Enter Pyongyang (Video)

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Enter Pyongyang ist eine beeindruckende Einladung zur Entdeckungsreise in Nordkoreas Hauptstadt. Durch die Kooperation von City-Branding-Pionier JT Singh mit dem führenden Reiseveranstalter für Nordkorea, Koryo Tours, sehen wir Pyongyang in einem bislang völlig unbekannten Gewand.

Für die Aufnahmen holte man sich Rob Whitworth ins Boot, der sich für die grandiose Ästhetik verantwortlich zeigt, indem er Timelapse und Slowmotion auf wundervolle Art und Weise durcheinander wirft. Mal beschleunigt der Film, mal hält er inne, immer im richtigen Moment – formvollendete Postproduktion, wenn man so will. In erster Linie aber ist das Gezeigte an sich die eigentliche Attraktion des Ganzen.

Die ansonsten so hermetisch abgeriegelte Metropole erstrahlt in unerwartetem Glanz, scheint unseren westlichen Städten in nichts nachzustehen, wirkt aufgeladen mit Leben und lässt an Aufbruch denken. Farbenfrohe Kulissen, lachende Kinder, ein vielbefahrener Skatepark – sogar die nach wie vor militärisch anmutenden Traffic Ladies und U-Bahn-Kontrolleure haben ein Lächeln auf den Lippen für Passanten und Kameras – obschon letzteres natürlich weniger verwundert.

Eines aber sticht ins Auge, und wirkt zunehmend befremdlich je länger man sich das Video ansieht: die an Sterilität grenzende Sauberkeit der Stadt. Das Nichtvorhandensein jedweden Militärs. Der Grund: Das Filmteam wurde begleitet von zwei Führern der National Tourism Administration, die ihm zwar Zugang zu besonderen Spots für den Dreh verschafften, die aber ebenso darauf geachtet haben, dass die Rahmenbedingungen eingehalten wurden: Keine Baustellen, keine  unterentwickelten Standorte und selbstverständlich kein Militärpersonal – Standards für jeden Touristen mit einer Kamera.

So ist zwar auch in diesem Fall nicht alles Gold was glänzt, eines aber bleibt: Auch wenn der Clip nicht gänzlich hinter die Kulissen zu blicken vermag, das Video zeigt eine Seite von Pyongyang, die wirklich existiert, und die es wert ist, gesehen zu werden.

Böse Zungen sprechen dabei vielleicht zu Unrecht von Propaganda, denn dafür sind Botschaft und Hintergrund des Videos einfach zu positiv, ganz zu schweigen von der bereits erwähnten Schönheit der Aufnahmen als solche. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack. Sam Potts, der vor zwei Jahren selbst die Hauptstadt besuchte, bezeichnet das Video als großen Fake. Über seinen Twitter Account schreibt er:

So finden sich auch auf dem Instagram-Profil des Fotografen David Guttenfelder Bilder, die eine realistischere Sicht auf das Leben vor Ort werfen.

Im Vorwort zum Video schreibt Dr. Parag Khanna, Director des Hybrid Reality Institutes:

“This video is the single most significant multi-­media contribution to transcending clichés about North Korea as a society defined by reclusiveness and destitution. To travel there is to witness a proud civilization, though one caught in a Cold War time-warp” 

Beides scheint zu stimmen. Die Frage aber bleibt: Dürfen wir angesichts der Dinge, die hinter den Kulissen passieren, das, was auf der Bühne gezeigt wird, überhaupt gut finden? Erlaubt uns das Video eine neuartige Sicht auf das Land und vor allem die Menschen, die darin leben, oder ist es eine einzige Lüge, verpackt im Kleid eines augenscheinlich harmlosen City-Branding Projektes? Was meint Ihr?

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Clip:

[vimeo]http://vimeo.com/102051605[/vimeo]

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