Homer – „The Love And The Laughter“: Staubige Soul-Vibes auf Big Crown Records

Wer die Geschichte des modernen Souls verstehen will, kommt an dem Namen Homer Steinweiss nicht vorbei. Doch während er als Mitbegründer der Dap-Kings (Sharon Jones), von El Michels Affair, der Menahan Street Band und The Arcs (Dan Auerbach) das Genre prägte, erschafft er unter seinem Mononym Homer eine völlig eigene Welt. Die neue EP „The Love And The Laughter“ von Homer markiert dabei die konsequente Weiterentwicklung eines Sounds, den er bereits auf dem vielschichtigen Solo-Debütalbum Ensatina etablierte.
Erneut dient das New Yorker Kult-Label Big Crown Records als Heimat für diese klanglichen Experimente. Als gefragtester Retro-Soul-Schlagzeuger der Welt legte er das unerschütterliche Rhythmus-Fundament für absolute Welthits wie Amy Winehouses „Back to Black“, Adeles „21“ oder Silk Sonics „Smokin Out the Window“. Auf seinem neuesten Solowerk zeigt er sich nun einmal mehr als versierter Produzent mit einer ausgeprägten Vorliebe für rohe, analoge Texturen.
Homer x The Love And The Laughter – Harte Backbeats und psychedelische Texturen
Die fünf neuen Stücke auf der EP bilden eine geschlossene Einheit, die sich deutlich von klassischen Genre-Konventionen abhebt. Homer kombiniert seine charakteristischen, staubig-trockenen Drums mit einer atmosphärischen Weite, die fast schon ins Surreale abdriftet. Die Produktion wirkt dabei angenehm reduziert, ohne jedoch an Intensität zu verlieren. Jeder Track atmet diese ganz spezielle Big-Crown-Ästhetik, die gleichzeitig vertraut und doch völlig neuartig klingt. Man merkt sofort, dass hier jemand am Werk ist, der die Technik seit seinen Anfängen mit den Mighty Imperials beherrscht, sich aber bewusst für das rohe Gefühl entscheidet. Die analoge Wärme der Aufnahmen sorgt dafür, dass die Musik trotz ihrer Komplexität eine ungemeine Nähe ausstrahlt.
Stimmliche Akzente und atmosphärische Gastbeiträge
Obwohl Homer klar im Zentrum des Geschehens steht, setzt er punktuell auf stimmliche Unterstützung, um die Dichte der Kompositionen zu erhöhen. Kendra McKinley leiht mehreren Stücken ihre markante Stimme, was die psychedelische Note der EP perfekt unterstreicht. Im Titeltrack „The Love and the Laughter“ verschmelzen Gesang und Rhythmus zu einem hypnotischen Geflecht.
Auch das Stück „The Tall Green“ profitiert von dieser Zusammenarbeit, wobei die Stimme hier eher als zusätzliches Instrument fungiert. Besonders spannend bleibt zudem der Track „New Wellness“, der inhaltlich mit den Absurditäten der Selbstoptimierung spielt. Hier gelingt es Homer, eine fast schon meditative Spannung zu erzeugen, die den Hörer sanft durch die Laufzeit trägt.
Ein Manifest für modernen Vintage-Soul
Homer beweist mit dieser Veröffentlichung ein extrem feines Gespür für stimmige Arrangements und klangliche Nuancen. Mit „Catch A Flame“ integriert er zudem seinen Label-Kollegen Les Imprimés, was der EP eine zusätzliche melancholische Facette verleiht. Den instrumentalen Schlusspunkt setzt „Chrysanthemum“, ein Stück, das die kompositorische Klasse von Homer ohne ein einziges Wort demonstriert.
Hier wird deutlich, dass er keine großen Gesten benötigt, um eine Geschichte zu erzählen. Die EP ist somit kein bloßer Nachschlag, sondern ein eigenständiges Statement eines Künstlers auf seinem kreativen Zenit. Big Crown Records unterstreicht mit diesem Release erneut seine Stellung als wichtigste Anlaufstelle für Soul mit Ecken und Kanten.


