen, wenn man nach dem Tod seines Sohnes gefragt wird, wie es einem geht? Unglaublich.

    An Max Herre habe ich am Samstag auch gedacht, es lief gerade Freundeskreis.

    Mal was Positives: Senseorücklaufzeit bei mir 3 Tage und neue Garantie für 2 Jahre, motiviert das nicht?
    Check´ doch mal die neuen Videos (und Interviews) von den Dicken, leite Dir mal eine Email vom Macka weiter, habe Dich im Header nicht gefunden.

    Grüße aus der trüben Suppe Köln
    Nina

  21. Kevin sagt:

    Von meinem Kumpel der Cousin der hat sich bei dem Konzert aufm Norder wie Michael verkleidet und durfte dann mit Michael auf der Bühne tenzen

    :)

    Kevin aus Kiel

  22. m. sagt:

    sehr schade … er war zu sensibel …er war für frieden auf erden

  23. […] so an: Es ist schon ziemlich auffällig, wie oft die Leute in den letzten Tagen davon berichten, was sie damals™ so alles getan haben oder – Pathosalarm – empfinden, dass mit seinem Tod ein Teil ihrer […]

  24. […] ich auch gerne meinen Senf dazu geben (was ich ja hiermit auch tue) und habe mich einfach mal von einem sehr gelungenen Artikel von MC Winkel inspirieren lassen, in dem er beschreibt was ihn ganz persönlich mit Michael Jackson […]

  25. Grünfee sagt:

    Schade! Dass er nicht mehr lebt! Michael war einfach zu gut für diese Welt! Er war sehr sensibel! Und auch viel Frieden schenkte er den Menschen auf Erden! Was ich am gemeinsten fand, dass sein Vater so streng war! Wäre er doch anders gewesen! Aber man weiß ja nie welche Eltern man bekommt! Solche Dinge kann man sich um Gottes Namen nicht aussuchen! Leider! Michael du bleibst der King of Pop! Fürimmer und Ewig werden wir dich in unseren Herzen behalten! Danke für Alles! Die ganze Welt hat dich immer lieb!

  26. jess sagt:

    warum zum teufel sterben immer die guten zu erst?

  27. Ellila sagt:

    Sehr schön geschrieben.. danke..! :o)

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