Coco Jones beim Tiny Desk: Wenn moderne R&B-Größe plötzlich ganz nah wirkt

Coco Jones Tiny Desk

Als Coco Jones hinter dem Tiny Desk Platz nimmt, entsteht sofort eine besondere Spannung. Das silberne Kleid, das offene Lächeln und diese selbstverständliche Ruhe signalisieren, dass hier jemand nicht beweisen muss, wer sie ist. Coco Jones gehört längst zu jener neuen R&B-Generation, die Tradition und Gegenwart mühelos verbindet. Lobeshymnen von Beyoncé, Chaka Khan, Patti LaBelle und Babyface stehen dabei nicht nur symbolisch für Anerkennung, sondern für eine Künstlerin, die bereits jetzt ernst genommen wird. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an dieses Tiny Desk Concert, und ebenso klar wird schnell, dass sie erfüllt werden.

Eine Stimme, die Raum und Zeit kontrolliert

Jones eröffnet das Set mit „You“, einer Ballade, die sofort zeigt, worum es hier geht: Kontrolle, Dynamik und emotionale Präzision. Ihre Stimme ist kraftvoll, bleibt aber stets weich, fast schwebend. Ohne Pathos, ohne übertriebene Gesten führt sie durch jede Nuance. Nahtlos geht es in „Double Back“ über, wodurch sich früh ein fließender Spannungsbogen entwickelt. Die Arrangements sind reduziert, lassen aber genau genug Raum, damit Jones ihre stimmliche Bandbreite ausspielen kann. Man hört jede Entscheidung, jede Atembewegung, und genau darin liegt die Stärke dieses Auftritts.

Zwischen Intimität und selbstbewusster Präsenz

Im weiteren Verlauf greift Jones mehrere Songs aus ihrem Debütalbum „Why Not More?“ auf, darunter „On Sight“ und „Taste“. Die Stücke gewinnen in diesem Setting eine neue Nähe, wirken direkter und persönlicher als auf Platte. Die Band agiert dabei aufmerksam und zurückhaltend, fast dienend, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. Besonders deutlich wird das Zusammenspiel bei „Here We Go (Uh Oh)“, als das Trio The String Queens hinzukommt. Streicher legen sich behutsam unter den Groove und verdichten die Atmosphäre, ohne sie zu beschweren. Der Song entfaltet dadurch eine hypnotische Tiefe, die das Publikum hörbar fesselt.

Der Moment, der alles zusammenführt

Zum Abschluss folgt mit „ICU“ jener Song, der Coco Jones endgültig ins Rampenlicht katapultiert hat. Emotional roh, verletzlich und gleichzeitig souverän gesungen, wirkt dieser Moment wie eine Essenz des gesamten Konzerts. Jones steht vollkommen im Zentrum, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Die Zurückhaltung der Inszenierung verstärkt die Wirkung nur noch mehr. Es ist dieser Auftritt, der endgültig bestätigt, dass hier nicht nur Talent, sondern echte künstlerische Reife zu hören ist.

Ein Tiny Desk, der bleibt

Dieses Tiny Desk Concert (Youtube) zeigt Coco Jones als Künstlerin, die ihre Stimme als Instrument begreift und ihre Songs als Räume, in denen sich Emotion entfalten darf. Ohne große Effekte, ohne visuelle Ablenkung entsteht ein Auftritt, der lange nachhallt. Jones beweist, dass moderner R&B leise, reflektiert und zugleich kraftvoll sein kann. Genau darin liegt die Nachhaltigkeit dieses Konzerts.

Set, Stimmen und Zusammenspiel

Die Setlist umfasst „You“, „Double Back“, „On Sight“, „Taste“, „Here We Go (Uh Oh)“ und „ICU“, getragen von Coco Jones am Gesang sowie Jay Rojas an der Gitarre, Sean Diarra Miles an den Keys, Frank Javois am Bass und Dominique Austin am Schlagzeug, ergänzt durch die Streicher Élise Sharp am Cello, Dawn Michelle Johnson an der Viola und Kendall Isadore an der Violine sowie die Backgroundstimmen von David Harrison, Domo Abrams und Mariah Meshae.

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