Bucketlist: 10 Songs, die ich auf ein Mixtape packen würde, wenn ich nur noch dieses eine Mixtape hören dürfte

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Ich wurde neulich nach einer Idee für eine Bucketlist gefragt, spontan kam ich auf diese hier: was sind die Top10-Songs, die Du auf ein Mixtape packen würdest, wenn Du bis an Dein Lebensende nur noch dieses eine Mixtape hören dürftest? An sich ist das eine ziemlich gemeine Frage, weil selbst der beste Song der Welt irgendwann zu nerven anfängt. Wenn man wirklich immer nur dieselben Tunes hört, wird man dann nicht komplett weirdo in der Birne? So wie beim Tetris-spielen, was ja auch Laune macht und was man auch unendlich lange spielen kann. Wenn man es übertreibt, träumt man von dem Shit und bleibt in einer Tetris-Welt gefangen. So gesehen müssten die zehn Songs schon wirklich ganz besonders starke Songs sein, die für einen nicht nur musikalisch perfekt sind, sondern auch etwas mit dem eigenen Leben, mit bestimmten Lebensabschnitten verbinden. So wie diese hier, meine persönlichen 10 Tunes, keine bestimmte Reihenfolge.

Michael Jackson – Billie Jean

Gut, dass dieser Song hier von mir direkt als erste Nummer erwähnt wird, hat schon ein paar Gründe. „Thriller“ war meine erstgekaufte Platte und ganz klar wegweisend für meine musikalische Weiterentwicklung. Ohne „Thriller“ und ohne „Billie Jean“ wäre ich niemals so geworden, wie ich heute bin, so pathetisch das jetzt auch klingt. Eine perfekte, zeitlose, von Quincy Jones unfassbar gut produzierte Nummer. Das Tempo, die Harmonien, Lines, Bridges, Hook, Adlibs – da passt alles zu 100% und es düfte hier nicht ein Ton woanders sitzen. Dieser Song ist pure Perfektion und wie sehr, sehr viele Tracks von Jacko einer, den man nicht überhören kann. Emjay Number One, für immer.

MC Hammer – U Can’t Touch This

Nicht lachen bitte, ich weiß es ja selbst. Aber auch Hammer war mit „Please Hammer, Don’t Hurt ‚Em“ ein mich auf meine musikalische Sozialisierung wegweisender Künstler. Natürlich ist das ganze Album ziemlich cheesy, fast ein wenig kitschig und hat mit dem echten HipHop nicht besonders viel zu tun. Gerade dieser Song, der zu 90% auf „Superfreak“ von Rick James basiert (wirklich, selten war die Sample-Kultur penetranter) und welcher inhaltlich auch eher das Prädiket dünn verdient hat, steht natürlich auf dem ganz anderen Ende der Skale von Trueschool Rap. Darauf scheiße ich aber in einem in seiner Breite kaum mehr beschreibbar großem Strahl, „U Can’t Touch This“ ist eine Hymne, ein Opus und steht für mich persönlich auch für den Quatsch und den Humor, den jede Kultur braucht. Außerdem hat nie wieder irgendein Künstler ein schöneres Beinkleid getragen, als MC Hammer in diesem Video. Oh-oh, oh oh Oh-oh.

Bell Biv Devoe – Poison

Hatte ich doch gerade erst hier beschrieben: „New Jack Swing traf auf den R&B und HipHop der späten 80er Jahre, der Track enthielt ein mir bekanntes Sample von dem ebenfalls “Poison” genannten Track von Kool G Rap – mehr ging einfach nicht. Egal wo und wann ich die markanten Anfangs-Drums dieses Titels hörte, ich musste auf die Tanzfläche. Ich studierte die Choreografie ein, die Bel Biv DeVoe sich extra für diese Nummer überlegt haben.“ – steht in meinem Leben für einen Abschnitt, der rückblickend betrachtet peinlicher kaum sein könnte. Und genau deshalb kommt „Poison“ auch auf mein Lebens-Mixtape.

Snoop Dogg – Doggie Dogg World

„Ninetrizzey’s da yizzay’s for me to come up.“ – Was Snoop in 1993 mit „Doggystyle“ in mir auslöste, hat kaum ein Künstler in den Folgejahren in dieser Intensität jemals wieder geschafft. Was Thriller 1982 mit mir machte schaffte knapp 10 Jahre später der hagere, aus Long Beach kommende MC mit seiner einzigartigen, nasalen Stimmfarbe. Und von Doggystyle würde ich wirklich „Doggie Dogg World“ als die Nummer choosen, die ich immer und immer wieder hören kann, was ich übrigens auch schon tat. Mitte der 90er kam zu diesem Tune eine Art Maxi-Single mit bestimmt 10 Remixen raus, von denen jeder einzelne als Jahrhundertwerk beschrieben werden könnte. „It’s a Dogg it’s a Dogg – it’s a Doggie Dogg Wö-hö-hö-hö-höööörld!“

Warren G and Nate Dogg – Regulate

Ich erinnere mich an einen Live-Auftritt der beiden Westcoast-MCs auf MTV, irgendein Springbreak-Special Anfang der 90er Jahre. Ich dachte seinerzeit wirklich, dass Nate Dogg an einer ganz schlimmen Bindehautentzündung leiden würde, so rot wie seine Augen seinerzeit daherkamen. „Just like I thought, they were in the same spot
in need of some desperate help – the Nate Dogg and the G-child were in need of something else“, das erste Mal diggte ich Nate Dogg’s Stimme, die mich von diesem Moment an auch nicht mehr los liess. Es folgten in den Jahren danach noch weitere Tunes dieses Duos, welches zusammen mit Snoop Dogg übrigens das Westcoast-Trio „213“ bildeten. „Nobody Does It Better“ kam dabei sehr nah an „Regulate“ heran, das Original bis heute aber: unerreicht.

2pac and Snoop Dogg – 2 Of Amerikaz Most Wanted

Die Badass-Hymne schlechthin. „I keep my hand on my gun, cuz they got me on the run. Now I’m back in the courtroom waitin on the outcome. Free Tupac, is all that’s on a niggaz mind, but at the same time it seem they tryin‘ to take mine.“, Lyrics, die ich genau wie bei allen anderen Tunes aus dieser Liste auswendig in der Marmel habe, und das schon bevor ich überhaupt verstand, was die Herrschaften damit meinten. Die Anziehungskraft des echten Gangstaraps, diese Energie, diese Persönlichkeiten. Ich bekomme noch heute eine Gänsehaut, wenn ich den Song höre. Hin und wieder höre ich ihn, um meinen Akku aufzuladen, um mich in meine Zone zu bekommen, das klappt jedes Mal. Zu schade, dass sie immerhin einen der beiden Amerikaz Most Wanted am Ende wirklich bekommen haben.

D’Angelo – Untitled

Um jetzt mal auf meine soulige Sozialisierung zu sprechen zu kommen: D’Angelo. Der für mich größte, noch lebende Soulsänger of the whole world aka of life. „How does it feel“, wer das nicht feelt, feelt gar nichts. Von D’Angelo kann man sich getrost alles kaufen, ohne vorher reinzuhören, von „Brown Sugar“ (1995) bis „Voodoo“, welches 2000 rauskam und bis heute D’Angelos letztes Studioalbum ist. Danach kamen ein paar BestOf-Alben, das letzte Release war das „Live at the Jazz Cafe London„-Ding, welche ich Euch auch nur wärmstens empfehlen kann. Und weil ich für mein Lebens-Mixtape nur einen Song picken kann, ist es „Untitled“, welcher auf „Voodoo“ zu finden ist. Das ist Soul-Musik, das immer noch schönste Genre der Welt.

Marvin Gaye – What’s Going On

Beim Recherchieren bin ich gerade noch einmal durch meine Marvin Gaye-Sammlung gegangen und habe festgestellt, insgesamt 11 Alben von dem Motown-Man zu besitzen, der ein „e“ an das Ende seines eigentlichen Nachnamens setzte, um mit zwei Dingen nicht in Zusammenhang gebracht zu werden: mit der Doppeldeutigkeit des Adjektives „gay“ und mit seinem Vater, einem sehr konservativen Anhänger der Pfingstgemeinde ‚Church of God‘, der seinen eigenen Sohn dann später ja auch erschoss – again: Church kills! Was soll man über Marvin Gaye jetzt in Kürze etwas schreiben, was ihm wirklich gerecht wird?! Fast unmöglich. Die Stimme, seine Attitude, seine Persönlichkeit, der Mann ist das Sinnbild von cool, ich kann nur jedem empfehlen, sich mit diesem Künstler auseinanderzusetzen, es müssen ja nicht gleich 11 Alben sein. Zumindest „What’s Going On“ solltet Ihr draufhaben. Ah, eine kleine Anekdote möchte ich noch bringen: Weil Marvin Gaye einer seiner Ex-Frauen (Anna Gordy) keinen Unterhalt mehr zahlte, zwang ein Gericht ihn, ein weiteres Album aufzunehmen und sämtliche Tantiemen daraus dieser Alten zu überschreiben. Dieses Album nannte er dann „Here, My Dear“ und es beinhaltete so viele private, intime Details, dass Gordy ihn wegen Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte erneut verklagen wollte. Sie nahm dann aber lieber das Geld.

Curtis Mayfield – Freddie’s Dead

Kennt Ihr das Intro dieses Songs? Nuff said. Neben Marvin Gaye mein Lieblings Soul-Künstler, von dem ich ebenfalls 11 Alben besitze. Einer Legende nach starb Curtis Mayfield 1999 an einem Unfall auf der Bühne, angeblich wurde er von einem herunterfallenden Scheinwerfer erfasst. Die Wahrheit ist wesentlich trauriger und unspektakulärer: nach einem langen Leiden verstarb Mayfield an Diabetis in einem Krankenhaus in Roswell/Georgia. Seine Platten versetzen mich immer in eine gute Stimmung, egal wie niedergeschlagen ich mich gerade fühle. Für mich ist Curtis Mayfield das Gesicht der Blaxploitation-Bewegung, es gibt nur eine Sache, die ich bis heute noch nicht final herausgefunden habe: was zur Hölle ist mit Freddie passiert?

Kendrick Lamar – Bitch Don’t Kill My Vibe

Für mich in Kendrick Lamar der Rapper einer neuen Generation, was er für den amerikanischen HipHop getan hat, sucht seinesgleichen und was er sich da gerade für eine Karriere aufbaut, ist ebenfalls mehr als sensationell. Seit Section80 bin ich abhängig von Lamar, ich sammle jeden Fetzen an Mucke, die ich von ihm bekommen kann, mein „Good Kid Maad City“-Ordner beinhaltet mit Bonus-Tracks und Remixes fast 30 Songs, die Stimme, seine Lyrics, Dr. Dres Produktionen – Kendrick Lamar ist NWA, Dre UND Snoop in einer Person und das in der Neuzeit des Rap. Ich war zwischen „Swimming Pools“ und eben dieser Nummer hin- und hergerissen, würde dann aber letztlich diese Nummer auf mein Lebens-Mixtape packen.

Und das waren sie, meine Top 10 Songs. Wie schaut es bei Euch aus?
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[Dieser Beitrag wurde präsentiert von vodafone]

Kommentare

3 Antworten zu “Bucketlist: 10 Songs, die ich auf ein Mixtape packen würde, wenn ich nur noch dieses eine Mixtape hören dürfte”

  1. krizzo sagt:

    ok. es ist hart, aber:

    Michael Jackson: Smooth Criminal ( der wirft eine gottverdammte münze quer durch den Raum in die Jukebox – was will man mehr? )

    Notorious BIG: Juicy ( smoothness pur )

    Kanye West feat. Pusha T: Runaway ( unfassbar gute kombo )

    Eminem: Criminal ( weil man ihm nicht dumme Fragen stellen soll )

    Queen: Bohemian Rhapsody ( hat alles, einfach alles )

    The Darkness: I believe in a thing called love ( wegen der kopfstimme und weil ich dann ein bandana tragen möchte )

    Rage against the Machine: Know your enemy ( zum stühle werfen )

    The Game: Ali Bomaye ( einfach hammer )

    Bon Iver: Holocene ( muss ja auch mal ruhig sein)

    Method Man, B-Real, Coolio, LL Cool J & Busta Rhymes: Hit Em High ( ohne worte )

  2. Okay, die Büchse der Pandora geöffnet… ;-) Kein Eastcoast-Rap, nur Soul-Sex-Chill-Mugge? So hört der Lebemann, wa

  3. Franziska Coenen via Facebook sagt:

    Ich komme mit auf die Insel!

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