Kofi Stone – The Last Flower To Bloom // Der Bürgermeister von Brum

Kofi Stone vergisst sein erstes Mikrofon nie: ein Telemarketing-Headset, das er trug, als seine Familie mit Windows 98 ins Internet ging. Geboren in East London, aufgewachsen in Birmingham, sieht er sich heute als Mayor of Brum. Mit „The Last Flower to Bloom“ legt er sein drittes Album vor. Es führt den Weg fort, den „Nobody Cares Till Everybody Does“ 2019 begonnen hat. Kofi Stone dropt The Last Flower To Bloom, der Spätzünder aus Brum benennt, was ihn bremste.
Der Vorgänger „All the Flowers Have Bloomed“ erklärte den Garten für voll erblüht. Doch nun schaut Stone auf die Pflanze, die zuletzt austrieb. Nach der Abgabe des letzten Albums schrieb er sogar noch einen Nachzügler, denn sein Show-off-Vers landet auf jedem Album ganz am Ende. Das passt zum Thema, weil er selten das Rennen gewinnt und lieber im letzten Moment aufschließt.
Kirchenbank, Fellmäntel und ein Garten voller Samen
Im Titelstück sitzt Stone in der Kirche und wäre lieber im Bett, doch die Schuld sucht er bei den anderen. Er will ihre Fellmäntel, hört, dass Gott Hässliches nicht mag, und spürt die Blicke aus der dritten Reihe. Damals wünschte er sich nur einen Peugeot.
Auf „Gardener Flow“ ist daraus ein Anwesen geworden. Er erinnert sich an eine späte Nacht auf dem Weg die Faraday hinunter, zu jung für George Galloway. Der Pitbull des Nachbarn verschwindet. Seine kleine Schwester, die sich vor dem Hund fürchtete, erzählt, wie froh sie darüber war. Schon in der ersten Strophe nennt Stone den Titel seines Debüts, weil tatsächlich einige hinschauten, bevor alle einstiegen. Jetzt ist er der Gärtner, setzt Samen und wartet geduldig, dass sie aufgehen. Dabei brüstet er sich mit seinem „Madman Flow“, während im Viertel ein Junge diesmal im Gefängnis landet.
Wohlstand als Antwort auf Jahrhunderte
Für die Kinder seiner Kinder will Stone Wohlstand aufbauen, und der Plan reicht weit über sein eigenes Leben hinaus. Das große Haus aus „Where Did We Go Wrong?“ versteht er als Mittelfinger an alle Rassisten, die ihm begegnet sind. Es gleicht auch eine alte Rechnung aus, deren Uhr seit Jahrhunderten tickt, obwohl seine eigene viel später startete.
Auf „Through My Pain“ sampelt er Shira Smalls „My Life’s Alright“. Der Hook geht sofort ins Ohr, obwohl er von Schmerz und Tränen handelt. Es geht auch darum, nicht gegen die Zeit zu kämpfen. Zugleich blickt der Song auf Gewalt gegen Migranten, auf Menschen, die am Boden liegen und um ihr Leben flehen. Als Schwarzer soll man sich zurückhalten, als Brauner darf man bleiben, heißt es sinngemäß. Stone bleibt trotzdem und macht daraus seine bittersten Zeilen. Manche Bars kommen so schnell, dass sie sich kaum entwirren lassen, und gerade deshalb bleiben sie hängen.
Liebe, Verletzung und die Lust aufs Blühen
Schon „Dandelion“ fasst das Album zusammen: Stone fühlt sich wie ein Sieger, dann wie ein Verlierer, am Ende hoffnungslos. In „Ghostflower“ steht sie im Regen vor dem Restaurant, der Tisch ist vergeben, doch der Abend dreht sich. Später verpasst sie sogar mehrere Züge auf seinem Schoß und antwortet am nächsten Morgen nicht. Jaz Karis fragt im Hook, wohin die Liebe verschwand.
Am schwersten wiegt „Arlissa“, ein Storysong über eine Frau, die viel Schmerz trägt, während Maverick Sabre den Hook singt. Stone (Youtube) erzählt darin von sexualisierter Gewalt und widmet ihn am Ende allen Betroffenen. Heiterer geht es mit Mahalia auf „Sicily“ und mit Wiki auf „Dozen Roses“ über Curtis Mayfield zu. In „No Way!“ fragt er: „Mommy, are you listenin’?“ Zwischen den Stücken fragt er, wie sehr wir blühen wollen, und dieses Album liefert dazu seine ehrlichste Antwort.


